Montag, 28. Oktober 2013

Kapitel 70 - in dem es doch noch einmal um Socken geht

Also. Es ist ja nun nicht so, als würde ich nicht an meiner Strickjacke arbeiten. Meine erste, richtige Strickjacke. Mit Reißverschluss. Zwar vorerst nur für daheim (die Ärmel sind ein bisserl komisch, aber das zeige ich noch), aber immerhin.

Aber was passiert? Die Socken kommen mir dazwischen. Und ich weiß auch ganz genau, warum. Eine Jacke strickt sich nicht einfach so vor sich hin. Die will durchdacht, geplant, ausgebreitet werden, damit sie in Ruhe entstehen kann. Das ist aber überhaupt gar nicht möglich, wenn mich mal wieder eine Stressphase in der Arbeit eingeholt hat.

Dann nehme ich nämlich eine Menge Arbeit mit nach Hause, die dann dort erledigt werden muss. Mit ein bisschen Stricken dazwischen. Und was ist 'ein bisschen Stricken'? Na klar, Socken!

Kleines Projekt, Ablauf vertraut, schnell fertig. Da hat man also das Entspannungs-strick-Gefühl mit dem Ergebnis-erreicht-Gefühl auf wunderbare Weise verbunden. In Phasen wie diesen kommt es mir zwar in den Sinn, an meiner Jacke weiterzuarbeiten, aber ich kann gar nicht, weil ich gar nicht so viel Zeit habe, mich wieder in das Projekt hineinzudenken.

Jetzt z.B. müsste ich die Maschen für die zweite doppelte Blende aufnehmen, dazu müsste ich aber die Jacke vor mir auf dem Schreibtisch ausbreiten, der liegt aber voller Arbeitskram, den ich erst wegräumen müsste. Also doch lieber schnell zum nächsten Socken gegriffen. Ein Teufelskreis.

Schlimm überdies, dass diese neuen Socken aber auch so spannend sind. Ich hab ein Fallmaschenmuster ausprobiert, noch einmal für den Hobbit, um auf diese Weise Mirkwood - den Nacht- oder Düsterwald nachzubilden.





Für diese Socken hab ich auch eine Anleitung geschrieben. Wer mag, kann sie kostenlos hier runterladen und nachstricken. Fallmaschen machen wirklich Spaß!

Das Garn ist jedenfalls großartig. Lana Grossa Meilenweit Solo. Daraus habe ich bereits ein zweites Paar Socken gestrickt. Man kann es nicht so gut sehen, aber es ist ein Hebemaschenmuster, sodass die Socken richtig warm und kuschlig wurden.






Das Garn ist auch sehr mollig. Ich habe mir schon überlegt, daraus eine Jacke zu stricken. Eine Farbübersicht habe ich hier gefunden. Weil es Sockenwolle ist, hat ein Knäuel eine beachtliche Lauflänge - das sollte also kein Problem sein. Hmm, etwas mit Zöpfen vielleicht? Wie dann wohl der Farbverlauf aussieht?

Halt! Halt, Halt, Halt. Nicht so schnell. Erst die eine Jacke fertig, dann an eine nächste denken! Es genügt ja schon, dass hier heimlich zwischendrin Socken gestrickt werden, sozusagen als Ausflucht. Nicht auch noch andere Jacken anfangen!

Für meine Sock Knitters Anonymous Group muss ich natürlich weiterhin die monatlichen Herausforderungs-Socken stricken (Hinweise dazu hier). Nachdem diese Socken hier abgelehnt wurden, weil ich sie schon mal gestrickt hatte (ich hätte ja auch vorher die Regeln lesen können...),



habe ich also für die challenge des "Jacquard-Socken mit umgekehrten Farben" (sagt man das so?) andere gewählt, die ich natürlich rechtzeitig anschlagen musste:





Es geht voran, wenn auch mühsam, aber ich diese Socken sind immer gut für die berühmte 'Runde zwischendurch'. So herrlich, zu sehen, wie sie langsam wachsen und das Gelb ist der Hammer. Kurkuma von Kaschka Originale. Hab gerade gesehen, dass die Farbe noch nicht auf der Webseite ist, aber es ist ein wirklich sattes, dunkleres Gelb, das dem Namen alle Ehre macht und nichts mit dem Neon-Häkelmützen-Gelb zu tun hat, das man sonst so sieht. Ich verstricke es mit einem Petrol von Lana Grossa (Meilenweit Uni, Farbe 1337).

Das Muster übrigens hat sich eine meiner Damen ausgedacht. Sie hat sich Karopapier von mir geholt und drauflos gekritzelt. Dann kam sie an und meinte: "Ich hab dir ein Strickmuster gemalt!" Na, das muss man doch gleich stricken - auch wenn die Jacke dann noch ein wenig warten muss!


Samstag, 19. Oktober 2013

Kapitel 69 - in dem ich von einer Ablenkung berichten muss

Ich weiß. OK. Das hatten wir alles schon einmal. Die Anfangeritis. Das Kribbeln in den Fingern, etwas Neues zu beginnen, auch wenn eigentlich die nächsten 10 Projekte der Tapetenrolle schon feststehen und auch schon Wolle dafür gekauft worden ist.

Aber es ist halt nunmal so, dass mein Hobbit-Fieber, das vor einer Weile ausgebrochen ist, immer noch unterschwellig da ist. Ich also weiterhin für den Hobbit glühe. Zugegeben.

Und da begab es sich nun, dass ich in meinem KAL zum 13. Dezember (offizieller Kinostart von Desolation of Smaug, dem zweiten Teil des Hobbits) auf eine Anleitung zu einem Tuch gestoßen bin.

Richtig gelesen. Ein Tuch. Ich hab ja noch nie ein Tuch gestrickt. Höchstens mal einen einfachen Laceschal. Ein langes Rechteck und fertig. Aber ein Tuch? Ein riesiges Etwas, von dem man nicht weiß, was man später damit anfangen wird? Neee, lieber nicht. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass ich nicht die Geduld und vor allem auch die Strickfertigkeiten der diversen Tücherstricker bewundern kann. Das kann ich sehr wohl und so schwelge ich also durchaus in den herrlichen Fotografien, die man so bei einer Tüchersuche finden kann.

In meinem Fall handelte es sich also um dieses Tuch bzw. diesen Schal:



His Golden Lair von Kourtney Robinson.

Im KAL wurde es sogar von mehreren Teilnehmern gestrickt: in silberfarbenem, auch in rostfarbenem Garn.
Tja, und bei jedem neuen Eintrag konnte ich mir selbst direkt dabei zusehen, wie ich immer interessierter und interessierter und interessierter wurde, bis ich mich schließlich in meinen Wollvorrat versenkte, um daraus etwas herauszufischen.

Ich fand dieses Garn:


Lang Yarns Gobi 70% Merino extrafine 30% Baby Camel

Genau vier Knäuel, vor ein paar Jahren als Geschenk bekommen, in einem schönen Dunkelrot. Schnell noch eine Maschenprobe gemacht - denn ursprünglich wollte ich ein dünneres Garn verstricken.
Als aber der 'Anschlags'-Termin immer näher kam - zusammen mit einer weiteren KAL-Teilnehmerin wollte ich mich an diese Anleitung wagen - bekam ich prompt kalte Füße:
Ich kann doch keinen Schal auf eine andere Größe rechnen!
Was, wenn er zu klein wird?
Wenn er blöd aussieht?

Also schnell eine Maschenprobe nach Angabe gemacht - passt (puh!!!) - und dann sofort angeschlagen:


Meine Maschenmarkierer (zwei werden gebraucht),
habe ich mir ganz schnell aus Kontrastgarn gebastelt.

Obwohl die Anleitung mit 10 Seiten eigentlich schön ausführlich war, habe ich das verwendete Programm für die Strickschriften nur schlecht verstanden und bin erstmal mit der ausformulierten Anleitung losgestartet. Bald hatte ich das Prinzip verstanden, und schon bald nahm das Ganze eine hübsche Form an.



Die so genannten coins - also Münzen - haben mich dabei total fasziniert, weil sie durch ein geschicktes Zusammenstricken in der Rückreihe so richtig herausgekommen sind aus dem Gestrick - sehr clever.



Bald hatte mich die Anleitung süchtig gemacht. In jeder freien Minute, morgens vor der Arbeit, abends noch schnell vor dem Einschlafen, hab ich noch eine Reihe gestrickt.
Ich konnte ja auch ganz schön die bereits gestrickten Reihen abhaken, da 'musste' man ja quasi immer versuchen, ob nicht noch eine, kurze Reihe drin ist zeitlich.



Das Hauptproblem, wie sich bald herausstellte, war weniger die Anleitung als vielmehr das Garn, das bei einer Lauflänge von 90m auf 50g insgesamt nicht sehr viel hergab. Die Anleitung fordert 347-366m, ich hatte 360m. Hoffentlich reichte das!



Mit diesem kleinen Rest sollten noch eine Reihe sowie die Abkettreihe gestrickt werden. Hilfe!
Ich hatte vorher schon versucht Garn zu sparen, durch die Methode des spit splicing, die bei mir zwar nicht so professionell durchgeführt wurde, aber doch bestens funktioniert hat. Die Maschenprobe hatte ich selbstverständlich auch sofort nach dem Auszählen wieder aufgeribbelt und gleich verstrickt. Nicht auszudenken, wenn es am Schluss daran liegen würde.

Endlich - die Abkettreihe. Garn abschneiden und durch die letzte Masche ziehen, und das blieb übrig:



Genau 2m. Was sagt man dazu? Damit hätte ich keine ganze Reihe mehr stricken können - am Schluss waren es 329 Maschen. 

Punktlandung. Manchmal ist die Strickgöttin gnädig. Oder es handelt sich ganz banal um Anfängerglück. Egal, denn ich hab meinen neuen Winterschal:



Und wer weiß? Vielleicht kriegt noch jemand einen dieses Jahr, denn die Anleitung ist wirklich toll, die würde ich durchaus noch einmal stricken.
Und der Schal, der am Ende dabei herauskommt ist doch hübsch, oder?

Jetzt aber zurück zu meiner Strickjacke. Zwei Extraknäuel für den Kragen sowie ein neuer (kürzerer) Reißverschluss sind gekauft.



Also nix wie ran!


Montag, 7. Oktober 2013

Kapitel 68 - in dem der Pullover-Fluch gebrochen werden soll

Ich hab's ja immer gewusst. Es gibt ihn. Den Pullover-Fluch. Und zwar z.B. hier, genannt sweater curse.

Damit ist der unglaubliche Umstand gemeint, dass alles Bemühen nichts nützt und man einfach keinen Pullover zustande bringt.

Mein Fluch geht ja schon sehr, sehr lange zurück. Es begab sich in den neunzehnhundertundachtziger Jahren als das Stricken einen nie dagewesenen Boom erlebte und ich auch strickte. In der Schule natürlich. Heimlich unter der Bank.

Da hab ich ein paar Pullover begonnen: einen mit Farbwechsel (Intarsia-Technik!) auf der Vorderseite, weil nach dem Rückenteil nicht mehr genügend Farbe übrig war. Daran hab ich eine ganze Weile genadelt. Unglaublich lange Rückreihen in links, weil ich das Garn glatt rechts verstricken wollte. Ein Junghans-Garn mit buntem Mitlauffaden, von dem heute noch dieses Mini-Knäuel übrig ist:



Es gab noch rot (mit Faden) und grau (mit Faden). Eigentlich hat mir das Gestrick ganz gut gefallen, es hat nur furchtbar lang gedauert!
Zu den Ärmeln bin ich dann gar nicht mehr gekommen. Ich glaube, das Ganze ist irgendwann im frog pond gelandet, neudeutsch: es wurde aufgetrennt.

Das Gleiche ist mit einem Argyle-Pullover passiert in den grauenhaften Farben orange und türkis. Aber ich war jung, hatte kein Geld und die Wolle war eben gerade zu Hause (meine Mutter war Junghansclub-Mitglied). Ich bin tapfer bis zur Mitte des Rückenteils gekommen, das Argylemuster sah gar nicht so schlecht aus, das müsste man noch einmal stricken.

Mittlerweile ist alles aufgetrennt und heute sehe ich das eher als Meditationsübung für einen grüblerischen Teenager. Was ja nicht das Schlechteste ist.

Der nächste Versuch wurde alsbald in Angriff genommen. Mit beiger Wolle.

Beige! Die Höllenfarbe der 80er. Ich glaube Beige ist die eine Farbe, die mir ü-b-e-r-haupt nicht steht, auch wenn ich sonst nicht sehr viel weiß über so genannte 'passende' Farben, sondern mehr über Farben, die mir selbst gefallen. Mit beige sehe ich jedenfalls aus wie Hefeteig. Breit, verquollen und farblos.

Ich weiß sogar noch, wo ich das Garn gekauft habe (den Laden gibt es noch) und denke mir immer, wenn mir dieser Pulli einfällt, dass man den Kunden solches Garn nicht verkaufen dürfte. Also wenn es ihnen so offensichtlich nicht steht wie mir, dann müsste man doch als pro-aktive Verkäuferin etwas Hilfestellung leisten, oder? Und nicht den Kunden sich in sein eigenes Hefeteig-Verderben stricken lassen.

Auch dieser Pulli war ein Kastenschnitt. Vorderseite rechteckig, Rückseite rechteckig mit kleinem Bogen für den Ausschnitt. Dann die Ärmel noch. Aber wie genau zunehmen? Den Rat, den ich mir von einer kundigen Mitstrickerin einholte, lautete folgendermaßen:

"Also ich mach das immer so: alle vier Reihen seitlich je eine zunehmen, das geht sich eigentlich immer aus."

Tja, so hab ich das dann auch gemacht. Nur waren offensichtlich meine Arme ein wenig länger, denn als ich fertig war, hatte ich zwei riesige Dreiecke gestrickt. Dann brav gespannt unter feuchten Tüchern, das immerhin hatte ich mir aus dem Handarbeitsunterricht gemerkt. Ansonsten aber hatte die Schule offensichtlich keine gute Wirkung auf mich, denn obwohl mich zwar langsam Zweifel befielen, ob denn nun dieser total weite Ärmel auch wirklich in das dafür vorgesehene Ärmelloch passen würde, wäre mir nicht eingefallen, dass ich selbst etwas daran hätte ändern können, und zwar mit ein bisschen Rechnen.

Stattdessen hab ich tief durchgeatmet und an einem ruhigen Nachmittag die Ärmel eingenäht. Mit wirklich beeindruckendem Faltenwurf, denn mittlerweile waren Jahre nach dem ersten Anschlag vergangen und dieser eine Pullover MUSSTE einfach mal fertig werden. Wenigstens EINER.

Er wurde fertig. Und wie. Alles eingenäht (den linken Ärmel mit ein wenig Gewalt, zugegeben), alles vernäht und dann anprobiert. Er passte schon irgendwie, so wie kastenförmige Riesenpullis eigentlich immer irgendwie passen. Außerdem war mir ja vorher klar, dass ich den ersten Pulli als etwas Warmes 'für Daheimrum' gestrickt hatte. Aber da hatte ich mir noch nicht vergegenwärtigt, dass ich mir ein beiges Walrosskostüm gestrickt hatte, komplett mit Flossen, die auf Grund des Faltenwurfs unter der Achsel dafür sorgten, dass meine Arme hübsch abstanden und somit zwar dekorativ, aber völlig unbrauchbar geworden waren.

Von Gelächter meines mittlerweile angeheirateten Mitbewohners ganz zu schweigen.

Das sollte mir so schnell nicht wieder passieren! Als ich mich nach  Jahren der Strickpause wieder auf dieses Hobby stürzte, machte ich um Pullover einen weiten Bogen. Sollten sich doch andere damit herumquälen. Mit mir nicht.

Ich hab mir ganz gemütlich die hübschen Bildchen von gelungenen Strickabenteuern in diversen Strickmagazinen angesehen und ansonsten schön die Finger davon gelassen. Nein, nein, keine Abenteuer mehr. Aber Socken stricken, das wollte ich jetzt mal endlich lernen.

Buch gekauft, gestrickt, gestrickt und voilà, mittlerweile kann ich sagen, Socken stricken sich von selbst. Alles ganz einfach: Ferse, Zwickel, Spitze, im Maschenstich schließen - Kinderkram.

Was ich damit eigentlich sagen will, ist, dass ich an den Socken selbst gemerkt habe, dass es offensichtlich eine Lernkurve gibt. Und wenn es eine Lernkurve für Socken gibt, dann *seufz*, gibt es diese sicherlich auch für Pullover.

Dann liegt es also nicht an mir, sondern daran, dass ich mich immer noch am unteren Ende dieser Lernkurve befinde. Dass ich mindestens 25 Pullis stricken muss, damit ich auf ein annäherndes Niveau komme. Und dass ich davon noch keinen einzigen begonnen habe!

Hier beginnt nun also das Jahr 2013. Das Jahr, in dem ich mir vorgenommen hatte, diese Kurve langsam zu erklimmen. Schließlich will ich den Pullover-Fluch endlich brechen.

Besser spät als nie.

Zunächst einmal: Problem erkannt, Problem gebannt:



Da liegt sie ja, die Herrlichkeit. Begonnen vor zwei Jahren in einem VHS-Kurs namens "Pullover ohne Nähte". Der Versuch, die Lernkurve zu erklimmen, geht also schon weiter zurück.

Was fehlt eigentlich noch? Der zweite Ärmel fertig. Die Blenden vorne sowie den Reißverschluss in diese Blenden nähen. Der Kragen. Das dürfte zu schaffen sein, wenn auch nicht alles heute.




Kaffee ist bereitgestellt:


Dann mal los. Zweiter Ärmel fertig. Jetzt fehlen nur noch die Blenden. Der vorschnell eingekaufte Reißverschluss macht mir ein wenig Sorgen, denn 1. er ist zu lang:




und 2. ich hab' nicht mehr so viel Wolle übrig (das Garn ist - unnötig das zu sagen in unserer so genannten 'schnelllebigen' Zeit -  vergriffen):



Aber für die Blenden müsste es eigentlich reichen. Jetzt will ich natürlich nur (soll ja nach was aussehen) doppelte Blenden stricken, das heißt auf jeder Seite zwei Blenden stricken, mal in die äußere, mal in die innere Hälfte der Randmaschen. Das schlägt zumindest meine Strickbibel vor. Dann kann man den Reißverschluss schön in die Mitte nähen und beide Seiten sehen sauber aus. Mal sehen.

Blende 1 fertig:



Und dann: schlägt das Leben zu und die Planung wird über den Haufen geworfen.

Aber ich gebe jetzt nicht auf. Dieser Pulli wird fertig. Im Oktober. Neuer Kaffee steht stand bereit:



Genaueres (Fertiges hoffentlich) demnächst. Versprochen.

Sonntag, 29. September 2013

Kapitel 67 - in dem es um (Strick)Bücher geht

Der Urlaub hängt mir immer noch ein wenig nach. Aber bei wem ist das nicht so? Es kann ja auch gar nicht anders sein, wenn es dort so ausgesehen hat:


Ein Fluss. Sonnenschein und Ruhe. Das war quasi Der Wind in den Weiden live. Und zu all dem auch noch eine Menge Bücher und Wolle. Da muss man sich ja erholen.

Dementsprechend beladen war das Auto dann auf der Rückfahrt und nach der Aufteilung der Beute an die verschiedenen Familienmitglieder sah mein eigener Stapel so aus:


OK, es waren auch DVDs und Taschenbücher dabei, aber rechts kann man deutlich erkennen, dass ich - seufz - an vielen, vielen Strickbüchern nicht vorbeigehen konnte (oder wollte).

Meine Kriterien für Strickbücher waren dabei folgende (neben dem Preis, denn ich bin ja ein Secondhand Bookshop Fan, neue Bücher bekomme ich günstiger bei bookdepository.com):

1. es muss mindestens ein Modell enthalten sein, das ich so toll finde, dass ich es selbst stricken will
2. wenn das nicht der Fall ist, dann müssen die Designs so interessant und inspirierend sein, dass ich immer mal wieder drin blättern werde
3. es muss etwas erklärt werden, das ich auf jeden Fall lernen will und auch noch einmal brauchen kann

Damit fanden folgende Bücher in mein Regal, die ich jetzt immer mal wieder zur Hand nehme, um zu sehen, was ich denn da eigentlich gekauft habe.
Daraus werde ich mit Sicherheit nichts stricken. Die Schnitte sind einfach sackartig - das geht heute ja gar nicht mehr.
Aber Kim Hargreaves ist eine Olympierin im Strickdesigner-Himmel und daher ist das ein Blätterbuch für mich (Das englische Wort coffee table book klingt natürlich ungleich eleganter).
Die Farben sind toll, die Muster auch, vielleicht werde ich mal ein Muster daraus arbeiten oder mir eine Farbkombination klauen.
 Ein Buch um meiner notorischen Häkelunfähigkeit auf die Sprünge zu helfen. Hier sind auch die englischen Begriffe eindeutig erklärt. Außerdem bin ich immer auf der Suche nach Anleitungen für Häkelspitzen, die ich dringend für ein Wintermützendesign brauche, an dem ich schon seit einer Weile herumdoktere.
Schon vor ein paar Jahren habe ich es zum ersten Mal gestrickt, aber jetzt soll es doch endlich mal fertig werden und ich will mich damit raus in die Welt trauen. Ein Buch also, um mir die nötige Unterstützung zu geben.
Das war ein Zufallsfund. Wie schon öfter erwähnt, bin ich ja ein großer Fan von Debbie Stoller, und zwar nicht nur, weil ihre Bücher bzw. die Modelle darin recht hübsch sind, sondern vor allem, weil sie unglaublich witzig schreiben kann. Daher waren es zunächst die versprochenen Stories, die mich zu diesem Buch greifen ließen, aber die Modelle sind auch wirklich gut gelungen. Es sind ein paar sehr schöne Röcke darin, die hier und hier zu bewundern sind. Auch diese Jacke ist mittlerweile in meiner Queue.
Wenn ich so den Neupreis sehe, dann freue ich mich dreimal, dass ich das Buch günstig gekriegt hab.
Auch ein Zufallsfund. Das war so billig, das konnte ich nicht liegen lassen. Darin sind ein paar recht einfache Modelle, die aber doch hübsch sind. Vielleicht kann ich mit einem solchen endlich meine Sockenmanie überwinden.
Dieses Buch ist einfach nur unglaublich! Ich hab ja noch keinen einzigen der fantastischen Lace-Schals gestrickt, die es da so zu bewundern gibt, aber die Vorstellung, dass es überhaupt möglich ist - großartig! Also vorerst hauptsächlich zum Blättern und Sich-inspirieren-lassen.
In diese Kategorie fällt auch das Kreuzstichbuch. Da geht es weniger um den Kreuzstich als vielmehr um die Verwendbarkeit der Motive für das Jacquardstricken, das ich ja immer noch meistern will. Irgendwann. Genau aus diesem Grund habe ich zu folgendem Grundlagenwerk gegriffen:
Ein tolles Buch. Sehr historisch aufgemacht mit unglaublich vielen Informationen. Aber auch mit ganz vielen Mustern und vor allem auch mutigen Farbkombinationen. Da bekommt man beim Blättern gleich Lust loszulegen. Und das, obwohl das Buch schon etwas älter ist. Für mich eine echte Fundgrube.
Eigentlich lustig, hier noch einmal ein Basisbuch des Strickens einzukaufen, aber es sind ein paar Strickmuster drin, die ich so noch nicht gesehen habe, auch in all meinen Musterbüchern nicht, allen voran ein besonderer Schlingenstich, den ich unbedingt für einen Schal ausprobieren möchte. Eine Quelle dafür hatte ich schon aufgetan, aber mehr Info ist nie schlecht.
Schließlich einfach ein nettes Buch mit einer Riesenmasse an wirklich flotten Kinderdesigns. Nicht so der übliche Hauptsache-bunt-Kinderkram, sondern echt pfiffig und wirklich hübsch. Man braucht ja schließlich immer mal wieder ein Geschenk für diverse Freunde und Verwandte.

Das war meine Ausbeute nach einer Woche. Es kann also sein, dass in der Großstadt noch das eine oder andere Buch mit in den Koffer gewandert ist. Eins ist hiermit schon klar: ich darf nie mehr umziehen. Strickbücher sind elend schwer.

Und außerdem muss ich jetzt möglichst bald ein Gestrick aus den Büchern vorweisen. Ich hab ja schließlich nicht fürs Museum eingekauft.

Dienstag, 17. September 2013

Kapitel 66 - in dem ich es immer noch nicht fassen kann, dass meine Socken berühmt sind

Schon vor einer Weile habe ich ja gesagt, dass ich im Hobbit-Fieber bin. Socken, Stulpen, mir schwebt auch noch ein Tuch vor und für meinen KAL werde ich auch noch ein anderes Tuch zu stricken versuchen (Tücher-Neuling).

Meine Thorin-Socken wurden fertig.




Auch ein zweites Paar wurde fertig. Ich hab eine Anleitung dazu geschrieben, die testgestrickt wurde, und dann, kurz vor dem Urlaub, hab ich es geschafft, diese Einleitung einzustellen. Hier erhältlich.

Dann bin ich in den Urlaub gefahren. 16 Tage offline. Das hab ich sehr genossen, auch wenn ich das Bloggen und vor allem 'die anderen Blogs' vermisst habe. Und dann hab ich mir natürlich Sorgen gemacht, ob jemand, der sich vielleicht, also könnte ja sein, für meine Anleitung interessiert, nicht schon total sauer ist, weil alles furchtbar erklärt ist, und er oder sie nix versteht und hundert Fragen hat, die ich aber nicht beantworten kann, weil ich ja offline bin.

Zumindest das war unbegründet. Das Interesse hielt sich in großen Grenzen und von denjenigen, die meine Anleitung tatsächlich probiert haben, hab ich noch nichts gehört. No news is good news  in diesem Fall.

Dann kam ich zurück. Und mich erwartet in meinem Hobbit-KAL, für den ich ja überhaupt diese Anleitung geschrieben habe, folgender Link: Bitte klicken.

Meine Socken auf Facebook. Unfassbar! Das Lustigste dran sind ja noch die Kommentare, denn man kann genau erkennen, wer strickt und wer nicht!

Mein Puls hat sofort das Rasen begonnen, der Atem wurde kürzer. Ich bin durch die Bude gerannt auf der Suche nach jemandem, dem ich das zeigen konnte (pics or it didn't happen) - es war wirklich ein Wahnsinn.

Die Angst vor den Nachfragen, weil meine Anleitung ja so mies ist (in meinem Kopf!) ist natürlich auch gestiegen. Aber: es war dann natürlich völlig anders als befürchtet. Keine Anfragen verärgerter Stricker und auch keine exorbitanten Verkaufszahlen. Alles im normalen Bereich. Ein paar wenige haben die Anleitung probiert und schon ein paar Socken gestrickt. Wenig mehr wollen die Anleitung noch ausprobieren, da versuche ich jetzt locker zu bleiben. In meinem Kopf schreit es trotzdem manchmal immer noch: "Meine Socken. Auf Facebook. Mei-ne Socken!" OK, OK, ist schon wieder vorbei.

Da ist es eigentlich auch schon wieder lustig, dass ich gar nicht auf Facebook bin. Weil ich die ganze Sache, das Unternehmen und die verfügbaren Daten ein wenig unheimlich finde. Ich bin ja schon auf Ravelry und das ist eigentlich alles an social media, was ich hier so brauche. Außerdem sitze ich ja sowieso schon im Glashaus mit Blog und Bildern (und einem anderen problematischen Unternehmen), und weiß das auch. Schließlich hab ich vor allem darauf verzichtet, weil ich eh kaum Zeit habe, alles, was es so gibt abzuklappern nach Neuigkeiten. Da versuche ich's dann doch lieber weiter mit Anleitungen. 

Diese hier ist jedenfalls schon in Arbeit (und wird auch grade testgestrickt):







Das sind meine Thranduil Glitzerstulpen. Auch vom Hobbit, natürlich.

Dienstag, 10. September 2013

Kapitel 65 - in dem es um das Häkeln gehen soll

Heute ist das Wollschaf mal wieder dran und zwar mit einer Frage zum Thema Häkeln.

10SEP
In letzter Zeit hat das Häkeln wieder an Bedeutung gewonnen. Man sieht viele Häkelanleitungen online und in Zeitschriften.
Hast Du in der letzten Zeit gehäkelt? Wenn ja, was?
Häkelst Du gern, magst Du vielleicht sogar noch lieber als Stricken?
Weshalb, oder weshalb nicht?
Vielen Dank an Kerstin für die heutige Frage!
Nun soll es ja eine tiefe Kluft zwischen den Häklern und den Strickern geben.
"Strickerinnen und Häklerinnen rivalisieren wie die Sharks und die Jets der West Side Story"
schreibt schon Debbie Stoller in der Einleitung zu ihrem Häkelbuch. Und meine bescheidenen Erfahrungswerte zu diesem Thema gehen zumindest in die gleiche Richtung.

Da ist zum einen die Haltung: 'Gehäkeltes Zeug gefällt mir irgendwie nicht', der ich auch ein wenig anhänge.

Es gibt nur wenig Häkelmuster, die mich in der Fläche überzeugen können, deren Struktur ich wirklich toll finde.
Dagegen gefällt mir das, was zwei Stricknadeln aus Garn machen können, fast immer sehr gut. Das liegt natürlich auch an einer heimlichen Vorliebe für 'glatt rechts', der schon Tina aus Hamburg ausführlich nachgegeben hat. Das sieht einfach großartig und sauber aus. (obwohl es natürlich, zugegebenermaßen, recht langweilig ist zu stricken...)
Aber man sieht eben dadurch die Garnstruktur besonders gut und das ist es doch, was ich meistens möchte.
Abgesehen natürlich vom Understatement, das für Stricksachen unabdingbar ist. Ich bin dann doch nicht so ganz der auffällige Bommel- und Fransentyp. Zumindest nicht bei Kleidungsstücken.

Womit wir mal wieder bei den Socken wären. Denn da kann man sich natürlich auch deshalb mustertechnisch so austoben, weil die Socken eben kaum einer sieht.

Da ist aber zum anderen mein Hauptproblem mit dem Häkeln: ich kann es schlicht und einfach nicht gescheit!

Völlig aus der Bahn geworfen hat mich dabei kürzlich eine Kindergartenmutter, die beiläufig erzählt hat, sie könne blind häkeln. Blind!!! Unvorstellbar

Bei glatt rechts gestrickt ist das ja (mit großer Geschwindigkeitsrücksgangstoleranz) noch einigermaßen möglich, aber beim Häkeln???

Häkeln macht mir ja schon beim Hinsehen Probleme. Dabei mangelt es nicht an gutem Willen. Meine Häkelbibliothek umfasst mittlerweile ein halbes Regalbrett und hat unter seinen Reihen Klassiker wie 


oder 



Gleichwohl, es gestaltet sich schwierig. Sogar die vermeintlich so einfachen Boshi-Mützen sind für mich Bücher mit sieben Siegeln.

Anschlagen, Ok. Häkelmaschen, Ok. Aber wie, verflixt nochmal, zählt man die Maschen beim Häkeln?
Oder: wo genau sticht man bei einer Luftmasche ein? Oben ein Faden, unten zwei oder andersherum?

Daraus resultieren dann Mützen, die nur an einer Stelle breiter werden oder die nach der veranschlagten Reihenzahl sehr viel mehr oder sehr viel weniger Reihen aufweisen als bisher.

Hinzu kommen die Häkelschriften! Meistens grauenhaft. Viel zu klein, viel zu unübersichtlich. Wo genau geht die neue Runde los? Hilfe!

Wenigstens lassen sich Häkelarbeiten viel leichter auftrennen als Stricksachen. Schwacher Trost, aber immerhin.

Das Ergebnis ist also, dass ich wirklich gerne Häkeln können würde, es aber noch an meinen Fähigkeiten mangelt, und zwar so sehr, dass ich immer gequält lächeln muss, wenn ich wieder irgendwo lesen muss, wie viel 'leichter' Häkeln sei, wenn man es mit dem Stricken vergleicht. Leichter? Ha!

Dabei kann ich durchaus Gehäkeltes produzieren, manchmal gefällt es mir sogar, aber es hat (fast) nie mit dem etwas zu tun, was bei der Anleitung abgebildet ist.

Das heißt also, ich verwende das Häkeln. Als Ergänzung, als Schmuck, als Abschluss, z.B. hier:



Da sitzen oben an der Stulpe ein paar Reihen Häkelmaschen, einfach weil man damit die Perlen so hübsch in einer Reihe anbringen kann und weil ich ein großer Fan von Picot-Kanten bin.

Oder hier:



Kaum zu sehen, ich weiß, aber rechts unten ist die Ärmelkante zu erahnen, mit einer gehäkelten Welle.

Natürlich hab ich das Häkeln auch schon bei den Socken eingesetzt. Nicht als Häkelsocken (Textilstrukturproblem, s.o.), aber als Einsatz.

Das war ein Versuch mit etwas Restwolle, ist aber gar nicht so schlecht geworden, wie ich finde. (Themasocken zum Märchen: Die drei Spinnerinnen)
Allerdings weiß ich nicht, ob ich das nochmal mache: zu viele Fäden zu vernähen!!!



Socken von einer der Damen fürs Foto getragen,
daher so locker am Bein.


Fazit: ich mag Häkeln, mag die Bewegung der Nadel, aber ich mag nicht immer, wie das Gehäkelte aussieht. Bisher führte das Häkeln daher nur ein Schattendasein bei mir, und ich kann es auch noch zu wenig.

Aber: wenn ein Modell daherkommt (was ich sehr hoffe), das mir so gefällt, dass ich es unbedingt haben will, dann lerne ich auch das Häkeln. Bestimmt.

Denn von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen zwei verschiedenen Lagern von Nadelfreunden so wie in der West Side Story halte ich ja schon mal gar nichts!

Freunde der Wolle, vereinigt euch!