Freitag, 9. Juni 2023

Kapitel 178 - Tiefseetauchen

Wie bei vielen Podcastern, Bloggern und anderen Leuten, die öffentlich über ihre Garnvorlieben und Strickereien berichten, war natürlich mein Plan für dieses Jahr 2023 auch ein zuverlässiges Verwenden von Wolle aus dem Vorrat, um ebendiesen ein wenig zu verringern. Man ja doch keine utopischen Pläne. Nur die eine oder andere Projekttasche, die leer werden soll, die eine oder andere Garnschale, die danach weniger als zuvor enthält. Eigentlich ist das doch kein Hexenwerk.

Der Stashabbau stand also ganz vorne auf meiner Liste der Neujahrsvorsätze. Obwohl ich da ja offenbar ein bisschen aus der Zeit gefallen bin. Vorsätze fasst man gar nicht mehr, alles kalter Kaffee von gestern. Ich stricke, was ich will, ist die Devise. Naja, ich bin old school und hab's also versucht.


Aus gutem Grunde außerdem - wenn man sich nämlich mal seine Vorräte in ihrer vollen Größe vorknöpft - im Marie Kondo Style gesammelt auf dem Küchentisch auskippt und begutachtet, tja dann ist ein gewisses Unbehagen nicht von der Hand zu weisen. Das Neusortieren macht Spaß, das auch, aber es wird einem doch schnell ein wenig mulmig. Wie viel Pläne man doch hatte! Wie viele Einzelknäuel man in einem Moment der Schwäche gekauft hat! Aber gut, ich stricke, also wollte ich, das war ja die Devise. Kein schlechtes Gewissen beim Hobby!


Aber: was ich bei meinen hochfliegenden Plänen für 2023, immerhin vor sechs Monaten gefasst, noch nicht bedacht hatte, waren alle meinen heimlichen Stashmitbewohner. Alle Knäuel und Knäuelchen, die mir von freundlichen Seelen vermacht worden waren, weil man entweder nicht mehr stricken will oder nicht mehr kann. Oder eben weiß, dass ich schlecht nein sagen kann, wenn mir jemand Wolle anbietet.


Da liegen sie nun, und erzählen davon, was vor vielen Jahren mal der letzte Schrei war. Oder was jemand anderes an Farbvorstellungen hatte. Keine leichte Aufgabe. Je tiefer man in den Stash abtaucht, desto mehr wird klar:

Blass-orange war die Farbe der Stunde.




Halo und Flausch sind keine Erfindungen von heute.




Glitzer auch nicht.


Eigentlich wird damit aber die Aufgabe womöglich ja sogar leichter. Man muss sich also nur nach Anleitungen umsehen, die man für die vorliegenden Wollqualitäten verwenden kann.

Aber das wird in dem Moment zur ungewöhnlich anspruchsvollen Aufgabe, wenn die Banderole der Uralt-Wolle keine richtigen Angaben enthält. Weder Angaben zu Lauflänge, noch zu gedachter Maschenprobe, noch - was eigentlich das Schlimmste ist - zu notwendiger Garnmenge für ein Kleidungsstück. Natürlich hat man ein paar Faustregeln im Kopf, aber wie das so ist mit solchen Regeln, alles geben die natürlich auch nicht her. Ein paar Hinweise würden hier wirklich nicht schaden.


Wie man nämlich sieht - sieht man nix.



Was ist also zu tun? Na, im Zweifel bleibt immer ein RVO übrig. Was für ein Glück, dass ich gerade ein hübsches Strukturmuster zur Hand hatte, das sich ganz unproblematisch auf einen Pullover übertragen ließ, so konnte es also gleich losgehen.



Das nächste Projekt wird ein RVO T-Shirt, da sollte die Wolle also auch reichen und schließlich wird für eine letzte Idee ein bisschen in Kleinstportionen gehäkelt. Da wird dann eben das Garn ersetzt, wenn's ausgeht.


Und siehe da, es funktioniert.


Drei Kleidungsstücke aus drei Uraltgarnen sind in der Mache und teilweise sogar schon fertig. Und die alten Banderolen sind meine liebsten Souvenire. Ich bin in meinen Stash abgetaucht und hab was wirklich Altes verstrickt! Sommerfeeling pur!


1 Kommentar:

  1. So ein paar Uraltgarne von Uroma, Oma und Tante finden sich bei mir auch noch, und ganz viele davon sind auch von Junghans... Das weisse Kid-Mohair habe ich mit anderen weissen Garnen vor zwei Jahren zu Schneemännern verarbeitet und zu Weihnachten verschenkt!

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