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Sonntag, 31. Januar 2021

Kapitel 158 - Berührungsängste

Nach vielen Jahren unermüdlichen Einsatzes ist es mir in diesem Winter gelungen: ich habe einen Stricker erschaffen.

Sie ist 13 Jahre alt und hat sich beim letzten Weihnachtsfest sehr über Wollgeschenke gefreut, und zwar in unverstricktem Zustand. Es gab ein paar Stränge handgefärbtes Garn, ein bisschen Flausch und Sockenwolle.

Für mich ist das in vielerlei Hinsicht natürlich wunderbar. Zum einen kann ich hier hautnah verfolgen, wie sich jemand bestimmte Techniken und Fähigkeiten aneignet und wie sich dadurch auch Vorlieben ausbilden, zum anderen sehe ich hier, wie man strickt, wenn man keinen Stash hat.

Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich keinen Stash hatte. Da ich ja auch eine ganze Menge Wolle auf verschiedenen Wegen geerbt habe, hat sich mein ursprünglich kleiner Stash schnell zu einem Boxiversum ausgewachsen.


Aber jetzt bin ich also wieder auf Null.

Gleichzeitig kann ich versuchen, so viele gute Ratschläge wie möglich weiterzugeben:

Nicht zu viele Projekte auf einmal.

Fäden vernähen.

Durchhalten.

Es klappt besser, als ich vorher zu hoffen wagte.


Zu den schönsten Vorweihnachtserlebnissen gehört ein Besuch im lokalen Wollgeschäft, bei dem einfach drauflos ausgesucht werden durfte, was dann dem Christkind übergeben wurde.

Daraus wurde ein wunderbares Kuscheltuch (Hinweis: Ravelry-Link), das jetzt fix und fertig im Handarbeitskorb liegt.


Das Nächste sind ein paar Socken aus dem Opalabo, das wir uns teilen. Auch das ist wunderbar, weil ich immer dachte, für eine Person sind es auf Dauer schon sehr viele Knäuel pro Jahr, vor allem, wenn man noch etwas anderes stricken will. Aber zu zweit? Bestens!

Natürlich habe ich zur Begleitung auch ein paar Socken angeschlagen. Bei mir aus Resten, nach einer Spiralsockenanleitung (GumGum Socke Hinweis: Ravelry-Link). Es sind zwar schon viele meiner Garnüberbleibsel in meine diversen Reste-Häkeldecken gewandert, aber so schnell wie man möchte, geht es eben doch nicht.


Heute habe ich eine RVO-Strickjacke begonnen, die auch - doppelfädig mit schwarz - aus Resten bestehen soll. Und da kam dann endlich die entscheidende Frage auf: "Warum strickst du immer nur aus Resten? Du hast doch so schöne Wolle."


Stimmt das wirklich?

Na, das mit der Wolle stimmt bestimmt. Nicht umsonst hat man ja diverse Wollfeste und Spezialgarnläden besucht, als dies noch ganz normal zum Terminkalender eines Strickers gehörte. Es gilt ja sowieso: für's Hobby muss man auch Geld ausgeben dürfen, sonst macht es keinen Spaß.


Aber stricke ich wirklich nur mit Resten?

Nein, nicht immer. Aber: meine Gedanken kreisen doch oft um meine Reste. Ein paar Projekte, wie den Nanaimo Cardigan (Hinweis: Ravelry-Link) oder den Baw Baw Pullover (Hinweis: Ravelry-Link) habe ich nur begonnen, um zu sehen, wie ich da Reste unterbringen kann. Wenn ich dann noch Garn dazukaufen musste, geschenkt - das war leicht zu rechtfertigen, denn ich habe ja etwas Altes verbraucht.

Oft war auch der Erfolg gar nicht so durchschlagend. So habe ich für diesen Pulli Wolle am Ärmel verstrickt, die dafür gar nicht geeignet war, trotz doppelfädiger Sockenwolle. Seit dem ersten Tag pillt sie wie verrückt.


Das heißt, jetzt geht es also ans Eingemachte. Es stimmt, mein kleiner Stricker hatte recht. Ich habe irgendwie eine Scheu, meine schönen Knäuels, meine herrlichen Stränge anzubrechen. Ich habe auch schon Projekte wieder aufgetrennt, weil ich das Gefühl hatte, sie würden der Wolle nicht gerecht, etwas passt nicht richtig, etwas sieht irgendwie nicht gut aus und vor allem bei Socken beliebt: das Garn ist zu schade. Das hebe ich mir lieber für ein "besonderes Projekt" auf.


Vielleicht weil ich aus einer Generation stamme, in der die Vokabel "auftragen" noch eine Rolle gespielt hat?

Der Wintermantel, die Sandalen, der Badeanzug sind doch noch gut in Schuss. Die kann man noch gut auftragen. Es ist nicht notwendig, in der brandneuen Sonntagsjacke beim Spaziergang durch den Wald zu traben. Da "tut es auch" die alte.


Das bedeutet beim Stricken dann auch, dass ich erst mal meine Reste "aufstricken" muss, die "tun es doch noch", bevor ich das neue, das teure, das besondere Garn anstricken darf. Was für ein alberner Zwang, der aber natürlich, so wie alle inneren Zwänge, gar nicht so einfach abgeschüttelt werden kann, wie man das rational vor sich selbst begründen kann.


Schließlich hat man ja gelernt, dass man das neue Stück Käse im Kühlschrank erst dann anschneidet, wenn das alte aufgegessen ist.

Nur, dass das beim Stricken fast nie passiert. Hier haben wir das Dilemma:

Wer kann denn ernsthaft von sich behaupten, dass er alle seine Reste verbraucht hat?

Na, ich weiß es - mein kleiner, neuer Stricker, dieses kleine Fräulein kann aus dem Vollen schöpfen, und tut das auch, sehr zu meiner Freude.


Und ich?

Ich werde jetzt mal ein Wechselmodell versuchen. Und meine kognitive Dissonanz mit folgendem Mantra zu überwinden suchen: es wächst jeden Tag Wolle nach! Wenn sie verstrickt ist, dann gibt es irgendwo wieder neue!

Mal sehen, ob's klappt.


Und bei dem neuen Kuscheltuch meiner Tochter? Ist ein kleines Mini-Knäuel übrig geblieben. Das werde ich am besten einfach diskret verschwinden lassen. Schließlich will man nicht alle seine wunderlichen Angewohnheiten weitervererben.


P.S.: Gerade habe ich gesehen - den Sockenreste-Wollpullover habe ich letztes Jahr im Januar angeschlagen. Vielleicht ist es nur ein jahreszeitlich bedingtes Formtief? Hoffen wir's.

Sonntag, 16. April 2017

Kapitel 140 - ich habe fertig!

Melde mich als unglaublicher Nuvem-Überlebender! Das Ding ist tatsächlich fertig geworden und sieht so aus:

War aber auch eine schwere Geburt. Ich habe im August letzten Jahres ca. 10mal versucht, es anzuschlagen und dann endlich im Schweiße meines Angesichts mittels Zettel und Zehnerstricheln das Wunder vollbracht alle Maschen auf der Nadel zu haben.

Das Garn ist superfeines Lacegarn von Juniper Moon in der hübschen Farbe Uncial - und zwar drei Knäuel. Ist grau, aber ein sehr hübsches Grau.

Nachdem man den Anschlag geschafft hat, ist das Projekt zum Glück genau so, wie versprochen, nämlich sehr einfach. Eine Runde mit Zunahmen eine Runde ohne Zunahmen, da macht man nix falsch und es geht fröhlich dahin. Naja, so lange eben, bis einem das ewige Rechtsstricken ein wenig auf die Nerven geht und man etwas anderes anschlagen muss.

Bei mir ging die Sache durch zwei Knäuel hindurch recht gut. Ich habe mich mit dicker Nadel durch dünnes Lacegarn gekämpft, d.h. auch langsamer gestrickt als üblich, denn hier durfte ja auf keinen Fall etwas passieren, so eine verlorene Masche in diesem Riesending fange ich ja nie wieder auf!
Außerdem sitzt einem ständig die Angst auf der Schulter, das dünne Lacegarn würde womöglich reißen und ohjemine, was soll ich denn dann anfangen, wie alles vernähen? Hilfe!

Man sieht unschwer, dass ich ein blutiger Lace-Anfänger bin. Aber das war ja auch der Sinn der Übung, dass ich hier ein wenig die Scheu verliere - bei einem Projekt, bei dem man nicht viel falsch machen kann. Es geht eben wieder um die Lernkurve und darum, etwas Neues zu schaffen. Na und diese Mission wird hiervon voll und ganz erfüllt.

Im Zuge der Vollständigkeit habe ich auch die Maschenzahl der letzten Runden gezählt, also die Rüschenmaschen. Das scheint so üblich zu sein und da hab ich mich eben auch anstecken lassen.

Vermelde also: bei mir die unglaubliche Zahl von 2567. Da schafft man am Abend eine Runde wenn's hoch kommt und dann geht's erst morgen weiter. Soviel zum Thema Motivation.


Es gibt ja einige Projekte, die hier statt einer Rüsche ein ganz normales Bündchen stricken, aber mein Garn ist so fein gewesen, dass es die Rüsche ganz gut vertragen hat. Obwohl ich sagen muss, dass so ein farblich abgesetztes Bündchen doch was hat. Keine üble Idee.

In einem einigermaßen vertretbaren Tempo habe ich zwei Knäuel Wolle verstrickt, nur um dann einen wirklichen Einbruch zu erleiden. Es ging nichts mehr voran. Eine Runde dauerte schon ewig und ganz ehrlich? Wird dieses Ding überhaupt jemals fertig? Wird das Knäuel überhaupt kleiner? So wie's aussieht eigentlich nicht. 

Ich habe alles probiert. Meinen besonderen Knäuelhalter hervorgekramt (im Bild oben):


Die Runden abgehakt, damit ich einen Beweis habe, dass etwas vorangeht. Den Trick mit dem Restgarn angewendet, das hoffentlich Runde für Runde ein wenig nach unten rutscht. Nichts hat geholfen.

Da kam mir zum Glück Rossmann zu Hilfe, denn die hatten dies hier im Angebot:

Jawoll. Das ist eine Küchenwaage. Gar nicht mal so teuer und mit der genialen Einrichtung in 1-Gramm-Schritten zu wiegen.

Nichts wie hin. Damit war das Ende meines Nuvem nun wieder eine ganz andere Sache. Restgarn wiegen. Eine Runde stricken, Garn nochmal wiegen und sieh mal an - eine Runde verbraucht bei mir 5 Gramm.

Damit konnte ich ganz perfekt zu den genannten 10% des Garns stricken, bei dem die Rüsche begonnen werden soll. Dann wieder das Garn pro Runde per Wiegen ermitteln und man kann so lange stricken, bis tatsächlich das gesamte Garn im Projekt verschwunden ist. Genial!

Am Schluss allerdings hätte ich noch etwas mehr schaffen können. Eine Runde gab's zu 5g und die Abkettrunde sollte laut Anleitung mit einer viel größeren Nadel gemacht werden, also bin ich davon ausgegangen, dass hier deutlich mehr Garn verbraucht wird. Habe die letzte Runde also früher begonnen und jetzt 8g übrig. Merke: das Abketten mit einer 7mm Nadel braucht eigentlich nicht mehr Garn als das Stricken mit einer 3,5mm Nadel. Lessons learnt.

Und was kommt jetzt? Na klar, jetzt ist der Bann gebrochen. Das muss ja wohl ein Hitchhiker werden. Das drei milliardenste Projekt.  Die beiden Damen wünschen es so, und da ist man nunmal machtlos. ;-)






Sonntag, 11. September 2016

Kapitel 133 - in dem ich ein Tuch anschlage...(n will)

Es geht los. Ich hab mich von einer Tuchwelle aus den Tiefen des Netzes anstecken lassen, mich innerlich breitschlagen lassen und aus Gründen der Dazugehörigkeit zur Strickgemeinschaft entschlossen, ein Tuch anzuschlagen. Ein riesengroßes, leicht zu strickendes Tuch der berühmten Martina Behm. Und nein, es ist kein Hitchhiker (die Welt braucht nun wirklich nicht noch einen).

Stattdessen soll es ein Nuvem sein. Eine Art dünne Decken-Schal-Jacke, die man bei kühlen Temperaturen mehrfach um sich selbst schlingen kann. Die fertigen Exemplaren der erwähnten Strickgemeinschaft sehen allesamt toll aus. Die hauptsächliche Herausforderung für mich besteht aus der notwendigen Geduld - so viel weiß ich jetzt schon. Glatt rechts. Über Millionen von Maschen. Aber bitte - mit dieser Einstellung einer Mitstrickerin ist alles gesagt: Man soll ein Nuvem nur dann anschlagen, wenn man sich vollkommen im Klaren darüber ist, dass die Arbeit daran mitunter ein Jahr dauern kann.

Ich hab mir also im Strickladen vor Ort ein wunderbares Lacegarn besorgt:


Das ist Juniper Moon Findlay Dappled in der Farbe Uncial. Grau meliert sozusagen und glänzig hübsch. Mein erstes Lacegarn.

Das mit der Mühe hab ich kapiert und will es also versuchen. Es geht los. Mit dem provisorischen Maschenanschlag von nur 145 Maschen.

Kenne ich ja von den toe-up-Socken, ist nicht schwer. Dann mal los. Mmmh, war das jetzt 118 oder 119? Das ist mir zu unsicher. Ach, einfach nochmal.

Das sieht jetzt aber irgendwie zu wabbelig aus, wie das Garn über den Nadeln liegt. So will ich aber nicht losstricken. Gleich nochmal.

Verflixt, jetzt hab ich mich wirklich verzählt und außerdem ist bei einigen Maschen das Garn um beide Nadeln geschlungen. Nee, das wird heute nix mehr. Das mach ich morgen nochmal.

Durchatmen. Es geht wieder los. Alle Maschen sind angeschlagen, die erste Runde gestrickt, die Maschenzahl stimmt wieder nicht. Och nee!

Gibt es denn Alternativen zu diesem irrsinnigen provisorischen unsichtbaren hochgelobten blahblablah Anschlag (von wegen magic). Der funktioniert doch überhaupt nicht mit dieser hohen Maschenanzahl.

Ich versuche die waste-yarn Methode mit Luftmaschenkette. Es ist ein unglaubliches Gepfriemel bei 145 Maschen. Die erste Runde ist zu labbrig. Funktioniert nicht.

Ich versuche den provisorischen Anschlag mit der Verbindungskabelmethode. Funktioniert nicht.

Dieser Nuvem macht mich VERRÜCKT. Warum wollte ich dieses verflixte Tuch nochmal stricken?

Dann steht die Urlaubspackerei an. Ich verlagere alles an das Ufer eines idyllischen Flusses in England und packe nur Nadeln und Garn ein. Bitte, dann klappt es halt nicht mit diesem verflixten Anschlag. Während der Fahrt muss ich sowieso die Karte lesen, da komme ich sowieso nicht zum Stricken. Zum Anschlagen gleich gar nicht.

Angekommen versuche ich es nochmal. Alle 20 Maschen setze ich einen Marker, damit verzähle ich mich wenigstens nicht. Aber ich hatte natürlich nicht bedacht, dass diese Marker ein Problem sind, wenn man die Arbeit teilen muss. Ich werde noch verrrrrückt!!!

Wenigstens geht es den anderen nicht anders. Naja, nicht allen, aber doch einer so großen Menge, dass sich meine Herzschlagfrequenz und die geschwollene Halsschlagader wieder etwas beruhigen können.

OK, letzter Versuch. Die Familie wird aus dem Haus geschickt. Macht ihr mal einen Spaziergang. Ich koche mir eine Kanne starken Tee und setze mich auf die Couch. Das wichtigste Utensil liegt vor mir: der Rundenzähler.

Dann geht es los. In Zeitlupe. Alle 10 Maschen knipse ich den Rundenzähler weiter. Das dauert ewig. Aber am Ende habe ich die korrekte Maschenanzahl.

Ich stricke die erste Runde und es ist nichts wabbelig, es sind immer noch 145 Maschen pro Nadel, es funktioniert!

Dann die ersten paar Runden nach Plan und danach erfüllt sich alles, was mir von dieser Anleitung vorgeschwärmt wurde: supereasy, nur zwei Runden, die sich von selbst stricken.

Marker sind gesetzt, sobald es geht stricke ich mit einer riesenlangen Nadel (120cm) alles in der Runde. Der Urlaub kann beginnen und hat sich, dank Olympia, auch als produktiv erwiesen. So sieht's aus:




Dann kann der Herbst ja kommen!



Dienstag, 15. März 2016

Kapitel 128 - meine neue Karriere als Tuchstricker - naja, fast

Es ist ja so - jedes Jahr sammelt man die gestrickten und gehäkelten Projekte in einer Liste, nur um zu sehen, was man alles geschafft hat. Und jedes Jahr, pünktlich zum Jahreswechsel, überlegt man sich, ob man nicht doch mal etwas Neues wagen sollte.
Ich hab ja nun genügend Socken gestrickt, dass sie mir in jeder Richtung keine Angst mehr einjagen: vom Bündchen aus, von der Spitze aus, Socken stricke ich mittlerweile blind. Also ist es wirklich mal an der Zeit für etwas Neues.
Und außerdem: mein am Ende des Jahres gelegener Geburtstag führt ja dazu, dass ich immer ein paar neue Knäule mit ins neue Jahr nehmen kann. Und geschenktes Garn will schließlich auch mal irgendwann verstrickt werden. Möglichst noch im laufenden Jahrzehnt. Also dann, frisch drauflos.

Tücherstricken habe ich bisher immer nur bewundert und weniger selbst gemacht. Vor allem wohl deshalb, weil ich einfach mehr der Schaltyp bin und eigentlich gar nicht weiß, wie ich mir diese Riesendinger um den Hals schlingen soll, dass sie einigermaßen aussehen. Das hat sich erst geändert, als ich auf dem Wollmarkt mal ein Drachenfels-Tuch live gesehen habe.


Das war eine ziemlich flotte Angelegenheit. Drachenfels eins und zwei ließen nicht lange auf sich warten.



Mit beiden Tüchern bin ich ganz zufrieden. Aber noch war das ja nicht wirklich eine Herausforderung. Beim zweiten Tuch sogar noch eher eine Aufgabe, die das Durchhaltevermögen trainiert. Kraus rechts, für immer und ewig, da hilft irgendwann die beste Serie nicht mehr.

Aber für so wirklich anspruchsvolle, endlos gemusterte Tücher bin ich noch nicht bereit.

Schließlich habe ich es vom Garn abhängig gemacht.  Ein wunderschönes, superweiches und tolles Türkisgarn:


Das ist Diana 4-ply von fivemoons in der Farbe Almost shipshape ooak. Ein wunderbares Garn und ein wunderbares Geschenk. Also sollte daraus doch ein mindestens ebenso tolles Tuch werden.

Die Farbe hat bei der Musterauswahl geholfen, es wurde Ho'okipa-Shawl, mit dem hatte ich schon länger geliebäugelt.

Na, das ist zu schaffen, dachte ich, alles glatt rechts und nur am Rand ein Muster.
Aber was für eins. Ich sage nur 'links verschränkt'. Gah! Ein Glück, dass ich mit einem Klick meinen Computer pausieren kann, sonst wäre ich verrückt geworden. Stricken und Serien gehören eben doch zusammen.

Für mindestens die Hälfte des Schals habe ich in Ruhe re oder li gestrickt, nur um dann am jeweiligen Rand mühsam die richtige Zeile zu studieren (es ist wahr, englische Muster kann ich nicht nach Musterzeichnung stricken, keine Ahnung warum).
Da mussten der Bleistift, das klebende Post-it und der Sirka-Counter herhalten, und zwar bis zum bitteren Ende. Der Mustersatz hat nicht übermäßig viele Zeilen, aber in meinen Kopf wollte er nicht hinein. Bis zum Schluss nicht.


Ein Glück, dass er so hübsch ist, sonst hätte ich es vielleicht nicht ausgehalten. Die kleinen Wellen und sogar die Zackenkante machen wirklich Spaß. So hübsch!
Dazu passt das glatt rechts wirklich gut.


Aber dann kam es natürlich so, wie es kommen musste. Als Anfänger.

Ich habe mich verstrickt. Bei glatt rechts. Das ist doch kaum zu glauben. Und außerdem genau in dem Teil, der um den Hals geschlungen, vorne hängt. Man sieht es im obigen Bilde, die dunkle Stelle gegenüber von der Kurve rechts.
Das kommt davon, wenn man denkt, ah, Halbzeit, jetzt läuft dat ja wie jeschmiert. Denkste, Puppe!

Und natürlich bleibt es nicht dabei.
Mein Garn war so toll und fein, dass ich es möglichst ganz verbrauchen wollte und dachte auch, das müsste hier klappen. Schließlich ist es eine einfache Zunehmen - Maschenzahl halten - Abnehmen-Konstruktion.
Sollte man meinen.

Ich wickle also mein Garn in ein Knäuel und wiege dieses Knäuel immer wieder, bis ich die Hälfte der Grammzahl erreicht habe. Dann ein kleiner Doppelknoten um die Mitte anzuzeigen und weiterwickeln. Ein Klacks.

Dann stricke ich los und wie es so kommt, der mittlere Knoten erscheint knapp am Ende eines Mustersatzes. Nur noch zwei mickrige Reihen stricken oder 18 Reihen eines Lochmusters mit links verschränkten Maschen auftrennen?
Sowas nennen die Amerikaner no brainer. Da ist die Antwort klar. Auf keinen Fall auftrennen! Und hoffen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt. "Das wird schon reichen, dass muss einfach reichen."

Wie man sieht, hat es auch gereicht. Aber mit dem Klumpfuß eines weniger eleganten und knappen Endes auf der einen Seite: Unten breit und oben schmal.



Da weiß ich auch schon, wie ich es tragen werde. Fest um den Hals gewickelt. Zum Glück ist es so schmusig-weich! Und das nächste Mal gibt's wieder Farbe. Fest auf der Tapetenrolle steht Granemones. Mit viel Pink!








Montag, 19. Oktober 2015

Kapitel 123 - meine WIPS und ich

Ich stricke also bin ich. Soviel war ja schon lange klar. Jetzt aber habe ich in Abkupferung der Methode einer Mitstrickerin eine Managementvariante für meine vielen Arbeiten auf den Nadeln entdeckt, die tatsächlich funktioniert und mir immer mal wieder ein Gefühl von "aah, endlich fertig" beschert.

Ich weiß natürlich auch, dass mich dieses Gefühl sehr viel öfter begleiten würde, wenn ich mich an die monogame Haltung gewöhnen könnte - ein Projekt anschlagen, dieses Projekt stricken, das Projekt fertigstellen und dann erst das nächste anschlagen. Aber das klappt nicht. Zu viele tolle Sachen da draußen und auch zu viele verschiedene Orte, an denen gestrickt wird: im Bus, in der S-Bahn, auf der Couch, vor dem Computer, nur auf dem Radl klappt es leider noch nicht.

Also, die Methode geht so: Man darf von jeder Kategorie, die man so strickt und die es so gibt, ein Projekt in Arbeit haben.
Eine Jacke/Pulli.
Eine Decke.
Ein Accessoire, also Mütze, Handschuhe, etc.
Ein Tuch.
Ein Kleinteil (Kuscheltier, Amigurumi, etc.)
Ein Paar Socken (falls gewünscht).

Das sind also höchstenfalls sechs verschiedene Kategorien. Wenn man nun also sechs verschiedene Ufos hat und sich dann auch noch mit einem gleichfalls von anderen Strickern vorgestellten Rotationssystem immer mal wieder einem anderen Ufo widmet, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann man wieder einen Platz frei hat und sich dementsprechend um das nächste Objekt aus der Warteschlange kümmern kann.

Genial, no?

Im Moment habe ich tatsächlich eine Jacke auf den Nadeln. Also strenggenommen natürlich zwei, aber wollen wir mal nicht so sein. Seit ich das System hier in Betrieb genommen habe, ist es also eine Jacke.
Ich versuche diese Jacke hier zu stricken und bin gerade bei den beiden Vorderteilen. Meine Maschenprobe war ein wenig anders, hoffentlich klappt alles.
Meine zweite Jacke sollte gehäkelt diese ergeben und wird sofort wieder aufgenommen, wenn die erste Jacke fertig ist. Ganz nach dem oben vorgestellten System. Dann erst soll es weiter gehen.

Eine Decke ist ebenfalls in Arbeit. Ich vernähe mich gerade durch diese Hexagons und brauche nur noch weniger als die Hälfte der benötigten Anzahl. Die fertigen Fleckerl werden sodann direkt miteinander verbunden, das sollte also schneller gehen:


Da möchte ich mich eigentlich besonders beeilen, weil die nächste Deckenidee meine eigene ist, die ich unbedingt ausprobieren möchte. Aber mit meinem Management-System bringe ich die nötige Geduld auf, weil ich ja weiß, dass ich bald damit anfangen kann. Nur noch 37 Hexis!

Mützen etc. hab ich gerade zur Genüge gestrickt. Die Damen sind in doppelter Ausfertigung ausgestattet (wir bekommen hier am Ende des Monats Oktober mitten auf dem Schulweg einen nagelneuen Brunnen - mehr muss nicht gesagt werden!). Ich hab sogar ein Souvenir für eine leider bald wegziehende Schulfreundin geschafft:


Und keine Angst - sie zieht ins Ausland. Ich würde ja verstehen, wenn so ein Outfit in einem anderen Bundesland etwas problematisch wäre. Kicher!

Sodann ein Schal in einem supertollen, weichen fivemoons Garn. Dies wird das Ho'okipa-Tuch und während das Muster eigentlich gar nicht so schwer ist, muss ich doch für alle 12 Reihen des Mustersatzes auf die Anleitung sehen bzw. einen Mustersatz fertig stricken, bevor ich es wieder auf die Seite legen kann. Daher dauert es gerade ein wenig. Aber: ich denke, ich kann es nach Belieben verlängern, also sogar ich als Tuch-Neuling verstehe die Konstruktion. Das ist mir sogar sehr recht, denn ich will möglichst das ganze Garn darin unterbringen, damit es so groß wie möglich wird!



Auch bezüglich Tuch liegt bei mir noch eines auf Halde, aber jetzt hab ich ja einen Ansporn dies dann auch in Angriff zu nehmen.

Socken hab ich gerade gar nicht angeschlagen und auch Spielsachen oder Figuren stricke ich eigentlich nicht. Aber ich freue mich eigentlich, dass es hierfür sozusagen einen Slot geben könnte, sollte ich mich doch mal an so einen kleinen Hübschling wagen. 

Bis jetzt funktioniert mein System bestens.
Ich darf mehrere Sachen auf der Nadel haben - das kommt meinem lustorientierten Stricken entgegen.
Ich bekomme immer mal wieder eines der Projekte fertig - das ist dann zusätzlicher Ansporn.
Und ich darf mich immer mal wieder durch die verschiedensten Anleitungen klicken oder zu Hause in den Heften blättern, denn ich muss ja überlegen, was ich - in dem betroffenen Bereich - als Nächstes stricken darf.

Besser geht's nicht, oder?

Mittwoch, 22. April 2015

Kapitel 115 - ich werde zum Menschenfreund

Ein Menschenfeind zu sein ist heutzutage ja ein Klacks. Das bestätigt mir auch jede Woche mein Lieblingskolumnist Harald Martenstein (man lese hier beispielsweise die Kolumne vom 17.04.15 über die Berliner).

Diese rücksichtslosen Benzinschleuder-Fahrer! Diese Feierabend-Rasenmäher! Diese scheinheiligen Frömmler! Diese Helikopter-Eltern! Diese Kassen-Vordrängler! Diese Badeliegen-Reservierer!

Die Liste ist endlos und jeder hat die eine oder andere (und meist noch ein halbes Dutzend mehr) eigene Geschichte erlebt, genau so viele gehört und kann damit gar nicht anders, als selbst zu einem erklärten Menschenfeind zu werden. 'Mit denen will ich nix zu tun haben!' - ich bleib' zu Hause und lese Timon von Athen.

Aber es geht auch anders. Zum Glück!

Ich war nämlich am Montag in der großen Stadt, um die Mittagspause mit meiner Freundin hier zu verbringen. Bei Kaffee und Wolle.

Natürlich habe ich die Gelegenheit ergriffen, um mein neues fertig gestelltes Tuch, nämlich einen weiteren Drachenfels, auszuführen:


Und natürlich war mir ziemlich bald viel zu warm, sodass ich das Tuch abnehmen und in die Tasche stopfen musste. Aber der kleine Stolz war's wert.

Auf dem Weg nach Hause saß ich dann gemütlich im öffentlichen Nahverkehr, Musik in den Ohren und mein neues Projekt auf der Nadel:

Das wird eine Babydecke für eine liebe Freundin.
Schneeflocken im Sommer, ein Riesenspaß.

Leider war ich viel zu schnell am Zielort. Eine der berühmten Umlandgemeinden um die süddeutsche Hauptstadt herum. Ein eher langweiliges Fleckchen mit eher uninteressanten Mitbewohnern.

Dann bin ich so schnell wie möglich vom Bahnhof heimgeradelt. Der arme Mann ganz allein mit den Damen, ich muss ihn so schnell wie möglich ablösen. Das Übliche eben, wenn man sich mal eine kleine Auszeit gönnt.

Daheim angekommen, Kinder übernommen und weiter wie gewohnt. Am Dienstag Arbeit und abends den Einkauf aus dem Garnladen bestaunt: herrlichstes Tosh DK aus Peru und Texas.

Und plötzlich hatte ich so ein Bedürfnis, mein Drachenfels-Tuch nochmal zu bestaunen. Einfach anzufühlen und sich darüber wundern, dass ich in so kurzer Zeit zwei Riesenschals in kraus rechts überlebt habe.

Nur: es war nicht auf dem Sessel, auf dem ich es abgelegt hatte. Auch nicht in der Tasche. Oder in der Garderobe. Wo ist es nur?

Schlafzimmer - Treppe - Küche - schnell abgelegt in der Nähe der Waschmaschine? Überall Fehlanzeige.

Das gibt es doch nicht! Wieder und wieder versuche ich die letzten Minuten in der S-Bahn zu rekapitulieren. Ja, die Tasche war voll. Die Garntüte, die Projekttasche, ein paar Strickhefte, der Geldbeutel und das hineingestopfte Tuch. Aber hatte ich es wirklich nicht herausgenommen? Neben mich auf einen Sitz gelegt, beim Aussteigen vergessen? Nein, hatte ich nicht. Also so blöd bin nicht mal ich, auch wenn ich durchaus Tendenzen in diese Richtung zeige - davon später mehr.

Es ist und bleibt ein Mysterium. Mein schöner, schöner Schal ist weg. So ein Riesenschal verschwindet ja auch nicht einfach so, der müsste schon zu sehen sein, selbst wenn er im Chaos der Kinderzimmer untergetaucht wäre. Der ist ja sogar für die Borger zu groß.

Dann kommt der Mittwoch und mit ihm ein Schulfreund zum Mittagessen. Schnell von der Arbeit heimgeradelt und ein kinderfreundliches Mittagessen gekocht. Da stehe ich also in der Küche, die Arme handgelenktief in Kartoffelteig versenkt und herein kommt mein kleines Mädel mit einem viel zu großen Tuch! Mein Schal! Hurra!

Er war auf dem Schulweg der Kinder an einen Baum gebunden worden, damit ihn jemand, der ihn verloren hat, dort wiederfinden könnte. Was ja genau so auch geschehen ist!

Was für eine Wiedersehensfreude! Und was für ein Weltumarmungsgefühl für alle meine lieben Mitbewohner hier in der öden Vorstadt, die nicht einfach handgestrickte Herrlichkeiten mitnehmen oder womöglich entsorgen, sondern stattdessen daran denken, dass jemand sie vermissen könnte. Vielen, vielen Dank!

Jetzt ahne ich auch, wie alles zugegangen ist. Auf der Suche nach dem Radlschlüssel ist das Tuch neben die Tasche in den Fahrradkorb gewandert und von dort langsam über den Korbrand auf den Boden geplumpst. Man soll sich eben nicht übermäßig beeilen, wenn man von einem schönen Ausflug wieder heimkommt.

Mein Schal ist wieder da! Zum Streicheln und für den Fall, dass der Frühling doch wieder kühler wird.

Und jetzt schlag ich mit meinem hübschen Mittagspausen-Einkauf einen zweiten Golden Lair an. Weil mir der erste aus Versehen in die Waschmaschine gerumpelt ist und jetzt als Miniversion in die Verkleidungskiste der Kinder wandern musste. Dies hier ist nur ein hübsches Erinnerungsfoto:



Es gibt wirklich nichts, was mir nicht schon passiert wäre. Aber zum Glück hab ich ja liebe Mitmenschen!




Dienstag, 24. Februar 2015

Kapitel 112 - Tücher, Tücher, gebt mir Tücher

Mein großer Vorsatz für 2015 war ja das sichtbare Stricken. Endlich mal weg von den Socken, die zwar immer noch toll sind, die aber kein Mensch sieht auf dieser Welt (außer wenn ich ihm meine Latschen unter die Nase halte und "schau mal!" rufe).

Tücher sollen gestrickt werden. Riesige, wunderbare Tücher, die jeder sofort als handwerkliches Meisterwerk erkennen kann.

OK, wir wollen es nicht übertreiben, aber zumindest als Geduldsarbeit, die sich gelohnt hat, sollen sie erkannt werden.

Daher ist die Wahl für mein erstes Tuchprojekt eins der vielfältig im Netz herumschwirrenden kraus rechts gearbeiteten Teile, nämlich Drachenfels von Melanie Berg. Bei kraus rechts geht es mir ja meistens so, dass ich die Sachen zwar gerne haben will (sehen ja oft toll aus), aber lieber doch nicht stricken will. Soooo langweilig! Da sind mir ein paar Zöpfe oder doch ein Lochmuster wirklich lieber, da geht wenigstens was voran.

Aber Drachenfels ist ein bisschen anders, hat ein paar Streifen und ein Hebemaschenmuster. Das könnte klappen.

Weil es mein erstes 'richtiges' Tuch sein soll, hab ich mich auch für die Originalwolle entschieden, herrlich weiche RosyGreenWool. Die Entscheidung war der halbe Spaß, denn ich hab damit eine wunderbare halbe Stunde am Stand von Rosy Green Wool in Vaterstetten verbracht. Die Stränge hin- und hergelegt. Kombinationen gefunden und wieder verworfen. Aber ich hatte mich in das Brombeer echt verliebt und hab dann quasi nur Farben dazu gesucht.

Im Netz sind wirklich tolle Kombinationen zu finden, z.B. mit grün oder auch mit türkis, aber für mich war ja die Tragemöglichkeit im Vordergrund. Ein Schal für mich! Eigentlich unglaublich.

Dann sollte es auch gleich losgehen, aber - die Konstruktion von Tüchern - oje oje. Da ich mich damit noch überhaupt nicht beschäftigt habe, war es auch erst einmal schwer, aus der Anleitung herauszulesen, wie das denn nun gehen soll.

Ehrlich gesagt hab ich mich erst bei einem Mini-Knitalong mit einer Freundin dran gewagt, diese Anleitung schön langsam zu befolgen. Ich hab gar nicht verstanden, wie hier das Dreieck entstehen soll und daher einfach beschlossen, die Schritte nachzuarbeiten. So richtig mit Bleistift und Papier und Reihenzähler, damit es auch wirklich stimmt.

Gleich zu Beginn hab ich mir ganz pflichtbewusst neben die Buchstaben der Farben A, B und C meine eigenen Farben geschrieben, damit ich nur ja nicht durcheinander komme.

Farbe A: Cornish Slate


Farbe B: Isarkiesel


Farbe C: Brombeersorbet



Dann also der Maschenanschlag und die mir neue Version der doppelten Zunahmen kfabf (knit through front and back and front).



Die erste Farbkombination funktioniert schon mal ganz gut. Obwohl ich natürlich auch weiß, dass grau und grau einfach nur sehr klassisch ist und man damit eben nichts verkehrt machen kann. Aber mir gefällt's trotzdem.



Die neue Farbe kommt dazu. Meine Winter-Lieblingsfarbe Brombeere. Die Streifen machen wirklich einen Mordspaß und ich bin ganz überrascht, dass ich das ewige Rechts-Stricken gar nicht so schlimm finde, wie zu Beginn befürchtet.


Am besten gefällt mir das kleine Designelement, wenn mitten in den A/B Streifen schon die Farbe C auftaucht. Nur für zwei Reihen, und dann verschwindet sie wieder.
Das ist wirklich großartig.


Ganz am Schluss gibt es einen i-cord-Abschluss, der natürlich ewig dauert. Maschen stricken und wieder auf die linke Nadel heben und nochmal stricken? Da wird selbst der geduldigste Stricker verrückt.

Aber: es lohnt sich und sieht einfach nur toll aus.

Das Tuch ist mein wahrer Stolz geworden und hat sich sofort nach dem Stricken um meinen Hals gelegt, um nie mehr von dort zu verschwinden. So weich. So hübsch.

Und alles, was mir über das sichtbare Stricken erzählt worden ist, das stimmt: ich bin wirklich schon oft auf das Tuch angesprochen worden. Das ist mir in all den Jahren mit den vielen Socken nicht passiert. Selbst wenn ich gesagt habe, dass ich alle meine Socken selbst stricke, wurde das nur mit leicht gehobener Augenbraue wahrgenommen und nicht nachgefragt.

Ich kann nur sagen: Tücherstricken ist großartig. Und gelernt hab ich auch eine Menge!

Mein zweiter Drachenfels wird grün:



Samstag, 19. Oktober 2013

Kapitel 69 - in dem ich von einer Ablenkung berichten muss

Ich weiß. OK. Das hatten wir alles schon einmal. Die Anfangeritis. Das Kribbeln in den Fingern, etwas Neues zu beginnen, auch wenn eigentlich die nächsten 10 Projekte der Tapetenrolle schon feststehen und auch schon Wolle dafür gekauft worden ist.

Aber es ist halt nunmal so, dass mein Hobbit-Fieber, das vor einer Weile ausgebrochen ist, immer noch unterschwellig da ist. Ich also weiterhin für den Hobbit glühe. Zugegeben.

Und da begab es sich nun, dass ich in meinem KAL zum 13. Dezember (offizieller Kinostart von Desolation of Smaug, dem zweiten Teil des Hobbits) auf eine Anleitung zu einem Tuch gestoßen bin.

Richtig gelesen. Ein Tuch. Ich hab ja noch nie ein Tuch gestrickt. Höchstens mal einen einfachen Laceschal. Ein langes Rechteck und fertig. Aber ein Tuch? Ein riesiges Etwas, von dem man nicht weiß, was man später damit anfangen wird? Neee, lieber nicht. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass ich nicht die Geduld und vor allem auch die Strickfertigkeiten der diversen Tücherstricker bewundern kann. Das kann ich sehr wohl und so schwelge ich also durchaus in den herrlichen Fotografien, die man so bei einer Tüchersuche finden kann.

In meinem Fall handelte es sich also um dieses Tuch bzw. diesen Schal:



His Golden Lair von Kourtney Robinson.

Im KAL wurde es sogar von mehreren Teilnehmern gestrickt: in silberfarbenem, auch in rostfarbenem Garn.
Tja, und bei jedem neuen Eintrag konnte ich mir selbst direkt dabei zusehen, wie ich immer interessierter und interessierter und interessierter wurde, bis ich mich schließlich in meinen Wollvorrat versenkte, um daraus etwas herauszufischen.

Ich fand dieses Garn:


Lang Yarns Gobi 70% Merino extrafine 30% Baby Camel

Genau vier Knäuel, vor ein paar Jahren als Geschenk bekommen, in einem schönen Dunkelrot. Schnell noch eine Maschenprobe gemacht - denn ursprünglich wollte ich ein dünneres Garn verstricken.
Als aber der 'Anschlags'-Termin immer näher kam - zusammen mit einer weiteren KAL-Teilnehmerin wollte ich mich an diese Anleitung wagen - bekam ich prompt kalte Füße:
Ich kann doch keinen Schal auf eine andere Größe rechnen!
Was, wenn er zu klein wird?
Wenn er blöd aussieht?

Also schnell eine Maschenprobe nach Angabe gemacht - passt (puh!!!) - und dann sofort angeschlagen:


Meine Maschenmarkierer (zwei werden gebraucht),
habe ich mir ganz schnell aus Kontrastgarn gebastelt.

Obwohl die Anleitung mit 10 Seiten eigentlich schön ausführlich war, habe ich das verwendete Programm für die Strickschriften nur schlecht verstanden und bin erstmal mit der ausformulierten Anleitung losgestartet. Bald hatte ich das Prinzip verstanden, und schon bald nahm das Ganze eine hübsche Form an.



Die so genannten coins - also Münzen - haben mich dabei total fasziniert, weil sie durch ein geschicktes Zusammenstricken in der Rückreihe so richtig herausgekommen sind aus dem Gestrick - sehr clever.



Bald hatte mich die Anleitung süchtig gemacht. In jeder freien Minute, morgens vor der Arbeit, abends noch schnell vor dem Einschlafen, hab ich noch eine Reihe gestrickt.
Ich konnte ja auch ganz schön die bereits gestrickten Reihen abhaken, da 'musste' man ja quasi immer versuchen, ob nicht noch eine, kurze Reihe drin ist zeitlich.



Das Hauptproblem, wie sich bald herausstellte, war weniger die Anleitung als vielmehr das Garn, das bei einer Lauflänge von 90m auf 50g insgesamt nicht sehr viel hergab. Die Anleitung fordert 347-366m, ich hatte 360m. Hoffentlich reichte das!



Mit diesem kleinen Rest sollten noch eine Reihe sowie die Abkettreihe gestrickt werden. Hilfe!
Ich hatte vorher schon versucht Garn zu sparen, durch die Methode des spit splicing, die bei mir zwar nicht so professionell durchgeführt wurde, aber doch bestens funktioniert hat. Die Maschenprobe hatte ich selbstverständlich auch sofort nach dem Auszählen wieder aufgeribbelt und gleich verstrickt. Nicht auszudenken, wenn es am Schluss daran liegen würde.

Endlich - die Abkettreihe. Garn abschneiden und durch die letzte Masche ziehen, und das blieb übrig:



Genau 2m. Was sagt man dazu? Damit hätte ich keine ganze Reihe mehr stricken können - am Schluss waren es 329 Maschen. 

Punktlandung. Manchmal ist die Strickgöttin gnädig. Oder es handelt sich ganz banal um Anfängerglück. Egal, denn ich hab meinen neuen Winterschal:



Und wer weiß? Vielleicht kriegt noch jemand einen dieses Jahr, denn die Anleitung ist wirklich toll, die würde ich durchaus noch einmal stricken.
Und der Schal, der am Ende dabei herauskommt ist doch hübsch, oder?

Jetzt aber zurück zu meiner Strickjacke. Zwei Extraknäuel für den Kragen sowie ein neuer (kürzerer) Reißverschluss sind gekauft.



Also nix wie ran!