Mittwoch, 13. Februar 2013

Wie geht es weiter?



Die verstrickte Dienstagsfrage 7/2013

12FEB
Wie entscheidet ihr was ihr als nächstes strickt??
Geht ihr nach einem bestimmten Farbschema oder nach Hersteller oder einfach nur danach, was euch gerade "anhüpft"??
Ich habe immer das Problem, dass ich mir ein Knäuel Wolle aussuche und sobald ich es verstricken will, gefällt es mir nicht mehr und ich muss ein anderes nehmen. Und das "Erstgewählte" verschwindet dann tief unten in der Versenkung!
Ich bin gespannt,was ihr so Interessantes dazu beitragen könnt.
Vielen Dank an Angela für die heutige Frage!
Interessante Frage für die Strickerseele diesmal. Ist gar nicht so einfach zu beantworten, und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen bzw. Grundregeln des Strickens:

1. Die Tapetenrolle ist immer voll.

Ganz gemäß dem Spruch meiner Großmutter gibt es auf dieser Liste die 'notwendigen' Stricksachen, die 'nützlichen' und die 'angenehmen'.
Mit anderen Worten den Fingerhandschuh, bei dem die eine meiner Damen während eines langatmigen Kindergottesdiensts genüsslich das bereits vorhandene Minilöchlein mit Ausdauer und perfektem Pinzettengriff soweit vergrößert hat, bis sie einen Faden in der Hand hatte, der bei weiterem Dranziehen zum völligen Verschwinden eines der Finger geführt hätte. Zum Glück konnte ich rechtzeitig von hinten über die Bank hinweg zuschnappen!




Dann gibt es die Strickjacke, bei deren Fertigstellung nur noch der zweite Ärmel fehlt, und die dazu dienen würde, die Heizkosten drastisch zu senken, weil man sie - dick und mollig wie sie ist - ohne Weiteres auch am Schreibtisch arbeitend in einem ungeheizten Zimmer im Februar anziehen könnte. Nützlich!




Schließlich die hübschen Stulpen, die ich erst gelernt habe und jetzt so gerne verschenke. Weniger notwendig, aber so angenehm zu tragen und so 'pretty'. Vier Paar schon fertig, weitere in (geistiger) Arbeit - Geburtstagsgeschenke, etc. So einfach wie 'angenehm'.




2. Die Strick-Stimmung ist manchmal komplett äußeren Einflüssen unterworfen (aka: den Jahreszeiten und dem Netz).

Wie schon der Wollfrosch auf diese Frage geschrieben hat, ist es schier nicht möglich, bei diesem Hobby nach Plan vorzugehen. Ein Klick auf Ravelry und die gesamte Tapetenrolle ist umgeschmissen - die Reihenfolge verändert, manche Projekte komplett verschwunden, mindestens 20 neue Projekte aufgenommen.

Das gilt natürlich am Beginn eines Jahres im Besonderen, denn immer dann sind alle anderen Strickblogs, die man so liest, voll von den Plänen für das kommende Jahr und natürlich ist man dann selbst auch gezwungen, (neue) Pläne zu machen.

Dazu kommt das Wetter - kalt? warm? nass? womöglich heiß? und die Situation - laut? leise? genügend Platz für Anleitung und verschiedenfarbige Knäule oder gerade Platz für ein Miniprojekt? und schließlich die Zeit - zwei Stunden am Stück oder nur 10 Minuten zwischendurch?

Da werden zwangsläufig Pläne verworfen und neu entwickelt, und es ist kein Wunder, dass man nicht mindestens 5 verschiedene angefangene Arbeiten - neudeutsch WiPs - hat oder zumindest immer wieder neue anschlagen will.

3. Das Adabei-Syndrom wohnt in jedem von uns.

Das ist eine Krankheit, die gerne den Süddeutschen (und da vor allem der Snobhälfte aus der Stadt in Alpennähe) angelastet wird: sie wollen immer und überall 'auch dabei' sein (= adabei). Allerdings stelle ich zunehmend an mir selbst fest, dass ich UNBEDINGT auch bei bestimmten strickrelevanten Sachen mitmachen will. Die Ansteckungsgefahr ist einfach enorm hoch und niemand hat das besser beschrieben als die Urmutter aller Strickbloggerinnen. Sie vergleicht die Stricker mit einer Vogelschar, die in eine Richtung fliegt, bis sie schließlich auf ein unhörbares Kommando hin plötzlich nach links abschwenkt und sich auf ein bestimmtes Muster stürzt, das dann alle gleichzeitig stricken.
(Beginn: 2.38)




Tatsache ist, davor bin ich auch nicht gefeit und hab das schon an dieser Stelle durch Erwähnung des berühmten Color Affection kundgetan.
Im Moment sind das bei mir aber die Socken. Darf ich also vorstellen: meine Socken seit September, entstanden durch den unglaublichen Ansporn der Sock Knitters Anonymous.


September: Thema 'Rot'

Oktober: Thema 'selbstmusterndes Garn'

November: Thema 'Strukturmuster'

Dezember: Thema 'mit Perlen stricken'

Januar: Thema 'Flora'

Dabei weiß ich manchmal gar nicht, was mir mehr Spaß macht. Das Stricken der Socken oder das Ausdenken der Muster zu den Themen oder die Themen selbst oder das Dabeisein. Wahrscheinlich alles auf einmal, aber sicherlich vor allem auch letzteres!

Damit wäre also die Dienstagsfrage am Mittwoch endlich beantwortet: nein, ich entscheide nicht nach Farbschema oder Hersteller, sondern ich entscheide nach Thema und suche mir dann die Wolle aus: Reparatur oder Geschenk oder Spaß.

Und wenn ich das Knäuel dann zum Thema gewählt habe, dann wird einfach losgelegt.




Kommentare:

  1. Haach ja, schön das zu lesen. Wie gut ich Dich verstehe und dann flüstere ich Dir auch noch, dass ich zu Beginn meiner Bloggerei, vor knapp 2,5 Jahren also, noch felsenfest überzeugt war, im Leben alles noch zu stricken, ALLES, außer Socken!!! Jetzt sind sie meine größte (Strick)Leidenschaft. Und das macht das Stricken doch so toll so spannend, so interessant, so entspannend und so einmalig!
    Liebe Grüße
    Regina

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  2. Absolut! Ich träume immer von Strickjacken, die ich unbedingt stricken will und dann habe ich das nächste Paar Socken auf der Nadel. Ein Faszinosum! Aber wenigstens eine will ich doch heuer fertig bringen. ;-)

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  3. Die Einteilung deiner Oma muss ich mir merken - wobei ja gerne das Notwendige (i.e. neue Handschuhe fuer's Toechterchen) oder das Nuetzliche (endlich mal die Strickjacke fuer mich) gerne mit dem Schoenen verbinde (schoenes Garn, ausgefallenes Muster).

    LG
    COnnie

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  4. Ja, das sehe ich genau so. Wenn es schon sein muss (also das Notwendige), dann dürfen wir auch unseren Spaß haben. Oder wie Wendy Johnson gesagt hat: "Es ist schließlich ein Hobby, und da stricke ich nichts, was ich nicht wirklich stricken will". Wir setzen einfach "'ver'-stricken" und nehmen ein tolles Garn.
    Bei den Kinderhandschuhen empfehle ich aber bei näherem Überlegen vielleicht doch eher ein einfaches Muster. Bei mir sind schon ein paar verloren gegangen, und da hätte ich mich noch mehr geärgert, wenn ich ein superkompliziertes Muster gewählt hätte.

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