Montag, 2. April 2018

Kapitel 145 - Socken - nicht schon wieder ;-)

Es ist wie es ist. Die Socken lassen mich einfach nicht los. Ich bin damit ein ganz langweiliger Strickhansel geworden, aber es ist nichts zu machen.

Aber die Welt der podcasts ist Schuld. Diese haben sich für mich zu einem Kaninchenloch erster Güte entwickelt, in dem ich genau wie Alice im Wunderland lange und vor allem vollständig verschwinde. 

Aber der Reihe nach. Also, nachdem ich zuerst auf Youtube 'nur' nach Anleitungsvideos geguckt haben, und zwar immer nur dann, wenn ich ein solches nötig hatte, hat sich meine Seitenrand-Vorschlagsleiste dahingehend verändert, sodass ich plötzlich auch diverse andere Angebote bekommen haben. Tja, Big Data funktioniert eben auch in der Strickwelt.

Das erste Video war folgerichtig aus dem überpräsenten Superkanal Kristy Glass Knits, der allerdings mit wirklich viel Energie und tollen Ideen sehr viel macht für die internationale Strickgemeinde. 

Mein vollster Respekt für den Einsatz und die viele Arbeit. Ich sehe mir nur sporadisch ihre Sachen an, kann aber vor allem die Interviews empfehlen, z.B. mit dem knitting monk.

Jedenfalls, mein Einstieg in das Kaninchenloch waren die sehr amüsanten Videos zum FiberFestival in New York: "Tell me about your Rhinebeck Sweater" - Teil 1 und Teil 2: so viel Energie, so viel Spaß und auch so viele tolle Designs, die man da sehen kann. Ganz so, als wäre man dabei gewesen.

Dann greift natürlich wieder die Vorschlagsleiste und eine ganze Reihe weiterer Videos poppen auf. Ich bleibe kleben bei Amber vom Yarn Hoarder podcast - einer sehr witzigen Strickerin aus Illinois, die ein so ansteckendes Lachen hat, dass man allein beim Zusehen schon gute Laune bekommt.

Tja, und da kommen nun die Socken ins Spiel. Amber strickt massenweise Socken - sie kauft sich später sogar eine der wundersamen Sockenmaschinen, die z.B. hier ganz unterhaltsam vorgeführt wird. Und als ich diese Socken dann sehe - mit unterschiedlichen Bündchen, Fersen und Spitzen - da ist es um mich geschehen und auch ich muss meine Sockenstricknadeln wieder rausklauben.

Sogar die empfohlene Fersenanleitung kaufe ich mir: Fish Lips Kiss Heel. Dies allerdings, obwohl die Kommentare sehr durchwachsen sind. Und ja, ich gebe zu, die Anleitung ist sehr lang und ausführlich und ich habe auch völlig darauf verzichtet, mir irgendeine Pappschablone für meine Füße anzufertigen. Aber: die erfundenen neuen Maschen für diese Art der Ferse mit verkürzten Reihen sind sehr clever und machen viel Spaß. Mir passt eine solche Ferse außerdem sehr gut, weil sie ein bisschen knapper anliegt als die übliche Käppchenferse, die ich sonst gerne stricke. Außerdem finde ich das Ergebnis dieser Ferse auch hübscher als die Fersen mit den langgezogenen 'deutschen' Maschen.

Bei der deutschen Version dieser Ferse - Bumerang- oder sonstwie genannte - fand ich immer die zwei Runden "über alle vier Nadeln" ein wenig ärgerlich, da konnte man so keine hübsche und eindeutige andersfarbige Ferse einstricken. Aber hier geht's! Hurra!

Überdies habe ich ausprobiert, dass ich jetzt mit 50g einer beliebigen Farbe ein ganzes Paar in meiner Größe (= EU40) hinbekomme, wenn ich eine Kontrastfarbe einsetze. Das aber ist aus zwei gewichtigen Gründen wirklich großartig:

a) ich habe eine ganze Masse von einzelnen 50g Knäuel - entweder ererbt oder übrig geblieben oder spontan schwach geworden und

b) für Bündchen, Ferse und Spitze kann ich meine ganzen kleinen Restchen aufbrauchen und damit hoffentlich wieder in der sträflich vernachlässigten RestEnd-Gruppe glänzen ;-) OK, Letzteres ist natürlich ein echter Grund, aber Ihr versteht, was ich meine.

Und jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar Beispiel meiner Bemühungen. Daher schließe ich für heute mit einer ganzen Reihe von Noch-ner-Socke-Bildern:





Diese Socken sind allesamt auf einer Mini-Rundstricknadel entstanden. Ich habe mir - ebenfalls auf Podcast-Empfehlung - sowohl das addi Sockenwunder sowie eine Chiagoo 9' Nadel angeschafft - und nach einigem Fluchen und Verkrampfen der Hände auch das Stricken mit beiden hinbekommen.

Und was soll ich sagen? Ich liebe es! Und zwar aus einem Grund, der mir erst später klar geworden ist. Bei den Mini-Rundstricknadeln ist zwar jegliches Musterstricken unmöglich, weil sogar linke Maschen zu kompliziert sind (Bündchen, Ferse und Spitze werden mit magic loop und größerer Nadel gestrickt), aber: das viele glatt rechts macht mir gar nichts mehr aus, sondern geht einfach flott von der Hand.
Das Ergebnis spricht doch für sich, oder? 

Sonntag, 28. Januar 2018

Kapitel 144 - in dem ich merke, was ein Knitting Jag ist

Also, die Definition ist ja ganz einfach. Ein Knitting Jag ist eine Anleitung, die aus irgendeinem Grund bei einem selbst so einschlägt, dass man gar nicht anders kann, als SOFORT nach Beendigung eines Projekts genau dasselbe noch einmal zu stricken. Bzw. zu Häkeln.

Einfach ein Suchtmodell.

Das habe ich ja nun mehrfach schon gesehen bei Ravelry - eine ganze Reihe Nuvems z.B. oder die Billionen von Hitchhikern, die schon direkt hintereinander gestrickt worden sind. Martina Behms Modelle scheinen ja überhaupt solche Knitting Jags auszulösen.

Bei mir hat sich das Ganze eigentlich in Grenzen gehalten, weil ich ja sowieso meistens zwei Sachen von derselben Art stricken durfte - das ist schon mal die ganz grundsätzliche Tätigkeitsbeschreibung einer Zwillingsmama. Da war ich gar nicht in der Verlegenheit, mich durch mehrere - viele - Stricksachen hindurchmühen zu wollen, weil ich das ja sowieso schon hatte.


Tja, aber was ist das hier? Es ist - eine wahre Armada von kleinen, gehäkelten Babyschuhen.

Und zwar mit Reliefstäbchen. Diese Reliefstäbchen - viel komplizierter auf Englisch als front and back post half treble crochet bezeichnet waren ja nur die ursprüngliche Motivation, das einmal zu versuchen. Hatte ich noch nie versucht, sollte also irgendwie ein neuer Pfeil in meinem Strick- und/Häkelköcher werden.

Aber dann das? Ich weiß gar nicht, was mit mir los war. Aber das war plötzlich so ansteckend und ich wollte un-be-dingt sehen, wie das Ganze in anderen Farben aussieht. Ich war angefixt.

Selber bin ich gar nicht schwanger, auch in meiner näheren Umgebung - von ein paar entfernten Kolleginnen abgesehen - ist keiner schwanger. Woher kommt das? Soll ich mir Sorgen machen? Ich glaube nicht. Stattdessen habe ich mich einfach amüsiert beobachtet und zugesehen, wie die Menge an kleinen Schuhen immer weiter gewachsen ist.

Dann bin ich in den örtlichen Bastelladen geradelt, um Perlen zu kaufen, die ich ans Ende der Schuhbänder knüpfen kann. Auch dies mehrmals, damit ich auch wirklich alle möglichen Farben zu Hause habe, falls mich das Bedürfnis nach neuen Farben überrumpeln sollte.

Gehäkelt sind die kleinen Schuhe in einfachem Acrylgarn - meist Stylecraft Special DK, manche auch in Rico Baby Classic DK - beide lassen sich ganz wunderbar zu solchen Schühchen verhäkeln.

Und dann - war's vorbei. Ganz so plötzlich wie es angefangen hat. Die Schuhe wurden eingetütelt und in die Babybox gelegt, denn wenn auch im Moment niemand schwanger ist, dem ich ein paar solcher Schühchen verehren kann, so bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht so bleibt. Und warme kleine Schuhe, die nicht runtergestrampelt werden können sind als Geschenk wirklich was wert.

Ich habe mich als geheilt betrachtet, bis ich ganz zufällig in den Münchener Wolle Rödel-Laden im Tal gestolpert bin. Vordergründig natürlich, um meiner kleinen Häkeldame im Hause eine neue Farbe für ihre SELBST-gehäkelte Granny-Square-Decke zu verehren. Motivation usw. Das kennt man ja schon und bei 10-jährigen muss man einfach dranbleiben, damit aus ihnen wirklich Fadenverrückte werden und sie nicht in der "Mama, kannst du mir mal XYZ stricken"-Phase stecken bleiben.

Tja, aber was hat der brave Wolle Rödel gemacht? Er hat sein Rico Baby Classic ausgelegt, und zwar in Glitzerfarben!!! Gah! Es war nichts zu machen. Drei herrliche, babyhafte, glitzrige Glitzerfarben. Ich war machtlos.

Und gerade habe ich gesehen, dass es online sogar fünf Glitzerfarben statt der drei im Laden gibt. Wie können sie nur!

Ich habe mich für mint entschieden und es sind ganz wunderbare glitzrige hellgrüne Babyschuhe geworden. Haaaach, herrlich.

Dabei hat sich aber zum Glück herausgestellt, dass es sich nur um das eine Paar gehandelt hat. Zum Glück.

Vor ein paar Jahren war ich mit dem Baby Surprise Jacket ja schon einmal in einer ähnlichen Situation. Aber auch das hat sich gelegt. Ich bin also voller Hoffnung auf eine Heilung.

Und meine übrige Rico Classic DK Wolle kann ich ohne Probleme in dazugehörige Babyjacken verwandeln.

Wenn ich mir so zuhöre, dann kann ich glauben, dass in den diversen sozialen Strickstuben, die es hierzulande so gibt, durchaus Strickerinnen zu finden sind, die wirklich nur immer wieder Sockenpaare stricken - und zwar auf die immer gleiche Art - und nicht auch einmal etwas anderes versuchen wollen.

Vielleicht sind sie einfach von ihrem eigenen Knitting Jag nie heruntergekommen? ;-)



P.S.: Die Anleitung ist aus einem ganz wunderbaren Youtube-Video von wollholic Claudia. Man lese sich übrigens auch die Kommentare durch - ich bin nicht die Einzige!










Sonntag, 9. Juli 2017

Kapitel 143 - ich habe die Testeritis

Trotz all meiner eigenen anderslautenden Vorstellungen über mein Leben all meine bisherigen Lebensjahre hinweg, bin ich halt doch nichts Besonderes und eigentlich ganz genau so wie viele meiner Mitmenschen. Ich mag Jazzmusik und Pizza und Downton Abbey, ganz genau so wie zig andere Leute.

Damit ist aber auch klar, dass ich auch für Werbung anfällig bin. Das weiß ich selbst, aber ich bin's halt trotzdem.

Wenn ich beispielsweise an einem schönen Nachmittag im Frühling oder im Sommer oder im Herbst über die schöne Auer Dult spaziere (also ich spaziere nur einmal, aber sie findet dreimal im Jahr statt), dann könnte es durchaus sein, dass in der Fieranten-Straße etwas 'hängenbleibt' wie es so schön heißt. Einfach weil die dazugehörige Show so überzeugend ist. Zum Beispiel ein praktischer Börner-Hobel - aber das nur nebenbei.

Worauf ich natürlich hinauswill, ist, dass ich eben auch dann, wenn ich auf einer ganzen Reihe von Magazinseiten auf deutsch und auf englisch auf völlig brandneue und besondere Stricknadeln hingewiesen werde, inklusive einem irren Produktvideo, tja, dann zeigt das eben doch seine Wirkung. Ich will die Dinger ausprobieren.

Diverse Testvideos gibt es auf englisch und auf finnisch und sogar eins auf deutsch bereits, aber sonst habe ich nicht viel gefunden (Lösung: es gibt noch gar nicht alle Nadeln, die Rundstricknadeln lassen noch ein wenig auf sich warten). Es gibt natürlich hymnische Messe-eindrücke, aber dort ist das Adrenalin ja sowieso immer hoch.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habse:



Wie gesagt, die Rundstricknadeln waren noch nicht erhältlich - die hätten mich im Moment noch mehr interessiert, weil ich gerade ein furchtbar spalt-bereites Garn verstricke, das sehr viel Konzentration erfordert. Da hätten mich diese Knubbel und die Spaltvermeidung dadurch (siehe Video) schon interessiert.

Statt einer größeren Stärke habe ich also zu einem Sockenspiel gegriffen. Das geht ja immer.


Dann ging's ans Testen. Ich hab ein ganzes Paar Socken auf den Dingern gestrickt, damit ich auch wirklich einen richtigen Testlauf habe. Mit Umschlägen und zusammenstricken, etc.:


Mein Fazit lautet also folgendermaßen:

Erstens:
Die Nadeln stricken sich gut, sie sind aber sehr, sehr leicht. Das ist sicherlich ein Vorteil, wenn man größere Nadelstärken benötigt und das Garn z.B. auch schon sehr schwer ist. Dann hat man daran sicherlich mehr Freude als an schweren Metallnadeln - obwohl das heutzutage natürlich auch nicht mehr ein so großes Problem ist.
Für Socken waren sie mir tatsächlich einfach zu leicht. Zu wenig in der Hand sozusagen.

Zweitens:
Bei einer so geringen Nadelstärke wie 3,0mm ist der Unterschied zwischen Knubbelnadeln wie diesen hier und solchen mit deutlicheren Spitzen (wie alle anderen) nicht so deutlich, wie ich mir das gewünscht hätte. Es gelingt durchaus auch, mit solchen Knubbelnadeln ein Garn zu spalten, und das ist natürlich ärgerlich.

Drittens:
Für einen festen Stricker wie mich sind die Nadeln eigentlich kaum geeignet, denn sie sind einfach zu leicht und zu biegsam. Mein Ergebnis nach einem Paar Socken sieht so aus - zur größeren Verdeutlichung vergrößert.



Viertens - und ganz allein meine Schuld:
Das Weiß der Nadeln nimmt Farbe auf. Ich hatte rote Tinte an den Händen, habe für eine kurze Erholungsstrickrunde zu meinen Nadeln gegriffen und siehe da (im Foto rechts zu sehen), die Tinte färbt ab.
Das ist ärgerlich, denn die Nadeln sind ja nun auch nicht geschenkt, sondern kosten ihr Geld. Und aus dem Weiß geht die Farbe auch nicht mehr wieder raus.

Mein Fazit:

Bei dünnen Nadeln und festem Gestricke: Finger weg.
Bei dickerem und schwerem Garn: durchaus eine Alternative.

Alles andere ist nämlich so wie es die Produktinformationen versprechen: die Nadeln gleiten wirklich flott über den dreieckigen Teil. Auch die Nadelstärke, die fest aufgedruckt ist, klingt überzeugend. Obgleich (siehe Bild) auch das bei meinen Nadeln nicht der Fall gewesen ist. Warum, weiß ich gar nicht. Vielleicht war das mein Problem als early adopter ;-)





Samstag, 29. April 2017

Kapitel 142 - die Jacke der Unendlichkeit bzw. eine Auferstehungsgeschichte

Es war einmal eine Strickerin, die nur Socken gestrickt hat. Kaum war ein Paar fertig, hat sie ein neues angeschlagen und das obwohl sie seitenweise schönste Jacken und Pullis in ihrem Herzchenarchiv gesammelt hat. Irgendwie kam ihr doch immer wieder das nächste Paar Socken dazwischen.

Das lag an Unkenntnis, an Angst, an dem Gefühl, der Unumkehrbarkeit wenn man mal eine Jacke versaut hat. All das Garn! Knäuel um Knäuel perdu, wenn's daneben geht. Kurzum, sie hat sich nicht getraut.

Gleichzeitig ist natürlich von Anfang an klar: wer's nicht probiert... Wie soll man denn eine sich nach oben neigende Lernkurve erreichen, wenn man nicht mal anfängt? Der Meister und der Himmel eben.

Viel Zureden später, von eigener und auch von prominenter Stelle (per Email - sehr nett), hat sie sich dann doch in das Abenteuer gestürzt, nur um - natürlich - völlig darin unterzugehen. 

Gewählt war ein Advanced Beginner Projekt, nämlich der Rowena Cardigan. Anleitung war ein Urlaubssouvenir, 





Garn war im Vorrat, 



Nadeln gab es sowieso, d.h. da konnte eigentlich nicht so viel schief gehen. Naja, zumindest finanzielle Verluste würden sich in Grenzen halten.

Also - Zettel hervorgekramt und losgestrickt:



Rückenteil fertig. Vorderteile fertig. Ärmel begonnen:


Ärmel sogar richtig gekennzeichnet:



Jetzt konnte eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Aber was ist dann passiert? Das Übliche.

Andere, dringendere Projekte. Wünsche, Weihnachten, wichtige Aufträge. Tja, und dann geht auch noch die Wolle aus. Es fehlen ca. 2 Knäuel. Die gleiche Partie wird man ja doch nie nie nie wieder finden. Die Jacke landet mit den üblichen Gedanken in der Projekttasche:

"Ich weiß ja ganz genau, wo ich bin. Weitermachen ist gar kein Problem."
"Wenn ich erst die beiden restlichen Knäuel habe, dann geht's gleich wieder weiter."


Klingt alles gut und schön, aber jemand, der sich über Jahre auf Kurzprojekte spezialisiert hatte - Socken, Babysachen, Socken - tut sich gar nicht so leicht mit den langen Reihen eines solchen Projektes, und übrigens auch mit der Aufmerksamkeitsspanne, die einem da abverlangt wird.

Dazu kommen die Rüschen, die ja eigentlich das überzeugende Designelement dargestellt haben. Siehe noch einmal das Bild in groß:


Selbige Rüschen werden an die jeweiligen Jackenteile angestrickt (außer am Ausschnitt). Und dann kommt natürlich das Unvermeidliche: diese angestrickten Rüschen müssen bei Zusammenstellung der Jacke umgelegt und einzeln, Masche für Masche angenäht werden.

Wie war das nochmal mit der Aufmerksamkeitsspanne?

Aber der Reihe nach.

Das Projekt liegt also im Winterschlaf. Genau 18 Monate lang.

Dann wird es endlich doch wieder hervorgekramt. Einfach weil die beiden übrigen Knäuel in der richtigen Farbe gefunden und endlich doch bestellt worden sind. Und weil der richtige Neujahrsvorsatz: Weniger Ufos in diesem Jahr! dazu zwingt - im besten Sinne des Wortes. Auf geht's mit neuem Schwung!

Erstes Problem: die Randmasche. Es hat also offensichtlich doch einen Anstieg der Lernkurve gegeben in der Zwischenzeit, die Randmasche sieht mittlerweile völlig anders aus. Aber wie war nochmal die alte??? Na, das Problem lässt sich lösen.

Zweites Problem: die Partie. Das neue Garn sieht zweifellos etwas dunkler aus. Das ist nun wirklich ärgerlich. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung. Brav war nämlich eine ausführliche Maschenprobe gefertigt worden, in verschiedenen Nadelstärken sogar, d.h. die Maschenprobe hat eine ordentliche Länge. Jetzt aber bald nicht mehr, denn hier wird flugs aufgetrennt und das Garn genügt, um den fehlenden zweiten Ärmel zu beenden.
Die Rüsche am Ausschnitt sowie die Knopflochblenden sind damit in ihrer Andersfarbigkeit einfach ein Designelement. Damit lässt sich leben.

Dann ist endlich alles gestrickt und abgekettet. Jetzt geht's ans Zusammennähen. Nicht nur die Raglannähte, die Ärmel und die Seitennähte, nein, auch noch alle Rüschen. Die neu aufgenommene und gestrickte Ausschnittrüsche sowie alle Rüschen an Ärmel und Jackenrand. Das klingt ganz nach dem Märchen mit dem durchlöcherten Löffel. Zum Verzweifeln und ganz ohne Hoffnung auf eine hilfreiche Zauberfee.

Aber Moment. Etwas kommt zu Hilfe! Eine ausgewachsene monstermäßige Supererkältung.
Dabei stehen zwar nur wenige Stunden am Tag für andere als liegende Tätigkeiten zur Verfügung, aber diese wenigen Stunden sind völlig unbrauchbar für irgendwelche anspruchsvollen Dinge, d.h. sie sind nahezu perfekt für meditative Näharbeiten, bei denen man jede einzelne Masche der Vorderseite mit genau einem Knubbel auf der Rückseite verbinden muss. Da geht es also los, das Schöpfen mit durchlöchertem Löffel.

Gleichzeitig wird immer wieder Katharina Buss'  Mantra aufgesagt: "Erst das richtige Zusammennähen macht aus einzelnen Strickteilen ein gut sitzendes Kleidungsstück."
Ab und an wird auch die Tatsache in Erinnerung gerufen, dass all das Nähen, so lange es auch dauert, insgesamt nie so viel Zeit in Anspruch nimmt, wie das Stricken zuvor. Das Stricken dauert immer länger.

Und schließlich zeigt all dieses Selbst-coaching Wirkung. Die Nähte werden kürzer. Der Faden reißt durch überambitioniertes Zusammennähen nur ein einziges einmal. Das Stück WIRD FERTIG!

Ab in die Schüssel mit herrlichem Olivenöl-Waschmittel und dann auf die Spannmatte:


Bei genauem Hinsehen sieht man die Farbabweichung an der Knopflochleiste, aber ehrlich? Das stört doch keinen großen Geist.

Gazebändchen ist gekauft, ebenso schöne Perlmuttknöpfe. Und die fünf Sticheleien, die kriegt man ja mit links hin.

Aber eins ist klar. Die nächsten fünf großangelegten Kleidungsprojekte sind ohne Nähte. Top-down, bottom-up, egal, Hauptsache am Stück. Eine solche Erkältung brauche ich so bald nicht wieder!





Donnerstag, 20. April 2017

Kapitel 141 - also ganz so düster sehe ich das nicht

Dies ist ein Diät-Post. Passend zum Frühling aber keiner der üblichen Sorte. Ich erlaube mir nämlich, ein paar Worte zu Martina Behms Anti-Diät-Aufruf zu verlieren.

Mit entschiedener Verve vorgetragen und amüsant zu lesen kann ich den Aufruf durchaus nachvollziehen, aber ich muss ihn nicht in voller Gänze teilen.

Also, ich teile natürlich die Grundannahme, dass man nur mit Garn stricken soll, das man auch mag, denn so lang ist das Leben tatsächlich nicht, dass man all die ererbte Kratze-Wolle und die womöglich selbst fehlgekaufte Wolle auch noch in Ruhe verstricken kann, aber: manchmal ist ein bisschen Beschränkung gar nicht so von Übel.

Ich bin jetzt kein Verfechter von grausligen Vielfarbprojekten, nur damit jeder Rest aufgebraucht wird, aber so ein bisschen Inspiration steckt doch in all diesen Ravelry-Gruppen, in denen es um den Wollrest geht (siehe auch RestEnd). Ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier um die ehrenwerte Tatsache geht, eben nicht einfach etwas, was noch funktioniert, einfach zu entsorgen. Genau aus diesem Grund empfand ich ja die leidige Abwrackprämie als Hohn. Das waren zum Gutteil funktionierende Karren, die da verschrottet wurde. Da ist es nebenbei bemerkt, ja sehr amüsant, dass der Wikipedia-Artikel-Verfasser hier von einer Umweltprämie spricht. 

Einen Tag in der Woche die Reste der Küche zu verbrauchen halte ich für sinnvoller als jeden Tag übriges Essen wegzuwerfen. Das hilft ja doch den Ressourcen und sorgt dafür, dass insgesamt nicht so viel konsumiert werden muss.

So ähnlich ist es auch mit schöner Wolle. Feng Shui hin oder her, wenn die Wolle als großes Knäuel schön war, dann ist sie es auch als kleines Knäuel und man kann daraus noch etwas Hübsches zaubern, sei es eine Decke oder ein Babyschuh. Da macht man doch nix verkehrt und außerdem ist es ein schönes Gefühl. Alles verbraucht, nix weggeschmissen. Ressourcen mal wieder.

Beschränkung kann nämlich auch zu Kreativität führen. Wenn ich den genau richtigen Farbton nicht zu Hand habe, dann nehme ich eben einen anderen und komme damit auch zum Ziel, daran ist meiner Ansicht nach nichts auszusetzen. Manchmal ist es am Ende sogar hübscher mit dem anderen Farbton. Alles schon da gewesen.

Am wichtigsten ist aber mein Hinweis auf Projekte wie dasjenige der YarnHarlot, das ohne Wolldiät gar nicht funktionieren würde. Kaufe die Wolle (diesmal) nicht, suche dir stattdessen eine aus deinem Vorrat und spende stattdessen den zu erwartenden Betrag an die Guten wie sie es nennt: Ärzte ohne Grenzen. Cooles Projekt mit Rieseneffekt. Das würde gar nicht funktionieren ohne ein wenig Woll-Diät ab und zu.

Und dann ist da noch die Freude am Warten. Anders als eine Diät, bei der es ums Essen geht, die überhaupt sehr viel sinnvoller auf Englisch mit diet bezeichnet wird, was immer auch die gesamte Ernährung betrifft und bei der ich voll und ganz mit dem Post übereinstimme (frische Lebensmittel mit Freude gegessen), denke ich doch, dass es sich bei einer Wolldiät um etwas anderes handelt.

Wenn ich immer gleich alles kaufe, was ich sehe, dann kann ich mich gar nicht auf etwas hinfreuen. Oder gar auf etwas hinsparen. Da war mir Tichiros Post sehr lieb, in dem sie erzählt hat, dass sie immer dann, wenn etwas Geld übrig ist, dieses in Wolle investiert wird - in ihrem Fall natürlich in Yak von Lang Yarns.

Nun hat ja ein Normalsterblicher nicht immer gleich Geld übrig, daher ist es doch ganz schön, wenn man auf etwas hinspart. So sind schließlich auch die Modelleisenbahnliebhaber groß geworden. Wo wäre denn hier der Spaß, wenn sich jeder kleine Fan sofort ein Krokodil leisten könnte? Stattdessen hat man all sein Geburtstags- und Weihnachtsgeld mühsam gesammelt um sich dann endlich den langgehegten Wunsch erfüllen zu können. Es ist ja schließlich das eigene Hobby.

Na, und das ist doch der Hauptunterschied zum Essen oder nicht? Stricken ist unser Hobby. Und natürlich deshalb auch lebenswichtig für die geistige Gesundheit usw., aber in diesem Hobby ist es doch auch schön, sich mal was zu leisten, was man sich eben nicht jeden Tag leistet. Etwas Besonderes. Und zwar einfach, weil man zuvor eine Weile lang nicht alles gekauft hat, was man wollte.

Dann kann man auch das teure Souvenirgarn mitzunehmen, obwohl man es nicht unbedingt sofort braucht, einfach weil man sich eben in einem wohlverdienten Urlaub sprich in dem besonderen Strickladen, in den man sonst nicht kommt, befindet. Oder man kann sich eben selbst zu Weihnachten das teure Supergarn leisten, das sonst vielleicht nicht im Budget ist. Das ist doch dann eine besondere Freude, auf die man verzichten muss, wenn man sich einfach alles immer gleich kauft.

Es gibt nicht umsonst in der bayerischen Identität die so genannte Schmugeldkasse, in der jeder heimlich das Geld aufbewahrt, das er sich vom Budget/Gehalt etc. irgendwie abknapsen kann. Meine Schwiegermutter erarbeitet sich hier aus dem Haushaltsgeld im wahrsten Sinne des Wortes das Geld für das von ihr so geliebte Gmundener Porzellan. Kann man jetzt als altmodisch bezeichnen, funktioniert aber bestens und die Freude am Porzellan ist umso größer.

Ich sehe alles ein, die notwendige Inspiration und die Sockenwolle, die man einfach braucht. Aber die Vorfreude und das Gefühl aus gutem Grund mal so richtig Geld auszugeben - dies zwar sehr selten, aber immerhin doch ab und zu - darauf möchte ich nicht verzichten. Da lohnt sich doch eine Wolldiät, oder?


Sonntag, 16. April 2017

Kapitel 140 - ich habe fertig!

Melde mich als unglaublicher Nuvem-Überlebender! Das Ding ist tatsächlich fertig geworden und sieht so aus:

War aber auch eine schwere Geburt. Ich habe im August letzten Jahres ca. 10mal versucht, es anzuschlagen und dann endlich im Schweiße meines Angesichts mittels Zettel und Zehnerstricheln das Wunder vollbracht alle Maschen auf der Nadel zu haben.

Das Garn ist superfeines Lacegarn von Juniper Moon in der hübschen Farbe Uncial - und zwar drei Knäuel. Ist grau, aber ein sehr hübsches Grau.

Nachdem man den Anschlag geschafft hat, ist das Projekt zum Glück genau so, wie versprochen, nämlich sehr einfach. Eine Runde mit Zunahmen eine Runde ohne Zunahmen, da macht man nix falsch und es geht fröhlich dahin. Naja, so lange eben, bis einem das ewige Rechtsstricken ein wenig auf die Nerven geht und man etwas anderes anschlagen muss.

Bei mir ging die Sache durch zwei Knäuel hindurch recht gut. Ich habe mich mit dicker Nadel durch dünnes Lacegarn gekämpft, d.h. auch langsamer gestrickt als üblich, denn hier durfte ja auf keinen Fall etwas passieren, so eine verlorene Masche in diesem Riesending fange ich ja nie wieder auf!
Außerdem sitzt einem ständig die Angst auf der Schulter, das dünne Lacegarn würde womöglich reißen und ohjemine, was soll ich denn dann anfangen, wie alles vernähen? Hilfe!

Man sieht unschwer, dass ich ein blutiger Lace-Anfänger bin. Aber das war ja auch der Sinn der Übung, dass ich hier ein wenig die Scheu verliere - bei einem Projekt, bei dem man nicht viel falsch machen kann. Es geht eben wieder um die Lernkurve und darum, etwas Neues zu schaffen. Na und diese Mission wird hiervon voll und ganz erfüllt.

Im Zuge der Vollständigkeit habe ich auch die Maschenzahl der letzten Runden gezählt, also die Rüschenmaschen. Das scheint so üblich zu sein und da hab ich mich eben auch anstecken lassen.

Vermelde also: bei mir die unglaubliche Zahl von 2567. Da schafft man am Abend eine Runde wenn's hoch kommt und dann geht's erst morgen weiter. Soviel zum Thema Motivation.


Es gibt ja einige Projekte, die hier statt einer Rüsche ein ganz normales Bündchen stricken, aber mein Garn ist so fein gewesen, dass es die Rüsche ganz gut vertragen hat. Obwohl ich sagen muss, dass so ein farblich abgesetztes Bündchen doch was hat. Keine üble Idee.

In einem einigermaßen vertretbaren Tempo habe ich zwei Knäuel Wolle verstrickt, nur um dann einen wirklichen Einbruch zu erleiden. Es ging nichts mehr voran. Eine Runde dauerte schon ewig und ganz ehrlich? Wird dieses Ding überhaupt jemals fertig? Wird das Knäuel überhaupt kleiner? So wie's aussieht eigentlich nicht. 

Ich habe alles probiert. Meinen besonderen Knäuelhalter hervorgekramt (im Bild oben):


Die Runden abgehakt, damit ich einen Beweis habe, dass etwas vorangeht. Den Trick mit dem Restgarn angewendet, das hoffentlich Runde für Runde ein wenig nach unten rutscht. Nichts hat geholfen.

Da kam mir zum Glück Rossmann zu Hilfe, denn die hatten dies hier im Angebot:

Jawoll. Das ist eine Küchenwaage. Gar nicht mal so teuer und mit der genialen Einrichtung in 1-Gramm-Schritten zu wiegen.

Nichts wie hin. Damit war das Ende meines Nuvem nun wieder eine ganz andere Sache. Restgarn wiegen. Eine Runde stricken, Garn nochmal wiegen und sieh mal an - eine Runde verbraucht bei mir 5 Gramm.

Damit konnte ich ganz perfekt zu den genannten 10% des Garns stricken, bei dem die Rüsche begonnen werden soll. Dann wieder das Garn pro Runde per Wiegen ermitteln und man kann so lange stricken, bis tatsächlich das gesamte Garn im Projekt verschwunden ist. Genial!

Am Schluss allerdings hätte ich noch etwas mehr schaffen können. Eine Runde gab's zu 5g und die Abkettrunde sollte laut Anleitung mit einer viel größeren Nadel gemacht werden, also bin ich davon ausgegangen, dass hier deutlich mehr Garn verbraucht wird. Habe die letzte Runde also früher begonnen und jetzt 8g übrig. Merke: das Abketten mit einer 7mm Nadel braucht eigentlich nicht mehr Garn als das Stricken mit einer 3,5mm Nadel. Lessons learnt.

Und was kommt jetzt? Na klar, jetzt ist der Bann gebrochen. Das muss ja wohl ein Hitchhiker werden. Das drei milliardenste Projekt.  Die beiden Damen wünschen es so, und da ist man nunmal machtlos. ;-)






Mittwoch, 15. März 2017

Kapitel 139 - es wird, es wird

Die Decke wird. Das Muster ist ausgeklügelt und die Farbfolge ist bestimmt. Ich bin total begeistert und versuche, auf jeden Fall immer mal wieder eine Reihe zu häkeln, denn die Decke wird riesig. Ich hab 210 M angeschlagen und häkel mich in 20 Minuten von einem Ende zum anderen. Ein Riesenspaß!

Also zuerst mal her mit meiner Farb-Stäbchen-Kiste:




Wie bereits erwähnt, ein wirklich wunderbares Spielzeug. Damit habe ich also einfach ein bisschen herumgebosselt und ein paar Farben aussortiert, z.B. diese hier:



Übrig geblieben sind dann 18 Farben mit einem deutlichen Überhang an violett sowie blau-grün. Mir gefällt's.



Alle Farben sind Stylecraft Special DK und zwar:
1. Sage
2. Lobelia
3. Jaffa
4. Plum
5. Empire
6. Shrimp
7. Lime
8. Mustard
9. Duck Egg
10. Sunshine
11. Fuchsia/Pink
12. Storm Blue
13. Boysenberry
14. Silver
15. Grass Green
16. Pale Rose
17. Parma Violet
18. Bluebell

Es folgt sodann die Feuerprobe mit den gewählten Farben. Man werfe alle Stäbchen in die Luft und lasse sie einfach durcheinander fallen. So merkt man am besten, ob sich die Farben auch untereinander vertragen. Na?


Jaffa ist die einzige Farbe, die hier deutlich heraussticht, aber genau das gefällt mir eigentlich. Gegenprobe mit der Farbe Spice:



Nä! Da ist Jaffa doch die richtige Wahl. Noch schnell an anderer Stelle ausprobiert und dann los:


Alle Knäuel sind herausgesucht und in meinen Wollkorb gestopft. Die Reise kann losgehen.
Das Muster hält, was es versprochen hat und ich bin ganz froh. Ich hatte in bisschen mit dem Granny Stripe Muster geliebäugelt, aber weniger Löcher sind definitiv mehr. Meine Streifen bestehen aus vier Reihen, aber das macht mir nix. Das Häkeln geht dennoch flott von der Hand und macht vor allem einen Riesenspaß!


Sieht es nicht großartig aus? Die Streifen haben auf jeden Fall die richtige Breite.

Ich hatte vorab einen kleine Test in Pastell gemacht - daraus wurde dann ganz passend eine Puppendecke, für die ja immer Verwendung in diesem Haushalt ist:




Hier kann man deutlich sehen, dass die Streifen zwar immer noch hübsch sind (und herrlich löcher-frei), aber dass ein Streifen doch recht schmal ist, was bei einer größeren Decke vielleicht nicht so gut funktioniert. Daher also die Doppelung meiner Anstrengungen.

Die Arbeit geht aber gut voran, bestens zu empfehlen auch als Fernsehhäkelei, bei mir vorzugsweise Sonntag abends im Moment. Da schaffe ich mindestens einen Streifen. Das sieht doch schon richtig sommerlich aus!



Und zwischenzeitlich probiere ich schon wieder etwas Neues mit meinen Pastellfarben aus. Aber: pssssssssssssst!