Montag, 2. April 2018

Kapitel 145 - Socken - nicht schon wieder ;-)

Es ist wie es ist. Die Socken lassen mich einfach nicht los. Ich bin damit ein ganz langweiliger Strickhansel geworden, aber es ist nichts zu machen.

Aber die Welt der podcasts ist Schuld. Diese haben sich für mich zu einem Kaninchenloch erster Güte entwickelt, in dem ich genau wie Alice im Wunderland lange und vor allem vollständig verschwinde. 

Aber der Reihe nach. Also, nachdem ich zuerst auf Youtube 'nur' nach Anleitungsvideos geguckt haben, und zwar immer nur dann, wenn ich ein solches nötig hatte, hat sich meine Seitenrand-Vorschlagsleiste dahingehend verändert, sodass ich plötzlich auch diverse andere Angebote bekommen haben. Tja, Big Data funktioniert eben auch in der Strickwelt.

Das erste Video war folgerichtig aus dem überpräsenten Superkanal Kristy Glass Knits, der allerdings mit wirklich viel Energie und tollen Ideen sehr viel macht für die internationale Strickgemeinde. 

Mein vollster Respekt für den Einsatz und die viele Arbeit. Ich sehe mir nur sporadisch ihre Sachen an, kann aber vor allem die Interviews empfehlen, z.B. mit dem knitting monk.

Jedenfalls, mein Einstieg in das Kaninchenloch waren die sehr amüsanten Videos zum FiberFestival in New York: "Tell me about your Rhinebeck Sweater" - Teil 1 und Teil 2: so viel Energie, so viel Spaß und auch so viele tolle Designs, die man da sehen kann. Ganz so, als wäre man dabei gewesen.

Dann greift natürlich wieder die Vorschlagsleiste und eine ganze Reihe weiterer Videos poppen auf. Ich bleibe kleben bei Amber vom Yarn Hoarder podcast - einer sehr witzigen Strickerin aus Illinois, die ein so ansteckendes Lachen hat, dass man allein beim Zusehen schon gute Laune bekommt.

Tja, und da kommen nun die Socken ins Spiel. Amber strickt massenweise Socken - sie kauft sich später sogar eine der wundersamen Sockenmaschinen, die z.B. hier ganz unterhaltsam vorgeführt wird. Und als ich diese Socken dann sehe - mit unterschiedlichen Bündchen, Fersen und Spitzen - da ist es um mich geschehen und auch ich muss meine Sockenstricknadeln wieder rausklauben.

Sogar die empfohlene Fersenanleitung kaufe ich mir: Fish Lips Kiss Heel. Dies allerdings, obwohl die Kommentare sehr durchwachsen sind. Und ja, ich gebe zu, die Anleitung ist sehr lang und ausführlich und ich habe auch völlig darauf verzichtet, mir irgendeine Pappschablone für meine Füße anzufertigen. Aber: die erfundenen neuen Maschen für diese Art der Ferse mit verkürzten Reihen sind sehr clever und machen viel Spaß. Mir passt eine solche Ferse außerdem sehr gut, weil sie ein bisschen knapper anliegt als die übliche Käppchenferse, die ich sonst gerne stricke. Außerdem finde ich das Ergebnis dieser Ferse auch hübscher als die Fersen mit den langgezogenen 'deutschen' Maschen.

Bei der deutschen Version dieser Ferse - Bumerang- oder sonstwie genannte - fand ich immer die zwei Runden "über alle vier Nadeln" ein wenig ärgerlich, da konnte man so keine hübsche und eindeutige andersfarbige Ferse einstricken. Aber hier geht's! Hurra!

Überdies habe ich ausprobiert, dass ich jetzt mit 50g einer beliebigen Farbe ein ganzes Paar in meiner Größe (= EU40) hinbekomme, wenn ich eine Kontrastfarbe einsetze. Das aber ist aus zwei gewichtigen Gründen wirklich großartig:

a) ich habe eine ganze Masse von einzelnen 50g Knäuel - entweder ererbt oder übrig geblieben oder spontan schwach geworden und

b) für Bündchen, Ferse und Spitze kann ich meine ganzen kleinen Restchen aufbrauchen und damit hoffentlich wieder in der sträflich vernachlässigten RestEnd-Gruppe glänzen ;-) OK, Letzteres ist natürlich ein echter Grund, aber Ihr versteht, was ich meine.

Und jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar Beispiel meiner Bemühungen. Daher schließe ich für heute mit einer ganzen Reihe von Noch-ner-Socke-Bildern:





Diese Socken sind allesamt auf einer Mini-Rundstricknadel entstanden. Ich habe mir - ebenfalls auf Podcast-Empfehlung - sowohl das addi Sockenwunder sowie eine Chiagoo 9' Nadel angeschafft - und nach einigem Fluchen und Verkrampfen der Hände auch das Stricken mit beiden hinbekommen.

Und was soll ich sagen? Ich liebe es! Und zwar aus einem Grund, der mir erst später klar geworden ist. Bei den Mini-Rundstricknadeln ist zwar jegliches Musterstricken unmöglich, weil sogar linke Maschen zu kompliziert sind (Bündchen, Ferse und Spitze werden mit magic loop und größerer Nadel gestrickt), aber: das viele glatt rechts macht mir gar nichts mehr aus, sondern geht einfach flott von der Hand.
Das Ergebnis spricht doch für sich, oder? 

Sonntag, 28. Januar 2018

Kapitel 144 - in dem ich merke, was ein Knitting Jag ist

Also, die Definition ist ja ganz einfach. Ein Knitting Jag ist eine Anleitung, die aus irgendeinem Grund bei einem selbst so einschlägt, dass man gar nicht anders kann, als SOFORT nach Beendigung eines Projekts genau dasselbe noch einmal zu stricken. Bzw. zu Häkeln.

Einfach ein Suchtmodell.

Das habe ich ja nun mehrfach schon gesehen bei Ravelry - eine ganze Reihe Nuvems z.B. oder die Billionen von Hitchhikern, die schon direkt hintereinander gestrickt worden sind. Martina Behms Modelle scheinen ja überhaupt solche Knitting Jags auszulösen.

Bei mir hat sich das Ganze eigentlich in Grenzen gehalten, weil ich ja sowieso meistens zwei Sachen von derselben Art stricken durfte - das ist schon mal die ganz grundsätzliche Tätigkeitsbeschreibung einer Zwillingsmama. Da war ich gar nicht in der Verlegenheit, mich durch mehrere - viele - Stricksachen hindurchmühen zu wollen, weil ich das ja sowieso schon hatte.


Tja, aber was ist das hier? Es ist - eine wahre Armada von kleinen, gehäkelten Babyschuhen.

Und zwar mit Reliefstäbchen. Diese Reliefstäbchen - viel komplizierter auf Englisch als front and back post half treble crochet bezeichnet waren ja nur die ursprüngliche Motivation, das einmal zu versuchen. Hatte ich noch nie versucht, sollte also irgendwie ein neuer Pfeil in meinem Strick- und/Häkelköcher werden.

Aber dann das? Ich weiß gar nicht, was mit mir los war. Aber das war plötzlich so ansteckend und ich wollte un-be-dingt sehen, wie das Ganze in anderen Farben aussieht. Ich war angefixt.

Selber bin ich gar nicht schwanger, auch in meiner näheren Umgebung - von ein paar entfernten Kolleginnen abgesehen - ist keiner schwanger. Woher kommt das? Soll ich mir Sorgen machen? Ich glaube nicht. Stattdessen habe ich mich einfach amüsiert beobachtet und zugesehen, wie die Menge an kleinen Schuhen immer weiter gewachsen ist.

Dann bin ich in den örtlichen Bastelladen geradelt, um Perlen zu kaufen, die ich ans Ende der Schuhbänder knüpfen kann. Auch dies mehrmals, damit ich auch wirklich alle möglichen Farben zu Hause habe, falls mich das Bedürfnis nach neuen Farben überrumpeln sollte.

Gehäkelt sind die kleinen Schuhe in einfachem Acrylgarn - meist Stylecraft Special DK, manche auch in Rico Baby Classic DK - beide lassen sich ganz wunderbar zu solchen Schühchen verhäkeln.

Und dann - war's vorbei. Ganz so plötzlich wie es angefangen hat. Die Schuhe wurden eingetütelt und in die Babybox gelegt, denn wenn auch im Moment niemand schwanger ist, dem ich ein paar solcher Schühchen verehren kann, so bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht so bleibt. Und warme kleine Schuhe, die nicht runtergestrampelt werden können sind als Geschenk wirklich was wert.

Ich habe mich als geheilt betrachtet, bis ich ganz zufällig in den Münchener Wolle Rödel-Laden im Tal gestolpert bin. Vordergründig natürlich, um meiner kleinen Häkeldame im Hause eine neue Farbe für ihre SELBST-gehäkelte Granny-Square-Decke zu verehren. Motivation usw. Das kennt man ja schon und bei 10-jährigen muss man einfach dranbleiben, damit aus ihnen wirklich Fadenverrückte werden und sie nicht in der "Mama, kannst du mir mal XYZ stricken"-Phase stecken bleiben.

Tja, aber was hat der brave Wolle Rödel gemacht? Er hat sein Rico Baby Classic ausgelegt, und zwar in Glitzerfarben!!! Gah! Es war nichts zu machen. Drei herrliche, babyhafte, glitzrige Glitzerfarben. Ich war machtlos.

Und gerade habe ich gesehen, dass es online sogar fünf Glitzerfarben statt der drei im Laden gibt. Wie können sie nur!

Ich habe mich für mint entschieden und es sind ganz wunderbare glitzrige hellgrüne Babyschuhe geworden. Haaaach, herrlich.

Dabei hat sich aber zum Glück herausgestellt, dass es sich nur um das eine Paar gehandelt hat. Zum Glück.

Vor ein paar Jahren war ich mit dem Baby Surprise Jacket ja schon einmal in einer ähnlichen Situation. Aber auch das hat sich gelegt. Ich bin also voller Hoffnung auf eine Heilung.

Und meine übrige Rico Classic DK Wolle kann ich ohne Probleme in dazugehörige Babyjacken verwandeln.

Wenn ich mir so zuhöre, dann kann ich glauben, dass in den diversen sozialen Strickstuben, die es hierzulande so gibt, durchaus Strickerinnen zu finden sind, die wirklich nur immer wieder Sockenpaare stricken - und zwar auf die immer gleiche Art - und nicht auch einmal etwas anderes versuchen wollen.

Vielleicht sind sie einfach von ihrem eigenen Knitting Jag nie heruntergekommen? ;-)



P.S.: Die Anleitung ist aus einem ganz wunderbaren Youtube-Video von wollholic Claudia. Man lese sich übrigens auch die Kommentare durch - ich bin nicht die Einzige!