Montag, 22. September 2014

Kapitel 102 - vom Wetter und seinen Folgen

Was mich immer wieder amüsiert sind die freundlichen Nachfragen, die auf die Erwähnung meines Urlaubsziels folgen.

'Echt? Ihr wart in England? Regnet's da nicht die ganze Zeit?'

Na klar regnet's da, aber es hört eben auch gleich wieder auf. An den allermeisten Tagen ist es sogar schön. Bewölkt, das ist ja klar, oder mal ein bisschen nieslig, aber doch schön. Immer wieder Sonne, und vor allem auch nie so richtig kalt, sondern eigentlich sehr angenehm. Da steckt man das bisschen Regen problemlos weg.

Der Himmel ist irgendwie näher, präsenter, die Wolken sind größer. Da merkt man auch so richtig, was sich da oben am Himmel eigentlich ständig tut. Den geneigten Lesern in Küstennähe erzähle ich da sicherlich nichts Neues, aber für eine alte Landratte wie mich, die (leider) weit, weit weg vom Meer wohnt, ist das schon ein erhebendes Gefühl.

Und jetzt bin ich also zurück auf dieser Landmasse und muss hören, dass hier der Sommer auch eigentlich gar nix gewesen ist - keine stabile Gutwetterlage, die sich für Freibadbetreiber rechnen würde. Der einzige Unterschied zu England ist offensichtlich, dass man sich dort von vornherein darauf einstellt. Also ein echter Standortvorteil.

Besser wird es jetzt aber auch nicht mehr - die Freibadsaison ist vorbei und die Kinder werden in der Früh mit langen Hosen und Regenjacken in die Schule geschickt, auch wenn sie an manchen Tagen wutschnaubend und mit zerknüllter Jacke im Ranzen wieder heimkommen, weil plötzlich die Sonne doch noch durchgebrochen ist und sie sich folglich 'kaputtschwitzen'. Man kann als Mama eben nicht alles vorher wissen und wenn es kalt ist, dann ist es gleich sauber kalt oder schattig, wie man hierzulande sagt.

Aber man kann dafür sorgen, dass es trotz der Kälte zu Hause richtig gemütlich wird. Die Decken sind immer zwar noch im Werden (es geht voran, Bericht folgt demnächst), aber den Ofen gibt es das ganze Jahr über.

Also los:

Kochbuch aufgeschlagen:



Dieses Buch hab ich ja schon mal erwähnt - man kann deutlich sehen, warum dies mein Leib- und Magenkochbuch ist. Es sieht mittlerweile etwas anders aus, aber ist sicherlich immer noch empfehlenswert. Die Weihnachtsplätzchen, die Kuchenrezepte sowie natürlich die Klassiker wie Sauerbraten und Königsberger Klopse oder alles, was man sonst irgendwie nicht richtig kann (ich zumindest) - bestens erklärt und lecker.

Daneben wird dieses moderne Buch zu Rate gezogen:



Hier kann ich vor allem das Rezept für normale Pizza empfehlen. Das gelingt sehr gut und der Teig schmeckt toll. In den Kommentaren der Netzwelt scheiden sich die Geister bei einigen Rezepten (die Mayonnaise-Muffins sind wirklich grauenhaft, es gibt kein anderes Wort), aber ich hab einige Rezepte von meiner Freundin testen lassen, die selbst ein Expertin auf diesem Gebiet ist, und es ist mit diesem Post-It zurück gekommen:



Mehr kann man nicht verlangen und genau für diese Art Rezepte hab ich mir das Buch auch gekauft.

Na, dann:

Butter kleinschneiden.



Eiswasser herrichten.



 Mehl abwiegen.



Instant-Mehl gibt es bei mir momentan aus dem Grund, weil meine Küchenmaschine kaputt gegangen ist. Das Rührgerät hat schon seit Jahren keine Knethaken mehr und so mache ich alles mit der Hand. Das geht am besten mit Instant-Mehl, denn es verbindet sich wunderbar (da hält die Packung wirklich, was sie verspricht).

Äpfel schälen und schnipseln:



 Und schließlich die Eier.



Wie vorsichtig man ein Ei anfassen muss, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Es sind auch nur zwei bisher auf dem Boden gelandet - ein echter Lernerfolg!



Die Damen dürfen den Rührteig machen (aus dem Stuber-Buch) und sie streiten auch fast gar nicht. Ganz im Gegenteil gelingt schon ein bisschen Teamwork, ich muss nur eingreifen, als der Teig zu schwer wird.



Das Ergebnis ist der übliche Kastenkuchen, der aber natürlich gerade deshalb so gut schmeckt, weil es der erste gemeinsame Kuchen ist.



Auch die Pie gelingt wie geplant. Die Verzierung durften die Damen anbringen und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass überhaupt noch genügend Teig für eine Verzierung übrig geblieben ist.



Es folgt der Antiklimax. Aus dem Hefeteig sollten Bagels werden - Teig gelungen und dann von den Damen zu Bagels gerollt - ich aber hab sie im Übereifer zu früh und viel zu lange in den Backofen gestellt (klassischer Fall von überambitioniert, wenigstens das sollte ich eigentlich von meinen Strickabenteuern mittlerweile kennen!). Es wurden steinharte Geschosse, über die noch viel gelacht wurde. Aber uns wurde warm dabei, und das ist schließlich die Hauptsache!



Fazit: Mission gelungen, der Kälte wurde bestens getrotzt. Und jetzt geh ich mich mal umsehen, was Ihr anderen bei dem Wetter so treibt.

Donnerstag, 18. September 2014

Kapitel 101 - von der Evolution

Bei mir beginnt das Jahr im September - gefühlt zumindest. Das war schon zu Schulzeiten so und ist es jetzt wieder, denn bei mir hat ja die Schule wieder angefangen, seit die Damen jeden Morgen pünktlich mit ihrem Ranzen davonspazieren.

Meine Projekte, meine Lektüre, einfach alles plane ich immer von Herbst bis Sommer. Der Urlaub ist das natürliche Ende meines Jahres, nicht ein paar Raketen an einem vernebelten, kalten Dezemberhimmel. Abgesehen davon, dass ich ja sowieso nie Raketen kaufe oder abschieße - ich seh' sie mir an und setze das Geld im Kopf in Wolle um - geht es nach einer Silvesterparty eigentlich weiter wie bisher.

Aber im Herbst! Da geht es los - da werden Pläne geschmiedet. Da werden gute Vorsätze gefasst (mehr Schreiben, mehr Sport, mehr Stricken). Da werden der Schreibtisch aufgeräumt und die Strickkörbe durchwühlt. Da wird der Stash neu sortiert bzw. es werden für die überzähligen Knäuel neue Boxen angeschafft. Da wird sogar darüber nachgedacht, endlich die Stash-Funktion auf Ravelry zu nützen. Ich sehe den Sinn, aber ich weiß auch, dass ich wahrscheinlich wirklich lang brauchen würde, bis ich alles einigermaßen sinnvoll eingegeben habe.

Aber mich überzeugt das schnelle Auffinden, wenn ich die Boxen endlich nummeriere und dann per Mausklick weiß, dass sich dieses Souvenirgarn aus Hay-on-Wye in der Box XY befindet:



Blaues Sockengarn mit kleinen Fitzelchen am Garn, handgefärbt (Ja, ich weiß, ich habe letztes Jahr schon so einen Strang gekauft, aber den hab ich verschenkt und ich wollte so gerne noch einen für mich haben).



Lace-Garn in Seide. Fühlt sich großartig an. Sowas hab ich noch nie verstrickt und will daraus ein tolles Tuch machen.

Ein Tuch? Moment mal, ich bin doch Sockenstricker und kein Tuchstricker.

Na, und das ist es eben. Ein Evolutionsschritt, den ich gerade an mir selbst beobachte. Ich fühle, wie ich mich als Stricker verändere. Das ist ein ähnliches Gefühl wie damals, als ich zum ersten Mal auswendig und ohne Blick ins Buch eine Ferse gestrickt habe. Endlich begriffen, dachte ich mir und gleich den zweiten Socken angeschlagen um den Kick noch einmal zu spüren.

Und jetzt bin ich offensichtlich drüber weg.

Als Erdbeerzeit war und ich ganze Nachmittage auf dem Erdbeerfeld und ganze Abende mit dem Marmeladekochen verbracht habe, war irgendwann ein Punkt erreicht, den eine englische Freundin strawberried out nannte. Ich hatte plötzlich genug vom Pflücken und Einkochen. Wenn Marmelade, dann bitte eine andere (es wurde Aprikose).

Genau das passiert mir jetzt wieder, denn ich bin unversehens in eine neue Phase der Stricksachen-Beendigung geraten. Ein seltsames Gefühl. Ich merke, dass ich um jeden Preis möglichst alle meiner aktuellen herumliegenden Projekte (die bei Ravelry vermerkten und die geheimen - ja, ich bin komisch!) möglichst sofort beenden will und stricke also ein Paar Socken nach dem anderen fertig, ohne ein neues anzuschlagen.

Meine Mickey-Maus-Socken für den Schwager, die seit Jahren auf die fehlende Stickarbeit gewartet haben: fertig.



Meine Rosen-Socken mit der gemusterten Sohle und den aufgestickten Blütenstempeln: fertig.



Meine Bofur-Socken, ein Reste- und Hobbitfanprojekt in einem: fertig.




Und bei all dem habe ich kein einziges neues Paar begonnen, obgleich das neue Jahr der Sock Challenges bei den Sock Knitters Anonymous schon längst begonnen hat (auch im September!). Der Wahnsinn.

Werde ich als Stricker also endlich erwachsen? Übernehme Verantwortung für meine zahllosen Ufos? Ist das die (R)Evolution?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass mir statt Socken eine ganze Reihe von anderen Sachen vorschweben. Tücher, Schals, und endlich Jacken.

Vor allem Jacken könnte ich wirklich gut gebrauchen und hab auch schon an die 200 mit Herzchen bedacht. Sogar Wolle hab ich eigentlich schon. Und ich hab Tina im Ohr, die mich schon einmal sehr lieb per Mail gecoacht hat, endlich damit anzufangen (Danke nochmal!).

Also dann nichts wie weiter an die Nadeln und mehr Ufos beendet. Mein Ziel sind alle bis auf das eine Paar für den öffentlichen Nahverkehr und das Wartezimmer. Ich fühle sogar, dass dies eine Befreiung sein könnte. Vielleicht bin ich socked out. Vielleicht ist es wirklich eine Evolution. Aber es fühlt sich jedenfalls gut an. Damit also ran an die nächsten:



Und die Sockenwolle aus dem Bild oben? Das Souvenir aus dem Urlaub? Das hab ich in meinem Kopf schon zu einem Tuch verarbeitet. Ich bin eine andere, glaubt es mir! ;-)

Mittwoch, 3. September 2014

Kapitel 100 - in dem es um ein Déjavu der schönsten Sorte geht,

nämlich Urlaub!

Kaum war ein Jahr so stressig wie das vergangene, sehnt man sich heftiger denn je nach einem Urlaub. Und kaum war ein Urlaub so wunderbar wie der vergangene, will man diesen unbedingt wiederholen.
Was man schließlich auch getan hat.

Sollten die geneigten Leser dieser Ergüsse schon letzten Sommer gelesen haben, wohin es mich verschlagen hat (wenn es solche Leser gibt: danke, danke, danke!!!), dann ist dieser Sommer keine Überraschung gewesen.

Wieder England. Wieder Hay-on-Wye. Wieder London. Es war herrlich.

Für die Damen war es schon deshalb besonders nett, weil es uns dieses Mal gelungen ist, ein paar Tage in Eastbourne vorzuschalten, so dass sie nach Herzenslust im Wasser planschen konnten, bevor sie von einem (Buch)laden zum anderen geschleppt wurden. Als Ansässige des südlichen Deutschlands mit (zu) großer Entfernung zu jeglichem Meer in jedweder Richtung, waren sie auch gebührend beeindruckt:



Die notwendigen Utensilien waren schnell besorgt und die Freude grenzenlos:



Da es sich um Eastbourne handelte, war auch das Pier ein solche trauriger Anblick, wie es die Nachrichten hierzulande zuvor angedeutet hatten. Sehr schade:


Mittlerweile ist es wohl schon notdürftig geflickt und wieder eröffnet, wie uns erzählt wurde, denn am Ende des Piers befinden sich ein Nachtclub sowie diverse andere Lokalitäten, die sich einen längeren Ausfall während der Urlaubssaison kaum leisten können. So weit hat das Feuer auch nicht gereicht.


Zur Inspiration haben wir überdies einen Abstecher nach Lewes gemacht, um dies hier zu besichtigen:



Es gibt dort einen wunderschönen, riesigen Garten (na, England eben) zu sehen:


Und natürlich das berühmte Gartenhaus, im dem man nur durch einen Glasscheibe den berühmten Schreibtisch sehen kann:


Überall sitzen zudem sehr freundliche Damen, die über allerlei Kuriositäten Auskunft geben können, etwa das Aquarium, in dem Goldfische aus dem Teich gesund gepflegt wurden, oder über diese Tierfreundlichkeit - komplett beschriftet:


Endlich in den walisischen Bergen in der Nähe von Hay angekommen, wurde dieses Jahr erfolgreich ein Berg erklommen. Naja, aus dem Blick des Süddeutschen vielleicht doch eher ein Hügel, aber es war ein herrlicher Tag:



Ein Souvenir hab ich mir nicht verkneifen können. Aber es ist auch zu schön:


Und was hat das Ganze jetzt mit meinem Hobby zu tun? Viel!

Ich habe nämlich vernäht. Überall. Auf dem Schiff.



 Am Strand.




Na gut, beim Wandern nicht, aber das ist nur der Unmöglichkeit geschuldet, eine Menge Garnrestchen vor dem Wind in den Bergen von Wales zu bewahren.

Dafür habe ich sie im Ferienhaus fleißig gesammelt:


Noch mehr Spaß macht es natürlich die fertigen Fleckerl aufzustapeln:






Insgesamt wurden fast 1000 Fäden vernäht! Und das nur, weil ich eine Menge überzählige Squares schon gehäkelt hatte, bevor ich das hübsche Apricot bekam, das die Garnfirma Junghans leider nicht im Programm hat. Ich hab hier statt Poco einfach Stylecraft Special DK genommen, und es hat bestens funktioniert. Mittlerweile sind die beiden Garne auch preislich identisch, so dass ich für einen nächsten Fall wohl wechseln würde. Mehr Auswahl, mehr Farben.

Kaum zu Hause - nach dem obligatorischen Waschmaschinen-Marathon, der auch beileibe noch nicht zu Ende ist - wurden alle Fleckerl ausgelegt und nach einigen stilistischen Diskussionen mit der betreffenden Dame (es hat auch Nachteile, wenn sie größer werden) bereits zusammengefügt. Ich folge dieser Methode, und um es mit den Engländern zu sagen: It works like a dream.

Bilder folgen!

Freitag, 8. August 2014

Kapitel 99 - in dem ein Ende her muss!

Auf meinem Schreibtisch sieht es so aus:


Am Frühstückstisch so:


und so:


auf dem Wohnzimmertisch so:


und nach der S-Bahnfahrt sieht die Projekttasche so aus:


Mir reicht's nämlich! Ich bin in einem Vernähfieber wahnhaften Ausmaßes und zwar schlicht und einfach deshalb, weil ich dieses riesengroße UFO, meine beiden Decken für die Damen des Hauses, nicht mehr mit rumschleppen will. Ich will endlich fertig werden. Sogar meine heißgeliebten Socken hab ich dafür hintangestellt. Nicht einmal an der August Challenge - nämlich alle angefangenen Socken des Jahres fertigzustricken (siehe letztes Jahr) - hab ich mich dieses Jahr beteiligt. Werde ich wohl auch nicht mehr tun.

Keine Terminsetzungen mehr nach einem Arbeitsjahr, in dem es nur so vor Terminen gebrummt hat. Aber das ist eine andere Geschichte und gehört nun wirklich nicht in die sommerliche Urlaubs- und Erholungszeit.

Es geht mir hauptsächlich darum, dass ich nach dem Urlaub (der im Übrigen bald beginnt - jippieee!) meine Decken in Ruhe zusammenhäkeln kann, damit sie pünktlich unter den Christbaum gelegt werden können. Und da ich pro Decke 216 Squares gehäkelt habe, jeweils drei Farben plus Rand, macht das pro Fleckerl genau acht Fäden zu vernähen und damit insgesamt 1728 Fädchen!
Na, viel Spaß.

Ich nutze also die Gunst der Stunde, in der mir das Vernähen seltsamerweise gar nicht so viel ausmacht - es dauert ja auch eigentlich nicht lange - und arbeite so flott, wie es nur geht.


Meine beiden wichtigsten Hilfsmittel sind dabei diese beiden:



Eine stumpfe Nähnadel und ein schicker Zwicker, den ich mir auf einem Mittelaltermarkt an einem Schmiedestand gekauft habe. Er knipst die Fäden einwandfrei ab und ist deutlich schneller als eine Schere einsetzbar.

Natürlich gibt es da im Schneiderzubehör ganz neue und elegante, am besten gefällt mir diese einer Scherenmanufaktur, aber meine Knipsschere erfüllt ihren Zweck und erinnert mich vor allem immer an den netten Markt, auf dem auch die beiden Damen ihren Spaß hatten (mit Puppenspiel und Musik und Kämpfen).

Damit arbeite ich mich also durch meine beiden Schuhschachteln hindurch:




Zuerst habe ich die acht unterschiedlichen Fäden noch brav der Reihe nach vernäht, und zwar von außen nach innen. Bald hab ich aber festgestellt, dass es mehr Spaß macht, wenn man nach Farben vorgeht (siehe die oben abgebildeten Häufchen). Zuerst alle Randfarben (also hellbraun bzw. beige), dann nur rosa, nur gelb, etc. Irgendetwas, um die Sache ein bisschen abwechslungsreicher zu gestalten, denn ein bisschen Sich-selbst-überlisten gehört dazu...

Nie war ich außerdem dankbarer für die segensreiche Erfindung des DVD-Spielers, die einen die Menge einfach Vergessen macht. Ein einziger netter Film, und man hat wirklich etwas geschafft.

Genau das ist es aber auch wieder einmal, was mir die Herrlichkeiten meines Hobbys vor Augen führt. Es ist möglich, einen solchen (durchaus furchterregenden) Stapel:



In eine solche Ordnung zu verwandeln:


Fix und fertig zum Zusammenhäkeln. Die andere Farbkombination ist sogar bereits vollständig und kann immer mal wieder fröhlich umgeschichtet werden.



Die Zusammenstellung der Decken soll schließlich und endlich möglichst willkürlich erfolgen. Ich werde die Squares auf einer Decke zuerst feststecken - unter Zuhilfenahme der relevanten Deckenempfängerin, damit ja die Farbkombination auch stimmt - und dann nach Lucys Anleitung zusammenhäkeln. Hoffentlich klappt's.

Die Decken sind im Übrigen Lucy's Summer Garden Granny Squares, und zwar in dem Junghans-Garn Poco. Dieses Garn ist mit dem neuen Junghans-Katalog 10 Cent teurer geworden, ist damit aber immer noch sehr günstig. Es verarbeitet sich ganz gut, obwohl ich immer denke, dass das Originalgarn Stylecraft Special DK vielleicht doch gescheiter gewesen wäre. Schon alleine, weil es davon ungefähr 50 verschiedene Farben gibt. Naja, beim nächsten Mal dann.

Was? Beim nächsten Mal? Bin ich mir klar darüber, was das heißt?

Ich glaube schon. Diese Decken sind das Crystal Meth des Häkelns! Einmal angefangen, machen sie für immer süchtig. Ich plane schon die nächste und die übernächste ;-)

Dienstag, 22. Juli 2014

Kapitel 98 - Strickbücher? Na klar!

Diese Woche kann ich sogar mal wieder beim Wollschaf mitmachen. Die Frage vereint nämlich meine beiden Leidenschaften:


Habt Ihr ein oder mehrere Lieblings-Strickbücher?
Wenn ja, welche(s)?
Aus welchem Buch habt Ihr bisher die meisten Modelle nachgestrickt?
Welches Buch in Eurer Strickbibliothek hat Euch bisher den meisten Nutzen gebracht und warum?
Stricken und Lesen!

Na, dann los.

Lieblingsstrickbücher gibt es eine ganze Menge, aber mit Sicherheit habe ich den meisten Nutzen von meiner schon vielfach erwähnten Strickbibel von Katharina Buss erhalten. Damit hab ich nach einer Strickabstinenz in der Zeit nach der Schule wieder voll zurück ins Hobby gefunden. Unbedingt empfehlenswert.

Lieblingsstrickbuch darüber hinaus sind auch die Stitch'n'Bitch-Bücher von Debbie Stoller. Vieles wird toll erklärt und ihr Schreibstil ist einfach einmalig! Da lese ich die ersten Kapitel oft auch einfach so nochmal - sehr unterhaltsam. Mir fehlt nur noch das Männerbuch, aber das werde ich mir auch noch kaufen, einfach so.

Das Gleiche gilt für das Buch Knitting Rules! von der YarnHarlot. Amüsant zu lesen und durchaus mit ein paar sinnvollen Tipps. Das ist mehr so ein Buch, in dem ich immer mal wieder ein paar Kapitel lese, weil mir die Formulierungen so viel Spaß machen. Ihre anderen Bücher sind eher essay-artig - auch amüsant zu lesen, aber so nach dem dritten brauchte ich eine Pause.

In der Unterhaltungsecke stelle ich auch gerne eines meiner liebsten Bilderbücher vor, das jetzt endlich auch auf Deutsch erschienen ist. Es heißt Extra Garn und ist einfach großartig. Eine tolle abenteuerliche Geschichte mit einem überraschenden Ende, die man sehr gut vorlesen kann und die sich auch wieder und wieder und wieder vorlesen lässt - das beste Argument für ein Bilderbuch! Abgesehen davon, dass ich die Bild- und Farbgestaltung sehr gelungen finde - endlich mal kein Billig-Comic-Gezeichne. (Damit hier kein Missverständnis entsteht - ich bin ein großer Fan von Comics aka Graphic Novels. Für Kinder darf es aber in dem Bereich aber gerne mal ein bisschen anspruchsvoller sein, als immer nur das hier)

Wenn es jetzt um die Bücher mit dem höchsten Gebrauchswert gehen soll, dann bin ich ein wenig ratlos. Obwohl ich eine Zeitlang Bücher nach dem 'muss ich unbedingt haben'-Gefühl gekauft habe, hat sich später herausgestellt, dass ich sie gar nicht so oft benutzt habe. Also, als Inspiration natürlich schon, zum Durchblättern, zum Seufzen bei einer guten Tasse Kaffee, aber wirklich zum Arbeiten? Eher weniger.

Wenn ich ernsthaft nachdenke, dann hab ich die meisten Modelle wohl aus einem Sockenbuch gestrickt, und zwar aus diesem. Das gibt es, glaub ich, gar nicht mehr neu. Ich hab mir damit das Sockenstricken (wieder) beigebracht, und es nach einigem Hin und Her auch endlich verstanden. Da das mittlerweile aber auch schon seine 10-15 Jahre her ist, ist das Buch nicht mehr taufrisch - die Modelle würden heute wohl niemanden mehr vom Hocker reißen. Ich hab sie aber gerne gestrickt und hauptsächlich unter dem Aspekt der ansteigenden Lernkurve gesehen.

Den besten Tipp aus diesem Buch, den ich immer noch beherzige, ist derjenige für das 2/2-Bündchen (also 2M re 2M li). Dieses Muster immer mit 1M li, 2M re beginnen, denn dann entstehen keine Leitern. Mach ich immer noch so und funktioniert bestens.

Auf keinen Fall verzichten möchte ich auf meine Musterbücher, z.B. dieses hier und auf meine Bildbände von Alice Starmore. Die sind einfach zu schön. Und klar sind da auch Anleitungen drin, aber da muss ich noch ein wenig ernsthafter auf die Strickleiter der Bekleidungsstücke hinaufkraxeln, bevor ich mich an diese wage. Bis dahin blättere ich aber gerne hin und wieder darin. Wenigstens hab ich ja jetzt schon ein paar Kleidungsstücke in Puppengröße hinter mir!










Montag, 21. Juli 2014

Kapitel 97 - das Leben, das Leben

War ja nur eine Frage der Zeit, bis der Klassiker in der Blogosphäre - das Leben, das echte nämlich - auch mich drankriegt.

Man hat eben nicht ungefragt ein paar kleinere Mitbewohner in einer öffentlichen Bildungsanstalt. Und diese sind ja dafür berühmt, dass sie alles, wirklich alles, an das Ende des berühmten Schuljahres legen. Buchstabenfest 1, Buchstabenfest 2, Musikschulkonzert, Instrumentenkonzert extra Nr. 1, Instrumentenkonzert extra Nr. 2, Schulfest, Sporttage, Wandertag und wasweißichnochalles.

Was hab ich damit zu tun? Na, was wohl? Mütter sind ja im Blickfeld der Schule nicht etwa berufstätig und überhaupt auch für andere Sachen verantwortlich, sondern vielmehr eine Art Verfügungsmasse für solche Veranstaltungen: Begleitung, Backen, Verkaufen, Betreuen, etc.

Also hab ich jetzt ein paar Mal meinen Nachmittag mit Folgendem verbracht: 



Auch wenn das jetzt schlecht zu erkennen ist, so sind das doch Buchstaben - eben für das so genannte Fest:



Süßer Hefeteig als y und f mit zerlassener Butter bestrichen und mit Zucker bestreut. Ist lecker, dauert aber ewig!

Fast alle Konzerte sind nun allerdings schon überstanden (ob sie sich gelohnt haben? Tja, eineinhalb Stunden Blockflöten-Gequietsche an einem heißen Sommernachmittag? Ich weiß, ich bin eine böse, böse Mutter, aber ich glaube nicht, dass sich das wirklich lohnt...)

Daher schnell der Wechsel zu den angenehmeren Dingen des Lebens, will sagen der Nadelarbeit:

Immer noch gilt meine Leihfrist für das bereits erwähnte Buch:

Und da sich die kleine Prinzessin schon hat einkleiden lassen, war jetzt ihr Kompagnon, der kleine Schweineprinz, dran.

Darf ich vorstellen: das Schweinchen Gack:



Das selbstgewählte Kuscheltier, im Alter von 1 Jahr, glaube ich, auserkoren als große Liebe. Und dieses Tier sollte sich nun also in einen Prinzen verwandeln.
Na, dann los. Zuerst die Hose:



Ich hab sie schon deutlich kürzer gestrickt, als im Buch angegeben, aber wie man sieht, sind kurze Schweinebeine nicht zu unterschätzen. Dafür hat der Bund aber einen Tunnel komplett mit Gummiband bekommen - da kann nichts mehr rutschen!
Dann das Hemd:

Ein supereinfaches Rechts-/Linksmuster, das aber wirklich einen ganz cleveren Effekt hat. Das könnte ich mir durchaus auch bei einer ganz einfachen Strickjacke vorstellen.
Dann die Weste:



Das Bündchen besteht aus einem Fantasiemuster, das mich fast in den Wahnsinn getrieben hat. Zu schwierig direkt nach dem Anschlag und in der Wirkung auch eher nicht den Aufwand wert, denke ich.
Dann das Cape bzw. der Umhang:



Meine ersten richtigen verkürzten Reihen! Leider kaum zu sehen, aber das Cape hat hinten einen kleinen Bogen. Bin überzeugter Fan der deutschen Maschen geworden - funktionieren bestens und sind hier wunderbar erklärt:

Und schließlich das Hütchen mit Federn:


Das war das Schwierigste und kam nur dadurch zustande, dass ich dieses hier:



mit dem Originalgarn in passender Farbe verstrickt habe. Schmerzende Finger inklusive.



Aber der Effekt ist eben auch der Gewünschte. Das Gestrick wird bombenfest und steht von alleine. Abnahmen musste ich mit 1abh, 1 re, abg M darüber ziehen machen, einfach weil ich bei diesem starren Gestrick unmöglich zwei M gleichzeitig wie auch immer zusammenstricken konnte.



Dann musste alles nur noch in Form gedämpft werden (mit feuchtem Lappen obendrauf, denn das Garn Poco ist ja 100% Acryl) und fertig.

Aber jetzt: Buch verstecken bzw. in der Bibliothek zurückgeben und bis auf weiteres nicht mehr ausleihen. Sonst komm ich diesen Sommer nicht mehr dazu, auch für mich mal wieder was zu häkeln oder zu stricken.

Dabei bräuchte ich dringend eine Glitzertasche für einen Theaterbesuch Ende August. Begonnen hab ich schon:



Das Garn ist Festa von Lana Grossa und lässt sich hervorragend wieder auftrennen, das ist doch schon mal was ;-)