Sonntag, 7. Februar 2016

Kapitel 127 - von großen Ereignissen und ihren Schatten

Tja, was ist hier los? Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr schon voll im Gange und hier im Blog ist tote Hose? Der Schatten ist schuld! Der Schatten, den ein in diesen Breiten nicht unbekanntes Ereignis schon seit September über das aktuelle Schuljahr wirft. Die Damen sind in der dritten Klasse und damit fällig für das Großereignis im katholischen Süden: die Erstkommunion.

Man nehme also eine Mutter, die mehr oder weniger besessen ist von dem Drang immer und überall zu stricken (geht das in der Kirche?) und ein solches Großereignis, dann ist ja klar, worauf es hinauslaufen muss.

Ursprünglich hatte ich ja naiv gedacht, ich könnte die anderen Mütter vielleicht davon überzeugen, alle Kinder in einer Albe antreten zu lassen, wie das mal in den 80/90ern üblich war, damit das eingesparte Geld dann für etwas Supertolles ausgegeben werden könnte: Unterstützung einer Schule oder eines Kinderkrankenhauses. Aber ich habe offensichtlich die Rechnung ohne die Familienmanagerinnen einer großstadtnahen Kleinstadt gemacht - showtime ist hier das Stichwort der Stunde!

Außerdem ist das Angebot der Pfarrei auch nicht besonders üppig, denn es werden gerade einmal sieben Alben angeboten für über 50 Kinder. So geht's also nicht.

Aber wenn man nun jemand ist, der eh Tag und Nacht über nichts anderes als das Stricken nachdenkt, dann ist der Weg auch nicht mehr weit, sich hier auch für die Erstkommunion etwas auszudenken. Was wird gebraucht?

Weiße Wolle. In großer Menge.

Und dann wollen wir mal überlegen. Die Mädels brauchen ein Täschchen. Am besten so eine Art Pompadour, der hübsch und schick zugleich ist. Da kann gleich drauflos gehäkelt werden. Wolle Rödel hat ein schönes Glitzergarn und Ravelry hat eine schöne Anleitung, die wirklich einen hübschen Beutel ergibt - auch ohne Perlen.
Das war gar nicht so schwer:





Nadelstärke 2,5mm - geht bestens. Jetzt fehlt nur noch eine hübsche Kordel oder ein Satinband.
Am Schluss habe ich sogar noch Perlen für das Ende des Satinbands gefunden. Haach ja, so geht's.


Als Nächstes sind die Hände dran. Mir schweben da weiße Handschuhe vor, aber mit welcher Garnstärke sollte ich die wohl probieren? Es hilft nichts, hier muss eine Maschenprobe her. Am Ende bin ich bei Catania Fine hängen geblieben. Das lässt sich bestens verstricken. Und zwar mit Nadelstärke 2mm. Habe ich schon erwähnt, dass ich Zwillinge habe?

Jedenfalls kam mir hier wieder Frau Hugs geniale Anleitung der Handschuhe von der Spitze aus entgegen. Die Anprobe hat aber gezeigt, dass jetzt die Finger keinen Millimeter mehr wachsen dürfen! Zumindest bis April.


Das Witzige an der Anleitung ist, dass man erst nach Tabelle alle Finger stricken muss, sie dann nacheinander richtig auffädelt und schließlich zusammenstrickt. Nur nicht verzählen und auf jeden Fall den Mittelfinger richtig platzieren. Puh, hat diesmal alles geklappt.


Jetzt also die Hauptaufgabe, nämlich die Kleider. Ich hab lange überlegt, was ich hier so vorhabe, denn natürlich würde ich gerne einfach komplett etwas stricken oder häkeln, so wie das hier z.B., aber da fehlt mir einfach die Zeit. Wir sprechen immer noch von Anfang April.
Jetzt habe ich mich also für die Hälfte entschieden. Oberer Teil des Kleides gestrickt und dann ein Rockteil drangenäht. Das hat den Vorteil, dass es damit ein Familienstück werden kann, denn nähen kann ich überhaupt nicht und schon gar nicht mit der Maschine. Das muss die Oma übernehmen.
Wie das Ganze ungefähr aussieht, kann man sich hier ansehen. Es gibt verschiedene Modelle, ich habe mich schließlich für eins aus einer alten Kinder-Verena entschieden.
Die Teile sind gestrickt. Diesmal mit einer Wolle Rödel Wolle, die gut läuft und auch hübsch glänzt - Mille Fili. Nadelstärke 2,5mm.



Was fehlt also noch? Das Zusammennähen der Teile sowie das Umstricken des Ausschnitts. OK, Kinder verräumen für den Tag und viel Kaffee - das kann klappen.
Stoff einkaufen - super!
Kleider nähen - wird delegiert.

Sähe eigentlich ganz gut aus, wenn... Ja, wenn nicht April ein tückischer Monat wäre. Was fehlt ist klar. Eine, bzw. zwei kleine Strickjacken. Ist ja sonst viel zu kalt, da beißt die Maus keinen Faden ab. Die besorgte Mutter hat sich also gleich auf die Suche gemacht und eine hübsche Anleitung gekauft. Marian Shrug. Hübsch, oder?

Maschenprobe stimmt mit der superweichen Merino 120 von Schachenmayr. Passt doch alles.

Aber warum sollte man's einfach haben, wenn's auch komplizierter geht. Die Anleitung endet bei 4T und das bedeutet: Krabbelalter 4 Jahre. Schöner Spaß.

Jetzt kann ich mal zeigen, was ich so umrechnungstechnisch alles draufhabe. Bei einer Anleitung, die nur geschrieben und nicht skizziert ist! Ich hab den Raglanrechner schon aktiviert und verschiedene Anleitungsbücher herausgekramt. Ich gebe nicht auf!

Schließlich habe ich ja noch mindestens einen ganzen Monat!


Kommentare:

  1. Diese Betriebsamkeit erklärt natürlich das Schweigen hier auf dem Blog ;-) Der Sohn meiner Freundin trug letztes Jahr zur Kommunion eine Albe, wie alle Kinder, die zur Kommunion gingen - eben um die Showtime zu vermeiden.

    Super, was du alles für deine Töchter machst - und viel schöner und liebevoller als einfach nur ein Mini-Brautkleid zu kaufen!

    AntwortenLöschen
  2. Tja und die entscheidenden Wörter sind eben: wie alle Kinder. Da das hier offensichtlich nicht der Fall ist, gibt's wenigstens 'selbstgemacht'. ;-)

    AntwortenLöschen