Dienstag, 28. Juli 2015

Kapitel 120 - Sie strickt einen Pullover

Es ist wahr! Ich greife hier im Titel die freundliche Mail meiner freundlichen Leserin Connie auf, die schon auf Ravelry bemerkt hat, dass ich endlich den Schritt gewagt habe.

Ich stricke einen Pullover. Ohne Angst vor langen Reihen linker Maschen und ohne Verzweiflung von der ersten Sekunde an. Wie kam's?

Vor einer ganzen Weile bin ich schon vom Stitch'n'Bitch Virus befallen worden. Die Anleitungen sind es dabei nicht so sehr, die mich so fesseln, aber Debbie Stollers Art zu schreiben ist einfach herrlich! Außerdem habe ich eine Schwäche für diese Bücher, weil ich mich dank ihrer schließlich und endlich an englische Anleitungen gewagt habe. Und wenn dieser Schritt gelingt - davon spricht ja mehr als ein deutscher Strickblog - dann geht das Handarbeitsleben erst so richtig los!

Na, und da will ich jetzt endlich auch mal hin.

Zurück also zum Knitter's Handbook, das nach mehrmaligem Durchblättern dann doch eine Reihe von netten Sachen aufweist, so zum Beispiel einen Kapuzenpullover komplett mit cooler Eingrifftasche vorne. Der hat mir gleich gefallen und ich hab mir kurz entschlossen auch Garn in meinen bevorzugten Farben gekauft. Das war vor ein paar Jahren.






Kaum war das Garn da, ist es erst mal in der Kiste gelandet. Ich wollte (und konnte) nur Socken stricken. Ich hätte aber natürlich jederzeit damit anfangen können, denn ich Schlauberger hatte das Garn ja schon angeschafft.

Tja, und dann ist passiert, was bei mir üblich zu sein scheint: das Garn ist in den diversen Schichten des Wollvorrats immer weiter nach unten gesunken, bis ich es schon total vergessen hatte.

Zum Glück gibt's die anderen Blogger! Diejenigen nämlich, die unerschrocken sogar die schwierigsten Muster abändern und ohne mit der Wimper zu zucken eine Ärmelversion ihrer Wahl einsetzen. Davon kann man wirklich nur eine bestimmte Dosis gebrauchen, bis man anfängt zu denken: na also, ist das wirklich so schwer? Kann ich das nicht auch versuchen? Zumindest irgendwie?

Dabei ist man natürlich auch ein kluger Mensch, der die eigenen Grenzen einschätzen kann. Alles, was an Herrlichkeiten im Netz gezeigt wird, werde ich meiner Lebtag wohl nicht mehr stricken können. Aber zumindest ein Teil davon soll es sein. Und bereits dafür benötige ich eine Lernkurve, die möglichst weit unten beginnen muss, sonst ahne ich den Absturz.

Also: zurück in die 80er (die ja sowieso grade groß in Mode sind) und zurück zu den überschnittenen Schultern. Da werde ich ja hoffentlich nicht auch noch einen Murks fabrizieren.

Der positive Nebeneffekt meiner jahrelangen Sockenmanie ist ja dann doch zum Glück ein wenig Strickerfahrung, die es mir ermöglicht, bestimmte Aspekte der Anleitung (Maschen aufnehmen, zwei Strickteile miteinander verbinden) tatsächlich auf Anhieb verstehen zu können.

Und dann war ich ja auch in einem Kurs, der mir vor allem eines beigebracht hat: Maschenprobe, Maschenprobe, Maschenprobe.

Ich hab also eine Maschenprobe gestrickt, und sogar mit zwei verschiedenen Maschenstärken. Clever abgetrennt durch eine Reihe linker Maschen. Und das Ganze schon ziemlich bald nach dem Kauf der Wolle:


Weniger clever habe ich mir natürlich nicht notiert, um welche Nadelstärken es sich gehandelt hat. Das heißt, ich habe jetzt eine ganze Weile mit dem Studium eines kleines Strickstückerls verbracht, nur weil ich partout keine Lust mehr hatte noch einmal eine Maschenprobe zu stricken. Strafe musste sein.

Für die Zukunft hab ich wenigstens diesen goldenen Tipp ausgegraben: die Nadelstärke wird per Knoten im Abkett- bzw. Anschlagfädchen vermerkt: vier Knoten, Nadel 4mm. Das krieg ich hin!

Jetzt musste ich mir also nur noch einen Mitstreiter suchen, der auch auf dem Weg zum Bekleidungsstricker ist, und dann ging's los:

Zuerst das Rückenteil. Da war nicht viel zu machen, das ging auch flott von der Hand dank diverser Bollywood-Schnulzen (es macht eben Sinn, wenn Filme drei Stunden lang sind - viel Zeit fürs Stricken).


Im Vorderteil ging es schon ein bisschen anders zur Sache, denn hier sollte ja die Tasche angestrickt werden und der Ausschnitt irgendwie überlappend gestaltet werden.

Das hat mich ein paar Abende gekostet, an dem ich nur zwischen Strickzeug und Buch hin- und hergeblickt habe. Und nie war ich so dankbar für die Leertaste am Computer, die so clever und schnell einen Film pausieren kann.

Aber: Tasche fertig.
Und: Ausschnitt asymmetrisch auch fertig. Das war ein bisschen Gefummel beim Aufnehmen der Maschen hinter dem abgeketteten Teil des Vorderteils, hat aber auch geklappt.



Jetzt also die Ärmel. Und hier folgt dann die Strafe für mein Zögern auf dem Fuß. Denn: Es ist ja klar, dass der Effekt einer Kistenhortung von Wolle derjenige ist, dass diese Wolle aus dem Programm genommen wird. (Gah!!! wie der Engländer sagt)

Und ich bin leider nicht Tina, die von ihr geliebten Lord von Lana Grossa so viel vorrätig hat, dass sie locker mehrere Großfamilien einkleiden könnte. Nee, bei mir waren's nur ein paar anhand der Angaben in der Anleitung ausgerechneten Knäuel. Tja, und jetzt stehe ich da.

Zuerst habe ich die Ärmel mit der zu viel gekauften Streifenwolle begonnen. Lieber das Grün am Anfang als oben, wo der Ärmel eingenäht wird, dachte ich mir.



Dann dachte ich mittendrin: Nee, komm, das klappt doch. Haste doch noch zwei ganze Knäuel plus einen Rest vom Vorderteil. Das reicht doch. (Ich gebe ehrlich zu: es war hauptsächlich die Angst vor der Peinlichkeit, zweifarbige Ärmel zu haben, wenn am Ende locker genügend türkisfarbene Wolle für einen dritten Ärmel übrig bleibt. Ich bin komisch!)

Hab dann mit einer anderen Nadel die Ärmel in türkis noch einmal angeschlagen und losgestrickt.

Kaum waren die Ärmel zu einem Drittel gestrickt, überwog die Angst wieder. War doch kein guter Vorschlag. Also zurück zur grünen Variante und die türkisen aufgetrennt.



Und so weit bin ich nun. Ärmel zur Hälfte fertig, es fehlen noch ca. 11 beidseitige Zunahmen, da wird also noch Wolle verbraucht.

Dann folgt dieselbe Qual für die Kapuze, denn auch von lila hab ich nur noch ein ganzes und ein kleines Knäuel übrig. Zur Not habe ich schon einmal im Wollvorrat gewühlt und mir schon ein anderes lila Garn bereitgelegt. Es ist nicht ganz die richtige Farbe, aber was soll ich machen. Die Kapuze soll ja eh nur Schmuck sein und wird wohl kaum getragen. Da geht's vielleicht irgendwie. Und die Ärmel werden eben zur Not grün-türkis-grün, denn fertig werden sie auf jeden Fall.

Und was lernen wir jetzt draus?

Dass Pullis auf jeden Fall bei mir 'Strick ich gleich'-Projekte sein müssen. Auf jeden Fall! Und zusätzlich kaufe ich beim nächsten Mal ne Masse an Reserveknäuel. Was soll mir schon passieren? Bin ja schließlich nicht umsonst in der RestEnd-Gruppe.

Dienstag, 30. Juni 2015

Kapitel 119 - Mein neues Spielzeug

Also erstens. Es ist nicht meine Idee. Leider eigentlich. Sondern, ich hab sie - wie so viele Inspirationen - von Lucy von Attic24. Und zwar zeigt sie immer mal wieder ihre eigene Möglichkeiten zum Ausprobieren verschiedener Farben. Zum Beispiel hier (bitte ein bisschen runterscrollen).
Sind das nicht die hübschesten Wäscheklammern überhaupt? Da muss man doch direkt schreien: "Ich will auch!"

Dann hat Sandra von CherryHeart darauf reagiert und sich auch so ein Spielzeug gebastelt. Andere Art, gleicher Zweck, anzusehen hier.
"Wie cool ist das denn?"

Dabei lerne ich außerdem unglaublich viel. Da werden einzelne Bilder in Farben umgesetzt, zum Beispiel in diesem Eintrag. Da könnte ich eine halbe Stunde nonstop draufstarren und mich über die Farben freuen.

So viel Inspiration, das will ich auch!

Also hat es sich ganz gut ergeben, dass ich sowieso auf der Suche nach einem neuen Deckenprojekt war. Fündig geworden bin ich schließlich in diesem Buch:



Und zwar bei der Kuscheldecke aus Sechsecken. Ein superschönes Projekt mit den tollsten Farben, die ich so wahrscheinlich gar nicht zusammengestellt hätte. Weiß und creme? Nie!

Aber seht mal:



Das passt doch eigentlich ganz gut zusammen und wird auch ganz hübsch, denke ich.

Also hab ich mich auf die Suche gemacht nach einer Basis für mein neues Farbgewickel und bin im örtlichen Bastelladen fündig geworden. Wäscheklammern wollte ich nicht nehmen und ich hätte nicht gewusst, woher ich die Etiketten nehmen sollte. Aber: diese Dinger sind genau das, was mir so vorgeschwebt ist:



Das sind so genannte Bastelhölzer. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, was man mit ihnen basteln sollte, aber für meine Zwecke sind sie perfekt. Genug Platz zum Wickeln, genug Platz um draufzuschreiben, was herumgewickelt ist. Und mit weniger als 2 Euro für 50 Stück supergünstig. Wat willste mehr?

Los ging's. Zuerst gewickelt.


Dann beschriftet.

Macht einen Riesenspaß.


Die Damen sind auch ganz begeistert.


Jetzt kann man schon anfangen, richtige Farbstudien zu betreiben. Die Fahne, z.B. Lieber so?

Oder so?

Blaue und graue Töne:





Zwei Dinge sind unschwer zu erkennen:

1. Es ist beileibe kein Profi am Werk. Mann, hab ich noch viel zu lernen im Umgang mit Farben!

2. Ich hab zu wenig! Wie soll ich schließlich hier eine richtige Zusammenstellung üben, wenn mir von den Stylecraft Farben noch mindestens 25 fehlen? Das kann doch gar nicht gehen, oder???

Ich schließe also für heute mit den unsterblichen Worten von Tina in dem rbb Beitrag über sie und andere Stricker (auf ihrer Seite rechts zu finden, aber vielleicht aus der Mediathek genommen): "Ich muss immer Wolle haben!"

Dienstag, 23. Juni 2015

Kapitel 118 - Fortschritt im Fairisle

Es gibt auch gute Nachrichten. Die sind bitter nötig, wenn man sich durch das Durchklicken all dieser herrlichen Blog-Seiten immer wieder die Bestätigung holt, dass man dieses und jenes und das auch noch nicht kann. Es ist ja insgesamt so viel los, dass es scheint, als würden minütlich wunderbare Werke veröffentlicht, die man selbst nie und nimmer so hinkriegen würde.

Da ist jetzt einfach mal Zeit für eine positive Meldung. An dieser Stelle ist es mir also ein großes Vergnügen, mitzuteilen, dass meine langjährigen (sprich einjährigen) Bemühung um die richtige Fadenspannung beim Fairisle, also beim Jacquardstricken endlich doch irgendwie von Erfolg gekrönt gewesen sind.

Ich hab ja schon mal darüber geschrieben, dass ich als alter Brett-stricker zu einem endlosen Geziehe der Spannfäden neige, das dann dazu führt, dass bestimmte Mustersätze nicht nur schwächer zu sehen sind, sondern völlig in der Hintergrundfarbe verschwinden.


Kann irgendjemand erkennen, welche Tiere hier hineingestrickt wurden? Nein? Kein Wunder!

OK, ein Plan muss her. Ein richtiger Übungsplan. Den habe ich mir dann in Form dieser Anleitung gekauft: 
Wendy Johnson's Leftovers Cowl.

Ein aufwändiges Projekt, das schon, aber ich muss ja auch viel üben! Und wenn schon, dann lieber gleich richtig. Entweder meine Fadenhaltungsfertigkeiten ändern sich signifikant oder ich schmeiße die ganze Chose in die hinterste Ecke. Schluss, aus!

Mit dem Faden hab ich dann auch gleich enthusiastisch herumprobiert. Rechte Hand, linke Hand, je ein Faden in je eine Hand, ich bin alles durchgegangen, aber letztendlich bin ich doch bei der altmodischen Beide-Fäden-Links-Methode geblieben. Mit einem großen Seufzer, denn ich wollte so gerne cool mit je einem Faden pro Hand das Strickzeug halten und dann mit meinen Stricknadeln elegant herumwirbeln, sodass das ganze Vorort-S-Bahn-Abteil mit offenem Mund meine Zauberfinger bewundern muss. Vanity, thy name is also ganz offensichtlich my name. Kein Wunder, dass da die Strickgöttin dagegen war!

Ich hab mich stattdessen ganz pragmatisch für meine linksfädige Methode entschieden, weil sie eben doch im Vergleich die schnellste war und ich mir damit zugetraut habe, langsam aber sicher die richtige Fadenspannung hinzubekommen.

Das Projekt wurde im Februar 2014 ganz enthusiastisch gleich nach Kauf der Anleitung begonnen, denn als alter Sockenstricker hatte ich ja wahrlich genügend Wollreste:



Gemerkt? Eine echte Win-win-Situation!

Es ging auch gleich flott voran. Die Anleitung ist super verständlich und schön knapp gehalten. Ich war voll motiviert:



Weil dies überdies mein erster Cowl werden sollte, hab ich mich ganz streng an die Anleitung gehalten, die erforderliche Maschenanzahl angeschlagen, Marker gesetzt und die Farben nach jeweils einem Durchgang von 101 Reihen vertauscht.

Man ist eigentlich natürlich völlig frei, kann die Farben verstricken, wie es einem einfällt. Mir hat die Wiederholung mit unterschiedlichen Farben (Vordergrundfarbe wird zum Hintergrund und umgekehrt) vor allem auch deshalb so gut gefallen, weil man dadurch Farbkombinationen zu sehen bekommt, die einem vielleicht sonst gar nicht einfallen würden.

Meine Zwischenbelohnungen im Projekt fielen dürftig aus. Die anfänglich aus Wollresten geknüpften Maschenmarkierer (siehe oben) wurden im Laufe des Jahres zu echten Markierern. Der Beginn der Reihe wurde mit einer Perle gekennzeichnet (s.o.) Aber das sind nur Kleinigkeiten.

Die weitaus bessere Idee hat Wendy Johnson in ihrer Anleitung vermerkt. Es empfiehlt sich, so schreibt sie mit Nachdruck, die Fäden jeweils schon nach einem Durchgang der kompletten Strickschrift zu vernähen. Und wenn man den Cowl auf links dreht, dann weiß man auch warum:


So richtig schön zum Gruseln! Aber das muss man meditativ sehen. Gute Musik anmachen. Eine scharfe Schere und die richtige Nadel parat legen und los geht's. Wenn das jeweils immer nach einem Mustersatz gemacht wird, dann ist es irgendwie doch gar nicht so viel (mein Cowl hat insgesamt sechs Mustersätze).


Dann gab es schon bald die Halbzeit zu feiern. Wird doch.

Ich bin immer noch am meisten davon fasziniert, wie unterschiedlich die einzelnen Muster aussehen können, wenn man die Farben vertauscht. Zum Beispiel hier: weinrot/cremeweiß.


Das Muster hab ich ursprünglich als rotes Muster auf weiß gedacht. Aber seht mal: ist es in weiß auf rotem Grund nicht sehr viel hübscher?


Eigentlich ergibt sich mit diesem Projekt also sogar eine dritte Win-Situation, nämlich die Möglichkeit, anhand von kleinen Garneinheiten bestimmte Kombinationen zu testen. Gar nicht so übel.
Das nächste Jacquard-Projekt soll nämlich doch ein Pullover werden. Wenn auch (noch) nicht für mich, so doch vielleicht in dieser Art. Wäre doch nett. Und mit Farben könnte ich dann auch ein wenig spielen.

Was mich bei der Beziehung Stricker-Strickprojekt allerdings wundert, ist, dass sie immer nach demselben Schema verlaufen. Bei mir jedenfalls.
Am Anfang herrscht die totale Euphorie. Da wird gestrickt, auf Teufel komm raus, damit man schon mal sehen kann, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt.
Dann kommt der Stimmungsknick. Überhaupt keine Lust mehr auf das Projekt. "Nee, nicht schon wieder dieses Ewigkeitsteil!" Ab in den Strickkorb für eine Weile. Bei mir waren es ein paar Monate.

Das ist wahrscheinlich zur Entwöhnung gedacht, weil kaum treibt einen das schlechte Gewissen dazu, das Projekt wieder hervorzukramen, weiß man binnen zehn Minuten eigentlich nicht mehr, warum es anno dazumal überhaupt zum schlafenden Monstrum geworden ist. "Macht doch Spaß."

Aber dann: die schlimmste Phase. Kurz vor Ende geht einfach 'nix mehr weida'. Da strickt und strickt und strickt man und man kommt nicht vom Fleck. Man träumt sich schon an das Ende, aber das lässt auf sich warten. Man verstrickt sich und muss auftrennen. Man verliert eine Masche und muss sie mühsam wieder hochpfriemeln. "Nee, das wird doch nichts mehr."

Und dann ist er plötzlich doch da. Der allerletzte Moment. Bei diesem Projekt ist sogar ein Wunder vorgeschaltet, denn bevor der Cowl per Maschenstich mit der ersten Reihe zu einem Strickschlauchring verbunden wird, muss gedämpft werden. 

Bügeleisen an und los geht's. Abrakadabra verwandelt sich ein bis dato ein bisschen schiefes Gestrick - wie gesagt, war ja eine Übungsaufgabe - in ein glattes Wunderwerk. Ich könnte jetzt nicht beschwören, dass sich meine Begeisterung am Bügelbrett nicht in wenigstens ein paar gequietschten Schreien geäußert hat. "Toll!"

Dann die Kinder rausgeschickt, mein altes Debbie Stoller Buch herausgekramt und Ende mit Anfang per Maschenstich verbunden. Maschenzahl stimmt! Letztes Ende vernäht und durchgeschnauft. Fertig!
Endlich!
Fertig!




Über 500g Wollreste sind da hineingewandert.

Wenn ich mich ein bisschen anstrenge, dann kann ich auch die einzelnen Restchen dem jeweiligen Sockenpaar zuordnen, von dem es stammt.

Ich kann mir den Cowl zweimal um den Hals schlingen und werde doch nicht gewürgt. Sondern nur mollig warm. Er trägt sich herrlich.

Und im Herbst kaufe ich mir dazu einen Hammer-Mantel. Am besten in schwarz.





Freitag, 5. Juni 2015

Kapitel 117 - die Norweger kommen!

In der Menge der Paralleluniversen zur magischen Welt der Stricker und Häkler gibt es ja auch eine ganze Reihe von Hobbys, die in ihrer Seltsamkeit dann schon wieder faszinierend sind. Ich spreche hier von den berühmten Zugbeobachtern (siehe Trainspotting), den Anglern oder den Sammlern von Backstage-Pässen. Die Preise sind nicht übel, oder?
Wenn ich es auch irgendwie bedaure, dass den Briefmarkensammlern und auch den Modelleisenbahnfreunden der Nachwuchs fehlt, so kann ich es doch irgendwie verstehen. Es gibt einfach kaum mehr hübsche Marken mit hübschen Zacken und welcher 15-Jährige hat heute annähernd die Geduld auf ein echtes Krokodil hinzusparen, so wie man das mal anstandslos gemacht hat? Jedenfalls kein 15-Jähriger, den ich kenne.

Und dann gibt es noch die Welt der Schachspieler. Da, wo Turniere irgendwo in Bali oder Armenien durchgeführt werden, zu der aber doch die Weltelite im Schach reist.

Aber dem Schach geht es doch wie dem Stricken, denn es sind beides Hobbys, die unglaublich von den modernen Medien profitieren. Endlich lassen sich diese Schachturniere unmittelbar übertragen und damit aus der ganzen Welt mitverfolgen. Mit Kommentarfunktion.
Und endlich lassen sich auch alle möglichen Strickherrlichkeiten der anderen Wollfanatiker problemlos bewundern.

Mit dem norwegischen Wunderknaben Magnus Carlsen ist jetzt aber auch die Verbindung zwischen beiden Hobbys geglückt, denn dieser Herr hat nicht nur bereits für verschiedene norwegische und amerikanische Labels gemodelt, er widmet sich jetzt auch dem ur-norwegischen Wollprodukt, dem berühmten Pullover.

Auf dieser Seite kann sich jeder durch ein bisschen Herumgeklicke (über Strikk) einen eigenen Schachpullover entwerfen, komplett mit richtiger Maschenangabe der Schachfiguren. Auch die Konkurrenzvorschläge sind zu bewundern. Seht mal:



Alle Bilder sind dieser Seite entnommen.

Gedacht ist das natürlich als Werbegag, denn man kann/konnte die erstellte Vorlage auch einreichen. Aus dem Gewinnervorschlag wird von der Firma ein richtiger Norwegerpulli erstellt, der dann auch von Magnus getragen werden wird.

Aber auch wenn man von Schach wenig Ahnung hat und kein Norwegisch versteht kann man auf dieser Seite viel Spaß haben. Vielleicht schon mal als Ideenstütze für Weihnachten?


Montag, 4. Mai 2015

Kapitel 116 - in dem ich einen eigenen Plan verfolge

Was mich schon seit Jahren an den Ikea-Katalog sowie die diversen Magazin-versionen dieses Unternehmens fesselt, sind die Ideen, auf die ich selber gar nicht gekommen wäre.

Ich erinnere mich noch an einen Topfdeckelhalter für die Innentür eines Küchenschranks, der spontan und in Massen an die Wand geschraubt eine schicke Zeitschriftenablage ergeben hat. Das wäre jetzt zwar nun nichts für meine eigenen riesigen Zeitschriftenstapel, die ganz langweilig in Stehsammlern lagern, aber die Idee war's, die mich begeistert hat. Einfach mal was anderes. Etwas, das nicht so verwendet worden ist, wie gedacht, sondern anders.

Meine eigenen Bemühungen diesbezüglich erschöpfen sich dabei bisher ganz profan in der meiner eigenen Kinderabteilung, wo ich schon das zweite, bei uns so genannte Stifte-Boot erworben habe. Sieht hübsch aus und lässt sich einfach von A nach B transportieren:


Das ist zwar kaum mehr zu erkennen, aber es handelt sich hierbei um einen Besteckkasten, komplett mit Tragegriff:



Was das Stricken betrifft, so bin ich mit meinen Bemühungen noch lange nicht so weit, um einfach nach Belieben Anleitungen umzufunktionieren, so wie ich das bei Alpi so cool gesehen habe. Schal zu Rock, das ist einfach: wow!

Aber jetzt bin ich ja (wieder) im Häkeldeckenrausch und da ist es mir tatsächlich einmal geglückt. Noch bin ich nicht ganz fertig, aber fast.

Los ging es in dieser Zeitschrift:


Hierin findet sich eine Anleitung für einen Hundemantel. Ja, richtig gelesen. Und beides trifft auf mich ja nun gar nicht zu. Weder Hund, und selbst wenn, dann auf jeden Fall überhaupt keinen Hund mit Mantel.

Aber seht mal, wie hübsch das aussieht. Das sind echte Schneeflocken! Also die wollte ich schon gerne nachhäkeln:


Die gehen auch recht flott von der Hand, nur mit der Farbauswahl war ich noch gar nicht zufrieden. Das sind alles Reste und ein paar Zusatzknäuel von Wolle Rödel Universal. Hab ja eigentlich vorgehabt, zu diesem Garn zu wechseln, weil es sich so super verhäkeln lässt. Aber die Farben! Viel zu wenig!

Ich hatte nämlich zwischenzeitlich den Geistesblitz, einen Regenbogen zu machen.  Das sieht dann so aus:


40 Sechsecke: vier Reihen zu fünf und fünf Reihen zu je vier Fleckerl.

Jetzt ging es nur noch darum, festzulegen, welche Farben in der Mitte die längsten Streifen bilden sollten. Ich hab ein bisschen herumgekritzelt und mich schließlich für gelb und grün entschieden. Die Decke ist für ein kleines Mädchen und da soll es ruhig ein bisschen leuchten!


Die Farben sind allerdings mühsam zusammengesucht. Nur das Grau in der Mitte und das Lila sind von Wolle Rödel übrig geblieben. Für Pink, Rot, Gelb und Dunkelblau bin ich auf Stylecraft ausgewichen (schnell und problemlos über diese Seite zu beziehen). Hellgrün und Hellblau ist eine Souvenir-Wolle aus meinem Englandurlaub, daraus sollte mal eine Boshi-Mütze werden. Ist manchmal gar nicht so übel, wenn man seine Vorsätze nicht gleich in die Tat umsetzt.

Blieb also das Orange. Stylecraft bietet zwei davon an, ein Neon Orange und ein eher kürbisartiges. Da hab ich also Neon ausprobiert. Aber leider: viel zu neonartig.

Was nun? Bei Poco von Junghans gibt es ein Orange, das ich schon in meiner Hippiedecke verhäkelt habe. Das wäre es vielleicht. Aber schnell bei der Decke nachgesehen:


Würde gehen. Hab ich aber nicht mehr übrig, denn aus meinen Resten hab ich eine Puppendecke gehäkelt:


Und eigentlich wollte ich ja meine Poco-Vorräte langsam verringern, weil das Garn nicht ganz so formstabil bleibt, sprich ein bisserl fusselt bei Beanspruchung (Decken!). Außerdem ist es ein wenig dünner als mir lieb wäre.

Als letzte Hoffnung bleibt mein örtlicher Wolle-Laden, der zwar eher konservativ orientiert ist, aber dafür auch viel Schachenmayr führt. Da gibt es nämlich noch die Bravo.

Auch da gibt es ein neon- und ein kürbisorange. Aber das Neon ist mehr Orange als Neon, das isses!

Verbinden wollte ich die Fleckerl diesmal etwas elaborierter, auch um die Knallfarben des Regenbogens ein bisschen aufzubrechen. Meine Bibliothek bietet dazu folgendes Nachschlagewerk an und damit hab ich auch gleich losgelegt:




Sieht ja schon ganz gut aus. So ähnlich hab ich's mir auch vorgestellt. Jetzt schnell noch die Sechsecke gestapelt und ran:


Ging sogar schneller als ich dachte und wird wirklich eine richtige Decke.



Die Rückseite sieht ein bisschen weniger einladend aus: viel zu vernähen. Aber so schlimm ist das auch nicht, denn schließlich regnet es ja zur Zeit ständig. Da kann man ruhig ein bisschen gemütlich und Stück für Stück eine Decke fertig stellen.

Zuerst alle grauen Fäden, dann die gelben, etc. Das funktioniert immer noch ganz gut bei mir.


Jetzt fehlt nur noch die Umrandung. Dabei versuche ich's mit den Hinweisen aus diesem Buch:


Darin befindet sich nämlich eine superschöne Hexagon-Decke, die schon auf meiner Liste steht. In der Anleitung dazu ist dann auch angegeben, wie man an den Innenseiten der Sechsecke abnimmt, damit man einen ebenmäßigeren Rand hinbekommt.

Bin gerade noch bei der ersten Runde, aber es lässt sich schon gut an. Jetzt muss ich mich nur noch überwinden, die Decke dann auch  wirklich zu verschenken. Aber so muss es ja sein. Geschenke sind am besten, wenn man sie eigentlich selbst behalten will!

Und die nächste Decke ist für mich!