Montag, 15. Oktober 2012

Nach dem Wollmarkt ist vor dem Wollmarkt

Superwetter und erst am Nachmittag Zeit dafür. Eigentlich das Todesurteil für einen Wollmarktbesuch. Normalerweise mache ich mich mit den Damen immer sehr zeitig auf die Socken und fahre dann, wenn alle anderen nach dem Mittagessen ankommen, wieder nach Hause.
Aber, seufz, gestern hat es nicht geklappt. In Vaterstetten war wunderbares Herbstwetter:



Und ich bin selbst erst so gegen 2 Uhr dort aufgeschlagen. Was für ein Gewusel. Schön war es natürlich trotzdem.

Ganz traditionsgemäß gab es die üblichen Mützenstände (gefilzt und gestrickt):





sowie Schafe in jeder Form:




Mir gefällt natürlich ersteres besser, so weich und kuschlig sie sind, mir sind diese Schafsfelle immer suspekt. Da sehe ich nur die kleinen Lämmchen vor mir auf der Wiese.

Stände mit Wollprogramm sind mir eindeutig lieber:




Die Wolle von Rosy Green Wool habe ich zum ersten Mal live gesehen. Sehr weich und schöne Farben. Hab ich noch nicht verstrickt, habe ich aber schon ins Auge gefasst für Handschuhe. Sie haben ein ganz wunderbares knalliges Blau, das sicherlich toll mit Grau zusammen aussieht. Hier zu sehen. Die Farbe heißt König Ludwig blau, besser kann man es nicht sagen.

Für Lacefans gab es diese Wolle:






Hauchfeines Gespinst, das zusammen mit riesigen, handgedrechselten Stricknadeln verkauft wurde. Damit könnte ich nicht einmal dann stricken, wenn ich wollte. Ich bin, was eine Lace-Karriere betrifft, noch ganz am Anfang und komme (vorerst?) immer wieder auf Sockenwolle (und Socken) zurück.

Diese Damen waren auch da, aber in ihrer Halle war es zu dunkel, leider. Bin von den Namen der Garne ganz begeistert: Tweety's Revenge für ein knalliges Gelb oder Poisonous Love für ein schönes Purpurrot. Hierhin sehe ich schon das Budget des nächsten Quartals wandern.


Natürlich war auch historische Handwerkskunst vertreten. Vor allem der Webstuhl hatte es mir angetan. Ich bin immer voll der Bewunderung darüber, was man so erfinden kann. Wenn es nur so Leute wie mich gäbe, dann säßen wir noch auf den Bäumen. Aber wir hätten wenigstens etwas Warmes an...





Für die Mädels war auch einiges geboten: Schafe scheren, Esel streicheln, Kühe füttern, und natürlich Pony reiten. Was will man mehr?






Da konnte ich mich in Ruhe noch ein wenig umsehen und habe diese Pullover gefunden. Alles handgestrickt. Die Babygröße kostete ca. 24,- Euro, bei diesen Exemplaren habe ich erst gar nicht gefragt. Aber so wissen wir wenigstens mal wieder, wie viel das wert ist, was wir da so produzieren:


Dann bin ich auf diese hübschen Taschen gestoßen:


Mir gefällt vor allem, dass immer wieder die Farbe rot auftaucht, aber nur in ganz kleinen Mengen. Das ist doch gleich eine Idee.

Das Schönste wie immer am Schluss. Hier geht einem das Herz auf:


Say no more.


Mittwoch, 10. Oktober 2012

Akquise, Baby, Akquise


Wir Stricker leben eigentlich nur in drei verschiedenen Lebenszuständen.

Wenn wir nicht stricken, dann kaufen wir Wolle und wenn wir keine Wolle kaufen, dann überlegen wir, was wir stricken/kaufen könnten, blättern in Magazinen, surfen im Internet, wälzen Anleitungsbücher. Dazwischen gibt es nichts, wenn man davon absieht, dass wir auch einfach nur da sitzen können, um ganze Nachmittage lang unsere Herrlichkeiten zu bestaunen, zu befingern und zu sortieren.

In den letzten Wochen sind diese neuen Vergnügungen hinzugekommen:







 Um die bereits genannten 5 (in Worten: fünf) Euro Gutschein einzulösen war ein Einkauf von 30 Euro Bedingung (die bei Lana Grossa sind ja auch nicht blöd).


Aber 30 Euro, was ist das schon, wenn man locker das Doppelte verjuxen kann? Stört keinen großen Geist.
Adios, Wollbudget für dieses Quartal.

Aber da waren nur vernünftige und mithin notwendige Sachen dabei: die Mädels brauchen zwei Wintermützen, und zwar einen Marienkäfer (rot) und einen Hasen (Wunschfarbe rosa), ich will eine gestreifte Mütze ausprobieren (das sind die Knäuels in s/w), und ich brauche (richtiges Verb!) Wolle für den Sock Knitters' Anon. KAL (siehe hier). Soweit so gut.

Moment mal, was soll denn das grüne Baumwollgarn?
Runtergesetzt, was sonst?
Mensch!

Da ist es bei den nachfolgenden Garnen schon ein wenig anders gewesen. Der Besuch auf dem Textilmarkt war mehr unter dem Zeichen 'Impulskauf' zu sehen. Den Stand von Kathrin Tigges-Eberl, nämlich Kaschka Originale habe ich fast blind gefunden (auch ein Ergebnis von langjähriger Wollmarktpraxis) und ein paar wunderbare Stränge erstanden:


Zweimal Sockenwolle (75% Schurwolle superwash, 24% Polyamid) in den Farben Brombeere und Smaragdwald.


Zweimal feine Merinowolle für eine Prinzessinnenmütze in den Farben Fuchsia und Grauviolett. Letzteres ist arg dunkel, aber ich brauche im Vergleich zur Fuchsia auch nicht sehr viel. Mal sehen.


Damit wären meine Oktobersocken für Ravelry schon kein Problem mehr. Aber halt, wollte ich da nicht eine andere Qualität verstricken und zwar eine, die ich auch eben erst gekauft hatte?

Ach, selig, wer die Qual der Wahl hat.

Wie soll ich jetzt aber meinem Mann sowie den beiden Damen erklären, dass es erst Anfang Herbst ist und damit noch dies und das ins Haus steht?

Obwohl, die Mädels habe ich auf meiner Seite, sie durften am Sonntag in Benediktbeuern Perlen fädeln und sind im Kindergarten längst dem Filzvirus verfallen. Bleibt also nur einer...





Dienstag, 9. Oktober 2012

Schon wieder ein Dienstag

Diesmal war ich vorbereitet und deshalb ist hier die Dienstagsfrage auch am Dienstag (so langsam fängt das Wort an seltsam zu klingen...):

Die verstrickte Dienstagsfrage 41/2012

9OKT
Ich lese immer wieder von Restedecken, Monstersocken und ähnlichem.
Manche Strickerinnen schaffen es anscheinend, auch den letzten Meter
Garn noch irgendwie sinnvoll zu verwerten.
Wie weit gehst Du da? Welche Mengen verarbeitest Du noch zu irgendetwas?
Ab wann (wieviel Gramm, wieviel Meter) ist ein Rest für Dich nicht mehr
verwendbar, und Du wirfst ihn ohne Reue weg?


Also: diese Frage geht für mich ans Eingemachte, denn wenn ich so drüber nachdenke, dann kann ich NIX wegschmeißen! Wirklich.
"Die schöne Wolle. Da könnte man doch noch... Die Kinder brauchen doch Puppenkleider... Vielleicht versuche ich doch einmal ein paar Granny Squares... Die Farbe brauche ich bestimmt nochmal irgendwann..."

Ein endloses Mühlrad in meinem Kopf. In letzter Konsequenz hat mir erst ein 100 Jahre altes Verena-Heft geholfen:






Na gut, es ist von 1995. Darin sind jedenfalls Anleitungen (wie der Titel schon sagt) zu gestrickten Weihnachtsideen, u.a. auch ein Adventskalender, der es mir gleich angetan hatte:



Nicht wegen des gestrickten Nikolaus' (ich kann mit Schlingen sehr wenig anfangen, wahrscheinlich, weil ich sie selbst gar nicht kann), und Strickbilder finde ich überhaupt sehr seltsam (was ist gegen Farbe und Papier zu sagen?). Nein, wegen der kleinen Söckchen ganz unter dem Nikolaus!

Vor Jahren, als mein Mann und ich noch DINKYs waren, hab ich ihm dann eine Reihe von Säckchen und Söckchen nach dieser Anleitung gestrickt, statt mit sechsfädiger aber mit vierfädiger Wolle.

Herausgekommen ist ein recht netter Adventskalender, den man einfach mit Wäscheklammern an einer Leine aufhängen konnte. Nur mit den Farben war ich nicht zufrieden. Damals noch im Kaufhaus gekauft, gab es dort nur dunkelblau, dunkelrot und dunkelgrün (Wer ist eigentlich in solchen Häusern für den Einkauf zuständig???)

Dann sind die Damen erschienen und ich hab wieder mehr gestrickt, also waren mehr Reste übrig (und in lustigeren Farben). Jetzt sollte aber auch ein Adventskalender für jede von ihnen herausspringen. Das sind dann aber 48 kleine Söckchen. Geht schnell, macht Spaß und ist eine sinnvolle Verwendung für die Reste.


Naja, macht zumindest eine ganze Weile lang Spaß, bis es eben zu langweilig wird und die Tapetenrolle zu laut raschelt.

Vielleicht noch einen Adventskalender für meinen Mann? Das sind dann 72 Söckchen. Für mich auch? 96.

Tja, und dann hab ich immer mal wieder losgestrickt. Einfach zwischendurch. Das mache ich jetzt seit ein paar Jahren so, denn die Damen sind ja mittlerweile im Kindergarten.


Das Ergebnis sieht so aus:



Oder noch genauer:



Ich denke, für die Mädels habe ich jetzt endlich über 50 Socken beieinander. Ich habe ALLES verstrickt, was von meinen anderen Projekten übrig geblieben ist. Ich kann einfach nichts wegwerfen, was sich noch zu einem kleinen Knäuel rollen lässt. Ich glaube, ich werfe Fäden erst ab Armlänge weg.

Jetzt, wo ich das so schwarz-auf-weiß vor mir sehe, merke ich erst, wie verrückt das klingt. Von wegen Feng-Shui und so...

Rechts oben im Bild sind z.B. ein paar kleine Wollmeislein zu sehen (Farbe Kräuterbeet, wenn ich mich richtig erinnere), die war einfach zu schön, um sie wegzuwerfen. Und jetzt sind noch drei kleine Socken draus geworden.

Rechts darunter (rot und grün) sind zwei von den Originalsocken, die ich mitgezählt habe. Außerdem sieht man deutlich, dass ich wirklich auch anstückele und die Vernäherei auch bei diesen kleinen Socken nicht scheue.


Meine Projekttasche dazu ist aber gar nicht mehr so voll:




Also wie war das mit der Dienstagsfrage? Ich fürchte, ich verstricke einfach alles und mich reut es erst dann nicht, wenn die Fäden so Vernäh-übrig-bleib-Länge haben.

Na, ein Glück, dass ich keinen Therapeuten habe. Wer weiß, was das bedeutet...

P.S.: Aus dickerer Wolle hab ich vor BSJs zu stricken. Macht auch Spaß, geht schnell und sieht immer super aus. Jetzt muss ich nur noch sehen, wo ich die vielen Babys herbekomme...

Einstweilen lagert meine Restwolle in diesen hübschen Behältern.

Bis zur nächsten Frage...


Sonntag, 7. Oktober 2012

Erpressung

Kurse an der VHS? Höre ich richtig? Gelernt, wie man von oben herab Pullover strickt? Fertigstellung von aktuellen Projekten unter fachkundiger Anleitung? Und du willst eine neue Strickart für Socken lernen? Ich glaube, ich spinne.

Was ist mit mir? Ich vergammle hier in meinem rosa Plastikkorb und es geht absolut nicht weiter. Dabei war ich mal gedacht als Antwort auf die kalten Winter in einer zugigen Wohnung, als schöner Ersatz für die elende Fleecejacke, die in den letzten Jahren die Wärmeaufgaben übernehmen durfte. Nicht zuletzt als Beweis für den Satz, den du selbst als richtig empfunden hast, als du ihn das erste Mal gehört hattest: "Das tu ich mir nicht mehr an, dass die Sachen dann nicht getragen werden - ich stricke nur noch für mich selber."



Liebe Strickjacke, ich weiß, ich weiß. Du hast ja recht. Es wird langsam kälter am Abend und es wäre wirklich schön, wenn du schon fertig wärst. Es fehlt ja auch nicht mehr viel. Ein kleiner Rest vom zweiten Ärmel.
Aber dann: die doppelte Blende. Ich hab mir da schon bei Katharina Buss was angelesen, aber es noch nicht ganz verstanden.

Und den Reißverschluss einnähen. Ich hab sogar schon einen gekauft, einen ziemlich langen sogar, für den Fall, dass ich dich noch verlängere. Aber das war bevor ich gemerkt habe, dass es von dieser Bingo-Farbe keine mehr gibt, weil die unseligen Garnfirmen immer wieder neue Kollektionen auf den Markt werfen und damit eine so tolle Farbe wie deine einfach aus dem Programm schmeißen.

Und dann meine Angst, dass ich zu viel Platz bei den jeweiligen Vorderteilen gelassen habe, weil ich eben eine breite Blende will und das vielleicht jetzt nur gequetscht aussieht mit Reißverschluss.  Man braucht eben auch ein bisschen Mut, um sowas richtig zu beenden. Schade, dass du kein Socken bist.

Angst? Mut? Das kann doch nicht wahr sein. Ich bin doch kein tödlicher Ebola-Virus, den man erforscht und der einen bei einer falschen Bewegung das Leben kosten kann.
Diese Ausreden gelten alle nicht. Schließlich hast du schon zwei Pullover auf solche Art beendet, da war dir auch nichts zu schwer:






Es ist sogar deutlich zu erkennen, dass du hier auch noch gehäkelt hast: gehäkelt!!! Ich kann es kaum fassen!
Fußnote: Du hättest die Sachen ruhig noch einmal spannen können, bevor du sie fotografierst.

Liebe Strickjacke. Das musst du doch verstehen. Die Pullis waren für die Mädels. Die musste ich einfach fertig stricken. Außerdem hatte ich dieses Baumwollgarn übrig, das ich schon so lange für die Damen verwenden wollte, solche bunten Farben können doch eigentlich nur Kinder tragen, denkst du nicht auch? Das waren doch überhaupt auch meine Übungspullover für den RVO, den man im Kurs lernen konnte und den ich von der schriftlichen Anleitung her nie verstanden habe. Nachdem ich diese beiden fertig hatte, fiel es mir viel leichter, mit dir anzufangen. Schließlich bist du doch ein wirklich kompliziertes Stück mit passgenauen Ärmeln und japanischer Wickelmasche und überhaupt.

Nichts als Entschuldigungen! Das kann und will ich nicht gelten lassen. Ich gebe dir bis Ende des Monats Zeit, KAL oder kein KAL. Komme mir ja nicht mit Socken! Sonst freunde ich mich mit einer kleinen Motte an und dann wirst du schon sehen, was du davon hast.

[blass, zittrig, kurzatmig]: Motte? Ja sofort. Ja, ich komme gleich. Warte, ich räume hier schnell frei. Wie viel Tage sind es noch? 25? Das dürfte zu schaffen sein. Die anderen Sachen sind ja nicht so wichtig. Nein, nein, du kommst zuerst dran. Ja, natürlich. Kein Problem. Ich fange gleich an. Nein, wir können gerne auch etwas Kaltes essen. Nein, ich muss nichts mehr für die Arbeit vorbereiten. Nein, ich habe nichts, was ich aktuell stricken müsste.
Überhaupt kein Problem. Warte, ich lese schnell nach, wie die Blenden funktionieren... [Stimme wird langsam immer leiser, bis sie kaum mehr zu hören ist].

Samstag, 6. Oktober 2012

Masters of Ceremonies

Es gibt die guten Tagen, an denen strickt man so vor sich hin und erinnert sich, wie man angefangen hat mit diesem Hobby. Wie man sich mühsam Masche für Masche vorgekämpft hat, wie man aus leidvoller Erfahrung erst lernen musste, dass es für einen Anfänger höchst ungeschickt ist, wenn man die Reihe nicht zu Ende strickt, bevor man sein Strickzeug weglegt, weil man dann u.U. einfach von der falschen Seite aus weiterstrickt und erst viele Reihen später merkt, dass es da plötzlich ein seltsames Loch auf der Vorderseite gibt, dass so doch vorher noch nicht da war.

An solchen Tagen lacht man bei dieserlei Gedanken leise in sich hinein, während man in Ruhe und völlig entspannt ein schwieriges Lacemuster locker nadelt, da es einen recht logischen Mustersatz hat, den man sich schon längst hat merken können.

Und dann gibt es die anderen Tage, an denen man ein Pulloverbündchen von nicht weniger als 198 Maschen genau drei Mal wieder auftrennen muss, weil man beim berühmten "Be careful not to twist" nicht aufgepasst hat und dreimal hintereinander das gleiche Möbiusband gestrickt hat. Zweimal hat man sich sogar geschworen, dass man auf jeden Fall heute nicht mehr neu damit anfangen würde. Das kann schließlich keiner erwarten: abends um halb 11 noch 198 Maschen mit Nadelstärke 3 anzuschlagen!

An solchen Tagen fragt man sich, warum jemals irgendjemand das Hobby Stricken als entspannend beschrieben hat. Das Herzklopfen, das man verspürt, wenn man die Nadeln aus dem Strickzeug nehmen muss, um bis zu einem Fehler hin aufzuribbeln, ohne zu wissen, ob man die Maschen später alle wieder würde auffassen können. Vielleicht erwischt man einige gar nicht mehr? Und merkt auch das erst viel später? Der Ärger, wenn man merkt, wie verknickt und fusselig das ehemals so schöne Garn aussieht, wenn man aufgetrennt hat. Die Verzweiflung, wenn man sieht, dass einen die Maschenprobe betrogen hat und das Vorderteil keineswegs so knapp sitzen wird, wie man sich das vorgestellt (und ausgerechnet!) hatte.

Da denkt man anders über den Satz: "Stricken beruhigt die Nerven", der immerhin in der Strickbibel im Vorwort steht.

Zeit, sich Rat zu holen, sich in die Hände von hoffentlich kompetenteren Strickern zu begeben, bei denen man hoffentlich auch noch etwas lernen kann. Mit anderen Worten, Zeit für 



Dieses Jahr ist es nun so, dass meine Stricklehrerin der vergangenen Semester, bei der ich versucht habe, das nahtlose Pulloverstricken von oben zu erlernen, keinen Kurs anbietet und da musste ich also das Programmheft neu aufschlagen.

Gefunden habe ich Folgendes:



Einen Kurs, in dem man buchstäblich ALLES über das Stricken lernen kann (so die Ankündigung).

Ich hatte den Kursraum kaum betreten, da entpuppte sich die Leiterin binnen Sekunden tatsächlich als Expertin auf jedem nur möglichen Gebiet des Strickens!
Die Damen kannten sich (ich war offensichtlich die einzige Neue in der Runde), jede hatte ihr aktuelles Projekt mitgebracht und Mme Expertin sauste nun vom einen zum anderen: hatte Rat bezüglich des Garns, empfahl ein spezielles Muster, übersetzte die Anleitung, erklärte einen bestimmten Anschlag und rechnete die Ärmelabnahmen aus.

Dinge, für die ich langsam und schön der Reihe nach locker einen Monat gebraucht hätte, wurden in weniger als 10 Minuten abgehandelt.

Na gut, dachte ich, ich will auch etwas lernen, was ich noch nie zuvor versucht habe: Socken von unten, bzw. "von der Spitze aus", wie ich sogleich berichtigt wurde. In diesem Ton ging es weiter: "Bumerangferse bekannt?" und in kürzester Zeit hatte ich eine Anschlagsreihe und einen Strickauftrag für die nächsten Minuten, während die Expertin schon wieder zum nächsten Problem eilte und flugs ein paar Perlen für eine Stulpe auffädelte. Unglaublich! 

Es gibt ihn also wirklich, den Bund der Weisen, dem kein Problem zu kompliziert, dem keine Technik fremd ist und kein Design unlogisch erscheint.

Ich habe ein Mitglied kennen lernen dürfen!

Aber: Der Kurs hat sechs Abende, wie kann dieser erste jetzt noch getoppt werden?

Damit war die Woche aber noch nicht zu Ende: getreu dem einzig wahren Motto für das Stricken, habe ich mich dieses Semester gleich bei zwei Sportveranstaltungen angemeldet, und zwar: 



und



Naja, letzteren Kurs muss man nicht kommentieren. Wenn alle Mütter, die man so trifft, nur davon sprechen, wo und wie der beste Zumba-Kurs angeboten wird, kann man nicht die einzige bleiben, die keine Ahnung hat, worum es sich dabei handelt. Das war eher eine Verzweiflungsanmeldung.

Es stellte sich bei beiden Kursen aber heraus: die Leiterinnen waren die totalen Über-Ladies! Gertenschlank und fit im kompletten Wortsinn: drahtig, voller Energie und Spannung. Perfekte MOCs der Sparte "Gesundheit" in der Volkshochschule (mit T-Shirt "Zumba Instructor"!) Kein Wunder, dass beide Kurse ausgebucht sind.

Wenn mein Muskelkater nachlässt, werde ich darüber nachdenken, wieder hinzugehen...

Einstweilen habe ich schon mal den ersten Socken für den Knitalong von Sock Knitters Anonymous auf Ravelry angeschlagen:



Thema diesmal (u.a.): aus einem selbstmusternden Sockengarn durch die Wahl eines geeigneten Musters möglichst viel zu machen.

Meine Musterwahl fiel auf ein Modell in "Verena Spezial. In 80 Socken um die Welt Teil I". Das Modell hat einen scheußlichen Namen:



wird aber hier als Beispiel für Italien präsentiert, das kann zumindest etwas versöhnen.

Der Hammer kommt aber noch: für das Modell im Heft wurde zufällig das gleiche Garn verwendet, das ich aus meinem Wollvorrat ausgegraben habe:



Garn: Regia Design Line Kaffe Fassett Farbe: 04354. Das kann doch kein Zufall sein.

Ich bin der Master of Ceremonies des Musternachstrickens!

Sonntag, 30. September 2012

...wo es endlich ums Lesen geht

Die Überschrift soll ja weniger großspurig als vielmehr wahr sein. 

Lesen spielt in der Tat eine wesentliche Rolle, mal mehr, mal weniger, nach einem Wochenende auf einem Buchmarkt notwendigerweise wieder mehr.
Dabei kann ich, so gern ich dies tun möchte, gar keine richtige Antwort auf die Frage geben, welches Genre mich besonders interessiert. Ich lese vor allem Romane, diese aber querbeet und auf Grund der beiden Damen auch zwangsläufig wieder mehr Kinder- und mittlerweile schon Jugendliteratur.

Da muss natürlich eine gewisse Sammlung schon vor-angelegt sein, für den hoffentlich eintretenden Fall, dass sich beide zu großen Leseratten entwickeln. Also die Regale sind gefüllt, jetzt müssen sie eigentlich nur noch lesen lernen.

Wenn man dabei aber auch das Stricken im Kopf hat, dann stolpert man immer wieder über besondere Perlen, z.B. solcher Art:



Hier "strickt" Herr Lavendel einen Schal aus warmen Worten. Was Besseres kann man sich für ein Telefongespräch kaum vorstellen. Wie lange dieser Schal wohl warm hält?

Aus einem Blog bin ich auf folgendes Buch aufmerksam geworden und hab es gleich bestellt. Zwar auf Englisch, aber der Text ist insgesamt so kurz, dass ich es für die Damen auch übersetzen kann, wenn wir es zusammen ansehen (ich will ja schließlich nicht nur Leserinnen, sondern auch Strickerinnen aus ihnen machen):





Und darum geht es eigentlich, wie der Klappentext deutlich macht:

Das Buch gibt es z.B. hier.



Aber bei den Bilderbüchern alleine bleibt es ja nicht. Vor einer ganzen Weile habe ich ein Buch gelesen, das mich eine Menge Zeit gekostet hat. Es war nicht einfach geschrieben, und zwar vor allem deshalb, weil es sich fast nur im Seelenleben der beiden Protagonisten abgespielt hat.




Ein Entdecker aus Deutschland und ein Mädchen aus Australien lernen einander kennen und fortan kreisen die Gedanken der beiden umeinander während ihre Leben aber weitergehen, also der Entdecker den Kontinent zu durchqueren versucht und das Mädchen Laura in Sydney weiter in der viktorianischen Gesellschaft lebt. Das ist gedankenschwer, aber auch sehr suggestiv geschrieben, man wird es lange nicht los.

Vor allem auch deshalb, weil man immer wieder Sätze findet, die man sich am liebsten herausschreiben würde, so treffend sind sie, ein so schönes Bild malen sie. Beispiel S. 194:



Hier heißt es in der Mitte der Seite: "Spiders had sewn the bushes together."

Was für ein wunderbares Bild für den Herbst, wenn man durch den länger anhaltenden Tau die Netze so viel deutlicher sieht.

Ich weiß nicht, wie es in der deutschen Übersetzung heißt. Wenn man es eins-zu-eins übersetzt, müsste dort stehen:
"Spinnen hatten die Büsche zusammengenäht."

Aber ist es nicht viel logischer und vor allem hübscher, wenn man davon spricht, dass sie "zusammengewebt" oder gar "zusammengestrickt" worden sind?

Den Abschluss bildet heute ein Bild der etwas kitschigeren Sorte. Karten dieser Art habe ich bisher nur in England gefunden und von dort hat sie mich auch erreicht. Schade, dass ich sowas hierzulande noch nicht gefunden habe. Das würde unseren Granden hier auch gut zu Gesicht stehen, wen hätten wir denn da? Goethe neben Schiller und Thomas Mann und???




Hier steht, deutlich zu sehen, Wilkie Collins neben Shakespeare (leider am undeutlichsten), neben Buchanan und schließlich Tennyson. Gelesen habe ich nur Collins ganz. Shakespeare zum Teil und Tennyson ein paar Gedichte. Bei Buchanan wird es sehr dünn...

Vielleicht muss man sich mit der Auswahl aber gar nicht so anstrengen. Vielleicht geht es ja nur um das Cover...

Ein Nachsatz:
Diese Woche, also 30.09 bis 06.10.2012 ist "Banned Books Week". Nähere Infos hier und hier.

Nächstes Mal ist wieder Stricken dran.