Montag, 11. November 2019

Kapitel 149 - Stricknachten naht

Seit ich mit zum ersten Mal dem englischen Begriff Knitmas (= to knit + Christmas) begegnet bin, lässt mich der Gedanke nicht los. Zum Ende des Jahres, wenn die Tage kürzer werden, richtet sich das gesamte Strickerleben auf eine Sache aus: wen bestricke ich womit?
Es ist ein Phänomen, das ich mit Beginn des neuen Jahres - das bei mir immer schon in den September fällt, der Januar ist lediglich eine kleine Kalenderüberraschung - nicht mehr in der Lage bin, für mich selbst zu stricken.
Im Sommerurlaub kein Problem, da werden ganz egoistisch Tücher und Socken und Handschuhe genadelt. "Für wen strickst du das?" fragen mich meine Damen. "Für mich!" sage ich ganz selbstbewusst, auch auf die Gefahr hin, dass ein sehr enttäuschtes "Ooooh" auf meinen stolzen Ausruf folgt. Mir egal! Wer nicht stricken kann, soll's lernen! Ich bin ja nicht bei der Wohlfahrt. Und außerdem: das ist mein, mein, mein Hobby.
Aber kaum ist September, dreht sich die Sache um. Plötzlich packt mich ein schlechtes Gewissen. Sollte ich wirklich noch ein neues Tuch anschlagen? Bei dem KAL mitmachen? Neue Socken in meiner Größe anfangen?
Weil, die Tage werden bald kürzer und künftige Feste werfen ihre Schatten voraus. Und die Damen wünschen sich ja auch immer was Gestricktes. Und mein kleiner Patensohn sieht so allerliebst in Gestrick aus. Und mein Mitwohner zieht den Pulli, den ich ihm gestrickt habe, wirklich gerne an und hat sich einen zweiten, exakt gleichen gewünscht.
Es hilft nichts. Es werden Anleitungsseiten gewälzt, Zeitschriften gekauft, Garne erwogen und dann geht's los. Die Vorbereitung auf Stricknachten. Im Kopf habe ich längst eine Liste erstellt. Wer kriegt (braucht) was? Und wer wünscht sich was?

Aktuell fertig sind bereits:
ein Oberteil
zwei Paar Socken
ein Cowl in zweifarbigem Patent, immerhin Sockenwolle und fast einen halben Meter lang

Das ist gar nicht so übel, wenn man bedenkt, dass ich ja tagsüber ganz normal arbeite und daher nur ein paar Mußestunden am Abend mit den Nadeln spielen darf.
Die Liste der Strickempfänger ist überdies erst letztes Jahr gesundgeschrumpft worden, als ich eine ganze Tüte mit Gestrick nahezu kommentarlos zurückbekommen habe. Na, wer nicht will, der hat schon, dann trage ich meine Sachen eben selbst.

Aber jetzt dämmert mir langsam, dass es bei mir in der Arbeit natürlich zugeht wie überall. Vor Weihnachten ist der Teufel los und die stressige Zeit beginnt erst. Gleichzeitig warten auf mich noch:
ein Männerpulli
ein Häkeloberteil
zwei Jungsjacken in klein und noch kleiner
ein halber Cowl in zweifarbigem Patent (s.o.)

So wie's aussieht, kann man das wohl gar nicht schaffen. Aber: aufgegeben wird erst am Tag X. Kneifen gilt nicht. Und wenn's ganz schlimm wird, dann nehme ich grüne Erbsen zum Kühlen, so wie mein Knitmas-Guru Squidneyknits!

Donnerstag, 25. April 2019

Kapitel 148 - ich glaube ich bin geheilt ;-)

Also erstmal: vielen, lieben Dank, falls sich hier noch einige Leser auf die Seiten verirren. Die letzten Monate sind mir durch die Finger geschlüpft, irgendwie. Das Leben fand statt und mein kleiner Blog stattdessen gar nicht. :(

Sogar das neue Jahr mit seinen diversen Vorsätzen passierte, nur hier war Pause. Zuerst denkt man ja immer, das ist gleich wieder aufgeholt, dann hat man keine gescheite Idee, dann wird die Pause immer länger, dann ist es plötzlich peinlich und dann immer peinlicher. Naja, die übliche Spirale halt. Ich kann nur ehrlich um Verständnis bitten. Sorry, liebe Leser!

Aber - heute soll es so weit sein!

An den Strickinspirationen kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn hiervon gibt es mehr als genug. Außerdem habe ich ja schon von diversen Podcasts hier gesprochen, die es mir angetan haben. Tja und eine Strickerin hatte einen echten Effekt für mich, nämlich Katie vom Greenbean Podcast. Sie hat im letzten Jahr davon gesprochen, dass sie einen Plan für das nächste Jahr hat, nämlich: monogames Stricken. Das bedeutet, dass man jeweils nur ein (oder im Notfall zwei) Projekte auf den Nadeln hat, weil man sonst von den vielen Projekte zu gestresst ist und dadurch wieder zu wenig Entspannung vom eigenen Hobby hat. Was man ja eigentlich haben sollte.

Das isses, habe ich mir gedacht! Mein großer Vorsatz für das neue Strickjahr war also - einfach ein angefangenes Projekt nach dem anderen fertig nadeln und dann in Ruhe überlegen, wie man weiter machen will. Ich habe mir also alle meine angefangenen Projekte mit der dazugehörigen Anleitung und den Nadeln in Taschen gepackt und hinter meinem Schreibtisch aufgereiht. In und auf den Strickkorb gestapelt, wenn man so will. Und habe ich mich drangemacht. Eins nach dem anderen, ganz zielgerichtet und ohne zu zögern. Stichwort Garndisziplin.

Und mit jedem fertigen Projekt, vor allem mit denjenigen, die schon ewig im unfertigen Zustand waren, habe ich mehr Energie und mehr Motivation bekommen. Hmmm, dachte ich, vielleicht ist an dieser monogamen Idee doch was dran? Zu allererst hatte ich ja im Fruity Knitting Podcast davon gehört. Hier allerdings nicht unter diesem Titel erwähnt, sondern eher als Eigenart von Andrea, die gar keinen Garnvorrat hat, so wie eigentlich die meisten Stricker. Das habe ich ja nun so gar nicht verstanden und damit diese Idee auch wieder verworfen. Offensichtlich war ich (damals) noch nicht so weit.

Im Zuge meiner Strick-Ziel-Ausrichtung habe ich also seit Januar diesen Jahres eine Häkeldecke, eine ewig langdauernde Jacke, einen Pulli, diverse Socken und eine Häkeltasche beendet. Darunter ist sogar die Paulie-Jacke, die mit der unglücklichen 2,5mm Nadel dazu geführt hat, dass ich das Stricken einstweilen aus Schmerzgründen unterbrechen musste. Jetzt habe ich aber dennoch (vorsichtig) weitergemacht damit und kaum sind zwei Jahre rum ist die Jacke fertig. Fertig!!! Ich fasse es immer noch nicht.

Diese Jacke wurde mittlerweile von einer meiner Damen gemopst, und zwar guten Gewissens, denn
a) mit 2,5mm gestrickt, führte das Ganze zu einer solch festen Maschenprobe und damit Passform, die bei mir eher nach Rügenwalder Teewurst und weniger nach lockerem Cardigan aussieht und
b) kaum sind zwei Jahre rum, wie bereits erwähnt, sind meine Mädels so gewachsen, dass sie gut hineinpassen.

Also, wenn man mal die Muttergefühle und weniger die Strickgefühle Oberhand behalten lässt, dann ist es doch eine Win-Win-Situation.

Halten wir das Positive fest - das Fertigmachen funktioniert, ich habe alle "ewigen" Projekte beendet und durfte zur Belohnung gleich einen neuen Pulli anschlagen. Ja! Ich und Pulloverstricken - unglaublich aber wahr.

Sazerac Pullover von Anniken Allis


Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Motivation anhält.

Na gut, ein wenig habe ich auch geschummelt, weil mir beim Durchwühlen meiner Garnkisten ein paar Projekte in die Hände gefallen sind, die ich schon wieder vergessen hatte und die dadurch gar nicht auf Ravelry waren. Also habe ich meine Regel umfunktioniert: es gilt nur das als Projekt, was als Projekt auf Ravelry ist. Einfach, aber wirksam.

Und dort habe ich jetzt tatsächlich insgesamt nur noch ein einziges (in Zahlen: 1) unfertiges Projekt. Ich bin ganz erschlagen von meiner eigenen Durchhaltekraft.

Sollte mich jetzt tatsächlich das Fieber packen und ich etwas Neues anfangen wollen, habe ich dafür eine perfekte Verwendung gefunden: die Maschenprobe! Ich darf mit neuen Nadeln und neuer Wolle spielen, aber es gilt (noch) nicht als neues Projekt. Endlich habe ich verstanden, wozu die Maschenprobe da ist! Die ideale Lösung!

Die nächsten Pläne für meine Strickzukunft sind natürlich eine zügige Abarbeitung der Tapetenrolle, sind ja kaum 82 Ideen, aber ich bin mal nur vorsichtig optimistisch.

Diese Erkenntnis kommt übrigens gar nicht so überraschend, denn was sagt Katie in ihrer letzten (oben erwähnten) Podcast-Folge? Sie hat zwei neue Projekte angeschlagen, weil für sie das monogame Stricken nicht funktioniert. Selten so gelacht ;-)