Samstag, 29. April 2017

Kapitel 142 - die Jacke der Unendlichkeit bzw. eine Auferstehungsgeschichte

Es war einmal eine Strickerin, die nur Socken gestrickt hat. Kaum war ein Paar fertig, hat sie ein neues angeschlagen und das obwohl sie seitenweise schönste Jacken und Pullis in ihrem Herzchenarchiv gesammelt hat. Irgendwie kam ihr doch immer wieder das nächste Paar Socken dazwischen.

Das lag an Unkenntnis, an Angst, an dem Gefühl, der Unumkehrbarkeit wenn man mal eine Jacke versaut hat. All das Garn! Knäuel um Knäuel perdu, wenn's daneben geht. Kurzum, sie hat sich nicht getraut.

Gleichzeitig ist natürlich von Anfang an klar: wer's nicht probiert... Wie soll man denn eine sich nach oben neigende Lernkurve erreichen, wenn man nicht mal anfängt? Der Meister und der Himmel eben.

Viel Zureden später, von eigener und auch von prominenter Stelle (per Email - sehr nett), hat sie sich dann doch in das Abenteuer gestürzt, nur um - natürlich - völlig darin unterzugehen. 

Gewählt war ein Advanced Beginner Projekt, nämlich der Rowena Cardigan. Anleitung war ein Urlaubssouvenir, 





Garn war im Vorrat, 



Nadeln gab es sowieso, d.h. da konnte eigentlich nicht so viel schief gehen. Naja, zumindest finanzielle Verluste würden sich in Grenzen halten.

Also - Zettel hervorgekramt und losgestrickt:



Rückenteil fertig. Vorderteile fertig. Ärmel begonnen:


Ärmel sogar richtig gekennzeichnet:



Jetzt konnte eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Aber was ist dann passiert? Das Übliche.

Andere, dringendere Projekte. Wünsche, Weihnachten, wichtige Aufträge. Tja, und dann geht auch noch die Wolle aus. Es fehlen ca. 2 Knäuel. Die gleiche Partie wird man ja doch nie nie nie wieder finden. Die Jacke landet mit den üblichen Gedanken in der Projekttasche:

"Ich weiß ja ganz genau, wo ich bin. Weitermachen ist gar kein Problem."
"Wenn ich erst die beiden restlichen Knäuel habe, dann geht's gleich wieder weiter."


Klingt alles gut und schön, aber jemand, der sich über Jahre auf Kurzprojekte spezialisiert hatte - Socken, Babysachen, Socken - tut sich gar nicht so leicht mit den langen Reihen eines solchen Projektes, und übrigens auch mit der Aufmerksamkeitsspanne, die einem da abverlangt wird.

Dazu kommen die Rüschen, die ja eigentlich das überzeugende Designelement dargestellt haben. Siehe noch einmal das Bild in groß:


Selbige Rüschen werden an die jeweiligen Jackenteile angestrickt (außer am Ausschnitt). Und dann kommt natürlich das Unvermeidliche: diese angestrickten Rüschen müssen bei Zusammenstellung der Jacke umgelegt und einzeln, Masche für Masche angenäht werden.

Wie war das nochmal mit der Aufmerksamkeitsspanne?

Aber der Reihe nach.

Das Projekt liegt also im Winterschlaf. Genau 18 Monate lang.

Dann wird es endlich doch wieder hervorgekramt. Einfach weil die beiden übrigen Knäuel in der richtigen Farbe gefunden und endlich doch bestellt worden sind. Und weil der richtige Neujahrsvorsatz: Weniger Ufos in diesem Jahr! dazu zwingt - im besten Sinne des Wortes. Auf geht's mit neuem Schwung!

Erstes Problem: die Randmasche. Es hat also offensichtlich doch einen Anstieg der Lernkurve gegeben in der Zwischenzeit, die Randmasche sieht mittlerweile völlig anders aus. Aber wie war nochmal die alte??? Na, das Problem lässt sich lösen.

Zweites Problem: die Partie. Das neue Garn sieht zweifellos etwas dunkler aus. Das ist nun wirklich ärgerlich. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung. Brav war nämlich eine ausführliche Maschenprobe gefertigt worden, in verschiedenen Nadelstärken sogar, d.h. die Maschenprobe hat eine ordentliche Länge. Jetzt aber bald nicht mehr, denn hier wird flugs aufgetrennt und das Garn genügt, um den fehlenden zweiten Ärmel zu beenden.
Die Rüsche am Ausschnitt sowie die Knopflochblenden sind damit in ihrer Andersfarbigkeit einfach ein Designelement. Damit lässt sich leben.

Dann ist endlich alles gestrickt und abgekettet. Jetzt geht's ans Zusammennähen. Nicht nur die Raglannähte, die Ärmel und die Seitennähte, nein, auch noch alle Rüschen. Die neu aufgenommene und gestrickte Ausschnittrüsche sowie alle Rüschen an Ärmel und Jackenrand. Das klingt ganz nach dem Märchen mit dem durchlöcherten Löffel. Zum Verzweifeln und ganz ohne Hoffnung auf eine hilfreiche Zauberfee.

Aber Moment. Etwas kommt zu Hilfe! Eine ausgewachsene monstermäßige Supererkältung.
Dabei stehen zwar nur wenige Stunden am Tag für andere als liegende Tätigkeiten zur Verfügung, aber diese wenigen Stunden sind völlig unbrauchbar für irgendwelche anspruchsvollen Dinge, d.h. sie sind nahezu perfekt für meditative Näharbeiten, bei denen man jede einzelne Masche der Vorderseite mit genau einem Knubbel auf der Rückseite verbinden muss. Da geht es also los, das Schöpfen mit durchlöchertem Löffel.

Gleichzeitig wird immer wieder Katharina Buss'  Mantra aufgesagt: "Erst das richtige Zusammennähen macht aus einzelnen Strickteilen ein gut sitzendes Kleidungsstück."
Ab und an wird auch die Tatsache in Erinnerung gerufen, dass all das Nähen, so lange es auch dauert, insgesamt nie so viel Zeit in Anspruch nimmt, wie das Stricken zuvor. Das Stricken dauert immer länger.

Und schließlich zeigt all dieses Selbst-coaching Wirkung. Die Nähte werden kürzer. Der Faden reißt durch überambitioniertes Zusammennähen nur ein einziges einmal. Das Stück WIRD FERTIG!

Ab in die Schüssel mit herrlichem Olivenöl-Waschmittel und dann auf die Spannmatte:


Bei genauem Hinsehen sieht man die Farbabweichung an der Knopflochleiste, aber ehrlich? Das stört doch keinen großen Geist.

Gazebändchen ist gekauft, ebenso schöne Perlmuttknöpfe. Und die fünf Sticheleien, die kriegt man ja mit links hin.

Aber eins ist klar. Die nächsten fünf großangelegten Kleidungsprojekte sind ohne Nähte. Top-down, bottom-up, egal, Hauptsache am Stück. Eine solche Erkältung brauche ich so bald nicht wieder!





Donnerstag, 20. April 2017

Kapitel 141 - also ganz so düster sehe ich das nicht

Dies ist ein Diät-Post. Passend zum Frühling aber keiner der üblichen Sorte. Ich erlaube mir nämlich, ein paar Worte zu Martina Behms Anti-Diät-Aufruf zu verlieren.

Mit entschiedener Verve vorgetragen und amüsant zu lesen kann ich den Aufruf durchaus nachvollziehen, aber ich muss ihn nicht in voller Gänze teilen.

Also, ich teile natürlich die Grundannahme, dass man nur mit Garn stricken soll, das man auch mag, denn so lang ist das Leben tatsächlich nicht, dass man all die ererbte Kratze-Wolle und die womöglich selbst fehlgekaufte Wolle auch noch in Ruhe verstricken kann, aber: manchmal ist ein bisschen Beschränkung gar nicht so von Übel.

Ich bin jetzt kein Verfechter von grausligen Vielfarbprojekten, nur damit jeder Rest aufgebraucht wird, aber so ein bisschen Inspiration steckt doch in all diesen Ravelry-Gruppen, in denen es um den Wollrest geht (siehe auch RestEnd). Ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier um die ehrenwerte Tatsache geht, eben nicht einfach etwas, was noch funktioniert, einfach zu entsorgen. Genau aus diesem Grund empfand ich ja die leidige Abwrackprämie als Hohn. Das waren zum Gutteil funktionierende Karren, die da verschrottet wurde. Da ist es nebenbei bemerkt, ja sehr amüsant, dass der Wikipedia-Artikel-Verfasser hier von einer Umweltprämie spricht. 

Einen Tag in der Woche die Reste der Küche zu verbrauchen halte ich für sinnvoller als jeden Tag übriges Essen wegzuwerfen. Das hilft ja doch den Ressourcen und sorgt dafür, dass insgesamt nicht so viel konsumiert werden muss.

So ähnlich ist es auch mit schöner Wolle. Feng Shui hin oder her, wenn die Wolle als großes Knäuel schön war, dann ist sie es auch als kleines Knäuel und man kann daraus noch etwas Hübsches zaubern, sei es eine Decke oder ein Babyschuh. Da macht man doch nix verkehrt und außerdem ist es ein schönes Gefühl. Alles verbraucht, nix weggeschmissen. Ressourcen mal wieder.

Beschränkung kann nämlich auch zu Kreativität führen. Wenn ich den genau richtigen Farbton nicht zu Hand habe, dann nehme ich eben einen anderen und komme damit auch zum Ziel, daran ist meiner Ansicht nach nichts auszusetzen. Manchmal ist es am Ende sogar hübscher mit dem anderen Farbton. Alles schon da gewesen.

Am wichtigsten ist aber mein Hinweis auf Projekte wie dasjenige der YarnHarlot, das ohne Wolldiät gar nicht funktionieren würde. Kaufe die Wolle (diesmal) nicht, suche dir stattdessen eine aus deinem Vorrat und spende stattdessen den zu erwartenden Betrag an die Guten wie sie es nennt: Ärzte ohne Grenzen. Cooles Projekt mit Rieseneffekt. Das würde gar nicht funktionieren ohne ein wenig Woll-Diät ab und zu.

Und dann ist da noch die Freude am Warten. Anders als eine Diät, bei der es ums Essen geht, die überhaupt sehr viel sinnvoller auf Englisch mit diet bezeichnet wird, was immer auch die gesamte Ernährung betrifft und bei der ich voll und ganz mit dem Post übereinstimme (frische Lebensmittel mit Freude gegessen), denke ich doch, dass es sich bei einer Wolldiät um etwas anderes handelt.

Wenn ich immer gleich alles kaufe, was ich sehe, dann kann ich mich gar nicht auf etwas hinfreuen. Oder gar auf etwas hinsparen. Da war mir Tichiros Post sehr lieb, in dem sie erzählt hat, dass sie immer dann, wenn etwas Geld übrig ist, dieses in Wolle investiert wird - in ihrem Fall natürlich in Yak von Lang Yarns.

Nun hat ja ein Normalsterblicher nicht immer gleich Geld übrig, daher ist es doch ganz schön, wenn man auf etwas hinspart. So sind schließlich auch die Modelleisenbahnliebhaber groß geworden. Wo wäre denn hier der Spaß, wenn sich jeder kleine Fan sofort ein Krokodil leisten könnte? Stattdessen hat man all sein Geburtstags- und Weihnachtsgeld mühsam gesammelt um sich dann endlich den langgehegten Wunsch erfüllen zu können. Es ist ja schließlich das eigene Hobby.

Na, und das ist doch der Hauptunterschied zum Essen oder nicht? Stricken ist unser Hobby. Und natürlich deshalb auch lebenswichtig für die geistige Gesundheit usw., aber in diesem Hobby ist es doch auch schön, sich mal was zu leisten, was man sich eben nicht jeden Tag leistet. Etwas Besonderes. Und zwar einfach, weil man zuvor eine Weile lang nicht alles gekauft hat, was man wollte.

Dann kann man auch das teure Souvenirgarn mitzunehmen, obwohl man es nicht unbedingt sofort braucht, einfach weil man sich eben in einem wohlverdienten Urlaub sprich in dem besonderen Strickladen, in den man sonst nicht kommt, befindet. Oder man kann sich eben selbst zu Weihnachten das teure Supergarn leisten, das sonst vielleicht nicht im Budget ist. Das ist doch dann eine besondere Freude, auf die man verzichten muss, wenn man sich einfach alles immer gleich kauft.

Es gibt nicht umsonst in der bayerischen Identität die so genannte Schmugeldkasse, in der jeder heimlich das Geld aufbewahrt, das er sich vom Budget/Gehalt etc. irgendwie abknapsen kann. Meine Schwiegermutter erarbeitet sich hier aus dem Haushaltsgeld im wahrsten Sinne des Wortes das Geld für das von ihr so geliebte Gmundener Porzellan. Kann man jetzt als altmodisch bezeichnen, funktioniert aber bestens und die Freude am Porzellan ist umso größer.

Ich sehe alles ein, die notwendige Inspiration und die Sockenwolle, die man einfach braucht. Aber die Vorfreude und das Gefühl aus gutem Grund mal so richtig Geld auszugeben - dies zwar sehr selten, aber immerhin doch ab und zu - darauf möchte ich nicht verzichten. Da lohnt sich doch eine Wolldiät, oder?


Sonntag, 16. April 2017

Kapitel 140 - ich habe fertig!

Melde mich als unglaublicher Nuvem-Überlebender! Das Ding ist tatsächlich fertig geworden und sieht so aus:

War aber auch eine schwere Geburt. Ich habe im August letzten Jahres ca. 10mal versucht, es anzuschlagen und dann endlich im Schweiße meines Angesichts mittels Zettel und Zehnerstricheln das Wunder vollbracht alle Maschen auf der Nadel zu haben.

Das Garn ist superfeines Lacegarn von Juniper Moon in der hübschen Farbe Uncial - und zwar drei Knäuel. Ist grau, aber ein sehr hübsches Grau.

Nachdem man den Anschlag geschafft hat, ist das Projekt zum Glück genau so, wie versprochen, nämlich sehr einfach. Eine Runde mit Zunahmen eine Runde ohne Zunahmen, da macht man nix falsch und es geht fröhlich dahin. Naja, so lange eben, bis einem das ewige Rechtsstricken ein wenig auf die Nerven geht und man etwas anderes anschlagen muss.

Bei mir ging die Sache durch zwei Knäuel hindurch recht gut. Ich habe mich mit dicker Nadel durch dünnes Lacegarn gekämpft, d.h. auch langsamer gestrickt als üblich, denn hier durfte ja auf keinen Fall etwas passieren, so eine verlorene Masche in diesem Riesending fange ich ja nie wieder auf!
Außerdem sitzt einem ständig die Angst auf der Schulter, das dünne Lacegarn würde womöglich reißen und ohjemine, was soll ich denn dann anfangen, wie alles vernähen? Hilfe!

Man sieht unschwer, dass ich ein blutiger Lace-Anfänger bin. Aber das war ja auch der Sinn der Übung, dass ich hier ein wenig die Scheu verliere - bei einem Projekt, bei dem man nicht viel falsch machen kann. Es geht eben wieder um die Lernkurve und darum, etwas Neues zu schaffen. Na und diese Mission wird hiervon voll und ganz erfüllt.

Im Zuge der Vollständigkeit habe ich auch die Maschenzahl der letzten Runden gezählt, also die Rüschenmaschen. Das scheint so üblich zu sein und da hab ich mich eben auch anstecken lassen.

Vermelde also: bei mir die unglaubliche Zahl von 2567. Da schafft man am Abend eine Runde wenn's hoch kommt und dann geht's erst morgen weiter. Soviel zum Thema Motivation.


Es gibt ja einige Projekte, die hier statt einer Rüsche ein ganz normales Bündchen stricken, aber mein Garn ist so fein gewesen, dass es die Rüsche ganz gut vertragen hat. Obwohl ich sagen muss, dass so ein farblich abgesetztes Bündchen doch was hat. Keine üble Idee.

In einem einigermaßen vertretbaren Tempo habe ich zwei Knäuel Wolle verstrickt, nur um dann einen wirklichen Einbruch zu erleiden. Es ging nichts mehr voran. Eine Runde dauerte schon ewig und ganz ehrlich? Wird dieses Ding überhaupt jemals fertig? Wird das Knäuel überhaupt kleiner? So wie's aussieht eigentlich nicht. 

Ich habe alles probiert. Meinen besonderen Knäuelhalter hervorgekramt (im Bild oben):


Die Runden abgehakt, damit ich einen Beweis habe, dass etwas vorangeht. Den Trick mit dem Restgarn angewendet, das hoffentlich Runde für Runde ein wenig nach unten rutscht. Nichts hat geholfen.

Da kam mir zum Glück Rossmann zu Hilfe, denn die hatten dies hier im Angebot:

Jawoll. Das ist eine Küchenwaage. Gar nicht mal so teuer und mit der genialen Einrichtung in 1-Gramm-Schritten zu wiegen.

Nichts wie hin. Damit war das Ende meines Nuvem nun wieder eine ganz andere Sache. Restgarn wiegen. Eine Runde stricken, Garn nochmal wiegen und sieh mal an - eine Runde verbraucht bei mir 5 Gramm.

Damit konnte ich ganz perfekt zu den genannten 10% des Garns stricken, bei dem die Rüsche begonnen werden soll. Dann wieder das Garn pro Runde per Wiegen ermitteln und man kann so lange stricken, bis tatsächlich das gesamte Garn im Projekt verschwunden ist. Genial!

Am Schluss allerdings hätte ich noch etwas mehr schaffen können. Eine Runde gab's zu 5g und die Abkettrunde sollte laut Anleitung mit einer viel größeren Nadel gemacht werden, also bin ich davon ausgegangen, dass hier deutlich mehr Garn verbraucht wird. Habe die letzte Runde also früher begonnen und jetzt 8g übrig. Merke: das Abketten mit einer 7mm Nadel braucht eigentlich nicht mehr Garn als das Stricken mit einer 3,5mm Nadel. Lessons learnt.

Und was kommt jetzt? Na klar, jetzt ist der Bann gebrochen. Das muss ja wohl ein Hitchhiker werden. Das drei milliardenste Projekt.  Die beiden Damen wünschen es so, und da ist man nunmal machtlos. ;-)






Mittwoch, 15. März 2017

Kapitel 139 - es wird, es wird

Die Decke wird. Das Muster ist ausgeklügelt und die Farbfolge ist bestimmt. Ich bin total begeistert und versuche, auf jeden Fall immer mal wieder eine Reihe zu häkeln, denn die Decke wird riesig. Ich hab 210 M angeschlagen und häkel mich in 20 Minuten von einem Ende zum anderen. Ein Riesenspaß!

Also zuerst mal her mit meiner Farb-Stäbchen-Kiste:




Wie bereits erwähnt, ein wirklich wunderbares Spielzeug. Damit habe ich also einfach ein bisschen herumgebosselt und ein paar Farben aussortiert, z.B. diese hier:



Übrig geblieben sind dann 18 Farben mit einem deutlichen Überhang an violett sowie blau-grün. Mir gefällt's.



Alle Farben sind Stylecraft Special DK und zwar:
1. Sage
2. Lobelia
3. Jaffa
4. Plum
5. Empire
6. Shrimp
7. Lime
8. Mustard
9. Duck Egg
10. Sunshine
11. Fuchsia/Pink
12. Storm Blue
13. Boysenberry
14. Silver
15. Grass Green
16. Pale Rose
17. Parma Violet
18. Bluebell

Es folgt sodann die Feuerprobe mit den gewählten Farben. Man werfe alle Stäbchen in die Luft und lasse sie einfach durcheinander fallen. So merkt man am besten, ob sich die Farben auch untereinander vertragen. Na?


Jaffa ist die einzige Farbe, die hier deutlich heraussticht, aber genau das gefällt mir eigentlich. Gegenprobe mit der Farbe Spice:



Nä! Da ist Jaffa doch die richtige Wahl. Noch schnell an anderer Stelle ausprobiert und dann los:


Alle Knäuel sind herausgesucht und in meinen Wollkorb gestopft. Die Reise kann losgehen.
Das Muster hält, was es versprochen hat und ich bin ganz froh. Ich hatte in bisschen mit dem Granny Stripe Muster geliebäugelt, aber weniger Löcher sind definitiv mehr. Meine Streifen bestehen aus vier Reihen, aber das macht mir nix. Das Häkeln geht dennoch flott von der Hand und macht vor allem einen Riesenspaß!


Sieht es nicht großartig aus? Die Streifen haben auf jeden Fall die richtige Breite.

Ich hatte vorab einen kleine Test in Pastell gemacht - daraus wurde dann ganz passend eine Puppendecke, für die ja immer Verwendung in diesem Haushalt ist:




Hier kann man deutlich sehen, dass die Streifen zwar immer noch hübsch sind (und herrlich löcher-frei), aber dass ein Streifen doch recht schmal ist, was bei einer größeren Decke vielleicht nicht so gut funktioniert. Daher also die Doppelung meiner Anstrengungen.

Die Arbeit geht aber gut voran, bestens zu empfehlen auch als Fernsehhäkelei, bei mir vorzugsweise Sonntag abends im Moment. Da schaffe ich mindestens einen Streifen. Das sieht doch schon richtig sommerlich aus!



Und zwischenzeitlich probiere ich schon wieder etwas Neues mit meinen Pastellfarben aus. Aber: pssssssssssssst!






Donnerstag, 9. März 2017

Kapitel 138 - Im Deckenplanungsglück

Die Schlangen sind schuld. Ganz klar.

Auf Grund der niedrigen Temperaturen haben sich meine alten Wohnzimmerfenster wieder einmal als sehr durchlässig erwiesen, sodass ich gezwungen war, Abhilfe zu schaffen.

Mit Hilfe dieses Buches: 



habe ich also in kürzester Zeit zwei Schlangen gefertigt, die jetzt Kopf an Kopf die Kälte fernhalten. Von der ersten hatte ich ja schon berichtet, diese hat jetzt einen Mitstreiter bekommen.




Weitere sind schon bestellt (unser liebes Miet-Haus hat noch ein paar solcher Fenster), aber das wird noch etwas dauern. Denn: dieses Muster hat es mir so angetan, dass mich auf einmal das große Verlangen überkommen hat, eine Decke daraus zu fertigen.

Her also mit meinen Farb-Stäbchen und ein bisschen herumprobiert. Das ist das beste Spielzeug überhaupt, ich liebe es. Und viele andere im Übrigen auch, wenn man Pinterest glauben mag. Ich wollte eine bunte Decke, am liebsten mit einer Knallerfarbe, denn das Häkeln soll ja Spaß machen.




Dabei hat sich herausgestellt, dass ich zwar einen Teil der Farben schon habe und daher auf meinen Garnvorrat zurückgreifen kann, dass ich aber auch unbedingt noch ein paar neue Farben brauche (Hurra!), d.h. ich darf bei dieser Gelegenheit noch ein paar neue Farben bestellen, die ich noch nicht habe. Damit kann ich dann bei nächsten Gelegenheit noch ein wenig mehr herumspielen.

In der Zwischenzeit greife ich aber tatsächlich zu meinen Überbleibseln und beginne eine Puppendecke um das Muster auszuprobieren.


Es geht flott von der Hand und ich liebe diese verschränkten Reihen. Mit einer 3.5mm Nadel wird es allerdings recht fest. Die habe ich für die Schlangen verwendet, die allerdings auch fest sein sollten.
Hier also ein Versuch mit einer 4mm Nadel. Immer noch recht fest.

Nun bin ich ja ein großer Freund von Decken, die ich insgeheim Betondecken nenne. Also Überwürfen, die einmal um den Körper geschlungen, die Welt und alles Böse darin wie ein Zaubermantel abhalten, d.h. fest ist eigentlich gar nicht so übel. Hier allerdings wird es doch ein wenig teppichartig. Also merke: wenn ich die Decke im Großformat probiere, dann werde ich eine 4,5mm oder gar 5mm Nadel benützen.

Des Gleichen fällt mir auf, dass hier die Farben, die noch bei der Schlange ganz angenehm im Wechsel miteinander standen, doch arg plötzlich wechseln, wenn es sich um mehr als zwei Farben handelt. Ganz so flott hatte ich das nicht gedacht. Also doch vielleicht lieber drei Reihen? Das wäre zwar in der Durchführung ein bisschen schwieriger, denn die Reihen enden auf eine unterschiedliche Weise, damit die Ränder glatt und gerade bleiben, aber ich denke, es sieht besser aus.

Das hätte dann aber den Vorteil, dass die Enden auf beiden Seiten eingewebt werden können, also die Betonhaftigkeit auf zwei Seiten verteilt werden kann.

Dann habe ich plötzlich gemerkt, dass mein Muster der Granny Stripes Decke furchtbar ähnelt. Aber bei näherem Hinsehen handelt es sich bei dieser Decke doch um eine recht löchrige Angelegenheit. Also nichts für meine benötigte Betondecke. Obwohl das Ineinandergreifen der Streifen recht hübsch anzusehen ist. Außerdem ist es mit Stäbchen doch immer ein flottes Vorankommen. Macht nichts. So kann ich weiter an meiner Decke herumüberlegen.

Haaach, ich liebe dieses Herumbosseln. Und Decken kann man nie genug haben. Der nächste Sommer kommt bestimmt, und da werden ja wieder Decken gebraucht. Für Zelte vor allem:






Dienstag, 28. Februar 2017

Kapitel 137 - Baby Talk

Also, ich bin kurz vor Jahresende Tante geworden. Das ist natürlich wunderbar, weil es mir eine großartige Gelegenheit bietet, kleine Dinge zu stricken, die schnell fertig sind und supersüß aussehen.

Unter all den Möglichkeiten habe ich mir schon Vorbereitung auf das große Ereignis einen Donald-Anzug für ein Baby ausgesucht, und zwar weil mein werter Schwager und neuer Baby-Papa ein ausgewiesener Comic-Experte ist und dies vor allem auch in Bezug auf Donald Duck. Was liegt also näher?

Zumal mir wieder mal im Urlaub folgendes Buch in die Hände gefallen ist, das ich für schlappe £ 5,- mitgenommen habe:



Schon das Titelbild zeigt ja, dass wir uns hier tief in den 80er Jahren befinden. Daher ist es kein Wunder, dass es auf den Technikseiten auch einen Hinweis darauf findet, wie man Schulterpolster einnäht. Wichtigstes Accessoire in den 80ern!

Jedenfalls enthält dieses Buch neben ein paar netten Intarsia-Pullis (Bambi!) auch ein paar Kleinkinder-Outfits, und zwar für einen Donald Duck sowie eine Mickey Mouse.

Nachdem das angegebene Garn ein reines Baumwollgarn war, bin ich also losgetrabt und habe erst mal ein bisschen Catania in den notwendigen Primärfarben gekauft: Royal (201), Signalrot (115) und Sonne (208).
Für ein Kleinkind erscheint mir das Garn auch eine gute Wahl, waschbar, z.B.

Schwieriger war es mit der Nadelstärke. Es sollte einmal eine 2 3/4 Nadel und einmal eine 3 1/4 Nadel verwendet werden. Da habe ich mal schnell mein Nadelmaß gezückt und alle meine 3er Nadeln gemessen. Übrig blieb eine Cubics-3er Nadel, die bei mir ein engeres Maschenbild produziert sowie meine größte 3er Nadel, die gerade noch so durch das Loch im Nadelmaß rutscht. Da ist der Unterschied groß genug, dachte ich.

Dann endlich angeschlagen und losgestrickt, aber ich hatte mal wieder etwas Wesentliches übersehen: ich stricke ja recht fest und das ist mit einem flutschigen Baumwollgarn nicht ganz so einfach. Leider.
Also gewöhne ich mich wohl oder übel an einen linken Zeigefinger, der deutlich durchfurcht ist.

Dann stricke ich also los. Sehr motiviert natürlich und auch einigermaßen flott.

Aber dann...dann merke ich, dass es sich um einen zwar kleinen Pullover handelt, der aber aus Kilometern von glatt rechts zusammengesetzt ist. Glatt rechts. Hübsch, klar, aber im Ernst? Glatt rechts ist einfach stinklangweilig nach einer Weile. Und es wird auch nicht länger, egal, wie lange man dran strickt.

Begonnen habe ich den Pulli am 12. November mit dicke Zeit bis Weihnachten, dachte ich. Das Baby hatte Termin an Nikolaus und für einen Überraschungstermin habe ich schon für alle Fälle eine BSJ gestrickt. Ich kann also nicht kalt erwischt werden.

Aber glatt rechts? Das dauert eine gefühlte Ewigkeit.

Endlich bin ich dann doch mit allen Teilen fertig. Es folgt also noch das zusammennähen. Das nervt vor allem deswegen, weil ich das nicht mal so locker vor der Glotze machen kann, sondern weil ich mir dafür einen ganzen Nachmittag Zeit nehmen muss, an dem ich mich hinsetze und in aller Ruhe die Stückchen zusammenhefte, um sie dann endlich Stichlein für Stichlein zusammenzustückeln. 

Kleiner Tipp gleich mal in diesem Zusammenhang. Ich hefte nix mehr mit Stecknadeln, sondern Stricksachen hefte ich nur noch mit dieser Art von verschließbaren Maschenmarkierern. Hält bombig und eignet sich perfekt zum Austarieren von kleinen Ungenauigkeiten.

Also, der Nachmittag kam und ging, Ärmel waren eingesetzt, die Seiten zusammengenäht. Dann also noch der Kragen. Ein riesiger Matrosenkragen, der einmal komplett um dein Ausschnitt herum eingesetzt werden wollte. Was tut man nicht alles für einen kleinen neuen Erdenbürger.

Und dann der Glücksmoment. Nichts ist so toll, wie wenn man die Qual geschafft hat. Mit dem fertigen Stück zum Wolleladen und Knöpfe gekauft (und Lob einkassiert). Knöpfe drauf und fertig.

Was fehlt noch? Die Mütze - als Baskenmütze in der Anleitung vorgestellt und die Socken - Entenfüßchen, ganz klar. Der kleine Donald ist bereit:



Das Ganze hab ich dann schnell mit dem darüberschwebenden Bügeleisen gedämpft, weil ich mir nicht ganz sicher war, was die Farbfestigkeit betrifft, wenn ich das wirklich so waschen und spannen würde, wie das immer von den Blocking-Priesterinnen angepriesen wird.

Das hätte mir am Ende nämlich jetzt noch gefehlt - ein total verfärbter gelber Streifen im Ärmel. Nee, nee. Das soll ruhig beim ersten Waschen passieren, wenn ich weit weg bin.



Die Socken haben mich dann noch ein paar Nerven gekostet, weil die Anleitung alles andere als klar und deutlich war, aber am Ende ging doch alles gut. Die Socken sind auch in Merino-Wolle schön dick und mollig gestrickt und nicht in dünner Baumwolle. 

Wenigstens war das ein Vorteil beim Schlussrennen - und beim wiederholten Auftrennen.



Was hier allerdings der seltsame Fleck auf dem Kragen soll, keine Ahnung. Ich hoffe mal, es sind nur ein paar Kalkbrösel aus meinem Bügeleisen. Bei der Übergabe jedenfalls habe ich nichts mehr gemerkt.




Das Baby kam ganz pünktlich am 7. Dezember und hat gleich am folgenden Tag sein neues Outfit überreicht bekommen. Da kann er jetzt in Ruhe hineinwachsen.

Und ganz ehrlich, es sieht doch wirklich wie Donald aus, oder? Ich bin jetzt drauf und dran doch das Mickey-Kostüm zu probieren. Es sieht auch allerliebst aus mit Pumphose und dicken Handschuhen.
Ich sag's ja, Stricken macht glücklich!

P.S.: Es wurde gemunkelt dieses Outfit zum Taufkleidchen zu machen, schließlich wurde der große Bruder auch in Lederhosen getauft. Aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe! So früh muss die Disneyfication ja nun nicht beginnen, oder?





Montag, 6. Februar 2017

Kapitel 136 - ich war verhindert, wirklich

Lieber Leser!

Offensichtlich willst du trotz der langen Funkstille auch im neuen Jahr bei mir vorbeischauen und hast aus diesem Grunde wohlwollend auf diese Seite geklickt. Sei herzlichst bedankt dafür.


Meine Vorsätze diesbezüglich sind natürlich immer wieder dieselben, aber dann hat mich der Jahreswechsel mit voller Wucht erwischt und siehe da: jetzt ist schon nicht einmal mehr Januar.

Was also war einstweilen los?

Das letzte Jahr hat es noch recht gut mit mir gemeint - im Dezember bin ich frische Tante geworden (davon bald mehr) und an Weihnachten hat sich das Leben ganz von selbst sehr angenehm in einen Zeitlupen-Sirup verwandelt, den ich - das muss ich zugeben - auch genossen habe.

Zu Neujahr schließlich habe ich mit großer Freude mein Garn-Glas ausgeleert, um es im neuen Jahr wieder anzufüllen:



Hierbei handelt es sich um ein großes Vorratsglas (Nudeln, denke ich) dessen Deckel ich irgendwann einmal verloren habe bzw. fälschlicherweise in der Spülmaschine komplett ruiniert habe, weshalb ich nun nur noch das Glas habe.

Für den Glascontainer zu schade aber als Erinnerungsspeicher perfekt. Hier hinein verpacke ich alle Garnreste, die ich im Laufe meiner Projekte abschnipseln muss (beim Vernähen), alle Banderolen finden den Weg hier hinein, und ich kann im Laufe eines Jahres ganz gut sehen, wie viel ich so gestrickt habe.

Zusätzlicher Bonus: wenn ich ein bisschen Restgarn brauche, in egal welcher Farbe, dann kann ich das ganz einfach feststellen. Provisional cast-on: kein Problem.

Die solchermaßen halb-entsorgten Banderolen haben den Vorteil, dass ich sie zu Not auch ganz leicht wieder hervorkramen kann, wenn mir doch das Garn einer bestimmten Partie ausgehen sollte.

Ich stricke meine Knäuels ja immer von innen heraus und da ist es nur eine Frage der Zeit, bis alles zu wabbelig wird, um das Stückchen Papier sinnvoll zu halten.

Außerdem ist es natürlich ein hübsches Erinnerungsglas, weil ich gut sehen kann, wohin mich meine Strickreise trägt in einem Jahr.

Im neuen Jahr wurde es dann bald superkalt - sogar zu kalt für meine Radlfahrt in die Arbeit. Das ist natürlich einerseits ganz angenehm, weil dann endlich der Rest der Familie am eigenen Leib erfährt, wie sinnvoll eigentlich unser Hobby ist.

Zum anderen aber ist es auch nicht so toll, wenn man in einem Haus wohnt, das hübsche Verandafenster aus den 60er Jahren hat. Genau: zugig ist gar kein Ausdruck!

Aber auch hier hilft das Hobby. Ich habe mich also gleich drangemacht einen so genannten Kältestopper zu häkeln, und zwar aus diesem recht hübschen Buch:


Meine hiermit gefertigte Schlange für die Fensterbank sieht so aus:


Sie hat schon ein paar Spielerunden hinter sich - prädikat besonders wertvoll.
Ohne Augen und Zunge ist sie bereits eingesprungen als Krake gegen den jeweils eine Herrscherin der Meerestiefen kämpfen musste und mittlerweile habe ich schon die Bestellung für eine zweite erhalten. Braun und grau bitteschön, denn so sehen die Weibchen der Kreuzottern aus. Jetzt weiß ich das also auch.

Wie man sehen kann, hat mich das neue Strickjahr wieder voll im Griff. Ich hab sogar schon neue Wolle gekauft (naja, kaufen müssen, ein Socken- und Versandkostenproblem).

Und nach dem Fest ist vor dem Fest, denn stellt euch vor: ich bereite schon den nächsten Adventskalender, wo gibt's denn sowas?

Die gute Nachricht lautet also: es gibt viel zu erzählen nach der langen Funkstille. Freut mich ehrlich, dass das jemand lesen will.

Danke euch.