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Donnerstag, 22. Mai 2025

Kapitel 182 - Vom Pullover, der nicht fertig werden wollte



Wie immer bei solchen Horrorgeschichten, begann alles ganz harmlos. Ich habe mir eine Anleitung ausgesucht, die mir aus verschiedenen Gründen ins Auge gefallen ist. Anleitung gekauft, Garn herausgesucht, ein bisschen herumprobiert, alles ganz normal.


Meine Anleitung Fleetwood hatte nämlich den Effekt, dass hier endlich eine Kombination von Häkeln und Stricken aufgetaucht war, die wirklich interessant wirkte. Coole Granny Squares, aber eben nicht zu viel von allem. Na dann nichts wie ran.


Disclaimer: Die Anleitung von Tanis Lavallee ist wirklich toll und hat mit all meinen Missgeschicken, von denen im Folgenden die Rede sein soll, überhaupt nichts zu tun!


Vor allem mit den Granny Squares hatte ich hier die Möglichkeit, ein tolles Restgarn für ein zweites Projekt zu verwenden. Wie wir alle ja wissen, bleibt vor allem bei Stephen Wests Mystery Knit Alongs meist eine ganze Menge übrig. Gesagt getan.


Daraufhin voller Freude im Stash gewühlt und auch ein Hauptgarn gefunden, das ich mit irgendeinem Plan auf einem Wollfest gekauft hatte. Der ehemalige Plan war verschwunden, aber das Garn war noch da, und zwar in zwei Farben. Farben: braun und beige. Vermutlich sollte das mal ein Colourwork-Pullover werden. Garn war unlabeled, also eine no-name Schafwolle vom Schafwollmarkt. Soweit so gut.


Mit großem Elan also Grannies gehäkelt und dabei auch herumprobiert, mit welcher Nadel gehäkelt wird. Merke: Schafwolle einfach, Tuchwolle doppelt halten. Das gab ein schönes Bild für die Grannies. In der letzten Runde zusammenhäkeln, kein Problem, aber dabei muss doch darauf geachtet werden, in welcher Reihenfolge und mit welcher Farbe das geschieht, damit die mittlere Verbindung auch gut aussieht. Endlich war das Panel fertig.


Problem 1: Ein Blick in die Anleitung und auch in die Projekte bei Ravelry zeigt, dass es ratsam ist, diese letzte Runde des Zusammenhäkelns in der Hauptfarbe durchzuführen, damit alles auch farblich verbunden wird. Macht Sinn. Also alle Grannies wieder aufgepfriemelt und neu mit der Hauptfarbe zusammengehäkelt. Dabei, wie das offensichtlich immer so ist, auch die Reihenfolge der Grannies ein wenig durcheinander gebracht. So bleibt es jetzt aber.


Panel mit angenähten Seitenstreifen



Jetzt geht es an die Fertigstellung des Vorderteils. Dazu werden rechts und links Streifen in glatt rechts in der Hauptfarbe angebracht. Ausgemessen, Größe entschieden und losgelegt.


Problem 2: Dabei festgestellt, dass diese Streifen, um mit dem Granny-Look zusammenzupassen, nicht einfach mit derselben Wollstärke gearbeitet werden können. Stattdessen muss das Garn doppelt gehalten werden. Daraus folgt natürlich die Erkenntnis: das Garn wird nicht reichen. Das ist natürlich ein Problem, wenn man mit einer no-name Wollmarkt-Wolle strickt. Aber das ist ein Problem für später. Erstmal mit den Streifen weitermachen. An das Panel nähen und das Vorderteil fertigstellen. Gesagt getan.


Problem 3: Das Vorderteil ist, wer hätte es gedacht, viel zu weit. Es soll zwar ein Pullover mit Oversize werden, aber kein Einmannzelt. Das war also nichts. Also zurück, Maschenstich wieder aufgetrennt und Streifen aufgeribbelt.


Nochmal von vorne mit schmaleren Streifen. Noch einmal ein (gemütlicher?) Nachmittag am Esstisch, bei dem die Streifen mit dem Maschenstich angenäht werden. Dann das Vorderteil beendet, Halsauschnitt und Bündchen. Phew, endlich geschafft.


Problem 4 (Fortsetzung von Problem 2): Die Erkenntnis kann nicht mehr ignoriert werden. Die Wolle wird nicht reichen. Sie ist allerdings auch sehr weich und kann daher nicht einfach mit heimischer Schafwolle ersetzt werden, das wäre ein zu großer Bruch.


Vielleicht Alpakawolle? Ein ausführliches Studium diverser Internetseiten zeigt endlich einen Anbieter, der ein tolles Braun in einer ähnlichen Farbe hat. Wolle bestellt und gleich bezahlt.


Problem 5: Die Wolle kommt nicht. Anrufe und Emails bei diesem durchaus bekannten Alpakawolle-Händler fruchten überhaupt nichts. Dabei kenne ich den Händler von Märkten und habe schon über solche Märkte bestellt. Es hilft aber nichts, ich muss einen Fall bei Paypal eröffnen, damit ich mein bereits bezahltes Geld wiederbekomme.


Dadurch gehen Wochen ins Land, in denen am Pullover nichts weitergeht. Schließlich kaufe ich meine Wolle dann bei Hansafarm und bekomme sie prompt, wenn auch in einer etwas anderen Farbe.


Macht aber nichts. Die Wolle passt, ist ein wenig dicker und muss aber doch doppelt gehalten werden, damit die Maschenprobe stimmt. Das Rückenteil ist flott gestrickt und wird oben mit dem three-needle-bind-off verbunden. Passt doch. Jetzt noch die Seitennähte bis zur Armlochhöhe zusammennähen. Auch das geht.


Problem 6: Die Lauflänge ist nicht so lang, daher muss noch einmal nachbestellt werden. Die Kosten für einen Pulli, der doch eigentlich Stash abbauen sollte, sind mittlerweile ganz enorm.


Aber ich bin guter Dinge und nehme endlich Maschen für den Ärmel auf. Da ich bisher gute Erfahrungen mit geraden Ärmeln gemacht habe, die erst am Bündchen enger werden, stricke ich die Ärmel gerade herunter. Das dauert ewig, warum sind ausgerechnet meine Gorilla-Arme so lang?


Mir fällt sogar ein, für die Ärmel das Originalgarn zusammen mit dem Hansafarmgarn doppelt zu halten, damit der Farbunterschied zwischen Vorderteil und Ärmeln nicht zu stark ist.


Aber auch das klappt und endlich, endlich kommt das Halsbündchen kommt dran. Maschen aufnehmen klappt, das Stricken klappt und auch das Umnähen bzw. -häkeln funktioniert wunderbar. Meine Methode wird hier ganz locker, sodass mein Kopf auf jeden Fall durchpassen wird.


Anprobe!


Problem 7: Die Ärmel sind zwar weit, aber zu weit. Der Strickstoff bauscht sich etwas unschön und es sieht einfach nicht aus. Das muss nochmal gestrickt werden.


Problem 8: Wer hätte das gedacht, Alpakawolle kratzt am Hals. Das Bündchen muss also auch noch einmal gestrickt werden. Da wo die Anleitung Maschen für ein engeres Halsbündchen überspringt, werde ich also Maschen für ein etwas halsferneres Bündchen aufnehmen.


Mir fehlt im Moment die Energie zu alldem, aber wenigstens sind die Nadeln bereits  an der Stelle der ersten Abnahme in die Ärmel eingezogen. Wenn ich also mental dazu in der Lage bin, meinen bereits fertigen Pullover wieder aufzutrennen, dann weiß ich wenigstens bis wohin.


Positiv ist einzig und allein, dass die Wolle wirklich für all diese Sperenzchen reichen wird. Die wirklich wichtige Frage bleibt aber: Wird der Pullover überhaupt 2025 fertig werden? Ich wage keine Prognose abzugeben. Wenn ich mir auch 100% sicher bin, dass jetzt keine acht weiteren Probleme mehr kommen können. Auf keinen Fall will ich aber ein Jahresstrickjubiläum feiern. 12 Monate an einem Pullover gestrickt, der ja nie wirklich ein vor sich hinwartendes Ufo war. Das ist zu viel!


Jetzt brauche ich aber erst einmal Pause von diesem Drama. Zum Glück gibt es Socken!


Wunderschöne weiche Sockenwolle von StefisWolle



Sonntag, 9. Januar 2022

Kapitel 170 - Die Weihnachtsüberraschung

OK, ich gebe zu, das Thema ist schon wieder ein wenig in den Hintergrund gerückt, aber die Auswirkungen sind immer noch zu spüren, und zwar in beide Richtungen.

Gehen wir also ein bisschen zurück und sehen wir nach.

Im Dezember 2021 ist mir dasselbe passiert wie allen Strickerinnen und Strickern auf der Welt. Der Advent hat mich völlig überrumpelt und plötzlich waren alle Vorsätze dieses Jahr auf einmal über Bord geworfen.

Das ist mein Hobby, Stricken dauert sehr lange, und ich stricke nur für mich? Das alles gilt genau elf Monate lang - im Dezember gelten plötzlich völlig andere Regeln.

Die Vlogosphäre wird geflutet von Geschenkideen. Ein Youtuber nach dem anderen zeigt seine Geschenke, seine Geschenkideen, seine Stricküberraschungen und es dauert nicht lange, bis man auf einmal selbst eine kleine Liste anlegt.

Vielleicht doch ein Paar Socken für die Schwester? Ein Paar Handschuhe für die kleinen Neffen? Und eh man sich's versieht, wird die Tapetenrolle länger und länger. Die eigenen Projekte werden nach hinten verschoben und der Schreibtisch füllt sich mit halb begonnenen Kleinprojekten, die schnell noch fertig werden müssen, denn der Weihnachtsabend nähert sich wie jedes Jahr mit Riesenschritten.

Tja, und dann besucht man seine Eltern, schlendert ein bisschen ziellos durch das Handarbeitszimmer (meine liebe Mutter ist Patchworkerin und hat nach Jahren endlich Platz für ihr Hobby) und findet eine geheimnisvolle Tüte.

Das war drin:





Eine halbfertige Häkeldecke in Blockstreifen. Wenig überraschend war es auch einmal ein Weihnachtsgeschenk gewesen, aber dann hatte sie die Häkellust - neudeutsch Mojo - verlassen.

Ursprünglich sollte es eine kleine Kniedecke werden, aber so weit kam sie nie.

Auch ein zweiter Versuch mit ein paar Granny Squares brachte nicht den gewünschten Erfolg:



Damit war's natürlich sofort um mich geschehen.

  1. Eine Kniedecke ist tatsächlich das perfekte Geschenk für einen Mann (= meinen Vater), der mehr und mehr Zeit mit dem Lesen von Büchern und Zeitungen verbringt.
  2. und - sind wir mal ehrlich - noch wichtiger: Das war die perfekte Entschuldigung für mich, doch endlich am Decken-KAL von Kikos Strickschule mitzumachen - die Optic Blanket.

Das ganze vergangene Jahr über habe ich jede Woche den Fortschritt dieser Decke im Podcast bewundert, bin aber doch stark geblieben. Nicht noch eine Decke anfangen. Erst die eigenen Projekte beenden. Eine gestrickte Decke? Das schaffe ich ja nie.

Aber jetzt: eine Kniedecke? Das kann ich doch schaffen.

Mit Kikos Tutorial war das erste Fleckchen schnell gestrickt:



Tja, und dann war ich nicht zu halten. Die Farben passten super zusammen für einen wirklichen Op-Art-Effekt und das Aneinanderstricken der Fleckchen hat so viel Spaß gemacht! Keine Nähte!

Es stand viel weniger Dunkelblau als Creme zur Verfügung, aber für zwölf große Flecken hat es noch gereicht. Und mit einem breiten Häkelrand wurde die Decke groß genug:



Das perfekte Geschenk!

Wenn nur der zweite Effekt nicht wäre. Ganz entgegen meiner Planung habe ich also im Dezember non-stop gestrickt. Weil die Decke natürlich einen festgeschriebenen Liefertermin hatte und weil das Stricken so viel Spaß gemacht hat.

Dafür muss ich im Januar jetzt leider Pause machen. Das Handgelenk macht sich bemerkbar und ist wieder mit Stulpe und Dehnungsübungen ruhig gestellt.

Aber dann habe ich wenigstens Zeit meine Tapetenrolle für 2022 zu überdenken! Es ist Januar und wenn gestrickt wird, dann wieder nur für mich. Bis zum nächsten Dezember wahrscheinlich ;-)


Mittwoch, 14. Juli 2021

Kapitel 162 - der V-Ausschnitt und ich

Man hat ja nicht umsonst diverse 'Was steht mir am besten?' Bücher studiert. Da hat sich also nach langer Lektüre ergeben, dass der V-Ausschnitt für viele Leute - und damit auch für mich - eine ganz vorteilhafte Halsausschnittsform ist.

Also will ich natürlich auch meine persönlich angefertigten Kleidungsstücke mit einem solchen V-Ausschnitt schmücken. Klappt soweit ganz gut, beim RVO nimmt man also einfach langsam vorne beidseitig zu, bis man schließlich zur Runde schließt und den Pullover fertig strickt.

Dann noch schnell die Maschen aus dem Ausschnitt aufnehmen, Bündchen dran und fertig.


Klingt einfach und ist es auch - wenn..., ja wenn es sich um ein einfarbiges Garn handelt.

Über die Jahre hat man sich eine gut funktionierende Randmasche angewöhnt, die Maschenaufnahme klappt damit, und der Pulli sieht OK aus.




Was passiert aber bei einem Streifenpulli? Die vielen Farbwechsel bringen die Fadenspannung durcheinander, die Randmasche verändert sich.




Auch beim x-ten Versuch will es einfach nicht gelingen, hier die Maschen anständig aufzunehmen. Ich komme über einen einigermaßen krakeligen Rand nicht hinaus. Das gestrickte Bündchen sieht ja ganz gut aus, aber der Rand des V-Ausschnitts? Nein danke. Dieser Pulli wird ganz sicherlich das überlaute Etikett selbstgemacht von der Welt da draußen verliehen bekommen. Und das ist nie so nett gemeint, wie es klingt.


Jetzt bin ich zwar die letzte, die etwas gegen kleinere Fehler hat. Damit kann ich ganz gut leben. Aber der gesamte Ausschnittrand? Vorne am Pullover? Das geht zu weit.


Für die Lösung, die mir schließlich eingefallen ist und die ich gerne mit Euch teile, benötigt man dieses kleine und alltägliche Gerät:




Man beginne also am Rückenteil und häkle eine Reihe fester Maschen. Gesagt, getan.


Dann aber kommt mir wieder der V-Ausschnitt entgegen, ich häkle weiter und…das geht ja gar nicht! Das ist ja sogar schlimmer als vorher, denn jetzt sieht man die seltsamen 'Füßchen' der festen Maschen.




Also nochmal Kommando zurück.

Wir beginnen am Rückenteil, häkeln feste Maschen, aber wenn die V-Ausschnittsschrägung in den Blick kommt, dann wechseln wir und arbeiten Kettmaschen durch die Maschen der Schrägung hindurch.






Das geht mit ein bisschen Übung leicht von der Hand und man kann die Schrägung ganz wunderbar nachkontrollieren.


Ordentlich genug?

Genügend Maschen pro Farbrapport?

Passt!




So arbeitet man sich um die Schrägung herum wieder auf die Rückseite. Sobald das Gestrick wieder gerade wird, werden wieder feste Maschen gehäkelt.


Bei der letzten Masche wird die Häkelschlaufe auf eine Stricknadel gelegt. Die Stricknadel deutlich dünner wählen und dann durch die hinteren Schlaufen der Häkelmaschen hindurch einfach die Maschen für den Halsausschnitt aufnehmen.





Weiter geht's in der nächsten Runde mit der normalen Bündchennadel.






Dadurch entsteht eine Art Naht um den Halsausschnitt herum, die ganz gut zu einem V-Ausschnitt passt.



Am V-Ausschnitt



Auf der Rückseite


Und der hässliche Rand mit den ungleichmäßigen Maschen und den vielen Fäden verschwindet im Inneren.



Wer sagt's denn? Da hatte ich tatsächlich mal eine vernünftige Idee.


Jetzt muss ich nur noch die verflixte Mittelmasche schöner stricken. Gute Ideen sind immer willkommen!



Donnerstag, 23. April 2020

Kapitel 152 - Vom Vernähen

Seit ich stricke, begegnet mir ein Thema in der Strickwelt immer wieder: das Vernähen der Fäden. Es gibt kaum einen ernstzunehmenden Strickblogger, -podcaster oder -designer, der nicht ausführlich und immer wieder davon berichtet, wie sehr er oder sie es HASST Fäden zu vernähen.
Dieses Gefühl ist so stark, dass sogar verschiedene Rubriken erfunden werden, in denen man Fäden zählt und darüber jammert, in denen man sich mit Grausen abwendet, wenn man ein Strickstück auf links dreht, kurz, in dem man sowohl in Worten wie auch in zahlreichen  Gesten kundtut, dass man sich hier einer Materie nähert, die einfach nur das Letzte vom Letzten ist.

Das führt dann soweit, dass man sich nie, nie, nie überlegen würde, seine Reste z.B. für eine hübsche Decke zu verbrauchen, weil ja vor dem Ergebnis dies hier stünde:



Tatsächlich habe ich noch nie auch nur einen gesehen, der hier einen etwas entspannteren Umgang mit dem Thema an den Tag gelegt hätte. 

Nein, das ist nicht richtig, einen gibt es schon, und zwar Debbie Stoller, die in einem ihrer Stitch'n'Bitch-Bücher sogar davon gesprochen hat, dass sie diese letzte Phase eins Strickstücks sogar besonders liebe. Etwas fertigmachen, etwas hübsch machen und damit also eigentlich zur endgültigen Bestimmung führen.

Aber die meisten, denen ich so begegne - im Moment natürlich nur online - sind sich da einig, Fäden sind das Grauenhafteste, was man sich nur vorstellen kann und überhaupt völlig abzulehnen.
Und dazu wollte ich eigentlich schon immer mal zwei Sachen sagen, die mir selbst über die Jahre (und die vielen Decken) geholfen haben.

Erstens: man muss sich mal das Verhältnis ansehen. Wie lange strickt man einem Stück und wie lange dauert es, bis alle Fäden vernäht sind? Das steht in keinem Verhältnis!

Wenn ich an einer Decke wie der obigen viele Tage häkle und einfach nur meine Fleckerl sammle, dann habe ich am Ende 35 große Vierecke mit jeweils 12 Fäden zu vernähen. Manchmal sind es auch mehr, es sind ja Restedecken und manche Reste reichen nicht für die Rundenzahl, die dafür vorgesehen ist, dann muss man anstückeln. Aber: das ist erledigt an zwei, höchstens drei Abenden. Gemütlich vorm Fernseher oder Podcast. Einfach ein Faden nach dem anderen. Das Häkelvergnügen selbst hat viele Abende länger gedauert, da sind die paar Stunden im Verhältnis nichts und vergehen bei guter Unterhaltung sowieso schnell.

Zweitens: und deswegen wundert mich das Thema eigentlich so. Da muss man auch einfach mal seine großen Hosen anziehen: put your grown-up pants on, wie die Amerikaner sagen.

Es ist doch ganz einfach - entweder ich will eine große Restedecke, einen Fairisle-Pullover, ein Intarsienkunstwerk oder eben nicht. Und wenn ich das will, dann gibt es halt auch Fäden zu vernähen und dann muss ich damit leben. Aber das eine wollen und über das andere jammern, das geht mir nicht in den Kopf.

Und mal ganz ehrlich, in der Zeit, in der ich über die Fädenvernäherei jammere, da habe ich doch schon wieder einen vernäht.

Man kann natürlich auch vorbeugen und immer wieder einen Zwischenvernähtermin einschalten, dann werden die Stapel nicht so deutlich wie bei mir:



Aber das ist natürlich auch eine Typfrage. Ich selbst bin beim Stricken oder Häkeln immer so im Flow, dass ich ungern die Nadel aus der Hand lege, um dann nur ein einziges Stück zu vernähen. Ich bin eher für die Blockabfertigung. Aber wenn man anders drauf ist, dann kann das auch helfen. Lucy von Attic24 z.B. empfiehlt dringend, bei vielfarbigen Motiven, alles gleich zu vernähen.
Zu meiner Theorie über das Zeitverhältnis verweise ich mal kurz über ein neueres Video von Arne&Carlos. Arne häkelt in Echtzeit eine Häkelblume und vernäht dann die Enden. Die Blume dauert 23 Minuten, das Vernähen ganze 3 Minuten.

Also nicht verzagen, immer das Verhältnis im Kopf haben und mutig voran - es dauert ehrlich nur einen Bruchteil der Arbeitszeit vorher. Und ganz aktuell natürlich, wann, wenn nicht jetzt ist der ideale Zeitpunkt dafür? Viel Spaß!

Donnerstag, 25. April 2019

Kapitel 148 - ich glaube ich bin geheilt ;-)

Also erstmal: vielen, lieben Dank, falls sich hier noch einige Leser auf die Seiten verirren. Die letzten Monate sind mir durch die Finger geschlüpft, irgendwie. Das Leben fand statt und mein kleiner Blog stattdessen gar nicht. :(

Sogar das neue Jahr mit seinen diversen Vorsätzen passierte, nur hier war Pause. Zuerst denkt man ja immer, das ist gleich wieder aufgeholt, dann hat man keine gescheite Idee, dann wird die Pause immer länger, dann ist es plötzlich peinlich und dann immer peinlicher. Naja, die übliche Spirale halt. Ich kann nur ehrlich um Verständnis bitten. Sorry, liebe Leser!

Aber - heute soll es so weit sein!

An den Strickinspirationen kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn hiervon gibt es mehr als genug. Außerdem habe ich ja schon von diversen Podcasts hier gesprochen, die es mir angetan haben. Tja und eine Strickerin hatte einen echten Effekt für mich, nämlich Katie vom Greenbean Podcast. Sie hat im letzten Jahr davon gesprochen, dass sie einen Plan für das nächste Jahr hat, nämlich: monogames Stricken. Das bedeutet, dass man jeweils nur ein (oder im Notfall zwei) Projekte auf den Nadeln hat, weil man sonst von den vielen Projekte zu gestresst ist und dadurch wieder zu wenig Entspannung vom eigenen Hobby hat. Was man ja eigentlich haben sollte.

Das isses, habe ich mir gedacht! Mein großer Vorsatz für das neue Strickjahr war also - einfach ein angefangenes Projekt nach dem anderen fertig nadeln und dann in Ruhe überlegen, wie man weiter machen will. Ich habe mir also alle meine angefangenen Projekte mit der dazugehörigen Anleitung und den Nadeln in Taschen gepackt und hinter meinem Schreibtisch aufgereiht. In und auf den Strickkorb gestapelt, wenn man so will. Und habe ich mich drangemacht. Eins nach dem anderen, ganz zielgerichtet und ohne zu zögern. Stichwort Garndisziplin.

Und mit jedem fertigen Projekt, vor allem mit denjenigen, die schon ewig im unfertigen Zustand waren, habe ich mehr Energie und mehr Motivation bekommen. Hmmm, dachte ich, vielleicht ist an dieser monogamen Idee doch was dran? Zu allererst hatte ich ja im Fruity Knitting Podcast davon gehört. Hier allerdings nicht unter diesem Titel erwähnt, sondern eher als Eigenart von Andrea, die gar keinen Garnvorrat hat, so wie eigentlich die meisten Stricker. Das habe ich ja nun so gar nicht verstanden und damit diese Idee auch wieder verworfen. Offensichtlich war ich (damals) noch nicht so weit.

Im Zuge meiner Strick-Ziel-Ausrichtung habe ich also seit Januar diesen Jahres eine Häkeldecke, eine ewig langdauernde Jacke, einen Pulli, diverse Socken und eine Häkeltasche beendet. Darunter ist sogar die Paulie-Jacke, die mit der unglücklichen 2,5mm Nadel dazu geführt hat, dass ich das Stricken einstweilen aus Schmerzgründen unterbrechen musste. Jetzt habe ich aber dennoch (vorsichtig) weitergemacht damit und kaum sind zwei Jahre rum ist die Jacke fertig. Fertig!!! Ich fasse es immer noch nicht.

Diese Jacke wurde mittlerweile von einer meiner Damen gemopst, und zwar guten Gewissens, denn
a) mit 2,5mm gestrickt, führte das Ganze zu einer solch festen Maschenprobe und damit Passform, die bei mir eher nach Rügenwalder Teewurst und weniger nach lockerem Cardigan aussieht und
b) kaum sind zwei Jahre rum, wie bereits erwähnt, sind meine Mädels so gewachsen, dass sie gut hineinpassen.

Also, wenn man mal die Muttergefühle und weniger die Strickgefühle Oberhand behalten lässt, dann ist es doch eine Win-Win-Situation.

Halten wir das Positive fest - das Fertigmachen funktioniert, ich habe alle "ewigen" Projekte beendet und durfte zur Belohnung gleich einen neuen Pulli anschlagen. Ja! Ich und Pulloverstricken - unglaublich aber wahr.

Sazerac Pullover von Anniken Allis


Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Motivation anhält.

Na gut, ein wenig habe ich auch geschummelt, weil mir beim Durchwühlen meiner Garnkisten ein paar Projekte in die Hände gefallen sind, die ich schon wieder vergessen hatte und die dadurch gar nicht auf Ravelry waren. Also habe ich meine Regel umfunktioniert: es gilt nur das als Projekt, was als Projekt auf Ravelry ist. Einfach, aber wirksam.

Und dort habe ich jetzt tatsächlich insgesamt nur noch ein einziges (in Zahlen: 1) unfertiges Projekt. Ich bin ganz erschlagen von meiner eigenen Durchhaltekraft.

Sollte mich jetzt tatsächlich das Fieber packen und ich etwas Neues anfangen wollen, habe ich dafür eine perfekte Verwendung gefunden: die Maschenprobe! Ich darf mit neuen Nadeln und neuer Wolle spielen, aber es gilt (noch) nicht als neues Projekt. Endlich habe ich verstanden, wozu die Maschenprobe da ist! Die ideale Lösung!

Die nächsten Pläne für meine Strickzukunft sind natürlich eine zügige Abarbeitung der Tapetenrolle, sind ja kaum 82 Ideen, aber ich bin mal nur vorsichtig optimistisch.

Diese Erkenntnis kommt übrigens gar nicht so überraschend, denn was sagt Katie in ihrer letzten (oben erwähnten) Podcast-Folge? Sie hat zwei neue Projekte angeschlagen, weil für sie das monogame Stricken nicht funktioniert. Selten so gelacht ;-)


Donnerstag, 20. September 2018

Kapitel 147 - und, wird's wieder?

Also, die Hand hat sich so einigermaßen wieder erholt. Es wird also, es wird. Ein Zwicken im Handgelenk gibt es bisweilen noch, aber ich habe fleißig meine Projekte gewechselt und etwas gemütlicher vor mich hingewerkelt.

Wenn man nicht mehr so richtig stricken kann, dann fällt überhaupt auch erst auf, wie viel man davon nötig hat, damit sich die richtige Seelenbalance einstellt.

Gleichzeitig befinde ich mich in einer äußerst ungewöhnlichen Phase, nämlich der "Ich will alle Projekte, die jetzt auf der Nadel sind oder in irgendeiner Tüte vor sich hin schmoren, möglichst gleichzeitig und sofort beenden." Was für ein glücklicher Umstand! Das ist ja nun nicht so gewöhnlich und ändert sich leider auch häufig sehr schnell wieder - aber - noch versuche ich es möglichst auszunützen.

Ich habe meine aktuelle Häkeldecke herausgekramt und ausgerechnet, wie viele Reihen ich denn eigentlich noch brauche, damit sie fertig wird.


Ergebnis: Ein Farbrapport sind 18 Farben, und ich brauche noch etwas mehr als eineinhalb, also nur noch 28 Reihen im Moment. Die Decke wird!

Ich wollte sie schon früher beenden, aber meine anwesenden Häkelberater meinten, sie wäre dann noch nicht lang genug und dieses Risiko können wir ja nun nicht eingehen!

Ich muss sagen, ich freue mich sehr darauf, wenn die Decke fertig ist. Dieses Jahr kam meine andere große Häkeldecke wieder mit in den Urlaub und dort hat sie wahrlich gute Dienste geleistet. Als Picknickdecke, als Kuscheldecke auf der kalten Fährüberfahrt frühmorgens, als Kinderberuhigungsdecke im Auto.

Das einzige Problem war, dass sie ein wenig zu dünn ausgefallen ist - ein Problem der Garnauswahl (Poco von Junghans, nicht zu empfehlen) und der Maschenstärke (Stäbchen - zu locker gehäkelt).

Das hoffe ich jetzt mit dem neuen Muster zu beheben - hier sind es nur feste Maschen und ein festeres Garn (Stylecraft Special DK). Dadurch dauert es natürlich länger, aber oh - wie wird die Decke mollig! Auch das haben meine Häkelberater schon getestet, denn für kleine Leute ist sie schon groß genug.

Mollig wurde dann auch der Rest der Urlaubsstrickerei, denn ich habe mir vorgenommen, für den Winter und die ewige Handschuhverliereritis in diesem Haushalt vorzusorgen.

Es folgen vier Handschuhversionen:


Das sind die Rasante Handschuhe von Steffi Hochfellner. Eine super Anleitung, die man einmal einfach nachstricken muss, bis man sie kapiert hat. Dann aber macht sie süchtig. Wie man sieht, müssen Handschuhe auch nicht immer völlig identisch sein. Sehr praktisch auch für Reste!


Noch ein Paar von Steffi Hochfellner - sie heißen Maik. Leider noch nicht auf Ravelry erhältlich, daher hier der Link auf die deutsche Seite. Die Handschuhe sind Teil eines Sets. Sie sind interessant zu stricken, aber etwas langwierig. Mit der Passform bin ich mittel zufrieden. Der Daumen ist ein bisschen eng bzw. sitzt an einer komischen Stelle.


Schließlich klassische Hahnenfuss-Handschuhe. Wie man sieht, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, die Handschuhe zu spannen. So, wie ich meine Handschuhträger kenne, werden sie schon im ersten Einsatz nass werden und dann hat sich das erledigt. Die Anleitung heißt Houndstooth.
Das Stricken geht flott von der Hand, der Daumen ist arg eng geraten. Da wären ein paar Maschen mehr nicht verkehrt gewesen, obwohl ich verstehe, dass das Muster dann womöglich hopps geht.


Schließlich meine Feuertaufe für die norwegischen Fausthandschuhe, die allenthalben die Weiten des Internets bevölkern. Die Anleitung war gut verständlich, die Handschuhe passen perfekt. So perfekt sogar, dass meiner werter Mitbewohner schon seine Ansprüche geltend gemacht hat. Wir werden sehen, ob für ihn ein Paar übrig bleibt, das kommt ganz auf die radelnden Damen an.
Anleitung: Snowflakes.

Damit bin ich wieder bei meiner Decke gelandet, die auf jeden Fall dieses Jahr fertig wird!

Aber: mit großer Freude kann ich berichten, dass hier von kleinen Händen eine Decke gehäkelt wird, die als Weihnachtsgeschenk weitergegeben werden soll. Wir haben zu diesem Zweck ein kleines Häkelkränzchen eingerichtet - die Mädels und ich und ein Hörbuch. Jetzt kann es wirklich kalt und duster werden - würde mich mitnichten stören.