Mittwoch, 22. April 2015

Kapitel 115 - ich werde zum Menschenfreund

Ein Menschenfeind zu sein ist heutzutage ja ein Klacks. Das bestätigt mir auch jede Woche mein Lieblingskolumnist Harald Martenstein (man lese hier beispielsweise die Kolumne vom 17.04.15 über die Berliner).

Diese rücksichtslosen Benzinschleuder-Fahrer! Diese Feierabend-Rasenmäher! Diese scheinheiligen Frömmler! Diese Helikopter-Eltern! Diese Kassen-Vordrängler! Diese Badeliegen-Reservierer!

Die Liste ist endlos und jeder hat die eine oder andere (und meist noch ein halbes Dutzend mehr) eigene Geschichte erlebt, genau so viele gehört und kann damit gar nicht anders, als selbst zu einem erklärten Menschenfeind zu werden. 'Mit denen will ich nix zu tun haben!' - ich bleib' zu Hause und lese Timon von Athen.

Aber es geht auch anders. Zum Glück!

Ich war nämlich am Montag in der großen Stadt, um die Mittagspause mit meiner Freundin hier zu verbringen. Bei Kaffee und Wolle.

Natürlich habe ich die Gelegenheit ergriffen, um mein neues fertig gestelltes Tuch, nämlich einen weiteren Drachenfels, auszuführen:


Und natürlich war mir ziemlich bald viel zu warm, sodass ich das Tuch abnehmen und in die Tasche stopfen musste. Aber der kleine Stolz war's wert.

Auf dem Weg nach Hause saß ich dann gemütlich im öffentlichen Nahverkehr, Musik in den Ohren und mein neues Projekt auf der Nadel:

Das wird eine Babydecke für eine liebe Freundin.
Schneeflocken im Sommer, ein Riesenspaß.

Leider war ich viel zu schnell am Zielort. Eine der berühmten Umlandgemeinden um die süddeutsche Hauptstadt herum. Ein eher langweiliges Fleckchen mit eher uninteressanten Mitbewohnern.

Dann bin ich so schnell wie möglich vom Bahnhof heimgeradelt. Der arme Mann ganz allein mit den Damen, ich muss ihn so schnell wie möglich ablösen. Das Übliche eben, wenn man sich mal eine kleine Auszeit gönnt.

Daheim angekommen, Kinder übernommen und weiter wie gewohnt. Am Dienstag Arbeit und abends den Einkauf aus dem Garnladen bestaunt: herrlichstes Tosh DK aus Peru und Texas.

Und plötzlich hatte ich so ein Bedürfnis, mein Drachenfels-Tuch nochmal zu bestaunen. Einfach anzufühlen und sich darüber wundern, dass ich in so kurzer Zeit zwei Riesenschals in kraus rechts überlebt habe.

Nur: es war nicht auf dem Sessel, auf dem ich es abgelegt hatte. Auch nicht in der Tasche. Oder in der Garderobe. Wo ist es nur?

Schlafzimmer - Treppe - Küche - schnell abgelegt in der Nähe der Waschmaschine? Überall Fehlanzeige.

Das gibt es doch nicht! Wieder und wieder versuche ich die letzten Minuten in der S-Bahn zu rekapitulieren. Ja, die Tasche war voll. Die Garntüte, die Projekttasche, ein paar Strickhefte, der Geldbeutel und das hineingestopfte Tuch. Aber hatte ich es wirklich nicht herausgenommen? Neben mich auf einen Sitz gelegt, beim Aussteigen vergessen? Nein, hatte ich nicht. Also so blöd bin nicht mal ich, auch wenn ich durchaus Tendenzen in diese Richtung zeige - davon später mehr.

Es ist und bleibt ein Mysterium. Mein schöner, schöner Schal ist weg. So ein Riesenschal verschwindet ja auch nicht einfach so, der müsste schon zu sehen sein, selbst wenn er im Chaos der Kinderzimmer untergetaucht wäre. Der ist ja sogar für die Borger zu groß.

Dann kommt der Mittwoch und mit ihm ein Schulfreund zum Mittagessen. Schnell von der Arbeit heimgeradelt und ein kinderfreundliches Mittagessen gekocht. Da stehe ich also in der Küche, die Arme handgelenktief in Kartoffelteig versenkt und herein kommt mein kleines Mädel mit einem viel zu großen Tuch! Mein Schal! Hurra!

Er war auf dem Schulweg der Kinder an einen Baum gebunden worden, damit ihn jemand, der ihn verloren hat, dort wiederfinden könnte. Was ja genau so auch geschehen ist!

Was für eine Wiedersehensfreude! Und was für ein Weltumarmungsgefühl für alle meine lieben Mitbewohner hier in der öden Vorstadt, die nicht einfach handgestrickte Herrlichkeiten mitnehmen oder womöglich entsorgen, sondern stattdessen daran denken, dass jemand sie vermissen könnte. Vielen, vielen Dank!

Jetzt ahne ich auch, wie alles zugegangen ist. Auf der Suche nach dem Radlschlüssel ist das Tuch neben die Tasche in den Fahrradkorb gewandert und von dort langsam über den Korbrand auf den Boden geplumpst. Man soll sich eben nicht übermäßig beeilen, wenn man von einem schönen Ausflug wieder heimkommt.

Mein Schal ist wieder da! Zum Streicheln und für den Fall, dass der Frühling doch wieder kühler wird.

Und jetzt schlag ich mit meinem hübschen Mittagspausen-Einkauf einen zweiten Golden Lair an. Weil mir der erste aus Versehen in die Waschmaschine gerumpelt ist und jetzt als Miniversion in die Verkleidungskiste der Kinder wandern musste. Dies hier ist nur ein hübsches Erinnerungsfoto:



Es gibt wirklich nichts, was mir nicht schon passiert wäre. Aber zum Glück hab ich ja liebe Mitmenschen!




Freitag, 3. April 2015

Kapitel 114 - es ostert!

Es gibt ja so Standardprozeduren für die Feiertage. An Weihnachten sind das die vorbereiteten Adventskalender, der gemeinsam geschmückte Weihnachtskranz und schließlich das große Baum-Behängen am Tag X.

Und an Ostern? Da gibt es ein bisschen Fensterschmuck, ein bisschen Eierbemalen und schließlich das Färben der gekochten Eier am Tag X.

Aber dieses Jahr hatte ich eine neue Idee. Und zwar schon zu Palmsonntag.

An Palmsonntag gibt es nämlich hier in der lokalen Kirchengemeinde (na, ich wohne doch im Süden, und das heißt natürlich katholisch, was sonst?) eine recht nette Palmprozession mit echten Palmbuschen, die dann jeweils auch geschmückt sind. Das hat in den letzten Jahren sogar ein wenig überhand genommen, mit flatterndem Krepp-Papier oder sogar - Gott bewahre - mit aufgerüschtem Geschenkpapierband. Nee, nee, so lieber nicht.

Stattdessen dachte ich mir, da müsste es doch auch etwas Einfaches und doch Österliches geben und als ich dann im Bastelladen (ja, wir haben noch einen) Styropor-Eier gesehen habe, da hatte ich die Idee! Pailletten-Eier.

Jetzt ist es natürlich so, dass das nicht meine eigene Idee ist, die gibt es natürlich schon längst, siehe zum Beispiel hier. Aber ich habe doch für mich den Sprung zum Osterei von diesem Weihnachtsgeschenk zu Hause:


für das es in der Schachtel daneben so aussieht:


im Laden ganz für mich alleine gemacht. Für Kinder, dachte ich, ist das doch super. Farben, Glitzer und Feinmotorik.

Natürlich wusste die Bastelladen-Dame sofort, was ich meine, und hat mir die richtigen Sachen gezeigt. Ich hab also Pailletten, Nägelchen, Blümchen und Eier gekauft.






Und dann ging's los. Pailletten auf den Tisch und aufgefädelt. Die Kinder waren zum Glück so begeistert, wie ich mir das vorgestellt hatte, und haben gleich losgelegt.







Die fertigen Eier haben wir dann auf lange Metallstäbe aufgespießt und sie in der Mitte der Palmbuschen festgesteckt. Für jedes Kind zwei Glitzer-Eier und ansonsten ganz viel Grün und Palmkatzerl. 







Und morgen können wir die Eier herausnehmen und sie stattdessen mit einer Schlaufe am Osterstrauch aufhängen. Oder am Türkranz befestigen.

Mittlerweile haben wir schon ein paar weitere Farben eingekauft und andere Ideen ausprobiert.




Eine Schachtel mit Nägelchen (immerhin 1000 Stück) reicht übrigens für knapp vier Eier. Das ist viel Feinmotorik! Aber es geht doch relativ schnell.
Die Blümchen sind allerdings mit Stecknadeln befestigt, weil diese länger sind und besser im Styropor halten.

Dieses Exemplar ist mein persönlicher Favorit. Meine Freundin hat an Ostern Geburtstag und ist großer Fan der Insel, da wollte ich mir diesen Spaß nicht verkneifen.


Dienstag, 31. März 2015

Kapitel 113 - wenn...

Dienstag, Wollschaf, und ich bin dabei. Wahnsinn!


Die verstrickte Dienstagsfrage Woche 14/2015

31MÄR
Angenommen Du hättest die Möglichkeit, einen “Strickmenschen” Deiner Wahl persönlich zu treffen (egal, ob bereits verstorben oder noch lebendig).
Wen würdest Du wählen und warum?

OK, also das hätten wir. Endlich eine Frage, bei der mehrere Punkte zusammen kommen:
a) ich kann was dazu sagen
b) ich will was dazu sagen
c) ich hab Zeit, was dazu zu sagen

Liebe Leser, die ihr immer noch meinen Blog besucht - Ihr seid die Besten! Ich weniger, ich weiß, aber das Leben ist manchmal eben schlauer als meine stärksten Neujahrsvorsätze. Großes Sorry!

Aber jetzt endlich zur Frage.

Hab mich ein bisschen schlau gelesen auf den anderen Blogs und stelle fest, sehr viele wollen offensichtlich ihre Lieblingsdesigner treffen. Das verstehe ich total - Designer sind ganz spannende Leute, und ich bin immer noch fasziniert von Martina Behms Beitrag über ihre Designarbeit (die Überschrift im Blog heißt auch 'Designing', einen direkten Link hab ich nicht gefunden). Aber Designen ist ja oft auch eine einsame Arbeit, da weiß ich nicht, ob diese Leute wirklich so gesprächig wären, wenn man sie mal im richtigen Leben sehen würde. Da wäre ich stattdessen mal gerne Mäuschen und würde zuschauen wollen, wie das so geht mit dem Designen!

Daher fällt meine Wahl eher auf ein paar plaudernde Persönlichkeiten, allen voran natürlich die YarnHarlot (die natürlich auch designt, ich weiß). Ich wette, sie ist im wahren Leben genau so witzig, wie ihr Blog und die paar Videos auf Youtube das versprechen. Außerdem hat sie immer mal wieder ein paar schlaue Dinge zum Thema Elternsein zu sagen, die ich besonders gerne lese. Schließlich hat sie ja auch schon drei große Mädels, also wohl einiges richtig gemacht.

Dann würde ich gerne mal Debbie Stoller sehen, ihr zuhören, am liebsten ein bisschen mit ihr reden. Ich hab fast all ihre StitchnBitch Bücher und lese sie auch immer mal wieder, einfach weil mir ihre Art zu schreiben so gefällt. So amüsant und voller Wortspiele! Leider ist nur das Häkelbuch übersetzt, aber auch das liebe ich sehr.

Und schließlich die Damen von MasonDixon Knitting, Kay Gardiner und Ann Shayne - aus demselben Grund. Sie haben einen Schreibstil, der mir wirklich gefällt. Ihre Bücher liegen bei mir regelmäßig auf dem Nachtkästchen, weil so ein Kapitel über eine Decke, unterhaltsam geschrieben, das beste Schlafmittel ist.

Überhaupt bin ich ein Kolumnenfan - das designen ist ja gut und schön und überhaupt gibt es ja kein Stricken ohne Anleitung - aber so ein hübsches und witziges Geplauder über eine strickrelevante Sache? Ganz ohne Lehrauftrag, nur zur Unterhaltung? Das ist schon was Besonderes, und ich finde es jammerschade, dass bisher nur die Verena sich eine Seite Kolumne (von der hochverehrten Martina Hees, die ich natürlich auch mal gerne treffen würde) leistet. In englischen Zeitschriften ist das durchaus gang und gäbe, habe ich den Eindruck. Gibt's hier vielleicht zu wenig zu lachen in der Strickwelt? Oder sind wir mal wieder zu bierernst hierzulande?  Auch (und vielleicht grade) was das Stricken betrifft? Keine Ahnung!






Dienstag, 24. Februar 2015

Kapitel 112 - Tücher, Tücher, gebt mir Tücher

Mein großer Vorsatz für 2015 war ja das sichtbare Stricken. Endlich mal weg von den Socken, die zwar immer noch toll sind, die aber kein Mensch sieht auf dieser Welt (außer wenn ich ihm meine Latschen unter die Nase halte und "schau mal!" rufe).

Tücher sollen gestrickt werden. Riesige, wunderbare Tücher, die jeder sofort als handwerkliches Meisterwerk erkennen kann.

OK, wir wollen es nicht übertreiben, aber zumindest als Geduldsarbeit, die sich gelohnt hat, sollen sie erkannt werden.

Daher ist die Wahl für mein erstes Tuchprojekt eins der vielfältig im Netz herumschwirrenden kraus rechts gearbeiteten Teile, nämlich Drachenfels von Melanie Berg. Bei kraus rechts geht es mir ja meistens so, dass ich die Sachen zwar gerne haben will (sehen ja oft toll aus), aber lieber doch nicht stricken will. Soooo langweilig! Da sind mir ein paar Zöpfe oder doch ein Lochmuster wirklich lieber, da geht wenigstens was voran.

Aber Drachenfels ist ein bisschen anders, hat ein paar Streifen und ein Hebemaschenmuster. Das könnte klappen.

Weil es mein erstes 'richtiges' Tuch sein soll, hab ich mich auch für die Originalwolle entschieden, herrlich weiche RosyGreenWool. Die Entscheidung war der halbe Spaß, denn ich hab damit eine wunderbare halbe Stunde am Stand von Rosy Green Wool in Vaterstetten verbracht. Die Stränge hin- und hergelegt. Kombinationen gefunden und wieder verworfen. Aber ich hatte mich in das Brombeer echt verliebt und hab dann quasi nur Farben dazu gesucht.

Im Netz sind wirklich tolle Kombinationen zu finden, z.B. mit grün oder auch mit türkis, aber für mich war ja die Tragemöglichkeit im Vordergrund. Ein Schal für mich! Eigentlich unglaublich.

Dann sollte es auch gleich losgehen, aber - die Konstruktion von Tüchern - oje oje. Da ich mich damit noch überhaupt nicht beschäftigt habe, war es auch erst einmal schwer, aus der Anleitung herauszulesen, wie das denn nun gehen soll.

Ehrlich gesagt hab ich mich erst bei einem Mini-Knitalong mit einer Freundin dran gewagt, diese Anleitung schön langsam zu befolgen. Ich hab gar nicht verstanden, wie hier das Dreieck entstehen soll und daher einfach beschlossen, die Schritte nachzuarbeiten. So richtig mit Bleistift und Papier und Reihenzähler, damit es auch wirklich stimmt.

Gleich zu Beginn hab ich mir ganz pflichtbewusst neben die Buchstaben der Farben A, B und C meine eigenen Farben geschrieben, damit ich nur ja nicht durcheinander komme.

Farbe A: Cornish Slate


Farbe B: Isarkiesel


Farbe C: Brombeersorbet



Dann also der Maschenanschlag und die mir neue Version der doppelten Zunahmen kfabf (knit through front and back and front).



Die erste Farbkombination funktioniert schon mal ganz gut. Obwohl ich natürlich auch weiß, dass grau und grau einfach nur sehr klassisch ist und man damit eben nichts verkehrt machen kann. Aber mir gefällt's trotzdem.



Die neue Farbe kommt dazu. Meine Winter-Lieblingsfarbe Brombeere. Die Streifen machen wirklich einen Mordspaß und ich bin ganz überrascht, dass ich das ewige Rechts-Stricken gar nicht so schlimm finde, wie zu Beginn befürchtet.


Am besten gefällt mir das kleine Designelement, wenn mitten in den A/B Streifen schon die Farbe C auftaucht. Nur für zwei Reihen, und dann verschwindet sie wieder.
Das ist wirklich großartig.


Ganz am Schluss gibt es einen i-cord-Abschluss, der natürlich ewig dauert. Maschen stricken und wieder auf die linke Nadel heben und nochmal stricken? Da wird selbst der geduldigste Stricker verrückt.

Aber: es lohnt sich und sieht einfach nur toll aus.

Das Tuch ist mein wahrer Stolz geworden und hat sich sofort nach dem Stricken um meinen Hals gelegt, um nie mehr von dort zu verschwinden. So weich. So hübsch.

Und alles, was mir über das sichtbare Stricken erzählt worden ist, das stimmt: ich bin wirklich schon oft auf das Tuch angesprochen worden. Das ist mir in all den Jahren mit den vielen Socken nicht passiert. Selbst wenn ich gesagt habe, dass ich alle meine Socken selbst stricke, wurde das nur mit leicht gehobener Augenbraue wahrgenommen und nicht nachgefragt.

Ich kann nur sagen: Tücherstricken ist großartig. Und gelernt hab ich auch eine Menge!

Mein zweiter Drachenfels wird grün:



Samstag, 21. Februar 2015

Kapitel 111 - von der Freiheit

Es ging ehrlich ganz harmlos an. Ich war mit den Mädels bei Wolle Rödel, ein bisschen stöbern. Man will sie ja früh an die Herrlichkeiten gewöhnen.

Das handarbeitsaffine Fräulein wollte auch prompt ein paar Geschenke für Oma und Opa machen und durfte sich dafür Wolle aussuchen. Klar.

Dann lag da auch noch Neon-Wolle. Ist ja logisch, dass die beiden drauf anspringen - Neon ist toll. ("Mama, warum gibt's denn orange und blau nicht? Das sehe ich schon direkt vor mir!")

Also hab ich ein bisschen Wolle eingepackt, weil ich sowieso noch die Idee für eine Mütze im Kopf hatte und zu Hause drauflosgestrickt.



Leuchtende Zacken auf leuchtender Mütze. Das war gar nicht so schwer und sah wirklich knallig aus.
Die Mütze ist so beliebt, dass ich mittlerweile so seltsame Sätze wie "Mütze runter beim Essen" sagen muss und wir die Mütze jeden Morgen vor der Schule erst 5 Minuten suchen, bevor uns einfällt, dass sie sicherlich noch im Bett liegt, wo sie schlafhaubengleich das edle Kinderhaupt gewärmt hat.

Jetzt wollten wir uns natürlich noch eine andere Version ansehen:


Grün also. Funktioniert ganz ähnlich und ist auch gar nicht so übel. Das Muster ist von mir, aber die Abnahmen am Ende sind ähnlich der Anleitung für die Maschenprobe aus diesem Buch gestaltet:



Zwei Mützen sind also gestrickt. Aber da ist ja immer noch Wolle. Na klar, es fehlt die gelbe Version:



Das gibt mir auch die Gelegenheit, endlich eine andere Abnahmenfolge für den Oberkopf zu probieren. Los geht's. Den Bommel machen die Damen schon selbst und kaum strickt man nur noch Mützen, ist auch diese bald fertig:




Und jetzt? Jetzt hab ich immer noch keine eigene Mütze, denn ehrlich, Neon? Da bin ich doch schon rausgewachsen:


Mir schwebt eher eine gemäßigte Version vor, sowas in dieser Art:


Also auch angeschlagen und losgestrickt. Ich glaube, ich werde sogar auf die Zacken verzichten und stattdessen etwas anderes versuchen. Mal sehen. Das Projekt hab ich Fuzzy lines and zigzags genannt und nach den vielen Zickzacks muss ich mir schließlich auch mal ein paar Krakellinien überlegen. Und der Bommel wird nur blau und lila!



Aber jetzt ist schon Mitte Februar vorbei und Opas Geburtstag im März rückt näher. Und Omas Geburtstag war schon mit Gutschein und ohne Geschenk, weil es nicht rechtzeitig fertig geworden ist.
Da muss also wieder die Mama ran, um den viel zu ambitionierten Häkel-Cowl fertig zu machen:



Eigentlich hätte ich das Gestopsel wieder auftrennen und neu beginnen sollen, schließlich war das doch irgendwann mal mein Hobby, oder? Also schnell, schnell fertig machen. Ist ein bisschen weiter nach oben hin, aber wird auf jeden Fall warm halten und die Farben sind immer noch hübsch.

Jetzt aber der Opa. Noch ein Mütze. Aber bitte keine Zacken ("Das mag der Opa, glaub ich, nicht so.") und bitte möglichst dunkel. Auch wir haben einen dunkelblau und grau-Opa!



Je länger ich daran werkel, desto weiter und breiter kommt mir die Mütze vor. Ich werde sie jetzt aber nicht mehr auftrennen, genug ist genug. Da muss ich jetzt durch und dann ziehe ich halt zur Not ein breites Gummiband durch den Rand.
Aber das grau sieht hübsch aus, gefällt sogar mir. Das wäre auch eine gute Farbe für eine Häkeldecke.

Überhaupt muss ich an dieser Stelle eine Lanze für die Wolle Rödel Acrylwolle brechen. Tolle Qualität und pillt überhaupt nicht. Was mache ich jetzt nur mit der vielen Poco-Wolle, die hier noch auf eine Decke wartet? Die war ein Fehlkauf!

Wenigstens ist jetzt schon irgendwo ein Ende in Sicht. Ich stricke und stricke und meine Wip-Liste wird nicht kleiner, weil sie gar nicht abgearbeitet wird. Na, so geht's ja auch nicht! Das Ganze gerät irgendwie außer Kontrolle.

Aber ich sehe es als Phase. Gerade eben machen wir unser erstes Projekt aus diesem Buch:



Es wird ein Strickpüppchen und noch unterstütze ich, wo ich kann. Zunahmen und Abnahmen, Farbwechsel beim Röckchen.  Aber die linken Maschen werden schon geübt und dann bin ich frei! Hoffentlich.






Sonntag, 8. Februar 2015

Kapitel 110 - es geht schon mal gut los

Es gibt ein ganz wunderbares Bilderbuch, das bei mir und den beiden Damen so beliebt war (und ist), dass wir es regelmäßig aus der Bibliothek ausgeliehen haben:



Darin geht es um diese freundliche alte Tante Anna, die Besuch von einem unheimlichen Schwarzen Mann bekommt, der dafür sorgt, dass an diesem Tag einfach alles schief geht. Ein Stuhl bricht entzwei, der Tee ergießt sich auf den Boden und der Brunnen ist plötzlich ausgetrocknet.

Logischer ist hier der Titel der englischen Originalausgabe, denn es ist Old Man Trouble, also offensichtlich St. Fallentin/Valentin, der auch unsereins immer mal wieder heimsucht:



Dabei legt es der Besuch darauf an, dass sich Tante Anna ärgert, aber das tut sie einfach nicht, und zwar um's Verrecken nicht, egal was er versucht, weshalb er schließlich unverrichteter Dinge am Ende wieder abziehen muss.

Was lernen wir also daraus? Ruhe bewahren und nicht vergessen zu lachen, damit Old Man Trouble möglichst schnell wieder verschwindet, wenn er sich denn doch mal entschlossen haben sollte, uns heimzusuchen.

Leichter gesagt als getan! Was soll man z.B. machen, wenn man eines nachmittags feststellt, dass sich die Badtüre einfach nicht mehr öffnen lassen will?
Gut, es ist eine alte Türe, ca. 1960er, aber wieso klemmt sie plötzlich? Sie klemmt ja eigentlich auch gar nicht, sondern ist vielmehr komplett verschlossen, obwohl der Riegel nicht vorgeschoben ist. (Das ist nämlich leicht mittels Schraubenzieher zu überprüfen).

Das Schutzschild unter der Klinke wird abmontiert. Aber: nix.

Also Schlüsseldienst. Ist ja kein Feiertag, das kann ja nicht so schlimm werden.

Der Schlüsselmann kommt nach 20-40 Minuten, wie am Telefon angekündigt. Dann wedelt er mit seinen Geräten genau 2 Minuten an unserem Schloss herum, packt alles wieder ein (inklusive unseren eigenen Schraubenzieher, wie sich später herausstellt) und stellt seine Rechnung. Was kostet der Spaß? 50 Euro? Vielleicht gar 100 Euro? Denkste!

250 Euro, danke sehr. In Worten: zweihundertfünfzig Euro. Ich wäre fast aus den Latschen gekippt! Für zwei Minuten mit folgendem Resultat:








So sieht's grade aus bei mir im Bad. Hübsch, oder?

Und jetzt kommt also Tante Anna ins Spiel:

"Endlich komme ich mal wieder in den Baumarkt und kann nach Herzenslust in den Regalen stöbern."
"Schlüsseldienst = eine Karriere mit Zukunft. Wieder was gelernt!"
"Jetzt kann ich wenigstens Tür und Klinke einmal richtig saubermachen."

Und...ich bin raus. Es ist verflixtnochmal erst Februar: gerade waren alle Versicherungen fällig, alle Erhöhungen des Jahres haben gegriffen und jetzt sowas. Zur Tante Anna ist es ein weiter Weg!

Oder fällt euch noch was ein?

Montag, 26. Januar 2015

Kapitel 109 - ein Lob der Handarbeitslehrerin!

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass meine beiden Damen mittlerweile die Schule besuchen. Da machen sie beide gerade den Füller-Führerschein (das gibt es!) und sind mächtig stolz darauf, endlich nicht mehr mit dem "blöden Bleier" ihre Hausaufgaben machen zu müssen.

Was mich aber natürlich viel mehr interessiert ist ein Fach, das früher Handarbeiten bzw. Werken hieß und heute unter dem lieblosen Begriff WTG (Werken und Textiles Gestalten) zusammengefasst ist.

Jetzt will ich auch gar nicht vom Lehrplan schreiben, der in diesem unserem südlichen Bundesland nicht mehr beide Garntechniken, die für mich so relevant sind, verpflichtend unterrichtet, sondern nur noch Häkeln oder Stricken durchnimmt, je nachdem, wie sich die Kinder benehmen und die Lehrerin selbst drauf ist. Da Stricken gemeinhin als die schwierigere der beiden Techniken gilt, werden wohl die Hilfsvideos auf Youtube in Zukunft einen noch größeren Stellenwert bekommen.
Ich selbst hab das Stricken in der Schule gelernt. Zum Glück!

Ich will auch überhaupt nicht darauf eingehen, dass unser kompetenzverliebtes Kultusministerium im Lehrplan nicht mehr das fertige Projekt im WTG-Unterricht vorsieht, sondern es bei erworbenen Kompetenzen belassen will. Ein bisschen häkeln, ein bisschen schneiden, ein bisschen malen.

Sondern ich will stattdessen zeigen, was mir heute per Tüte in mein Haus geschleppt wurde:






Das ist das letzte Projekt der Klasse 2b. Großartig, oder? Ein echter Pappmaché-Hund, fix und fertig bemalt.

Und jetzt ist es auch wirklich endlich mal Zeit, der Handarbeitslehrerin ein Riesenlob auszusprechen!
Mit einer heutigen Schulklasse, mit den Kindern, wie sie heute leider allzuoft sind, ein solches Projekt fertigzustellen, auf das die Kinder selbst (zurecht) stolz sind, das ist echt eine Leistung.

Ich bin selbst am letzten Elternsprechtag mal zur fraglichen Dame gegangen und hab mit Freuden festgestellt, dass es sich um eine Lehrerin von altem Schrot und Korn handelt, die sich zwar schon um die Kompetenzen kümmert, die aber gleichzeitig weiß, was es für die Kinder bedeutet, wenn man ein Teil auch wirklich fertig bekommt. (Na, und das kennen wir doch alle von unserem Hobby zur Genüge - wir stricken ja auch nicht einfach so dahin!)

Und klar macht man hin und wieder seine Witzchen über die eigene Handarbeitslehrerin, die man früher hatte. Die furchtbar streng war und nur eine Anschlagart zugelassen und sowieso nur Kettmaschen toleriert hat, weil das 'halt so gehört', aber mal ehrlich? Hätten wir uns wirklich durchgebissen, wenn sie nicht auch streng gewesen wäre?

Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass man sich dadurch auch selbst mehr bemüht, wenn nicht alles sofort umjubelt wird. Dass man vielmehr dazu angehalten wird, ein eigenes kritisches Auge zu entwickeln, das einem dann später nützlich sein kann.

Daher also nochmal ein Riesenlob an alle Damen und Herren, die sich in dieser Branche um solche wichtigen Fähigkeiten bemühen. Danke!

Von den feinmotorischen Fertigkeiten mal ganz abgesehen.

Klasse 2a hat übrigens gewebt. Soviel zum Thema Feinmotorik:





Bin schon sehr gespannt, was ich noch alles zu sehen kriege heuer!