Freitag, 9. November 2012

Tipping Point (Teil 1)




...oder Wendepunkt.

Den gibt es eigentlich immer wieder im Leben eines durchschnittlichen Strickers.

Da gibt es die Angst des Strickers vor dem Zerschneiden des Pullovers, vor der fallengelassenen Masche in der Abkettreihe der 2m langen Lace-Stola, vor dem falsch herum ausgeführten Zopf ca. 25 cm weiter unten.

Aber da gibt es eben auch die positiven Erlebnisse. Die kleinen Wissenshügel, die man bei dem langen Aufstieg in den Strickolymp erklimmt und durch die man dann eben in eine andere Richtung gehen kann (sprich neue Wissenshügel oder sogar schon -gipfel erreicht).

Mittlerweile habe ich auch meine eigene kleine Sammlung von Regeln und Tipps gesammelt, die ich nur zu gerne missionarisch verbreite. (Ein paar im Übrigen aus dem folgenden, wirklich witzigen und guten Strickbuch - wenn man schon keine Tipps mehr braucht, dann sind sie wenigstens super geschrieben!!!)

Zum Beispiel die folgenden:

1. Der Zähltipp:

Kein 2, 4, 6, mehr. Meine Maschen werden nur in Fünfern gezählt, und zwar zuerst drei und dann zwei Maschen:
"3 - 5, 3 - 10, etc." Das ist ein Tipp aus der Kategorie: Warum ist da noch NIEMAND früher drauf gekommen?

Es geht unglaublich schnell. Ich verzähle mich nie. Das erneute, zweite Kontrollzählen von einer Menge Maschen hat all seine Schrecken verloren.

Abgesehen davon: es lässt sich auf alles andere genau so gut anwenden: Kinder, Wäscheklammern, Perlen, Dominosteine, Kirschen, Spielkarten, und, und, und. Wunderbar.


Demonstration nicht am Objekt. Aber: wenn man von rechts nach links zählt, kann man sich so ungefähr vorstellen, wie es funktioniert. Ausprobieren!

(und: wo sind meine Schafkopfpartner - so ein Blatt hab ich sonst nie!!!)


2. Der Rundstricknadeltipp:

Socken stricke ich supergerne. Immer wieder eine Herausforderung durch neue Muster, ein kleines Mitnahmeprojekt für das Überall-und-immer-Stricken und nie mehr kalte Füße - insgesamt großartig.

Aber: das Nadelspiel. Es wurde besser, als ich endlich von Metall auf Bambus gewechselt hatte, trotzdem sind mir immer mal wieder Nadeln herausgerutscht. Wie blöd!

Oder ich habe meine Projekttaschen durchstochen. Noch blöder!

Oder ich konnte mein Strickzeug in der Eile nicht so klein zusammenlegen, dass ich es schnell verpacken konnte (z.B. am Zielbahnhof, nach einem "Eine-Reihe-schaff-ich-noch-Wahnsinn"). Superblöd!

Die Lösung: Das hier. Mein Buch heißt zwar noch ein wenig anders und ist wohl ein Vorgängermodell derselben Autorin, aber: diese Methode war für mich die Revolution. Für alles.

Socken, Pullover, Ärmel von oben eingestrickt, Mützen, Stulpen - alles, was in der Runde gestrickt werden kann, stricke ich mit zwei Rundstricknadeln.

Ich bin mit meinem Missionseifer schon so weit gegangen, dass ich den Damen im Kindergarten meine aktuellen Socken mitgebracht habe, um die Methode zu demonstrieren. (Mit der Konvertierung hat es noch nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber das wird hoffentlich).

Es geht VIEL schneller (nur zwei statt vier Nadeln abstricken) und man muss sich um die zweite Nadel NIE Sorgen machen, denn die Maschen werden in die Mitte geschoben und fertig!




3. Der Handschuhstricktipp:

Handschuhe haben für mich immer in den Bereich des Fantastischen in der Strickwelt gehört! Ich weiß, dass es sie geben soll, ich habe auch wohl schon den einen oder anderen gesehen, aber ich konnte mir nie vorstellen, dass man sie auch tatsächlich selbst stricken kann.

Wie jemand es schafft, dieses Gepfriemel fertigzustellen, mit eingestricktem Daumen und Zwickel und lauter kleinen Schläuchlein, die am Schluss fein säuberlich abgenommen und zusammengezogen werden wollen, hat mir nie eingeleuchtet. Das Ganze mit elaboriertem Jacquardmuster: gruselig! Und natürlich: in allerhöchstem Maße bewundernswert.

Und zwar in dem Sinne, wie ich mir die Konstruktion von Brücken ansehe. Könnte ich selbst nie, ist aber Wahnsinn, dass es Leute gibt, die das können.

Bis ich von dieser Dame an die Hand genommen wurde, genauer gesagt mit diesem Büchlein. Frau Hug hat nämlich eine Methode entwickelt, wie man Handschuhe "von oben" strickt. Also zuerst die vier Finger, dann die Hand, dann den Daumen, dann Daumen mit Hand zusammen und schließlich Bündchen.

Der Daumen sitzt dabei an der Seite, sehr bequem, da wo er an der Hand schließlich auch sitzt und alle Muster, ob Flächen-, Loch- oder Jacquard- haben ihre Schrecken verloren.

Das Einzige, was man braucht, sind eine Menge von Hilfsnadeln - also diese riesigen Sicherheitsnadeln, genannt Maschenraffer - auf denen man die kleinen, gestrickten Finger parken kann, bis man sie braucht. Aber ansonsten: super!

Hätte ich sonst nie versucht.

Bis demnächst in diesem Theater: Fortsetzung folgt. 

Dienstag, 6. November 2012

Beziehungen


Die verstrickte Dienstagsfrage 45/2012

6NOV
In vielen Blogs kann man in letzter Zeit regelmäßig Lückentexte sehen,
die immer zu einer bestimmten Zeit veröffentlicht werden, z.B.
"Freitagsfüller".
Hier ein "Wollschaffüller".
- … zum Stricken.
- Wolle und Garne sind für mich …
- Fäden vernähen und die Ausarbeitung des Strickstücks…
- …Strickzeitschriften und Strickbücher.
- Zu Beginn eines neuen Strickprojekts…
- … gehört für mich zum Stricken einfach dazu.
Ich bin schon gespannt auf eure Lückenfüller!
Vielen Dank an Michaela für diese etwas andere Dienstagsfrage!

Mmmh, interessant. Intime Fragen zur Beziehung mit meinem Hobby.
Na, dann ab auf die Couch:
Wenn ich in der S-Bahn oder Beifahrer oder im Wartezimmer bin, dann nehme ich immer etwas mit zum Stricken. (sonst würde ich es gar nicht aushalten).
Wolle und Garne sind für mich eine Seligkeit, weil ich sie immerzu bewundern, befühlen und verplanen kann. Das funktioniert zu Hause bereits sehr gut, aber wehe, wenn ich in einen Wollladen gehe.
Fäden vernähen und die Ausarbeitung eines Strickstücks schiebe ich oft vor mich her, nur um dann festzustellen, dass das alles eigentlich gar nicht so schlimm, sondern sogar ganz meditativ ist und nur halb so lang dauert, wie ich mir das gedacht habe. Warum vergesse ich das nur immer wieder bis zum nächsten Mal?
Ich habe mittlerweile sechs Regalbretter voll mit Strickzeitschriften und Strickbücher(n).
Zu Beginn eines neuen Strickprojekts mache ich (meistens) ganz brav eine Maschenprobe, manchmal sogar mit verschiedenen Nadelstärken. Dann bin ich jedesmal sehr stolz auf mich und ändere noch viermal das Muster, bis ich zufrieden bin. Aber mein VHS-Kurs zum Thema Maschenproben hat sich wenigstens gelohnt.
Naja, zumindest bei allem anderen außer Socken...
Das Weitergeben von tollen Tipps gehört für mich zum Stricken einfach dazu. Stricken sollte nie ein einsames Hobby sein, ist mein Eindruck und so gern ich manchmal nur für mich sitze und an einem Projekt arbeite, so gern bespreche ich die Projekte von anderen und unterhalte mich über Garne und Nadeln und Anschläge und Randmaschen und Sonderangebote und Bücher und Lacemuster und Superwash-Ausrüstung und Perlen und Spannunterlagen und abgehobene Maschen und Strickblogs, und, und, und...

Na, der letzte Punkt schreit ja direkt nach einer Fortsetzung! 





Dienstag, 30. Oktober 2012

Glänzende Fehlleistungen


Die verstrickte Dienstagsfrage 44/2012

30OKT
Man kann ja fürs Stricken eine Menge Geld ausgeben, sowohl für
Anleitungen als auch für Wolle und Zubehör. Meistens erzählen wir
begeistert von unseren Neuanschaffungen. Aber was ist mit den
Fehlkäufen? Kam es in den letzten Monaten bei Dir vor, dass Du vor
lauter Begeisterung (oder wegen vieler Empfehlungen) etwas gekauft hast,
womit Du dann unzufrieden warst? Was war es, und inwiefern war es für
Dich nicht zufriedenstellend?
Vielen Dank an Kerstin für die heutige Frage!


Die Dienstage und vor allem das Wollschaf überfallen einen immer so hinterrücks, habe ich den Eindruck.

Egal.

Eine ganz hübsch perfide Frage, nach den persönlichen Niederlagen und vor allem dem öffentlichen Eingeständnis solcher Niederlagen.

Nicht schlecht, Kerstin...

Also mal sehen, was hätten wir denn da:

1. Die notorischen KnitPicks natürlich. Gesehen, in Strickforen drüber gelesen, in Blogs drüber gelesen, in den ultra-traditionellen Strickläden vor Ort danach gefragt und UNBEDINGT gewollt. Dann endlich bei Wolle Rödel gekauft und:


Ich stricke zu fest. 

Nach ein paar Runden löst sich der kleine Schraubverschluss und mein Garn rutscht hinein und nicht wieder raus. Immer dann, wenn gerade ein kompliziertes Zopfmuster verschränkt zu verzopfen ist. Immer dann.

Kauf ich nimmer. Aber die festen, die es z.B. hier gibt (in einem sehr hippen Laden) sind wunderbar.

2. Die idiotischen Maschenmarkierer von Prym, die immer noch angeboten werden. "Wofür sind sie gut?" möchte ich aus vollem Halse in die ganze Strickwelt hinausschreien. Für nix!

Sie halten überhaupt nicht. Sie fallen sofort aus jedem Strickzeug raus und sind ein einziges Ärgernis.

Ich hab sie gekauft, weil ich für einen Strickkurs Markierer gebraucht habe und keine hatte und mein ultra-traditioneller Strickladen, der (anders als der hippe Laden) am Montag nicht geschlossen hat, nur Prym anbietet (über die blöden Großhändler sollte man auch mal reden).

Kauf ich nimmer. Stattdessen nehme ich Kontrastgarn und mache mir hübsche Schleiferl ins Strickzeug. Dann erinnere ich mich wenigstens an vergangene Projekte und habe keinen Ärger mit unsinnigem Plastikschmarrn.

3. Frustgarn. Ein ganz normaler dummer Tag und ein Familieneinkauf bei einem Großmarkt ließen mich mit Einkaufstrolley an einem Wollregal vorbeilaufen. Sockenwolle von Regia. Da nehme ich mir doch gleich zwei mit. Sockenwolle kann man ja immer brauchen. Und wenn die Wolle nicht so toll aussieht, kann ich sie immer noch verschenken.

Kann ich nicht. Die von Regia waren voll im Drogenrausch, als sie diese Farbzusammenstellung erfunden haben. Und ich war voll benebelt, als ich sie nicht sofort wieder ins Regal zurückgelegt habe. Nein, das kann ich wirklich niemandem antun.

Gestrickt (aus Frust und zur EM, damit ich es nicht dauernd anschauen musste, weil mich der Fußball abgelenkt hat) und ab ins FO-Fach in meinem Kistenturm.



4. Schließlich das eine oder andere Strickheft. Irgendwelche mich in einem schwachen Moment anlächelnden Kinderköpfchen, die mich ein solches Heft mitnehmen ließen, obwohl ich noch kaum jemals etwas aus ihnen nachgestrickt habe. 

Naja, jetzt ruhen sie in Frieden in meinen Stehsammlern, bis mich endlich der Feng Shui-Gedanke von Karen Kingston doch so übermannt, dass ich sie 'loslassen' kann (schon die Wortwahl finde ich arg seltsam - ich habe da noch einen weiten Weg vor mir!)

Abgesehen davon bin ich ungewöhnlich ungeschoren davongekommen in der letzten Zeit, scheint mir. 

Aber Vorsicht. Nicht zu laut sagen. Der Strickteufel könnte es hören und mir meinen letzten Freudeneinkauf, ein hübsches Merinogarn, irgendwie verderben.

Wäre nicht das erste Mal.

Pssst.









Montag, 29. Oktober 2012

Reines KALkül

Die hatten schon recht mit ihren Spinnstuben. Mit ihren öffentlichen Räumen, in denen sich alle getroffen haben, um sich dort handwerklich oder handarbeitend zu beschäftigen.

In Gesellschaft geht alles schneller, man wird angespornt von dem, was die anderen so machen, man kommt auf neue Ideen und man erfährt nicht zuletzt die neuesten Nachrichten.



Spinnstube_3.jpg


Bildquelle: In der Spinnstube. Holzschnitt.

Außerdem ist immer jemand da, der etwas besser kann oder anders macht oder einen Trick hat, den man so noch nie gesehen hat.

Aus keinem anderen Grund als diesem habe ich mich für meinen Strickkurs an der VHS angemeldet (wie bereits berichtet). Und was soll ich sagen...

Da sitzt man also, strickt an seinen Socken so vor sich hin und lernt unter professioneller Aufsicht, wie man einen provisorischen Maschenanschlag über einen Faden macht.

Nicht übel.

Auch wenn ich Tina Hees durchaus Recht gebe, vieles lerne ich auch aus Büchern, aber es ist doch etwas anderes, wenn einem jemand kurz zeigt, wie der Faden zu halten ist bzw. kurz verknotet werden sollte, damit sich nichts auflöst.

Alles steht eben doch nicht in den Büchern.

Besser ist allerdings, wenn man sich zurücklehnt und einfach zuhört. Wenn mein Strickguru, der den Kurs leitet, von ihren Erlebnissen als Fortbilderin von Wollgeschäftsinhabern oder bei großen Garnfirmen erzählt.

Spannend! Spannend auch ihre Vorahnungen oder hunches: die einfache Frage, warum Lana Grossa, das es lange nur exklusiv gab, heute so massenhaft im Versandhandel erhältlich ist. Oder warum 
Läden, die Lana Grossa führen, auch Wolle anderer Anbieter im Angebot haben (in diesem Fall u.a. Noro und Debbie Bliss) dürfen. Früher sei das jedenfalls nicht möglich gewesen! Das hätte die exklusive Firma zu verhindern gewusst!

Ich, typisch naiv, dachte noch, das sei doch gut. Sie dagegen meint, das sei ein schlechtes Zeichen.

Klar ist mir nur eins: ich bin jedenfalls kein Strickguru und schon gar nicht lange im (professionellen) Geschäft.

Dann die Sache mit Opal Wolle. Opal spendet für den Regenwald. Aber Opal stellt für Einsätze etwa auf der Kölner (Profi-)Messe auch nur Spendenquittungen aus, und bezahlt nicht mit Schecks! Spannend!

Also da sieht man die Welt doch gleich mit anderen Augen.

Die andere Seite ist natürlich das Handwerk an sich. Dieses Jahr bin ich bei ein paar KALs auf Ravelry eingestiegen, z.B. diesem hier und muss sagen:

Ich bin total begeistert.

Wie das anspornt, wenn man nicht allein mit seinen Nadeln kämpft, sondern wenn man live miterleben kann, welche tollen Ideen die anderen haben. Hätte ich nicht gedacht.

Hätte auch nicht gedacht, welchen Spaß es macht innerhalb einer ganz eng gesteckten Vorgabe (Farbe rot, selbstmusternde Sockenwolle) zu versuchen kreativ zu sein.

Mache bei den Sock Knitters Anonymous mit und habe zwei Paar Socken schon fertig gestrickt:

Oktober:




September:




Der notorische Neuanschlager und In-den-Winterschlaf-Schicker von Projekten, vor allem, wenn sie das Stadium des zweiten Sockens erreicht haben, hat tatsächlich zwei paar Socken innerhalb der zugestandenen Zeitspanne von jeweils vier Wochen angeschlagen und abgekettet (bzw. profimäßig mit Maschenstich verbunden).

Unglaublich. Ich kenne mich selbst nicht wieder.

Für den Märchensocken-KAL bin ich grade dabei ein paar Kindersocken zu stricken (mit Gesticke!):



Wie das werden soll, weiß ich noch gar nicht, aber dass ich es fertig bekomme, das weiß ich!


Es lebe das Internet. Meine persönliche Spinnstube. Mein Ansporn. Mein Ideenpool.

Und niemand muss sich um den Platz am warmen Ofen streiten!




Mittwoch, 24. Oktober 2012

Worum geht es denn eigentlich?






Diesmal habe ich die Dienstagsfrage irgendwie geahnt offensichtlich. Meine Pläne gehen aber in eine andere Richtung.

Denn was das Wollschaf fragt,


Die verstrickte Dienstagsfrage 43/2012

23OKT
Weihnachtsdeko stricken
Habt ihr euch für dieses Jahr etwas vorgenommen? Da muss man früh genug dran denken, damit das Projekt bis zum Advent auch pünktlich fertig wird…
Vielen Dank an Tiffany für die heutige Frage!

das ist ja nicht so meins. Gestrickte Weihnachtskugeln und Deckchen und Sterne?
Nein.

Bei mir muss alles glänzen und glitzern und leuchten. Da käme ich selbst mit besonderem fake fur-Garn nicht weit, wie etwa der Brazilia von Schachenmayr (durch ein bisschen Recherche habe ich das hier entdeckt. Mmmh, vielleicht sollte ich doch noch einmal drüber nachdenken...)

Nein, nein, ich bastle lieber Strohsterne und Fensterbilder und Origamisterne aus Glanzfolie und kaufe meine Kugeln fertig zum Einfädeln.

Meine Klickerei hat einige wunderbare Beispiele aufgedeckt, Adventskränze und Weihnachtsbäume (wobei mir dieser) sogar noch besser gefällt.

Aber das lassen wir mal lieber. Kleinteilestricker schön und gut, aber man muss es ja nicht übertreiben. Bei zwei Fünfjährigen, die sich drum streiten, wer den Adventskranz anzünden darf, sind solche aus Plüschgarn vielleicht auch nicht die erste Wahl.

Genau so, wie ich die washcloth -Manie von Masondixonknitting nie verstanden habe, werde ich wohl auch kein Weihnachtskugelstricker. Dann lieber Socken forever . Obwohl diese Läppchen ja ganz hübsch aussehen, aber eben doch nur vor Gebrauch und dann nie wieder. Vielleicht habe ich da auch meine Großmutter zu sehr im Ohr (Kochwäsche! Kochwäsche! Kochwäsche!).

Das Einzige, was dieses Jahr endlich installiert wird, ist mein gestrickter Adventskalender. Die häkelnde Tochter hat schon mal eine lange Luftmaschenkette hergestellt in einem leuchtenden Lila:




Die werde ich im Treppenhaus irgendwie befestigen und daran mit Wäscheklammern die kleinen Söckchen hängen, die ich schon fertig habe (mindestens 48, eh klar). Foto gab es schon bzw. folgt demnächst.

Das war es aber dann schon.

Meine Weihnachtsdekoration sieht eher so aus:



Hauptsache warm! Da können es schon ein paar Mützen mehr werden.






Dieses Jahr schweben mir noch die Bad Kitty-Mützen aus diesem Buch vor, und zwar in rosa und orange. Passende Handschuhe (also Fäustlinge) sowie Schals hab ich schon gestrickt. Ein Handschuh ist sogar schon im Wald verloren gegangen und wurde bereits neu angeschlagen. Wahrscheinlich warte ich einfach, bis es kalt genug ist.

Wichtig ist jedenfalls: es geht nichts über ein passendes Set, zumindest bei Kindern...

Damit ist meinem Weihnachtsdekofieber auch schon Genüge getan.

Montag, 22. Oktober 2012

Weihnachten naht!


Das Rätsel um das Gadget, das ich vor einiger Zeit der Seite hinzugefügt habe, und das so fröhlich vor sich hinblinkt, soll nun endlich gelöst werden. Nichts weniger als eine Totalumwandlung meiner vorweihnachtlichen Verhaltensweisen soll damit eingeleitet werden, denn:

Dieses Jahr wird alles anders.

Dieses Jahr werde ich vorbereitet in die Weihnachtszeit starten.

Es wird keine panischen Nächte inmitten von Glimmer, Glitter und Geschenkpapier geben, an denen ich noch abketten, versäubern, anfeuchten, spannen und zusammennähen muss. Nein, der Weihnachtscountdown ist eingerichtet und wenn ich mich an diese zehn einfachen Regeln halte, dann gibt es auch keine Tränen:

1. Ich werde meine Zeit realistisch einteilen und mich genau daran erinnern, wie hektisch die Zeit im Job immer genau vor Weihnachten ist. Das werde ich in die Strickplanungen einberechnen und es auf keinen Fall verdrängen, vergessen, verleugnen und was man sonst so an Psychotricks auf Lager hat.

2. Ich werde nur für diejenigen Menschen etwas stricken, die erstens wissen, wie dieses Hobby heißt und die zweitens möglichst auch kreativ sind, sodass sie einschätzen können, mit welchem Zeitaufwand ihr Geschenk entstanden ist. Leute, die glauben, ein Schal stricke sich an einem Nachmittag beim Warten auf die S-Bahn fliegen von der Liste.

3. Ich werde in jeder freien Minute versuchen zu stricken. Mit ein wenig Phantasie sind sicherlich noch Tageszeiten ausfindig zu machen, an denen sich ein mitgebrachter Socken als lohnend erweist (in der Supermarktschlange vor der Kasse? auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause, auf dem man sowieso vor jedem Laubhaufen anhalten muss? während der Computer Bilder hochlädt?)

4. Ich werde meine jeweiligen Schaffensphasen zusammen mit den dazugehörigen Scheiternsphasen betrachten. Merke: zu jedem neuen Muster gehören ein bis zwei Stunden Auftrennen, Zurückstricken oder Neuberechnung der endgültigen Maschenanzahl (und von Be careful not to twist hat hier noch niemand gesprochen!).

5. Ich werde meine Ohren auf Komplett-Durchzug stellen, wenn ich Sätze höre, die so beginnen: "Du strickst doch so gerne..." Ich werde nämlich selbst ganz allein nur für mich entscheiden, wem ich etwas und was ich stricken will.

6. Ich werde nur bei ausreichender Zeit für eine sinnvolle und ergebnisorientierte Absprache darüber nachdenken, etwas für meinen Mann zu stricken. Zuvor werde ich ausführlich zum Thema boyfriend sweater  recherchieren.
Darüber hinaus werde ich dafür sorgen, dass Glühbirnen in ausreichender Anzahl und Wattstärke vorhanden sind, die mir das Verstricken von Grau, Grau und Dunkelgrau erleichtern.

7. Ich werde mich rechtzeitig daran erinnern, dass ich genau zwei Töchter habe, die sich in exakt der gleichen altersgemäßen Lieblingsfarbenphase befinden und werde daher nicht auf den Gedanken kommen den gleichen Pullover in einer zwar ähnlichen aber eben doch anderen Farbe zu stricken, auch wenn ich es noch so gerne täte.
Stattdessen werde ich vom gewählten Garn nur die Farbschattierungen rosé, altrosa, pink, puderrosa, magenta und cyclam überhaupt nur in Betracht ziehen.

8. Ich werde mir eine überschaubare und strukturierte to-do-Liste schreiben, in der alle Projekte in der richtigen Reihenfolge nach Schwierigkeitsgrad und Vorhandensein der Rohmaterialien notiert sind. Darüber hinaus werde ich nichts Neues beginnen, nichts Neues kaufen, nichts Neues lesen, über nichts Neues nachdenken, nichts Neues anklicken, nichts Neues in die Liste aufnehmen, nichts Neues besprechen, nichts Neues [Verb eigener Wahl einsetzen].

9. Ich werde die Vorweihnachtszeit nicht dazu benützen, eine neue Stricktechnik zu erlernen und anschließend einzuüben. Auch wenn es hundertmal heißt, dass sich Fair-Isle-Muster mit der Zweihandtechnik besonders schnell und sicher stricken lassen, werde ich mir dessen bewusst sein, dass diejenige Zeit, in der ich Geschenke kaufen, einpacken, Plätzchen backen und verschicken sowie Weihnachtskarten schreiben und rechtzeitig auf die Post bringen nicht die richtige ist, um sich einem Thema zu widmen, an dem schon die große Stephanie Pearl-McPhee gescheitert ist (naja, zumindest zuerst).
Stattdessen werden ich bei denjenigen Mustern bleiben, die ich sicher beherrsche und das Vielfarbenmodell auf jeden Fall verschieben.

10. Ich werde meine eigenen Weihnachtsgeschenke nicht mehr dem Zufall überlassen, der mich bitter enttäuschen könnte. Stattdessen werde ich an strategischen Stellen in der Wohnung sowie in Gesprächen entscheidende Informationen platzieren, die es den berühmten Nicht-Strickern, die einen Stricker lieben ermöglichen werden, eine insgesamt sehr vernünftige Entscheidung hinsichtlich des Gabentisches zu treffen.

Damit wäre der Hausfrieden gewahrt und wir gehen alle zufrieden den letzten Wochen des Jahres entgegen.

P.S.: Damit sich keiner täusche: der Oktober geht zu Ende, die Tage werden kürzer und Weihnachten ist tatsächlich um die Ecke.

Nur zum Vergleich: ein durchschnittlicher Sommerurlaub wird ca. vier Monate (oder sogar früher) vor dem eigentlichen Ereignis gebucht. Da sind 8 Wochen nix.