Dienstag, 28. Oktober 2014

Kapitel 104 - in dem ich eine Schatzkiste finde - vielleicht

Bücherflohmärkte haben es mir ja schon lange angetan. Man weiß eben nie, was man dort findet, und manchmal kann man ein wirklich spannendes Handarbeitsbuch entdecken.

Weil meine interessanteste Quelle vor einer Weile leider geschlossen hat, bin ich schon ein paar mal auf so genannten Haushaltsflohmärkten gewesen. Das sind zwar häufig Schneiderfahrten, wenn am Ende nur ein paar trübe Glasvasen warten, aber manchmal findet man auch eine spannende Kiste, so wie diese hier:



Das war das Strickkästchen einer älteren Dame, die aus ihrer Wohnung ausgezogen ist. Mal sehen, was drin ist:




Eine ganze Menge alter Inox-Nadeln. Mmmh, ich bin ja kein Nadelsnob, hab ich ja schon gesagt. Dafür kann ich sicherlich Verwendung finden. Vielleicht kann ich eine meine Damen endlich für ein Nadelprojekt begeistern?

Es folgt eine Plastikhülle mit Schnipseln:





Das ist doch immer interessant zu sehen, was andere Leute ausschneiden und aufheben. Aber seht mal, was ist denn das hier?








Cool oder? Muster per Hand abgeschrieben, das hab ich ja schon ewig nicht mehr gesehen! Sogar in Steno. Hab ich auch mal irgendwann gelernt - "Masche" kann ich immerhin noch lesen. Manche von den Blättern waren auch kopiert. Was die Dame wohl gestrickt hat?





Es gibt sogar Arbeitsproben. Häkelbeispiele, einmal sogar gekreuzte Stäbchen, wie ich das sehe. Mit Mini-Nadeln gehäkelt, das sieht hübsch aus, wäre aber überhaupt nichts für mich! Diese Filetarbeiten machen mich verrückt, das könnte ich gar nicht.




Es folgen noch ein paar Anleitungen - Pullunder, etc. - aber jetzt wird es wieder interessanter. Was das wohl ist? Die kleinen Löcher auf der linken Seite könnten schon ein Hinweis sein.



Die Rückseite bringt es an den Tag. Es ist ein Nadelmaß! Damit ist ja nun endgültig der Beweis angetreten, dass das Stricken schon mal sehr viel populärer war, als es aktuell erscheint.
Das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass wir von einem Waschmittelhersteller heutzutage solch ein praktisches Hilfsmittel beigelegt bekommen würden. Stricktrend hin oder her.
Endlich mal eine Geschäftsidee, die gerne wieder kommen könnte - also ich würde es kaufen, schon um die Idee zu honorieren!
Eine Sockentabelle würde mich genau so freuen. Nur mal so als Anregung.


Es folgen noch ein paar weitere Handarbeitsutensilien wie dieser hübsche Stickrahmen, sowie Garn und eine Menge Häkelnadeln. Über die hab ich mich sehr gefreut, denn ich hab mir zwar kürzlich eine schicke addi-Swingnadel gekauft, nur um festzustellen, dass ich mit meiner seltsam verkrampften Häkelnadel-Haltung möglichst nah am Haken damit gar nicht so gut arbeiten kann. Da lob ich mir doch eine solche Uraltnadel.
Na, und Zopfmusternadeln verliert/verlegt man sowieso ständig. Die kommt mir wie gerufen. (Zwei Mark zwanzig - na, das waren noch Zeiten!)









Tolle Kiste, oder?
Dabei geht es mir gar nicht mal drum, viel Spaß für wenig Geld gehabt zu haben (obwohl das stimmt), sondern vor allem um den Gedanken, dass hier ein Strickerleben irgendwie weitergeht. Die Nadeln weiter genützt werden, die Muster vielleicht mal ausprobiert werden und der Stickrahmen eingesetzt wird.

Und wer weiß? Die Dame ist ja nur aus ihrer Wohnung ausgezogen und in ein Heim eingezogen. Vielleicht freut es sie ja, wenn sie weiß, dass ihre Strick-Kiste nicht in der Müllverbrennung gelandet ist. Würde ich mir jedenfalls wünschen.

Montag, 13. Oktober 2014

Kapitel 103 - von der Ehrlichkeit

Noch immer bin ich fleißig damit beschäftigt, meine Wips zu beenden.

Das Vorbild all der disziplinierten Stricker in den Weiten des Netzes, die nie mehr als höchstens zehn Projekte, am besten sogar nur fünf auf den Nadeln haben, ist mir ein leuchtendes Beispiel und färbt endlich einmal offensichtlich ab.

Ganz gemäß dem Gedanken in Tinas letzter Verena-Kolumne habe ich mir also fest vorgenommen, dann und nur dann ein neues Projekt zu beginnen, wenn ich zwei andere fertig habe. Damit würde sich meine aktuelle Ufozahl von 13 langsam aber sicher verringern. Tatsächlich bin ich ganz beflügelt von dem Gedanken, endlich auch einmal die U10-Marke zu erreichen, die auf Grund meiner - ja, was eigentlich? - Ads-Störung (habe natürlich auch vom letzten Aufreger der Woche gehört) bezüglich toller Projektideen oder meiner Flatterhaftigkeit in der Nähe von Garn noch nie auch nur ansatzweise erzielt worden ist.
Pläne hab ich ja immer genug und ein paar Klicks am Abend führen zu 1000 neuen, aber jetzt soll Disziplin hier das Wort der Stunde sein.

Gesagt, getan also, die Rabensocken sind endlich auch fertig und die Treebeard-Socken sollen folgen.





Wie man sieht bin ich schon bei Socken 2, das kann also nicht mehr lange dauern. Und ich freue mich schon so drauf, endlich wirklich ein Tuch anzuschlagen. Ich habe mich für Drachenfels entschieden und die dazu nötige Wolle ganz gemütlich am Samstag live am Wollmarkt in Vaterstetten ausgewählt. Herrlich war's.

Tja, und dann muss mir doch tatsächlich die Ehrlichkeit dazwischen funken.

Schuld daran ist natürlich die bereits erwähnte Evolution, der Wille zur Änderung meines Strickerlebens. Kaum öffnet man nämlich die besagten Boxen mit der Wolle, um endlich mal wirklich Bestand aufzunehmen, was denn in diesen Tiefen versenkt ist, kommen auch diverse heimliche Strickprojekte zum Vorschein, die man ja auch noch auf den Nadeln hat und die man aus irgendwelchen Gründen nicht bei Ravelry aufgenommen hat. Entweder, weil sie zu lange her sind oder weil man ein Scheitern einprogrammiert hat (also Peinlichkeit?) oder weil man dachte, dass man das sowieso ganz schnell würde beenden können, oder...

Hier kommt dann wieder die Kolumne ins Spiel, in der es als ersten Schritt heißt: Gnadenlose Feststellung des Status Quo - alle Handarbeitskörbe werden ausgeräumt.

Das ist gar nicht so einfach, wie man gemeinhin annehmen könnte, vor allem, wenn da Projekte erscheinen, die gar nicht so leicht mal eben beendet werden können, wie das vor einer Weile bei der Yarn Harlot der Fall gewesen ist.

Aber, ich will es eben diesmal richtig machen, um dann unbelastet neue Projekte beginnen zu können und daher sieht meine noch unfertige Parade folgendermaßen aus:



Das wird ein Paar Loferl, und zwar in dem mir noch unbekannten Flechtmuster bzw. der entrelac-Technik. Loferl sind übrigens die notorischen bayerischen Socken ohne Fuß - auch Wadlstrümpf genannt. Ich hab sie in einem Kurs vor ca. zwei Jahren angeschlagen, dann in die Tüte gepackt und dieses Jahr hat es endlich wieder an der VHS geklappt und ich bin in den gewünschten Strickkurs mit gewünschter Dozentin gekommen, sodass ich sie jetzt hoffentlich beenden kann. Entrelac kapiere ich nämlich nicht auf dem Papier oder per Video. Das muss mir jemand zeigen.

Was ich mit den fertigen Loferln machen werde, weiß ich noch gar nicht, denn mein werter Mitbewohner ist ein Lederhosen-Vermeider erster Güte. Also diesmal eher ein Prozess-Stricken, aber macht ja nix.



Aus dem gleichen Kurs stammt dieses Gebilde, das sollte eine Boshi-Mütze mit Schirm werden. Zu dem Zeitpunkt des Anschlagens war mein Häkeln bei Weitem noch nicht so fortgeschritten wie heute.
Mittlerweile habe ich einige Kilometer weit gehäkelt (die Decken sind ja bald fertig) und mir zur Mütze das dazugehörige Buch gekauft. Außerdem hab ich einem der Mädels geholfen ihre begonnene Häkelmütze zu beenden - dieses Projekt sollte ich also selbst schaffen, und es dürfte auch nicht so lange dauern.


Als ich es vorhin zum Fotografieren aus der Kiste genommen habe, wusste ich gar nicht mehr, was das hier werden sollte. Ein Beweis erster Güte!

Mittlerweile ist es mir aber wieder eingefallen: ich wollte für die Damen zwei Kittyville-Mützen stricken, passend zu den bereits vorhandenen Schals in rosa und orange.
Dieses Projekt geht weit, weit zurück. Ich glaube, die Schals hab ich schon um die Schneeanzüge aus Krippenzeiten geschlungen. Warum hat es so lange gedauert? Ich wollte die Maße der Mütze aus dem Buch umrechnen in eine Kindergröße. Kompliziert, aufwendig, nie Zeit dafür, also für 'später' aufgehoben.
Jetzt haben sich mittlerweile die Vorlieben für Mützen geändert und in meiner Wip-Liste befindet sich schon ein (angefordertes) Winterprojekt. Das heißt also: dieses Projekt wird verschwinden. Auftrennen und adé.



Schließlich noch ein Lace-Projekt. Mein erstes. Auch in besagtem VHS-Kurs begonnen, aber mit eigenen Ideen aus diversen Musterbüchern. Ich hatte vor, einen Zickzack-Schal zu stricken, wie ich sie zu dem Zeitpunkt (wir sprechen immer noch von vor ein paar Jahren) häufig in meinem LYS gesehen hatte. So etwas in der Art. Der muss auch noch fertig werden. Die Wolle gefällt mir noch gut und ich mag auch die Farben.

Damit habe ich jetzt meinen Teil der 'gnadenlosen Feststellung' erfüllt und muss nur noch entscheiden, was ich mit den Projekten machen will. Soll ich sie noch bei Ravelry aufnehmen, auch wenn ich dann in meiner Wip-Liste wieder nach hinten rutsche? Oder soll ich sie parallel und heimlich beenden?

Also, meinen Drachenfels lass ich mir jetzt nicht vermiesen - den schlag ich an, sobald ich die grünen Socken fertig habe. Dann sind hoffentlich bald die beiden Decken fertig und ich kann immer ein heimliches Wip zu einem offiziellen machen. So mach ich's. 

Montag, 22. September 2014

Kapitel 102 - vom Wetter und seinen Folgen

Was mich immer wieder amüsiert sind die freundlichen Nachfragen, die auf die Erwähnung meines Urlaubsziels folgen.

'Echt? Ihr wart in England? Regnet's da nicht die ganze Zeit?'

Na klar regnet's da, aber es hört eben auch gleich wieder auf. An den allermeisten Tagen ist es sogar schön. Bewölkt, das ist ja klar, oder mal ein bisschen nieslig, aber doch schön. Immer wieder Sonne, und vor allem auch nie so richtig kalt, sondern eigentlich sehr angenehm. Da steckt man das bisschen Regen problemlos weg.

Der Himmel ist irgendwie näher, präsenter, die Wolken sind größer. Da merkt man auch so richtig, was sich da oben am Himmel eigentlich ständig tut. Den geneigten Lesern in Küstennähe erzähle ich da sicherlich nichts Neues, aber für eine alte Landratte wie mich, die (leider) weit, weit weg vom Meer wohnt, ist das schon ein erhebendes Gefühl.

Und jetzt bin ich also zurück auf dieser Landmasse und muss hören, dass hier der Sommer auch eigentlich gar nix gewesen ist - keine stabile Gutwetterlage, die sich für Freibadbetreiber rechnen würde. Der einzige Unterschied zu England ist offensichtlich, dass man sich dort von vornherein darauf einstellt. Also ein echter Standortvorteil.

Besser wird es jetzt aber auch nicht mehr - die Freibadsaison ist vorbei und die Kinder werden in der Früh mit langen Hosen und Regenjacken in die Schule geschickt, auch wenn sie an manchen Tagen wutschnaubend und mit zerknüllter Jacke im Ranzen wieder heimkommen, weil plötzlich die Sonne doch noch durchgebrochen ist und sie sich folglich 'kaputtschwitzen'. Man kann als Mama eben nicht alles vorher wissen und wenn es kalt ist, dann ist es gleich sauber kalt oder schattig, wie man hierzulande sagt.

Aber man kann dafür sorgen, dass es trotz der Kälte zu Hause richtig gemütlich wird. Die Decken sind immer zwar noch im Werden (es geht voran, Bericht folgt demnächst), aber den Ofen gibt es das ganze Jahr über.

Also los:

Kochbuch aufgeschlagen:



Dieses Buch hab ich ja schon mal erwähnt - man kann deutlich sehen, warum dies mein Leib- und Magenkochbuch ist. Es sieht mittlerweile etwas anders aus, aber ist sicherlich immer noch empfehlenswert. Die Weihnachtsplätzchen, die Kuchenrezepte sowie natürlich die Klassiker wie Sauerbraten und Königsberger Klopse oder alles, was man sonst irgendwie nicht richtig kann (ich zumindest) - bestens erklärt und lecker.

Daneben wird dieses moderne Buch zu Rate gezogen:



Hier kann ich vor allem das Rezept für normale Pizza empfehlen. Das gelingt sehr gut und der Teig schmeckt toll. In den Kommentaren der Netzwelt scheiden sich die Geister bei einigen Rezepten (die Mayonnaise-Muffins sind wirklich grauenhaft, es gibt kein anderes Wort), aber ich hab einige Rezepte von meiner Freundin testen lassen, die selbst ein Expertin auf diesem Gebiet ist, und es ist mit diesem Post-It zurück gekommen:



Mehr kann man nicht verlangen und genau für diese Art Rezepte hab ich mir das Buch auch gekauft.

Na, dann:

Butter kleinschneiden.



Eiswasser herrichten.



 Mehl abwiegen.



Instant-Mehl gibt es bei mir momentan aus dem Grund, weil meine Küchenmaschine kaputt gegangen ist. Das Rührgerät hat schon seit Jahren keine Knethaken mehr und so mache ich alles mit der Hand. Das geht am besten mit Instant-Mehl, denn es verbindet sich wunderbar (da hält die Packung wirklich, was sie verspricht).

Äpfel schälen und schnipseln:



 Und schließlich die Eier.



Wie vorsichtig man ein Ei anfassen muss, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Es sind auch nur zwei bisher auf dem Boden gelandet - ein echter Lernerfolg!



Die Damen dürfen den Rührteig machen (aus dem Stuber-Buch) und sie streiten auch fast gar nicht. Ganz im Gegenteil gelingt schon ein bisschen Teamwork, ich muss nur eingreifen, als der Teig zu schwer wird.



Das Ergebnis ist der übliche Kastenkuchen, der aber natürlich gerade deshalb so gut schmeckt, weil es der erste gemeinsame Kuchen ist.



Auch die Pie gelingt wie geplant. Die Verzierung durften die Damen anbringen und es ist ihnen hoch anzurechnen, dass überhaupt noch genügend Teig für eine Verzierung übrig geblieben ist.



Es folgt der Antiklimax. Aus dem Hefeteig sollten Bagels werden - Teig gelungen und dann von den Damen zu Bagels gerollt - ich aber hab sie im Übereifer zu früh und viel zu lange in den Backofen gestellt (klassischer Fall von überambitioniert, wenigstens das sollte ich eigentlich von meinen Strickabenteuern mittlerweile kennen!). Es wurden steinharte Geschosse, über die noch viel gelacht wurde. Aber uns wurde warm dabei, und das ist schließlich die Hauptsache!



Fazit: Mission gelungen, der Kälte wurde bestens getrotzt. Und jetzt geh ich mich mal umsehen, was Ihr anderen bei dem Wetter so treibt.

Donnerstag, 18. September 2014

Kapitel 101 - von der Evolution

Bei mir beginnt das Jahr im September - gefühlt zumindest. Das war schon zu Schulzeiten so und ist es jetzt wieder, denn bei mir hat ja die Schule wieder angefangen, seit die Damen jeden Morgen pünktlich mit ihrem Ranzen davonspazieren.

Meine Projekte, meine Lektüre, einfach alles plane ich immer von Herbst bis Sommer. Der Urlaub ist das natürliche Ende meines Jahres, nicht ein paar Raketen an einem vernebelten, kalten Dezemberhimmel. Abgesehen davon, dass ich ja sowieso nie Raketen kaufe oder abschieße - ich seh' sie mir an und setze das Geld im Kopf in Wolle um - geht es nach einer Silvesterparty eigentlich weiter wie bisher.

Aber im Herbst! Da geht es los - da werden Pläne geschmiedet. Da werden gute Vorsätze gefasst (mehr Schreiben, mehr Sport, mehr Stricken). Da werden der Schreibtisch aufgeräumt und die Strickkörbe durchwühlt. Da wird der Stash neu sortiert bzw. es werden für die überzähligen Knäuel neue Boxen angeschafft. Da wird sogar darüber nachgedacht, endlich die Stash-Funktion auf Ravelry zu nützen. Ich sehe den Sinn, aber ich weiß auch, dass ich wahrscheinlich wirklich lang brauchen würde, bis ich alles einigermaßen sinnvoll eingegeben habe.

Aber mich überzeugt das schnelle Auffinden, wenn ich die Boxen endlich nummeriere und dann per Mausklick weiß, dass sich dieses Souvenirgarn aus Hay-on-Wye in der Box XY befindet:



Blaues Sockengarn mit kleinen Fitzelchen am Garn, handgefärbt (Ja, ich weiß, ich habe letztes Jahr schon so einen Strang gekauft, aber den hab ich verschenkt und ich wollte so gerne noch einen für mich haben).



Lace-Garn in Seide. Fühlt sich großartig an. Sowas hab ich noch nie verstrickt und will daraus ein tolles Tuch machen.

Ein Tuch? Moment mal, ich bin doch Sockenstricker und kein Tuchstricker.

Na, und das ist es eben. Ein Evolutionsschritt, den ich gerade an mir selbst beobachte. Ich fühle, wie ich mich als Stricker verändere. Das ist ein ähnliches Gefühl wie damals, als ich zum ersten Mal auswendig und ohne Blick ins Buch eine Ferse gestrickt habe. Endlich begriffen, dachte ich mir und gleich den zweiten Socken angeschlagen um den Kick noch einmal zu spüren.

Und jetzt bin ich offensichtlich drüber weg.

Als Erdbeerzeit war und ich ganze Nachmittage auf dem Erdbeerfeld und ganze Abende mit dem Marmeladekochen verbracht habe, war irgendwann ein Punkt erreicht, den eine englische Freundin strawberried out nannte. Ich hatte plötzlich genug vom Pflücken und Einkochen. Wenn Marmelade, dann bitte eine andere (es wurde Aprikose).

Genau das passiert mir jetzt wieder, denn ich bin unversehens in eine neue Phase der Stricksachen-Beendigung geraten. Ein seltsames Gefühl. Ich merke, dass ich um jeden Preis möglichst alle meiner aktuellen herumliegenden Projekte (die bei Ravelry vermerkten und die geheimen - ja, ich bin komisch!) möglichst sofort beenden will und stricke also ein Paar Socken nach dem anderen fertig, ohne ein neues anzuschlagen.

Meine Mickey-Maus-Socken für den Schwager, die seit Jahren auf die fehlende Stickarbeit gewartet haben: fertig.



Meine Rosen-Socken mit der gemusterten Sohle und den aufgestickten Blütenstempeln: fertig.



Meine Bofur-Socken, ein Reste- und Hobbitfanprojekt in einem: fertig.




Und bei all dem habe ich kein einziges neues Paar begonnen, obgleich das neue Jahr der Sock Challenges bei den Sock Knitters Anonymous schon längst begonnen hat (auch im September!). Der Wahnsinn.

Werde ich als Stricker also endlich erwachsen? Übernehme Verantwortung für meine zahllosen Ufos? Ist das die (R)Evolution?

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass mir statt Socken eine ganze Reihe von anderen Sachen vorschweben. Tücher, Schals, und endlich Jacken.

Vor allem Jacken könnte ich wirklich gut gebrauchen und hab auch schon an die 200 mit Herzchen bedacht. Sogar Wolle hab ich eigentlich schon. Und ich hab Tina im Ohr, die mich schon einmal sehr lieb per Mail gecoacht hat, endlich damit anzufangen (Danke nochmal!).

Also dann nichts wie weiter an die Nadeln und mehr Ufos beendet. Mein Ziel sind alle bis auf das eine Paar für den öffentlichen Nahverkehr und das Wartezimmer. Ich fühle sogar, dass dies eine Befreiung sein könnte. Vielleicht bin ich socked out. Vielleicht ist es wirklich eine Evolution. Aber es fühlt sich jedenfalls gut an. Damit also ran an die nächsten:



Und die Sockenwolle aus dem Bild oben? Das Souvenir aus dem Urlaub? Das hab ich in meinem Kopf schon zu einem Tuch verarbeitet. Ich bin eine andere, glaubt es mir! ;-)

Mittwoch, 3. September 2014

Kapitel 100 - in dem es um ein Déjavu der schönsten Sorte geht,

nämlich Urlaub!

Kaum war ein Jahr so stressig wie das vergangene, sehnt man sich heftiger denn je nach einem Urlaub. Und kaum war ein Urlaub so wunderbar wie der vergangene, will man diesen unbedingt wiederholen.
Was man schließlich auch getan hat.

Sollten die geneigten Leser dieser Ergüsse schon letzten Sommer gelesen haben, wohin es mich verschlagen hat (wenn es solche Leser gibt: danke, danke, danke!!!), dann ist dieser Sommer keine Überraschung gewesen.

Wieder England. Wieder Hay-on-Wye. Wieder London. Es war herrlich.

Für die Damen war es schon deshalb besonders nett, weil es uns dieses Mal gelungen ist, ein paar Tage in Eastbourne vorzuschalten, so dass sie nach Herzenslust im Wasser planschen konnten, bevor sie von einem (Buch)laden zum anderen geschleppt wurden. Als Ansässige des südlichen Deutschlands mit (zu) großer Entfernung zu jeglichem Meer in jedweder Richtung, waren sie auch gebührend beeindruckt:



Die notwendigen Utensilien waren schnell besorgt und die Freude grenzenlos:



Da es sich um Eastbourne handelte, war auch das Pier ein solche trauriger Anblick, wie es die Nachrichten hierzulande zuvor angedeutet hatten. Sehr schade:


Mittlerweile ist es wohl schon notdürftig geflickt und wieder eröffnet, wie uns erzählt wurde, denn am Ende des Piers befinden sich ein Nachtclub sowie diverse andere Lokalitäten, die sich einen längeren Ausfall während der Urlaubssaison kaum leisten können. So weit hat das Feuer auch nicht gereicht.


Zur Inspiration haben wir überdies einen Abstecher nach Lewes gemacht, um dies hier zu besichtigen:



Es gibt dort einen wunderschönen, riesigen Garten (na, England eben) zu sehen:


Und natürlich das berühmte Gartenhaus, im dem man nur durch einen Glasscheibe den berühmten Schreibtisch sehen kann:


Überall sitzen zudem sehr freundliche Damen, die über allerlei Kuriositäten Auskunft geben können, etwa das Aquarium, in dem Goldfische aus dem Teich gesund gepflegt wurden, oder über diese Tierfreundlichkeit - komplett beschriftet:


Endlich in den walisischen Bergen in der Nähe von Hay angekommen, wurde dieses Jahr erfolgreich ein Berg erklommen. Naja, aus dem Blick des Süddeutschen vielleicht doch eher ein Hügel, aber es war ein herrlicher Tag:



Ein Souvenir hab ich mir nicht verkneifen können. Aber es ist auch zu schön:


Und was hat das Ganze jetzt mit meinem Hobby zu tun? Viel!

Ich habe nämlich vernäht. Überall. Auf dem Schiff.



 Am Strand.




Na gut, beim Wandern nicht, aber das ist nur der Unmöglichkeit geschuldet, eine Menge Garnrestchen vor dem Wind in den Bergen von Wales zu bewahren.

Dafür habe ich sie im Ferienhaus fleißig gesammelt:


Noch mehr Spaß macht es natürlich die fertigen Fleckerl aufzustapeln:






Insgesamt wurden fast 1000 Fäden vernäht! Und das nur, weil ich eine Menge überzählige Squares schon gehäkelt hatte, bevor ich das hübsche Apricot bekam, das die Garnfirma Junghans leider nicht im Programm hat. Ich hab hier statt Poco einfach Stylecraft Special DK genommen, und es hat bestens funktioniert. Mittlerweile sind die beiden Garne auch preislich identisch, so dass ich für einen nächsten Fall wohl wechseln würde. Mehr Auswahl, mehr Farben.

Kaum zu Hause - nach dem obligatorischen Waschmaschinen-Marathon, der auch beileibe noch nicht zu Ende ist - wurden alle Fleckerl ausgelegt und nach einigen stilistischen Diskussionen mit der betreffenden Dame (es hat auch Nachteile, wenn sie größer werden) bereits zusammengefügt. Ich folge dieser Methode, und um es mit den Engländern zu sagen: It works like a dream.

Bilder folgen!