Dienstag, 28. Februar 2017

Kapitel 137 - Baby Talk

Also, ich bin kurz vor Jahresende Tante geworden. Das ist natürlich wunderbar, weil es mir eine großartige Gelegenheit bietet, kleine Dinge zu stricken, die schnell fertig sind und supersüß aussehen.

Unter all den Möglichkeiten habe ich mir schon Vorbereitung auf das große Ereignis einen Donald-Anzug für ein Baby ausgesucht, und zwar weil mein werter Schwager und neuer Baby-Papa ein ausgewiesener Comic-Experte ist und dies vor allem auch in Bezug auf Donald Duck. Was liegt also näher?

Zumal mir wieder mal im Urlaub folgendes Buch in die Hände gefallen ist, das ich für schlappe £ 5,- mitgenommen habe:



Schon das Titelbild zeigt ja, dass wir uns hier tief in den 80er Jahren befinden. Daher ist es kein Wunder, dass es auf den Technikseiten auch einen Hinweis darauf findet, wie man Schulterpolster einnäht. Wichtigstes Accessoire in den 80ern!

Jedenfalls enthält dieses Buch neben ein paar netten Intarsia-Pullis (Bambi!) auch ein paar Kleinkinder-Outfits, und zwar für einen Donald Duck sowie eine Mickey Mouse.

Nachdem das angegebene Garn ein reines Baumwollgarn war, bin ich also losgetrabt und habe erst mal ein bisschen Catania in den notwendigen Primärfarben gekauft: Royal (201), Signalrot (115) und Sonne (208).
Für ein Kleinkind erscheint mir das Garn auch eine gute Wahl, waschbar, z.B.

Schwieriger war es mit der Nadelstärke. Es sollte einmal eine 2 3/4 Nadel und einmal eine 3 1/4 Nadel verwendet werden. Da habe ich mal schnell mein Nadelmaß gezückt und alle meine 3er Nadeln gemessen. Übrig blieb eine Cubics-3er Nadel, die bei mir ein engeres Maschenbild produziert sowie meine größte 3er Nadel, die gerade noch so durch das Loch im Nadelmaß rutscht. Da ist der Unterschied groß genug, dachte ich.

Dann endlich angeschlagen und losgestrickt, aber ich hatte mal wieder etwas Wesentliches übersehen: ich stricke ja recht fest und das ist mit einem flutschigen Baumwollgarn nicht ganz so einfach. Leider.
Also gewöhne ich mich wohl oder übel an einen linken Zeigefinger, der deutlich durchfurcht ist.

Dann stricke ich also los. Sehr motiviert natürlich und auch einigermaßen flott.

Aber dann...dann merke ich, dass es sich um einen zwar kleinen Pullover handelt, der aber aus Kilometern von glatt rechts zusammengesetzt ist. Glatt rechts. Hübsch, klar, aber im Ernst? Glatt rechts ist einfach stinklangweilig nach einer Weile. Und es wird auch nicht länger, egal, wie lange man dran strickt.

Begonnen habe ich den Pulli am 12. November mit dicke Zeit bis Weihnachten, dachte ich. Das Baby hatte Termin an Nikolaus und für einen Überraschungstermin habe ich schon für alle Fälle eine BSJ gestrickt. Ich kann also nicht kalt erwischt werden.

Aber glatt rechts? Das dauert eine gefühlte Ewigkeit.

Endlich bin ich dann doch mit allen Teilen fertig. Es folgt also noch das zusammennähen. Das nervt vor allem deswegen, weil ich das nicht mal so locker vor der Glotze machen kann, sondern weil ich mir dafür einen ganzen Nachmittag Zeit nehmen muss, an dem ich mich hinsetze und in aller Ruhe die Stückchen zusammenhefte, um sie dann endlich Stichlein für Stichlein zusammenzustückeln. 

Kleiner Tipp gleich mal in diesem Zusammenhang. Ich hefte nix mehr mit Stecknadeln, sondern Stricksachen hefte ich nur noch mit dieser Art von verschließbaren Maschenmarkierern. Hält bombig und eignet sich perfekt zum Austarieren von kleinen Ungenauigkeiten.

Also, der Nachmittag kam und ging, Ärmel waren eingesetzt, die Seiten zusammengenäht. Dann also noch der Kragen. Ein riesiger Matrosenkragen, der einmal komplett um dein Ausschnitt herum eingesetzt werden wollte. Was tut man nicht alles für einen kleinen neuen Erdenbürger.

Und dann der Glücksmoment. Nichts ist so toll, wie wenn man die Qual geschafft hat. Mit dem fertigen Stück zum Wolleladen und Knöpfe gekauft (und Lob einkassiert). Knöpfe drauf und fertig.

Was fehlt noch? Die Mütze - als Baskenmütze in der Anleitung vorgestellt und die Socken - Entenfüßchen, ganz klar. Der kleine Donald ist bereit:



Das Ganze hab ich dann schnell mit dem darüberschwebenden Bügeleisen gedämpft, weil ich mir nicht ganz sicher war, was die Farbfestigkeit betrifft, wenn ich das wirklich so waschen und spannen würde, wie das immer von den Blocking-Priesterinnen angepriesen wird.

Das hätte mir am Ende nämlich jetzt noch gefehlt - ein total verfärbter gelber Streifen im Ärmel. Nee, nee. Das soll ruhig beim ersten Waschen passieren, wenn ich weit weg bin.



Die Socken haben mich dann noch ein paar Nerven gekostet, weil die Anleitung alles andere als klar und deutlich war, aber am Ende ging doch alles gut. Die Socken sind auch in Merino-Wolle schön dick und mollig gestrickt und nicht in dünner Baumwolle. 

Wenigstens war das ein Vorteil beim Schlussrennen - und beim wiederholten Auftrennen.



Was hier allerdings der seltsame Fleck auf dem Kragen soll, keine Ahnung. Ich hoffe mal, es sind nur ein paar Kalkbrösel aus meinem Bügeleisen. Bei der Übergabe jedenfalls habe ich nichts mehr gemerkt.




Das Baby kam ganz pünktlich am 7. Dezember und hat gleich am folgenden Tag sein neues Outfit überreicht bekommen. Da kann er jetzt in Ruhe hineinwachsen.

Und ganz ehrlich, es sieht doch wirklich wie Donald aus, oder? Ich bin jetzt drauf und dran doch das Mickey-Kostüm zu probieren. Es sieht auch allerliebst aus mit Pumphose und dicken Handschuhen.
Ich sag's ja, Stricken macht glücklich!

P.S.: Es wurde gemunkelt dieses Outfit zum Taufkleidchen zu machen, schließlich wurde der große Bruder auch in Lederhosen getauft. Aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe! So früh muss die Disneyfication ja nun nicht beginnen, oder?





Montag, 6. Februar 2017

Kapitel 136 - ich war verhindert, wirklich

Lieber Leser!

Offensichtlich willst du trotz der langen Funkstille auch im neuen Jahr bei mir vorbeischauen und hast aus diesem Grunde wohlwollend auf diese Seite geklickt. Sei herzlichst bedankt dafür.


Meine Vorsätze diesbezüglich sind natürlich immer wieder dieselben, aber dann hat mich der Jahreswechsel mit voller Wucht erwischt und siehe da: jetzt ist schon nicht einmal mehr Januar.

Was also war einstweilen los?

Das letzte Jahr hat es noch recht gut mit mir gemeint - im Dezember bin ich frische Tante geworden (davon bald mehr) und an Weihnachten hat sich das Leben ganz von selbst sehr angenehm in einen Zeitlupen-Sirup verwandelt, den ich - das muss ich zugeben - auch genossen habe.

Zu Neujahr schließlich habe ich mit großer Freude mein Garn-Glas ausgeleert, um es im neuen Jahr wieder anzufüllen:



Hierbei handelt es sich um ein großes Vorratsglas (Nudeln, denke ich) dessen Deckel ich irgendwann einmal verloren habe bzw. fälschlicherweise in der Spülmaschine komplett ruiniert habe, weshalb ich nun nur noch das Glas habe.

Für den Glascontainer zu schade aber als Erinnerungsspeicher perfekt. Hier hinein verpacke ich alle Garnreste, die ich im Laufe meiner Projekte abschnipseln muss (beim Vernähen), alle Banderolen finden den Weg hier hinein, und ich kann im Laufe eines Jahres ganz gut sehen, wie viel ich so gestrickt habe.

Zusätzlicher Bonus: wenn ich ein bisschen Restgarn brauche, in egal welcher Farbe, dann kann ich das ganz einfach feststellen. Provisional cast-on: kein Problem.

Die solchermaßen halb-entsorgten Banderolen haben den Vorteil, dass ich sie zu Not auch ganz leicht wieder hervorkramen kann, wenn mir doch das Garn einer bestimmten Partie ausgehen sollte.

Ich stricke meine Knäuels ja immer von innen heraus und da ist es nur eine Frage der Zeit, bis alles zu wabbelig wird, um das Stückchen Papier sinnvoll zu halten.

Außerdem ist es natürlich ein hübsches Erinnerungsglas, weil ich gut sehen kann, wohin mich meine Strickreise trägt in einem Jahr.

Im neuen Jahr wurde es dann bald superkalt - sogar zu kalt für meine Radlfahrt in die Arbeit. Das ist natürlich einerseits ganz angenehm, weil dann endlich der Rest der Familie am eigenen Leib erfährt, wie sinnvoll eigentlich unser Hobby ist.

Zum anderen aber ist es auch nicht so toll, wenn man in einem Haus wohnt, das hübsche Verandafenster aus den 60er Jahren hat. Genau: zugig ist gar kein Ausdruck!

Aber auch hier hilft das Hobby. Ich habe mich also gleich drangemacht einen so genannten Kältestopper zu häkeln, und zwar aus diesem recht hübschen Buch:


Meine hiermit gefertigte Schlange für die Fensterbank sieht so aus:


Sie hat schon ein paar Spielerunden hinter sich - prädikat besonders wertvoll.
Ohne Augen und Zunge ist sie bereits eingesprungen als Krake gegen den jeweils eine Herrscherin der Meerestiefen kämpfen musste und mittlerweile habe ich schon die Bestellung für eine zweite erhalten. Braun und grau bitteschön, denn so sehen die Weibchen der Kreuzottern aus. Jetzt weiß ich das also auch.

Wie man sehen kann, hat mich das neue Strickjahr wieder voll im Griff. Ich hab sogar schon neue Wolle gekauft (naja, kaufen müssen, ein Socken- und Versandkostenproblem).

Und nach dem Fest ist vor dem Fest, denn stellt euch vor: ich bereite schon den nächsten Adventskalender, wo gibt's denn sowas?

Die gute Nachricht lautet also: es gibt viel zu erzählen nach der langen Funkstille. Freut mich ehrlich, dass das jemand lesen will.

Danke euch.

Montag, 19. Dezember 2016

Kapitel 135 - In dem ich mir Gedanken über die Welt mache

Mit dem Jahresfortgang und der rasanten Annäherung an Weihnachten kommen natürlich auch ganz andere Gedanken auf. Wofür dat Janze? Wie geht's den anderen? Für wen ist das Fest denn eigentlich?

Stricken ist mein Hobby. OK. Damit fahre ich mich runter und mache es mir gemütlich. Auch OK. Aber immer mal wieder kommt mir der Gedanke, ob man nicht...? Etwas Sinnvolles damit machen könnte? Also: noch sinnvoller als das bereits Genannte. Familie warmhalten im Winter, sich damit beruhigen, frischgebackene Mütter erfreuen, etc. Einfach irgendwie noch ein bisserl mehr.

Da habe ich mich also ein bisschen umgesehen und bin auf eine ganze Fülle von tollen Sachen gestoßen.

Wie sich herausstellt, kann Stricken nämlich ganz enorm und in vielerlei Hinsicht helfen. Das gilt natürlich nicht nur für die Zeit in der Zielgeraden zum so genannten Fest der Liebe, sondern eigentlich das ganze Jahr über.

Und das habe ich herausgefunden:

Es gibt z.B. eine Initiative für Obdachlose in Berlin oder außerhalb von Facebook auf dieser Seite als Winter-Stricker zu erreichen. Da werden fertige Stricksachen gebraucht und direkt an Leute weitergegeben, die frieren. Und Berlin kann bekanntlich sehr kalt sein!

Wenn man lieber für Babys stricken möchte, dann gibt es das bekannte Stricken für Frühchen, nach aktuellstem Bedarfsstand vor allem Babydecken und Pucksäcke sowie Söckchen.

Oder man geht an Weihnachten ganz an seine Grenzen und beteiligt sich an der Aktion Stricken für Schmetterlingskinder. Das ist eine wunderbare, aber auch eine tieftraurige Idee. Vielleicht passt sie deshalb besonders gut zu Weihnachten.

Wer häkeln kann oder will, kann beim Fleckerl-Häkeln für einen guten Zweck mitmachen. Die Häkel-Queen Stefanella bietet ein Benefiz-Häkeln an. Alle Angaben für Maße und Farben, etc. finden sich dabei im Balken rechts. Superidee finde ich, vor allem, wenn man wenig Zeit hat und doch irgendwo mitmachen will.

Schließlich kann man sich natürlich auch um die aktuellen politischen Probleme kümmern und z.B. für syrische Flüchtlinge stricken. Hier bei Facebook unter Wollnadel oder auf der eigenen Webseite: Mit Wolle und Nadel gegen Terror. Wer in der Nähe wohnt, kann sich sogar aktiv selbst beteiligen.

Es gibt auch eigene Aktion speziell für Flüchtlingskinder: München strickt. Gerade ist eine fest installierte Spendenkiste vereinbart. Die sollte natürlich immer gut gefüllt sein.

Gerade vorbei ist die Aktion vom Deutschen Roten Kreuz und den Minimützchen. Aber vielleicht gibt's die ja wieder für nächstes Jahr.

Wer jetzt noch auf eine von mir übersehene Aktion hinweisen will - gerne in die Kommentare. Es gibt schließlich viel zu stricken!

In diesem Sinne eine schöne restliche Adventszeit. Und immer dran denken: unser Hobby hilft!!!








Samstag, 29. Oktober 2016

Kapitel 134 - in dem ich mich auf das Fest der Feste freue

Also, es wirkt zwar noch nicht so bzw. nur die eine Ecke im Supermarkt hat es bisher kapiert, aber Weihnachten steht tatsächlich schon vor der Tür. Nur noch acht Wochen.

Das ist gar nicht so lang, wenn man vorhat, auch gestrickte Sachen zu verschenken.

Ich persönlich bin ja ein großer Fan dieses Festes. Nichts ist schöner als ein richtig passendes Geschenk zu überreichen. Und weil eine gelungene Überraschung für mich eigentlich das größte Geschenk ist, fange ich damit immer sofort dann an, wenn ich etwas Geniales entdecke. Das kommt dann in die Weihnachtskiste unter meinem Schreibtisch und die Mädels wissen, diese Kiste holt das Christkind ab, wenn's soweit ist. Die ist tabu.

Allerdings wissen die Damen natürlich auch, was für sie das Richtige wäre und so habe ich bereits eine ganze Liste von Anfragen erhalten. Fast hauptsächlich dieses Buch betreffend: 


"Mama", so hieß es bei Überreichung der Liste, "das muss jetzt nicht alles bis Weihnachten fertig sein, aber wir würden es doch begrüßen, wenn du bis dahin schon mal angefangen hättest." Na, wenn's weiter nichts ist?

Jetzt ist aber mein zweiter Gedanke Weihnachten für die Mädels betreffend, dass ich der großen Plastikflut etwas entgegensetzen will. Auch wir haben natürlich, wie so viele andere Kinderzimmer auf diesem Planeten, ganze Kisten voll mit Lego, mit Playmobil und auch mit den notorischen Sylvanian Families, die natürlich wunderhübsch sind, aber auf Grund der Minigröße der Spielsachen auch dementsprechend oft verschwinden. Und dann nachgeordert werden, wenn ein Geschenkefest ansteht.
Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass es hier nur eine ganz kleine Ergänzung geben wird.

Stattdessen habe ich überlegt, dass es eigentlich immer noch die beiden Stofftiere sind - ebenso alt wie ihre beiden Mamas - mit denen am häufigsten gespielt wird. Also passen eigentlich meine bisherigen Bemühungen für eine Erweiterung der Garderobe ganz gut.

Bis jetzt habe ich Unterwäsche und diverse Wintersachen gestrickt: 



Dazu ein ladylikes Outfit mit gesticktem Monogramm:


Gerade bin ich dabei für den kleinen Mann ein würdiges Outfit zu stricken:


Und da bin ich auf meine Weihnachtsidee gekommen. Ich schenke den Mädels einen richtigen Kinder-Kleiderschrank.

Meine Online-Bemühungen in diesem Bereich haben nämlich nur ganz kleine Puppenschränkchen zutage gefördert, in die eigentlich kaum etwas hineinpasst. Und ganz so begabt, etwas komplett neu zu machen, so wie z.B. dieser Heimwerker, bin ich leider nicht.

Also am besten eine Kombination mit Nachhaltigkeitseffekt.

Die Mädels haben bereits einen hübschen Kleiderschrank, nämlich diesen (Brusali von Ikea):

Dazu gibt es auch ein kleines Schrankerl:

Das passt bestens als Wickel-Kommode für die Babys der kleinen Damen.

Mein Plan ist es also, die Oma zu aktivieren, dass sie für oben drauf eine Wickelunterlage näht. Innen hinein kommt sodann eine Kleiderstange, z.B. diese hier, die der Opa anschrauben darf und ich sorge für den Inhalt.

Also, für eine Inhaltsergänzung, denn aus diversen früheren Wunscherfüllungstagen gibt es ja bereits Kleider, die da hineinpassen würden:



Außerdem haben die eifrigen Kuscheltier-Mamas schon aus verschiedener anderer Quelle Kleider erhalten, die sie dann endlich gesammelt irgendwo unterbringen können.

Und wenn sie später mal aus der ganzen Sache herausgewachsen sind, dann wird die Kleiderstange abgeschraubt, und es bleibt immerhin ein hübsches Schrankerl. Soweit jedenfalls die Theorie.

Jetzt fehlen mir also nur noch ca. 25 Kleider von der Liste sowie einigermaßen anständige Puppenkleiderbügel, denn ich fürchte einfache Babykleiderbügel sind viel zu groß. Irgendein Tipp?

Sonntag, 11. September 2016

Kapitel 133 - in dem ich ein Tuch anschlage...(n will)

Es geht los. Ich hab mich von einer Tuchwelle aus den Tiefen des Netzes anstecken lassen, mich innerlich breitschlagen lassen und aus Gründen der Dazugehörigkeit zur Strickgemeinschaft entschlossen, ein Tuch anzuschlagen. Ein riesengroßes, leicht zu strickendes Tuch der berühmten Martina Behm. Und nein, es ist kein Hitchhiker (die Welt braucht nun wirklich nicht noch einen).

Stattdessen soll es ein Nuvem sein. Eine Art dünne Decken-Schal-Jacke, die man bei kühlen Temperaturen mehrfach um sich selbst schlingen kann. Die fertigen Exemplaren der erwähnten Strickgemeinschaft sehen allesamt toll aus. Die hauptsächliche Herausforderung für mich besteht aus der notwendigen Geduld - so viel weiß ich jetzt schon. Glatt rechts. Über Millionen von Maschen. Aber bitte - mit dieser Einstellung einer Mitstrickerin ist alles gesagt: Man soll ein Nuvem nur dann anschlagen, wenn man sich vollkommen im Klaren darüber ist, dass die Arbeit daran mitunter ein Jahr dauern kann.

Ich hab mir also im Strickladen vor Ort ein wunderbares Lacegarn besorgt:


Das ist Juniper Moon Findlay Dappled in der Farbe Uncial. Grau meliert sozusagen und glänzig hübsch. Mein erstes Lacegarn.

Das mit der Mühe hab ich kapiert und will es also versuchen. Es geht los. Mit dem provisorischen Maschenanschlag von nur 145 Maschen.

Kenne ich ja von den toe-up-Socken, ist nicht schwer. Dann mal los. Mmmh, war das jetzt 118 oder 119? Das ist mir zu unsicher. Ach, einfach nochmal.

Das sieht jetzt aber irgendwie zu wabbelig aus, wie das Garn über den Nadeln liegt. So will ich aber nicht losstricken. Gleich nochmal.

Verflixt, jetzt hab ich mich wirklich verzählt und außerdem ist bei einigen Maschen das Garn um beide Nadeln geschlungen. Nee, das wird heute nix mehr. Das mach ich morgen nochmal.

Durchatmen. Es geht wieder los. Alle Maschen sind angeschlagen, die erste Runde gestrickt, die Maschenzahl stimmt wieder nicht. Och nee!

Gibt es denn Alternativen zu diesem irrsinnigen provisorischen unsichtbaren hochgelobten blahblablah Anschlag (von wegen magic). Der funktioniert doch überhaupt nicht mit dieser hohen Maschenanzahl.

Ich versuche die waste-yarn Methode mit Luftmaschenkette. Es ist ein unglaubliches Gepfriemel bei 145 Maschen. Die erste Runde ist zu labbrig. Funktioniert nicht.

Ich versuche den provisorischen Anschlag mit der Verbindungskabelmethode. Funktioniert nicht.

Dieser Nuvem macht mich VERRÜCKT. Warum wollte ich dieses verflixte Tuch nochmal stricken?

Dann steht die Urlaubspackerei an. Ich verlagere alles an das Ufer eines idyllischen Flusses in England und packe nur Nadeln und Garn ein. Bitte, dann klappt es halt nicht mit diesem verflixten Anschlag. Während der Fahrt muss ich sowieso die Karte lesen, da komme ich sowieso nicht zum Stricken. Zum Anschlagen gleich gar nicht.

Angekommen versuche ich es nochmal. Alle 20 Maschen setze ich einen Marker, damit verzähle ich mich wenigstens nicht. Aber ich hatte natürlich nicht bedacht, dass diese Marker ein Problem sind, wenn man die Arbeit teilen muss. Ich werde noch verrrrrückt!!!

Wenigstens geht es den anderen nicht anders. Naja, nicht allen, aber doch einer so großen Menge, dass sich meine Herzschlagfrequenz und die geschwollene Halsschlagader wieder etwas beruhigen können.

OK, letzter Versuch. Die Familie wird aus dem Haus geschickt. Macht ihr mal einen Spaziergang. Ich koche mir eine Kanne starken Tee und setze mich auf die Couch. Das wichtigste Utensil liegt vor mir: der Rundenzähler.

Dann geht es los. In Zeitlupe. Alle 10 Maschen knipse ich den Rundenzähler weiter. Das dauert ewig. Aber am Ende habe ich die korrekte Maschenanzahl.

Ich stricke die erste Runde und es ist nichts wabbelig, es sind immer noch 145 Maschen pro Nadel, es funktioniert!

Dann die ersten paar Runden nach Plan und danach erfüllt sich alles, was mir von dieser Anleitung vorgeschwärmt wurde: supereasy, nur zwei Runden, die sich von selbst stricken.

Marker sind gesetzt, sobald es geht stricke ich mit einer riesenlangen Nadel (120cm) alles in der Runde. Der Urlaub kann beginnen und hat sich, dank Olympia, auch als produktiv erwiesen. So sieht's aus:




Dann kann der Herbst ja kommen!



Samstag, 9. Juli 2016

Kapitel 132 - Leinen los im Sommergarten

Auch wenn es hier eine Weile zu ruhig zu ging, so lag das eigentlich nicht am Sommer. Meine Strick- und Häkelbegeisterung ist ziemlich wetterunabhängig und begleitet mich tatsächlich immer - zum Glück. Es waren mehr das Leben und die Arbeit und die Angst vorm Langweilen der geehrten Leserschaft, die mich hier ein bisschen Zurückhaltung üben ließen. Denn was hab ich denn einstweilen gestrickt? Nur ein paar Socken:


Das ist nun wahrlich keine große Überraschung und auch eigentlich nix Besonderes (wenn auch das Garn ungewöhnlich hübsch ist: Holly Berry von West Yorkshire Spinners).

Aber: ich lese so viel großartige Dinge hier in den Weiten des Netzes, da muss ich einfach auch mal wieder mitquatschen. Was kann man z.B. zu dieser tollen Decke von Stefanella sagen? Nix, nur staunend den Kopf wiegen. Ein superschönes Stück, das sehe ich vor meinem geistigen Auge schon in den leuchtendsten Regenbogenfarben. Rainbows forever. Oder in breiten zweireihigen Ringeln. Oder...

Decken kann man nun wirklich immer gebrauchen und weil ich mit Arbeit und Leben etc. einfach noch keinen Nerv aufgebracht habe, mich meinen wartenden Jacken zu widmen, hab ich kurzerhand mein Decken-Bundle bei Ravelry durchgesehen und mich für eine hübsche Anleitung entschieden.

Den kleine Aranpullover hab ich aber zuvor ganz brav zu Ende gebracht. Nur wusste ich einfach, dass das Herauskramen der Ufos nur Probleme machen würde: Anleitung noch einmal studieren, herausfinden, wo der Fehler lag, neu zählen und rechnen, Maschenprobe abstimmen, überlegen, wie es weitergeht, etc. etc.

Stattdessen also ein bisschen instant gratification und ein paar hübsche (und große) Fleckerl:


Dies umso freudiger deshalb, weil ich mich diesmal dafür entschieden habe, dem Hinweis meiner verehrten Volkshochschul-Strickikone Frau Pöllmann zu folgen und die Fäden gleich einzuweben ("Sie werden ja wahnsinnig sonst!"), weil sich diese laut gesicherter Auskunft nicht auflösen und weil dadurch nur zwei Fäden pro Fleckerl übrig bleiben zum Vernähen. Damit kann ich leben.

Die Decke heißt Milla Magic und ist bereits auf deutsch erschienen. Unter dem beeindruckenden Titel 'Bunte Decke' ;-)

Aber mit dem hübschen Junghans-Garn Cotonara und Nadel 5 geht es wirklich flott voran. Es sollen mal wieder zwei Decken werden - für beide Damen eben - und zwar als Badelakenersatz im Freibad (da Baumwolle).

Wahrscheinlicher wird ihnen aber ein anderes Schicksal blühen, wenn sie demnächst fertig sind, denn die Damen haben sich heute mal wieder selbst übertroffen in der Findigkeit ihrer Spielorte.

Man nehme eine stabile Wäscheleine und genügend Wäscheklammern sowie alles, was die Bude hergibt. Und dann sieht der Garten so aus:


Ein begehbares Zelt. Mit Eingang und Türschild:



Innen erwartet den freundlichen Besucher ein angenehm schattiges Plätzchen mit genügend Kuscheltieren und Decken zum gemütlichen Verweilen:


Offensichtlich wurden hier mit großem Aufwand auch wirklich alle vorhandenen selbstgemachten und selbstgekauften Decken des Haushalts angeschleppt (inklusive einer selbstgenähten Tischdecke, die hier als Haustüre herhalten muss, mit Klingelschild).

Sogar die erste Babydecke aus dem Zwillingskinderwagen von vor vielen Jahren findet hier noch ein Plätzchen rechts unten:





Und nach oben bleibt - ganz in Tipi-Manier - nur ein kleines Guckloch, durch das man den blauen Himmel bewundern kann:


Da hab ich es freilich als besondere Auszeichnung verstanden, dass ich selbst auf Einladung dieses paradiesische Fleckchen auch einmal besuchen durfte:


Und es war natürlich selbstverständlich, dass ich mich nach dem Besuch gleich wieder an die Arbeit gemacht habe: 54 Fleckchen ergeben eine neue Decke. Und die wird ja dringend gebraucht, wie man gesehen hat!











Montag, 9. Mai 2016

Kapitel 131 - in dem die ganze Sache halt doch nicht so leicht ist

Also, da habe ich mir endlich vorgenommen, mehr Kleidungsstücke zu stricken, um endlich zu lernen, wie das geht. Dann hat es ja auch erst kürzlich geschneit und mir sozusagen 'von oben' bestätigt, dass dies der richtige Weg für mich ist und dann passiert mir sowas:


Ganz recht, das ist ein Pullover. Für ein kleines, dickes Kind mit dünnen, spillrigen Armen. Na toll.

Dabei hatte ich alles richtig gemacht. Ein hübsches Modell gefunden in diesem Heft (Ratgeber Frau & Familie 11/2013, S. 71f):



Maschenprobe passt, also habe ich drauflosgestrickt. Zuerst das Rückenteil nach Angabe.
Nach mehrmaligem Messen hat sich allerdings herausgestellt, dass das Vorderteil zu kurz war mit nur zwei Rhomben wie im Foto oben. Also habe ich eine dritte gestrickt und dann erst den Halsausschnitt, etc.
Damit war jetzt natürlich das Rückenteil wieder zu kurz. Also auch dieses aufgetrennt und länger gemacht.

Dann die Ärmel. Nach Angabe und mit gleichzeitig gedrücktem Daumen. Ich dachte, länger machen kann ich sie ja auf jeden Fall. Habe ich auch, nur an die Weite habe ich offensichtlich nicht gedacht.

Das Dämpfen und dann das Einnähen haben es dann an den Tag gebracht. Zu dünn. Zu schmal.


Das Muster (glatt links) hat überdies beidseitig nach bzw. vor der jeweiligen Randmasche eine seltsame rechte Masche gefordert, die beim Zusammennähen halb einzunähen war.

Ergebnis: eine deutliche Naht auf beiden Seiten.


Das sieht zwar auf den ersten Blick recht hübsch aus, ist aber doch seltsam bei einem solchen Pullover, oder? Habe ich sonst in einer Anleitung nie gesehen.
Und wenn man nicht aufpasst, so wie mir das natürlich passiert ist, dann bleibt auch nur eine halbe Masche übrig und das Ganze sieht aus, als wäre der Pulli auf links gedreht:


Nee, nee, nee, so ist das nichts.
Zweiter Nachteil: durch das Einnähen von Randmasche sowie halber rechter Masche jeweils auf beiden Seiten wird die Naht unglaublich dick und wulstig. Für ein kleines Kind? Das kann nicht bequem sein:


Vor allem, wenn man eine solche Naht auch am Ärmel hat:


So sieht also das Ergebnis von mehrwöchiger Arbeit aus. Zum Heulen. 

Zuerst also die Sache in die Ecke pfeffern und mindestens zehn Minuten einfach vor sich hinstarren. Das Jackenstricken und ich, das wird wohl nix mehr.
Dann zwangsläufig alles wieder hervorkramen und schweren Herzens wieder auftrennen. Den ganzen Ärmel, die Armkugel, die Seitennähte. Der Nahttrenner ist mein bester Freund und außerdem verfluche ich den Tag, an dem ich beschlossen habe, meine Enden immer möglichst genau und unauffällig einzuweben. Als Steinbock hat man's schwer!

Jetzt habe ich also zwei kleine Ärmelchen, die auf dem Rückweg zu Garnknäueln sind:



Dann die Seitennähte geöffnet und nur so weit wieder geschlossen, bis man zu einer einigermaßen sinnvollen Ärmelweite kommt:



Von hier aus nehme ich jetzt Maschen auf und stricke die Ärmel von oben nach unten noch einmal. Beidseitig. Aber erst, wenn ich mich beruhigt habe, also sagen wir in einer Woche.

Und bis dahin gibt es ein Paar Socken. Innere Balance und so.