Montag, 11. November 2019

Kapitel 149 - Stricknachten naht

Seit ich mit zum ersten Mal dem englischen Begriff Knitmas (= to knit + Christmas) begegnet bin, lässt mich der Gedanke nicht los. Zum Ende des Jahres, wenn die Tage kürzer werden, richtet sich das gesamte Strickerleben auf eine Sache aus: wen bestricke ich womit?
Es ist ein Phänomen, das ich mit Beginn des neuen Jahres - das bei mir immer schon in den September fällt, der Januar ist lediglich eine kleine Kalenderüberraschung - nicht mehr in der Lage bin, für mich selbst zu stricken.
Im Sommerurlaub kein Problem, da werden ganz egoistisch Tücher und Socken und Handschuhe genadelt. "Für wen strickst du das?" fragen mich meine Damen. "Für mich!" sage ich ganz selbstbewusst, auch auf die Gefahr hin, dass ein sehr enttäuschtes "Ooooh" auf meinen stolzen Ausruf folgt. Mir egal! Wer nicht stricken kann, soll's lernen! Ich bin ja nicht bei der Wohlfahrt. Und außerdem: das ist mein, mein, mein Hobby.
Aber kaum ist September, dreht sich die Sache um. Plötzlich packt mich ein schlechtes Gewissen. Sollte ich wirklich noch ein neues Tuch anschlagen? Bei dem KAL mitmachen? Neue Socken in meiner Größe anfangen?
Weil, die Tage werden bald kürzer und künftige Feste werfen ihre Schatten voraus. Und die Damen wünschen sich ja auch immer was Gestricktes. Und mein kleiner Patensohn sieht so allerliebst in Gestrick aus. Und mein Mitwohner zieht den Pulli, den ich ihm gestrickt habe, wirklich gerne an und hat sich einen zweiten, exakt gleichen gewünscht.
Es hilft nichts. Es werden Anleitungsseiten gewälzt, Zeitschriften gekauft, Garne erwogen und dann geht's los. Die Vorbereitung auf Stricknachten. Im Kopf habe ich längst eine Liste erstellt. Wer kriegt (braucht) was? Und wer wünscht sich was?

Aktuell fertig sind bereits:
ein Oberteil
zwei Paar Socken
ein Cowl in zweifarbigem Patent, immerhin Sockenwolle und fast einen halben Meter lang

Das ist gar nicht so übel, wenn man bedenkt, dass ich ja tagsüber ganz normal arbeite und daher nur ein paar Mußestunden am Abend mit den Nadeln spielen darf.
Die Liste der Strickempfänger ist überdies erst letztes Jahr gesundgeschrumpft worden, als ich eine ganze Tüte mit Gestrick nahezu kommentarlos zurückbekommen habe. Na, wer nicht will, der hat schon, dann trage ich meine Sachen eben selbst.

Aber jetzt dämmert mir langsam, dass es bei mir in der Arbeit natürlich zugeht wie überall. Vor Weihnachten ist der Teufel los und die stressige Zeit beginnt erst. Gleichzeitig warten auf mich noch:
ein Männerpulli
ein Häkeloberteil
zwei Jungsjacken in klein und noch kleiner
ein halber Cowl in zweifarbigem Patent (s.o.)

So wie's aussieht, kann man das wohl gar nicht schaffen. Aber: aufgegeben wird erst am Tag X. Kneifen gilt nicht. Und wenn's ganz schlimm wird, dann nehme ich grüne Erbsen zum Kühlen, so wie mein Knitmas-Guru Squidneyknits!

Donnerstag, 25. April 2019

Kapitel 148 - ich glaube ich bin geheilt ;-)

Also erstmal: vielen, lieben Dank, falls sich hier noch einige Leser auf die Seiten verirren. Die letzten Monate sind mir durch die Finger geschlüpft, irgendwie. Das Leben fand statt und mein kleiner Blog stattdessen gar nicht. :(

Sogar das neue Jahr mit seinen diversen Vorsätzen passierte, nur hier war Pause. Zuerst denkt man ja immer, das ist gleich wieder aufgeholt, dann hat man keine gescheite Idee, dann wird die Pause immer länger, dann ist es plötzlich peinlich und dann immer peinlicher. Naja, die übliche Spirale halt. Ich kann nur ehrlich um Verständnis bitten. Sorry, liebe Leser!

Aber - heute soll es so weit sein!

An den Strickinspirationen kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn hiervon gibt es mehr als genug. Außerdem habe ich ja schon von diversen Podcasts hier gesprochen, die es mir angetan haben. Tja und eine Strickerin hatte einen echten Effekt für mich, nämlich Katie vom Greenbean Podcast. Sie hat im letzten Jahr davon gesprochen, dass sie einen Plan für das nächste Jahr hat, nämlich: monogames Stricken. Das bedeutet, dass man jeweils nur ein (oder im Notfall zwei) Projekte auf den Nadeln hat, weil man sonst von den vielen Projekte zu gestresst ist und dadurch wieder zu wenig Entspannung vom eigenen Hobby hat. Was man ja eigentlich haben sollte.

Das isses, habe ich mir gedacht! Mein großer Vorsatz für das neue Strickjahr war also - einfach ein angefangenes Projekt nach dem anderen fertig nadeln und dann in Ruhe überlegen, wie man weiter machen will. Ich habe mir also alle meine angefangenen Projekte mit der dazugehörigen Anleitung und den Nadeln in Taschen gepackt und hinter meinem Schreibtisch aufgereiht. In und auf den Strickkorb gestapelt, wenn man so will. Und habe ich mich drangemacht. Eins nach dem anderen, ganz zielgerichtet und ohne zu zögern. Stichwort Garndisziplin.

Und mit jedem fertigen Projekt, vor allem mit denjenigen, die schon ewig im unfertigen Zustand waren, habe ich mehr Energie und mehr Motivation bekommen. Hmmm, dachte ich, vielleicht ist an dieser monogamen Idee doch was dran? Zu allererst hatte ich ja im Fruity Knitting Podcast davon gehört. Hier allerdings nicht unter diesem Titel erwähnt, sondern eher als Eigenart von Andrea, die gar keinen Garnvorrat hat, so wie eigentlich die meisten Stricker. Das habe ich ja nun so gar nicht verstanden und damit diese Idee auch wieder verworfen. Offensichtlich war ich (damals) noch nicht so weit.

Im Zuge meiner Strick-Ziel-Ausrichtung habe ich also seit Januar diesen Jahres eine Häkeldecke, eine ewig langdauernde Jacke, einen Pulli, diverse Socken und eine Häkeltasche beendet. Darunter ist sogar die Paulie-Jacke, die mit der unglücklichen 2,5mm Nadel dazu geführt hat, dass ich das Stricken einstweilen aus Schmerzgründen unterbrechen musste. Jetzt habe ich aber dennoch (vorsichtig) weitergemacht damit und kaum sind zwei Jahre rum ist die Jacke fertig. Fertig!!! Ich fasse es immer noch nicht.

Diese Jacke wurde mittlerweile von einer meiner Damen gemopst, und zwar guten Gewissens, denn
a) mit 2,5mm gestrickt, führte das Ganze zu einer solch festen Maschenprobe und damit Passform, die bei mir eher nach Rügenwalder Teewurst und weniger nach lockerem Cardigan aussieht und
b) kaum sind zwei Jahre rum, wie bereits erwähnt, sind meine Mädels so gewachsen, dass sie gut hineinpassen.

Also, wenn man mal die Muttergefühle und weniger die Strickgefühle Oberhand behalten lässt, dann ist es doch eine Win-Win-Situation.

Halten wir das Positive fest - das Fertigmachen funktioniert, ich habe alle "ewigen" Projekte beendet und durfte zur Belohnung gleich einen neuen Pulli anschlagen. Ja! Ich und Pulloverstricken - unglaublich aber wahr.

Sazerac Pullover von Anniken Allis


Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Motivation anhält.

Na gut, ein wenig habe ich auch geschummelt, weil mir beim Durchwühlen meiner Garnkisten ein paar Projekte in die Hände gefallen sind, die ich schon wieder vergessen hatte und die dadurch gar nicht auf Ravelry waren. Also habe ich meine Regel umfunktioniert: es gilt nur das als Projekt, was als Projekt auf Ravelry ist. Einfach, aber wirksam.

Und dort habe ich jetzt tatsächlich insgesamt nur noch ein einziges (in Zahlen: 1) unfertiges Projekt. Ich bin ganz erschlagen von meiner eigenen Durchhaltekraft.

Sollte mich jetzt tatsächlich das Fieber packen und ich etwas Neues anfangen wollen, habe ich dafür eine perfekte Verwendung gefunden: die Maschenprobe! Ich darf mit neuen Nadeln und neuer Wolle spielen, aber es gilt (noch) nicht als neues Projekt. Endlich habe ich verstanden, wozu die Maschenprobe da ist! Die ideale Lösung!

Die nächsten Pläne für meine Strickzukunft sind natürlich eine zügige Abarbeitung der Tapetenrolle, sind ja kaum 82 Ideen, aber ich bin mal nur vorsichtig optimistisch.

Diese Erkenntnis kommt übrigens gar nicht so überraschend, denn was sagt Katie in ihrer letzten (oben erwähnten) Podcast-Folge? Sie hat zwei neue Projekte angeschlagen, weil für sie das monogame Stricken nicht funktioniert. Selten so gelacht ;-)


Donnerstag, 20. September 2018

Kapitel 147 - und, wird's wieder?

Also, die Hand hat sich so einigermaßen wieder erholt. Es wird also, es wird. Ein Zwicken im Handgelenk gibt es bisweilen noch, aber ich habe fleißig meine Projekte gewechselt und etwas gemütlicher vor mich hingewerkelt.

Wenn man nicht mehr so richtig stricken kann, dann fällt überhaupt auch erst auf, wie viel man davon nötig hat, damit sich die richtige Seelenbalance einstellt.

Gleichzeitig befinde ich mich in einer äußerst ungewöhnlichen Phase, nämlich der "Ich will alle Projekte, die jetzt auf der Nadel sind oder in irgendeiner Tüte vor sich hin schmoren, möglichst gleichzeitig und sofort beenden." Was für ein glücklicher Umstand! Das ist ja nun nicht so gewöhnlich und ändert sich leider auch häufig sehr schnell wieder - aber - noch versuche ich es möglichst auszunützen.

Ich habe meine aktuelle Häkeldecke herausgekramt und ausgerechnet, wie viele Reihen ich denn eigentlich noch brauche, damit sie fertig wird.


Ergebnis: Ein Farbrapport sind 18 Farben, und ich brauche noch etwas mehr als eineinhalb, also nur noch 28 Reihen im Moment. Die Decke wird!

Ich wollte sie schon früher beenden, aber meine anwesenden Häkelberater meinten, sie wäre dann noch nicht lang genug und dieses Risiko können wir ja nun nicht eingehen!

Ich muss sagen, ich freue mich sehr darauf, wenn die Decke fertig ist. Dieses Jahr kam meine andere große Häkeldecke wieder mit in den Urlaub und dort hat sie wahrlich gute Dienste geleistet. Als Picknickdecke, als Kuscheldecke auf der kalten Fährüberfahrt frühmorgens, als Kinderberuhigungsdecke im Auto.

Das einzige Problem war, dass sie ein wenig zu dünn ausgefallen ist - ein Problem der Garnauswahl (Poco von Junghans, nicht zu empfehlen) und der Maschenstärke (Stäbchen - zu locker gehäkelt).

Das hoffe ich jetzt mit dem neuen Muster zu beheben - hier sind es nur feste Maschen und ein festeres Garn (Stylecraft Special DK). Dadurch dauert es natürlich länger, aber oh - wie wird die Decke mollig! Auch das haben meine Häkelberater schon getestet, denn für kleine Leute ist sie schon groß genug.

Mollig wurde dann auch der Rest der Urlaubsstrickerei, denn ich habe mir vorgenommen, für den Winter und die ewige Handschuhverliereritis in diesem Haushalt vorzusorgen.

Es folgen vier Handschuhversionen:


Das sind die Rasante Handschuhe von Steffi Hochfellner. Eine super Anleitung, die man einmal einfach nachstricken muss, bis man sie kapiert hat. Dann aber macht sie süchtig. Wie man sieht, müssen Handschuhe auch nicht immer völlig identisch sein. Sehr praktisch auch für Reste!


Noch ein Paar von Steffi Hochfellner - sie heißen Maik. Leider noch nicht auf Ravelry erhältlich, daher hier der Link auf die deutsche Seite. Die Handschuhe sind Teil eines Sets. Sie sind interessant zu stricken, aber etwas langwierig. Mit der Passform bin ich mittel zufrieden. Der Daumen ist ein bisschen eng bzw. sitzt an einer komischen Stelle.


Schließlich klassische Hahnenfuss-Handschuhe. Wie man sieht, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, die Handschuhe zu spannen. So, wie ich meine Handschuhträger kenne, werden sie schon im ersten Einsatz nass werden und dann hat sich das erledigt. Die Anleitung heißt Houndstooth.
Das Stricken geht flott von der Hand, der Daumen ist arg eng geraten. Da wären ein paar Maschen mehr nicht verkehrt gewesen, obwohl ich verstehe, dass das Muster dann womöglich hopps geht.


Schließlich meine Feuertaufe für die norwegischen Fausthandschuhe, die allenthalben die Weiten des Internets bevölkern. Die Anleitung war gut verständlich, die Handschuhe passen perfekt. So perfekt sogar, dass meiner werter Mitbewohner schon seine Ansprüche geltend gemacht hat. Wir werden sehen, ob für ihn ein Paar übrig bleibt, das kommt ganz auf die radelnden Damen an.
Anleitung: Snowflakes.

Damit bin ich wieder bei meiner Decke gelandet, die auf jeden Fall dieses Jahr fertig wird!

Aber: mit großer Freude kann ich berichten, dass hier von kleinen Händen eine Decke gehäkelt wird, die als Weihnachtsgeschenk weitergegeben werden soll. Wir haben zu diesem Zweck ein kleines Häkelkränzchen eingerichtet - die Mädels und ich und ein Hörbuch. Jetzt kann es wirklich kalt und duster werden - würde mich mitnichten stören.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Kapitel 146 - in dem es mich erwischt hat

Verehrte und verärgerte Leser dieser heimlichen Ergüsse. So lange Funkstille und Schweigen im Walde! Dafür gibt es Gründe, und zwar genau zwei Stück.

1. das Kaninchenloch

Ich bin - frei nach Alice - in ein Podcast-Kaninchenloch gefallen und zwar voll karacho. Das bedeutet, ich habe begonnen, mir auf Youtube Strick-podcasts anzusehen. Nicht einen oder zwei, sondern eine ganze Menge. Außerdem musste ich mich dann durch Empfehlungen durchklicken und andere Podcasts ausprobieren und wieder verwerfen. Eine richtige Aufgabe!

Dann habe ich natürlich interessante Kandidaten gefunden, bei denen ich mich auf den neuesten Stand bringen musste. Das so genannte Binge-Watching - das Dauerglotzen - hat also auch vor mir nicht Halt gemacht.

Aber jetzt ist es mal wieder gut. Grund dafür ist der zweite Grund der Stille, aber dazu gleich später.

Hier also erst einmal meine ganz persönliche und selbst ausgewählte podcast-Liste. Reinklicken lohnt sich. Also, meiner Meinung nach jedenfalls. Fußnote: Alle Podcasts sind auf Englisch, leider. Aber so viel Witziges ist mir auf Deutsch noch nicht untergekommen.

a) Yarn Hoarder
Was für eine Gute-Laune-Bombe! Wenn ich Amber dabei zusehe, wie sie über sich selbst lacht, weil sie ein Projekt nach dem anderen anschlägt oder wie sie sich über ihren persönlichen Woll-Laden (= ihre Wand voller Garn) lustig macht, dann geht es mir gleich besser!

b) Espace Tricot
Die Damen aus Montréal sind unschlagbar, was Stil und Klasse angeht. So schick! Zwar sehr häufig in neutralen Farben, grau-grau-grau, aber trotzdem so elegant. Sie stellen eine ganze Reihe von wirklich interessanten Designs vor, die man selbst in der Fülle von Ravelry vielleicht gar nicht gefunden hätte und stricken sie in Farben, die man verstehen kann (Stichwort: Stephen West Designs).
Außerdem macht es Spaß zuzusehen, wie gut sie sich verstehen. Ein Hoch auf die Freundschaft.

c) Dunkelgrun
Eine ganz wunderbare, unaufgeregte Erscheinung ist Anna aus Österreich (aber gesendet aus Zürich). Außerdem hat sie es als Chemikerin wirklich drauf und erklärt eine ganze Reihe von spannenden Sachen zum Thema superwash-ausgerüstete Garne sowie Neonfarben im Garn. Ein toller Podcast.

d) Green Bean
Katie hat ein eigenes Podcast-Format gefunden, das mir sehr gut gefällt. Sie stellt ihre Projekte vor, plaudert ein bisschen und geht dazwischen mit ihrem Hund im schönen Devon spazieren. Das ist sehr entspannend!

e) Fruity Knitting
Also, ich gebe zu, die beiden waren ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber: sie nehmen ihre Sache sehr ernst und produzieren wirklich eine immer sehenswerte Sendung mit tollen Interviews. So habe ich schon ganz wertvolle Einsichten in die verschiedensten Bereiche des Strickens bekommen.

Damit bin ich vollauf beschäftigt. Außerdem, ich gebe es zu, all diese großartigen Podcasts lassen einen ein wenig zweifeln, ob dazwischen noch ein sehr sporadischer eher plauder-orientierter Blog hineinpasst und seine Leser findet. Wo doch Blogs überhaupt, wie wir alle wissen, sowas von gestern sind ;-)

Naja, soviel also zum Kaninchenloch.

Womit wir beim zweiten Grund wären, der deutlich schmerzhafter ist.

2. die Strickpause

Mein Stricken stagniert. Pausiert. Ist auf die Seite gelegt. Und zwar nicht, weil ich nicht will, sondern weil ich nicht kann.

Mein Handgelenk schmerzt!

Das liegt vor allem daran, und das weiß ich genau, dass ich wenigstens einmal in meinem Strickerleben Durchhaltevermögen beweisen wollte und meine Paulie-Strickjacke endlich fertigmachen wollte.

Merke: stundenlanges Stricken mit Sockenwollstärke und 2,5mm Nadeln ist nicht gut für die Handgelenke.

Ironischerweise hat sich dieses Durchhaltevermögen auch nur deshalb eingestellt, weil mich diese vielen Podcasts angespornt haben, auch mal monogam bei einem Projekt zu bleiben und nicht immer wieder dazwischen etwas anderes anzufangen.

Tja, hätte ich mal.

Mittlerweile bin ich nämlich überzeugt davon, dass dieser unbewusste Drang, doch schnell etwas anderes anzuschlagen, damit zusammenhängt, dass meine Hände eine Pause brauchen. Andere Wollstärke, andere Nadeln, einfach ein bisschen Abwechslung.

Die alte Maschine ist eben doch schlauer, als man ihr so gemeinhin zutraut!

Jedenfalls - das habe ich jetzt davon.

Ich habe mir eine Stulpe drübergestülpt und pausiere. Nach ca. drei Tagen fühlt es sich besser an, ich versuche es wieder - regelrechte Blitze zischen mir durch's Handgelenk. Daher gebe ich jetzt mal vier Wochen Ruhe und versuche es mit Quarkwickeln.

Denn im Sommer geht es in den Urlaub und eine lange Autofahrt ohne Strickzeug? Das geht ja gar nicht.

Dabei hatte ich nie Probleme vorher und habe immer bei solcherlei Nachrichten gedacht: "Die Armen!" direkt gefolgt von: "GottseiDank ist das bei mir nicht so." Jetzt stehe ich also auf der anderen Seite und muss sagen - die Aussicht gefällt mir gar nicht!

Hoffentlich wird's wieder!

P.S.: Quark- und Wirsingwickel entnehme ich übrigens deutschen Stricktipp-Seiten. Die englischen Pendants empfehlen gleich starke Schmerzmittel und brutale Dehnübungen. Dann doch lieber etwas konservativer und geruhsamer, oder?






Montag, 2. April 2018

Kapitel 145 - Socken - nicht schon wieder ;-)

Es ist wie es ist. Die Socken lassen mich einfach nicht los. Ich bin damit ein ganz langweiliger Strickhansel geworden, aber es ist nichts zu machen.

Aber die Welt der podcasts ist Schuld. Diese haben sich für mich zu einem Kaninchenloch erster Güte entwickelt, in dem ich genau wie Alice im Wunderland lange und vor allem vollständig verschwinde. 

Aber der Reihe nach. Also, nachdem ich zuerst auf Youtube 'nur' nach Anleitungsvideos geguckt haben, und zwar immer nur dann, wenn ich ein solches nötig hatte, hat sich meine Seitenrand-Vorschlagsleiste dahingehend verändert, sodass ich plötzlich auch diverse andere Angebote bekommen haben. Tja, Big Data funktioniert eben auch in der Strickwelt.

Das erste Video war folgerichtig aus dem überpräsenten Superkanal Kristy Glass Knits, der allerdings mit wirklich viel Energie und tollen Ideen sehr viel macht für die internationale Strickgemeinde. 

Mein vollster Respekt für den Einsatz und die viele Arbeit. Ich sehe mir nur sporadisch ihre Sachen an, kann aber vor allem die Interviews empfehlen, z.B. mit dem knitting monk.

Jedenfalls, mein Einstieg in das Kaninchenloch waren die sehr amüsanten Videos zum FiberFestival in New York: "Tell me about your Rhinebeck Sweater" - Teil 1 und Teil 2: so viel Energie, so viel Spaß und auch so viele tolle Designs, die man da sehen kann. Ganz so, als wäre man dabei gewesen.

Dann greift natürlich wieder die Vorschlagsleiste und eine ganze Reihe weiterer Videos poppen auf. Ich bleibe kleben bei Amber vom Yarn Hoarder podcast - einer sehr witzigen Strickerin aus Illinois, die ein so ansteckendes Lachen hat, dass man allein beim Zusehen schon gute Laune bekommt.

Tja, und da kommen nun die Socken ins Spiel. Amber strickt massenweise Socken - sie kauft sich später sogar eine der wundersamen Sockenmaschinen, die z.B. hier ganz unterhaltsam vorgeführt wird. Und als ich diese Socken dann sehe - mit unterschiedlichen Bündchen, Fersen und Spitzen - da ist es um mich geschehen und auch ich muss meine Sockenstricknadeln wieder rausklauben.

Sogar die empfohlene Fersenanleitung kaufe ich mir: Fish Lips Kiss Heel. Dies allerdings, obwohl die Kommentare sehr durchwachsen sind. Und ja, ich gebe zu, die Anleitung ist sehr lang und ausführlich und ich habe auch völlig darauf verzichtet, mir irgendeine Pappschablone für meine Füße anzufertigen. Aber: die erfundenen neuen Maschen für diese Art der Ferse mit verkürzten Reihen sind sehr clever und machen viel Spaß. Mir passt eine solche Ferse außerdem sehr gut, weil sie ein bisschen knapper anliegt als die übliche Käppchenferse, die ich sonst gerne stricke. Außerdem finde ich das Ergebnis dieser Ferse auch hübscher als die Fersen mit den langgezogenen 'deutschen' Maschen.

Bei der deutschen Version dieser Ferse - Bumerang- oder sonstwie genannte - fand ich immer die zwei Runden "über alle vier Nadeln" ein wenig ärgerlich, da konnte man so keine hübsche und eindeutige andersfarbige Ferse einstricken. Aber hier geht's! Hurra!

Überdies habe ich ausprobiert, dass ich jetzt mit 50g einer beliebigen Farbe ein ganzes Paar in meiner Größe (= EU40) hinbekomme, wenn ich eine Kontrastfarbe einsetze. Das aber ist aus zwei gewichtigen Gründen wirklich großartig:

a) ich habe eine ganze Masse von einzelnen 50g Knäuel - entweder ererbt oder übrig geblieben oder spontan schwach geworden und

b) für Bündchen, Ferse und Spitze kann ich meine ganzen kleinen Restchen aufbrauchen und damit hoffentlich wieder in der sträflich vernachlässigten RestEnd-Gruppe glänzen ;-) OK, Letzteres ist natürlich ein echter Grund, aber Ihr versteht, was ich meine.

Und jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar Beispiel meiner Bemühungen. Daher schließe ich für heute mit einer ganzen Reihe von Noch-ner-Socke-Bildern:





Diese Socken sind allesamt auf einer Mini-Rundstricknadel entstanden. Ich habe mir - ebenfalls auf Podcast-Empfehlung - sowohl das addi Sockenwunder sowie eine Chiagoo 9' Nadel angeschafft - und nach einigem Fluchen und Verkrampfen der Hände auch das Stricken mit beiden hinbekommen.

Und was soll ich sagen? Ich liebe es! Und zwar aus einem Grund, der mir erst später klar geworden ist. Bei den Mini-Rundstricknadeln ist zwar jegliches Musterstricken unmöglich, weil sogar linke Maschen zu kompliziert sind (Bündchen, Ferse und Spitze werden mit magic loop und größerer Nadel gestrickt), aber: das viele glatt rechts macht mir gar nichts mehr aus, sondern geht einfach flott von der Hand.
Das Ergebnis spricht doch für sich, oder? 

Sonntag, 28. Januar 2018

Kapitel 144 - in dem ich merke, was ein Knitting Jag ist

Also, die Definition ist ja ganz einfach. Ein Knitting Jag ist eine Anleitung, die aus irgendeinem Grund bei einem selbst so einschlägt, dass man gar nicht anders kann, als SOFORT nach Beendigung eines Projekts genau dasselbe noch einmal zu stricken. Bzw. zu Häkeln.

Einfach ein Suchtmodell.

Das habe ich ja nun mehrfach schon gesehen bei Ravelry - eine ganze Reihe Nuvems z.B. oder die Billionen von Hitchhikern, die schon direkt hintereinander gestrickt worden sind. Martina Behms Modelle scheinen ja überhaupt solche Knitting Jags auszulösen.

Bei mir hat sich das Ganze eigentlich in Grenzen gehalten, weil ich ja sowieso meistens zwei Sachen von derselben Art stricken durfte - das ist schon mal die ganz grundsätzliche Tätigkeitsbeschreibung einer Zwillingsmama. Da war ich gar nicht in der Verlegenheit, mich durch mehrere - viele - Stricksachen hindurchmühen zu wollen, weil ich das ja sowieso schon hatte.


Tja, aber was ist das hier? Es ist - eine wahre Armada von kleinen, gehäkelten Babyschuhen.

Und zwar mit Reliefstäbchen. Diese Reliefstäbchen - viel komplizierter auf Englisch als front and back post half treble crochet bezeichnet waren ja nur die ursprüngliche Motivation, das einmal zu versuchen. Hatte ich noch nie versucht, sollte also irgendwie ein neuer Pfeil in meinem Strick- und/Häkelköcher werden.

Aber dann das? Ich weiß gar nicht, was mit mir los war. Aber das war plötzlich so ansteckend und ich wollte un-be-dingt sehen, wie das Ganze in anderen Farben aussieht. Ich war angefixt.

Selber bin ich gar nicht schwanger, auch in meiner näheren Umgebung - von ein paar entfernten Kolleginnen abgesehen - ist keiner schwanger. Woher kommt das? Soll ich mir Sorgen machen? Ich glaube nicht. Stattdessen habe ich mich einfach amüsiert beobachtet und zugesehen, wie die Menge an kleinen Schuhen immer weiter gewachsen ist.

Dann bin ich in den örtlichen Bastelladen geradelt, um Perlen zu kaufen, die ich ans Ende der Schuhbänder knüpfen kann. Auch dies mehrmals, damit ich auch wirklich alle möglichen Farben zu Hause habe, falls mich das Bedürfnis nach neuen Farben überrumpeln sollte.

Gehäkelt sind die kleinen Schuhe in einfachem Acrylgarn - meist Stylecraft Special DK, manche auch in Rico Baby Classic DK - beide lassen sich ganz wunderbar zu solchen Schühchen verhäkeln.

Und dann - war's vorbei. Ganz so plötzlich wie es angefangen hat. Die Schuhe wurden eingetütelt und in die Babybox gelegt, denn wenn auch im Moment niemand schwanger ist, dem ich ein paar solcher Schühchen verehren kann, so bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht so bleibt. Und warme kleine Schuhe, die nicht runtergestrampelt werden können sind als Geschenk wirklich was wert.

Ich habe mich als geheilt betrachtet, bis ich ganz zufällig in den Münchener Wolle Rödel-Laden im Tal gestolpert bin. Vordergründig natürlich, um meiner kleinen Häkeldame im Hause eine neue Farbe für ihre SELBST-gehäkelte Granny-Square-Decke zu verehren. Motivation usw. Das kennt man ja schon und bei 10-jährigen muss man einfach dranbleiben, damit aus ihnen wirklich Fadenverrückte werden und sie nicht in der "Mama, kannst du mir mal XYZ stricken"-Phase stecken bleiben.

Tja, aber was hat der brave Wolle Rödel gemacht? Er hat sein Rico Baby Classic ausgelegt, und zwar in Glitzerfarben!!! Gah! Es war nichts zu machen. Drei herrliche, babyhafte, glitzrige Glitzerfarben. Ich war machtlos.

Und gerade habe ich gesehen, dass es online sogar fünf Glitzerfarben statt der drei im Laden gibt. Wie können sie nur!

Ich habe mich für mint entschieden und es sind ganz wunderbare glitzrige hellgrüne Babyschuhe geworden. Haaaach, herrlich.

Dabei hat sich aber zum Glück herausgestellt, dass es sich nur um das eine Paar gehandelt hat. Zum Glück.

Vor ein paar Jahren war ich mit dem Baby Surprise Jacket ja schon einmal in einer ähnlichen Situation. Aber auch das hat sich gelegt. Ich bin also voller Hoffnung auf eine Heilung.

Und meine übrige Rico Classic DK Wolle kann ich ohne Probleme in dazugehörige Babyjacken verwandeln.

Wenn ich mir so zuhöre, dann kann ich glauben, dass in den diversen sozialen Strickstuben, die es hierzulande so gibt, durchaus Strickerinnen zu finden sind, die wirklich nur immer wieder Sockenpaare stricken - und zwar auf die immer gleiche Art - und nicht auch einmal etwas anderes versuchen wollen.

Vielleicht sind sie einfach von ihrem eigenen Knitting Jag nie heruntergekommen? ;-)



P.S.: Die Anleitung ist aus einem ganz wunderbaren Youtube-Video von wollholic Claudia. Man lese sich übrigens auch die Kommentare durch - ich bin nicht die Einzige!










Sonntag, 9. Juli 2017

Kapitel 143 - ich habe die Testeritis

Trotz all meiner eigenen anderslautenden Vorstellungen über mein Leben all meine bisherigen Lebensjahre hinweg, bin ich halt doch nichts Besonderes und eigentlich ganz genau so wie viele meiner Mitmenschen. Ich mag Jazzmusik und Pizza und Downton Abbey, ganz genau so wie zig andere Leute.

Damit ist aber auch klar, dass ich auch für Werbung anfällig bin. Das weiß ich selbst, aber ich bin's halt trotzdem.

Wenn ich beispielsweise an einem schönen Nachmittag im Frühling oder im Sommer oder im Herbst über die schöne Auer Dult spaziere (also ich spaziere nur einmal, aber sie findet dreimal im Jahr statt), dann könnte es durchaus sein, dass in der Fieranten-Straße etwas 'hängenbleibt' wie es so schön heißt. Einfach weil die dazugehörige Show so überzeugend ist. Zum Beispiel ein praktischer Börner-Hobel - aber das nur nebenbei.

Worauf ich natürlich hinauswill, ist, dass ich eben auch dann, wenn ich auf einer ganzen Reihe von Magazinseiten auf deutsch und auf englisch auf völlig brandneue und besondere Stricknadeln hingewiesen werde, inklusive einem irren Produktvideo, tja, dann zeigt das eben doch seine Wirkung. Ich will die Dinger ausprobieren.

Diverse Testvideos gibt es auf englisch und auf finnisch und sogar eins auf deutsch bereits, aber sonst habe ich nicht viel gefunden (Lösung: es gibt noch gar nicht alle Nadeln, die Rundstricknadeln lassen noch ein wenig auf sich warten). Es gibt natürlich hymnische Messe-eindrücke, aber dort ist das Adrenalin ja sowieso immer hoch.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habse:



Wie gesagt, die Rundstricknadeln waren noch nicht erhältlich - die hätten mich im Moment noch mehr interessiert, weil ich gerade ein furchtbar spalt-bereites Garn verstricke, das sehr viel Konzentration erfordert. Da hätten mich diese Knubbel und die Spaltvermeidung dadurch (siehe Video) schon interessiert.

Statt einer größeren Stärke habe ich also zu einem Sockenspiel gegriffen. Das geht ja immer.


Dann ging's ans Testen. Ich hab ein ganzes Paar Socken auf den Dingern gestrickt, damit ich auch wirklich einen richtigen Testlauf habe. Mit Umschlägen und zusammenstricken, etc.:


Mein Fazit lautet also folgendermaßen:

Erstens:
Die Nadeln stricken sich gut, sie sind aber sehr, sehr leicht. Das ist sicherlich ein Vorteil, wenn man größere Nadelstärken benötigt und das Garn z.B. auch schon sehr schwer ist. Dann hat man daran sicherlich mehr Freude als an schweren Metallnadeln - obwohl das heutzutage natürlich auch nicht mehr ein so großes Problem ist.
Für Socken waren sie mir tatsächlich einfach zu leicht. Zu wenig in der Hand sozusagen.

Zweitens:
Bei einer so geringen Nadelstärke wie 3,0mm ist der Unterschied zwischen Knubbelnadeln wie diesen hier und solchen mit deutlicheren Spitzen (wie alle anderen) nicht so deutlich, wie ich mir das gewünscht hätte. Es gelingt durchaus auch, mit solchen Knubbelnadeln ein Garn zu spalten, und das ist natürlich ärgerlich.

Drittens:
Für einen festen Stricker wie mich sind die Nadeln eigentlich kaum geeignet, denn sie sind einfach zu leicht und zu biegsam. Mein Ergebnis nach einem Paar Socken sieht so aus - zur größeren Verdeutlichung vergrößert.



Viertens - und ganz allein meine Schuld:
Das Weiß der Nadeln nimmt Farbe auf. Ich hatte rote Tinte an den Händen, habe für eine kurze Erholungsstrickrunde zu meinen Nadeln gegriffen und siehe da (im Foto rechts zu sehen), die Tinte färbt ab.
Das ist ärgerlich, denn die Nadeln sind ja nun auch nicht geschenkt, sondern kosten ihr Geld. Und aus dem Weiß geht die Farbe auch nicht mehr wieder raus.

Mein Fazit:

Bei dünnen Nadeln und festem Gestricke: Finger weg.
Bei dickerem und schwerem Garn: durchaus eine Alternative.

Alles andere ist nämlich so wie es die Produktinformationen versprechen: die Nadeln gleiten wirklich flott über den dreieckigen Teil. Auch die Nadelstärke, die fest aufgedruckt ist, klingt überzeugend. Obgleich (siehe Bild) auch das bei meinen Nadeln nicht der Fall gewesen ist. Warum, weiß ich gar nicht. Vielleicht war das mein Problem als early adopter ;-)