Freitag, 9. November 2012

Tipping Point (Teil 1)




...oder Wendepunkt.

Den gibt es eigentlich immer wieder im Leben eines durchschnittlichen Strickers.

Da gibt es die Angst des Strickers vor dem Zerschneiden des Pullovers, vor der fallengelassenen Masche in der Abkettreihe der 2m langen Lace-Stola, vor dem falsch herum ausgeführten Zopf ca. 25 cm weiter unten.

Aber da gibt es eben auch die positiven Erlebnisse. Die kleinen Wissenshügel, die man bei dem langen Aufstieg in den Strickolymp erklimmt und durch die man dann eben in eine andere Richtung gehen kann (sprich neue Wissenshügel oder sogar schon -gipfel erreicht).

Mittlerweile habe ich auch meine eigene kleine Sammlung von Regeln und Tipps gesammelt, die ich nur zu gerne missionarisch verbreite. (Ein paar im Übrigen aus dem folgenden, wirklich witzigen und guten Strickbuch - wenn man schon keine Tipps mehr braucht, dann sind sie wenigstens super geschrieben!!!)

Zum Beispiel die folgenden:

1. Der Zähltipp:

Kein 2, 4, 6, mehr. Meine Maschen werden nur in Fünfern gezählt, und zwar zuerst drei und dann zwei Maschen:
"3 - 5, 3 - 10, etc." Das ist ein Tipp aus der Kategorie: Warum ist da noch NIEMAND früher drauf gekommen?

Es geht unglaublich schnell. Ich verzähle mich nie. Das erneute, zweite Kontrollzählen von einer Menge Maschen hat all seine Schrecken verloren.

Abgesehen davon: es lässt sich auf alles andere genau so gut anwenden: Kinder, Wäscheklammern, Perlen, Dominosteine, Kirschen, Spielkarten, und, und, und. Wunderbar.


Demonstration nicht am Objekt. Aber: wenn man von rechts nach links zählt, kann man sich so ungefähr vorstellen, wie es funktioniert. Ausprobieren!

(und: wo sind meine Schafkopfpartner - so ein Blatt hab ich sonst nie!!!)


2. Der Rundstricknadeltipp:

Socken stricke ich supergerne. Immer wieder eine Herausforderung durch neue Muster, ein kleines Mitnahmeprojekt für das Überall-und-immer-Stricken und nie mehr kalte Füße - insgesamt großartig.

Aber: das Nadelspiel. Es wurde besser, als ich endlich von Metall auf Bambus gewechselt hatte, trotzdem sind mir immer mal wieder Nadeln herausgerutscht. Wie blöd!

Oder ich habe meine Projekttaschen durchstochen. Noch blöder!

Oder ich konnte mein Strickzeug in der Eile nicht so klein zusammenlegen, dass ich es schnell verpacken konnte (z.B. am Zielbahnhof, nach einem "Eine-Reihe-schaff-ich-noch-Wahnsinn"). Superblöd!

Die Lösung: Das hier. Mein Buch heißt zwar noch ein wenig anders und ist wohl ein Vorgängermodell derselben Autorin, aber: diese Methode war für mich die Revolution. Für alles.

Socken, Pullover, Ärmel von oben eingestrickt, Mützen, Stulpen - alles, was in der Runde gestrickt werden kann, stricke ich mit zwei Rundstricknadeln.

Ich bin mit meinem Missionseifer schon so weit gegangen, dass ich den Damen im Kindergarten meine aktuellen Socken mitgebracht habe, um die Methode zu demonstrieren. (Mit der Konvertierung hat es noch nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber das wird hoffentlich).

Es geht VIEL schneller (nur zwei statt vier Nadeln abstricken) und man muss sich um die zweite Nadel NIE Sorgen machen, denn die Maschen werden in die Mitte geschoben und fertig!




3. Der Handschuhstricktipp:

Handschuhe haben für mich immer in den Bereich des Fantastischen in der Strickwelt gehört! Ich weiß, dass es sie geben soll, ich habe auch wohl schon den einen oder anderen gesehen, aber ich konnte mir nie vorstellen, dass man sie auch tatsächlich selbst stricken kann.

Wie jemand es schafft, dieses Gepfriemel fertigzustellen, mit eingestricktem Daumen und Zwickel und lauter kleinen Schläuchlein, die am Schluss fein säuberlich abgenommen und zusammengezogen werden wollen, hat mir nie eingeleuchtet. Das Ganze mit elaboriertem Jacquardmuster: gruselig! Und natürlich: in allerhöchstem Maße bewundernswert.

Und zwar in dem Sinne, wie ich mir die Konstruktion von Brücken ansehe. Könnte ich selbst nie, ist aber Wahnsinn, dass es Leute gibt, die das können.

Bis ich von dieser Dame an die Hand genommen wurde, genauer gesagt mit diesem Büchlein. Frau Hug hat nämlich eine Methode entwickelt, wie man Handschuhe "von oben" strickt. Also zuerst die vier Finger, dann die Hand, dann den Daumen, dann Daumen mit Hand zusammen und schließlich Bündchen.

Der Daumen sitzt dabei an der Seite, sehr bequem, da wo er an der Hand schließlich auch sitzt und alle Muster, ob Flächen-, Loch- oder Jacquard- haben ihre Schrecken verloren.

Das Einzige, was man braucht, sind eine Menge von Hilfsnadeln - also diese riesigen Sicherheitsnadeln, genannt Maschenraffer - auf denen man die kleinen, gestrickten Finger parken kann, bis man sie braucht. Aber ansonsten: super!

Hätte ich sonst nie versucht.

Bis demnächst in diesem Theater: Fortsetzung folgt. 

Kommentare:

  1. Also das mit dem Zählen habe ich ehrlich gesagt (noch) nicht so ganz verstanden. 3 + 5 sind 8, dann wieder 3 sind 11, dann 10 sind 21. Und dann folgend wieder 3 und dann 15? Wenn ich viel zu zählen habe, zähle ich nach wie vor am Besten im 2,4,6 Schema und markiere dann immer nach 50 Maschen.

    Was die Rundstricknadeln angeht - noch genialer ist es auf einer Rundstricknadel. Bei zweien würde mich das Gebamsel der hängenden Nadeln nerven. Schal mal z.B. hier oder über Google einfach Wunderschlinge eingeben.

    Liebe Grüße;
    Anja

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    1. Hallo Anja,
      das Zählen funktioniert über 3+2 =5, dann wieder 3+2 = 10, 3+2 = 15, also immer in dreien und zweien. Aber weil ich das schon so automatisch mache (3-2-3-2-etc.) zähle ich eben bei den Zweiern schon die nächste Fünferzahl.
      Oje, wenn ich das jetzt nochmal so durchlese, klingt es noch komplizierter. Am wichtigsten ist: immer 3 Maschen und dann 2 Maschen von links nach rechts schieben. Dann zählt es sich von selbst.
      Die Zauberschlinge habe ich auch schon entdeckt. Das wollte ich eigentlich als Update noch anhängen, hab es dann aber vergessen. Ich stricke erst mein zweites Paar so und wollte noch ein wenig mehr Erfahrung sammeln. Danke aber nochmal für den Hinweis!

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  2. Hi Margareta;
    jetzt habe ich es begriffen :-); manchmal stehe ich einfach auf dem Schlauch, aber nun weiß ich was du meinst und das hört sich wirklich interessant an! Ich probiere das bestimmt aus beim nächsten Zählen!
    Liebe Grüße;
    Anja

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