Sonntag, 28. Januar 2018

Kapitel 144 - in dem ich merke, was ein Knitting Jag ist

Also, die Definition ist ja ganz einfach. Ein Knitting Jag ist eine Anleitung, die aus irgendeinem Grund bei einem selbst so einschlägt, dass man gar nicht anders kann, als SOFORT nach Beendigung eines Projekts genau dasselbe noch einmal zu stricken. Bzw. zu Häkeln.

Einfach ein Suchtmodell.

Das habe ich ja nun mehrfach schon gesehen bei Ravelry - eine ganze Reihe Nuvems z.B. oder die Billionen von Hitchhikern, die schon direkt hintereinander gestrickt worden sind. Martina Behms Modelle scheinen ja überhaupt solche Knitting Jags auszulösen.

Bei mir hat sich das Ganze eigentlich in Grenzen gehalten, weil ich ja sowieso meistens zwei Sachen von derselben Art stricken durfte - das ist schon mal die ganz grundsätzliche Tätigkeitsbeschreibung einer Zwillingsmama. Da war ich gar nicht in der Verlegenheit, mich durch mehrere - viele - Stricksachen hindurchmühen zu wollen, weil ich das ja sowieso schon hatte.


Tja, aber was ist das hier? Es ist - eine wahre Armada von kleinen, gehäkelten Babyschuhen.

Und zwar mit Reliefstäbchen. Diese Reliefstäbchen - viel komplizierter auf Englisch als front and back post half treble crochet bezeichnet waren ja nur die ursprüngliche Motivation, das einmal zu versuchen. Hatte ich noch nie versucht, sollte also irgendwie ein neuer Pfeil in meinem Strick- und/Häkelköcher werden.

Aber dann das? Ich weiß gar nicht, was mit mir los war. Aber das war plötzlich so ansteckend und ich wollte un-be-dingt sehen, wie das Ganze in anderen Farben aussieht. Ich war angefixt.

Selber bin ich gar nicht schwanger, auch in meiner näheren Umgebung - von ein paar entfernten Kolleginnen abgesehen - ist keiner schwanger. Woher kommt das? Soll ich mir Sorgen machen? Ich glaube nicht. Stattdessen habe ich mich einfach amüsiert beobachtet und zugesehen, wie die Menge an kleinen Schuhen immer weiter gewachsen ist.

Dann bin ich in den örtlichen Bastelladen geradelt, um Perlen zu kaufen, die ich ans Ende der Schuhbänder knüpfen kann. Auch dies mehrmals, damit ich auch wirklich alle möglichen Farben zu Hause habe, falls mich das Bedürfnis nach neuen Farben überrumpeln sollte.

Gehäkelt sind die kleinen Schuhe in einfachem Acrylgarn - meist Stylecraft Special DK, manche auch in Rico Baby Classic DK - beide lassen sich ganz wunderbar zu solchen Schühchen verhäkeln.

Und dann - war's vorbei. Ganz so plötzlich wie es angefangen hat. Die Schuhe wurden eingetütelt und in die Babybox gelegt, denn wenn auch im Moment niemand schwanger ist, dem ich ein paar solcher Schühchen verehren kann, so bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht so bleibt. Und warme kleine Schuhe, die nicht runtergestrampelt werden können sind als Geschenk wirklich was wert.

Ich habe mich als geheilt betrachtet, bis ich ganz zufällig in den Münchener Wolle Rödel-Laden im Tal gestolpert bin. Vordergründig natürlich, um meiner kleinen Häkeldame im Hause eine neue Farbe für ihre SELBST-gehäkelte Granny-Square-Decke zu verehren. Motivation usw. Das kennt man ja schon und bei 10-jährigen muss man einfach dranbleiben, damit aus ihnen wirklich Fadenverrückte werden und sie nicht in der "Mama, kannst du mir mal XYZ stricken"-Phase stecken bleiben.

Tja, aber was hat der brave Wolle Rödel gemacht? Er hat sein Rico Baby Classic ausgelegt, und zwar in Glitzerfarben!!! Gah! Es war nichts zu machen. Drei herrliche, babyhafte, glitzrige Glitzerfarben. Ich war machtlos.

Und gerade habe ich gesehen, dass es online sogar fünf Glitzerfarben statt der drei im Laden gibt. Wie können sie nur!

Ich habe mich für mint entschieden und es sind ganz wunderbare glitzrige hellgrüne Babyschuhe geworden. Haaaach, herrlich.

Dabei hat sich aber zum Glück herausgestellt, dass es sich nur um das eine Paar gehandelt hat. Zum Glück.

Vor ein paar Jahren war ich mit dem Baby Surprise Jacket ja schon einmal in einer ähnlichen Situation. Aber auch das hat sich gelegt. Ich bin also voller Hoffnung auf eine Heilung.

Und meine übrige Rico Classic DK Wolle kann ich ohne Probleme in dazugehörige Babyjacken verwandeln.

Wenn ich mir so zuhöre, dann kann ich glauben, dass in den diversen sozialen Strickstuben, die es hierzulande so gibt, durchaus Strickerinnen zu finden sind, die wirklich nur immer wieder Sockenpaare stricken - und zwar auf die immer gleiche Art - und nicht auch einmal etwas anderes versuchen wollen.

Vielleicht sind sie einfach von ihrem eigenen Knitting Jag nie heruntergekommen? ;-)



P.S.: Die Anleitung ist aus einem ganz wunderbaren Youtube-Video von wollholic Claudia. Man lese sich übrigens auch die Kommentare durch - ich bin nicht die Einzige!










Kommentare:

  1. Dich gibt‘s auch ja noch! Schön, mal wieder was von dir zu lesen.

    Bisher ist mir der Knitting jag nur mit dem Splittop passiert, aber vielleicht habe ich „die“ Anleitung bisher noch nicht gefunden...

    LG
    Connie

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    1. Danke dir, war ne lange Sendepause, ich weiß, aber neues Jahr, neues Glück!
      Das Splittop hab ich auch noch auf der Rechnung. Vielleicht springt da auch der Funke über?
      Liebe Grüße,
      Margareta

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  2. Ach was sind das für niedliche süße Booties, irgendwie kann ich das schon verstehen und freue mich mit Connie, mal wieder von Dir zu lesen!
    Bei mir äußert sich der/das knitting Jag dergestalt, dass ich oftmals ein Projekt, das ich gerade auf den Nadeln habe, unnpetint noch einmal stricken muss, weil mir eine noch bessere Garnkombi oder -stärke in den Sinn gekommen ist. Ansonsten bin ich wohl zu faul für sowas und an schnellem Babykrams ist hier wirklich kein Bedarf...
    Liebe Grüße
    Regina Fadenkram

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    1. Ja, bessere Garnkombi leuchtet ein. Ich hab mir auch schon oft gedacht, dass das zweite Mal (also der zweite Socken z.B.) eigentlich doch viel schneller geht, weil man nichts mehr ausknobeln muss.
      Liebe Grüße,
      Margareta

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