Sonntag, 23. Juni 2013

Der Hobbit hat mich fest im Griff

Ich bin im Fieber. Im Hobbit-Fieber. Das ist schon wirklich lange her, dass ich mich so für eine Sache begeistern konnte, aber je mehr ich von den Hobbitfilmen sehe, über das Buch nachdenke oder mich überhaupt mit Mittelerde beschäftige, desto mehr Ideen habe ich für diverse Strickprojekte. Da brodelt es förmlich.

Die Kili-Socken hatte ich ja schon vor einer Weile vorgestellt. Angelehnt an das von Weta Workshop für den Zwerg Kili entworfene Design seines Mantels, habe ich versucht, dieses Muster auf einem Paar Socken nachzubilden:





Wie man deutlich sehen kann, scheitern sie hauptsächlich an meiner Unfähigkeit ein anständiges Jacquard-Muster zustande zu bringen. Auch darüber hatte ich mich schon einmal geäußert.

Fertig stricken werde ich sie wohl dennoch. Muss ja keiner in echt sehen, können ja meine Sofasocken werden.

(Mir ist hier natürlich auch klar, dass ich mein Scheitern gerade der großen Öffentlichkeit zeige, aber das ist eben anders, als von der Schwiegermutter auf Unzulänglichkeiten beim Sockenstricken hingewiesen zu werden ;-))

Außerdem hoffe ich nach wie vor immer noch, dass der zweite Socken besser wird, bei mir also doch so eine Art Lernkurve festzustellen ist.

Die zweite Idee, die ich hatte, war die Rüstung von Thorin Eichenschild nachzustricken.


© Weta Workshop

Da hatte ich erstmal einen Riesenärger mit den Noppen. Aus ebenfalls bereits genannten Gründen finde ich Noppen an sich schon einen Graus (sie sehen aus wie Warzen, tut mir leid), aber hier?

Wie man deutlich sehen kann, muss man hier irgendetwas Gestricktes finden, was diese Knubbel in der Rüstung nachbilden kann. Also habe ich Noppen ausprobiert. Gestrickte, gehäkelte, mit drei, mit vier, mit fünf Maschen, bis die Maschenprobe fast einem Schal ähnelte:



Endlich hatte ich eine Erleuchtung, und zwar aus diesem Buch:



Jan Eaton beschreibt darin so genannte Popcorn-Noppen, die ein bisschen flacher sind als normale (warzige!) Noppen. Mit denen hab ich schließlich ein bisschen hin- und herprobiert und so meine eigene Variante gefunden.

Dadurch ist die ganze Arbeit dann natürlich ein bisschen kniffliger geworden. Man stelle sich vor, mitten im Gestrick aufzuhören und zwischen den Stricknadeln, die rechts und links aus den Maschen zu rutschen drohen mit der Häkelnadel zu hantieren.

Aber es geht.

Und mit dem Ergebnis bin ich ganz zufrieden:






Leider ist erst ein Socken fertig, aber ich möchte das Muster noch einmal mit einem Baumwollgarn teststricken, bevor ich mich hier an den zweiten mache.

Das Garn ist Regia 4-fädig in grau (Fb: 00044), nicht ganz ideal, weil es ein wenig franselt und das Muster ein bisschen verschluckt. Mein zweiter Versuch wird Lana Grossa meilenweit sein in einer Art taubenblau-grau (Farbe 8012).

Fortschrittsmeldungen folgen demnächst.

Und während ich also ein bereits bekanntes Muster noch ein paar Mal stricken muss, meldet sich im Hintergrund schon dieser Herr an:



Der braucht dringend ein paar Glitzerstulpen zu seinem Outfit, findet ihr nicht?

Sonntag, 16. Juni 2013

Same same but different

Es folgt Gezeter:

Manchmal muss man sich schon ein bisschen wundern über die Welt. Wie von selbst scheint sie immer in zwei Hälften zu zerfallen: wir und die anderen.

Warum ich das schreibe?

Erst kürzlich hat Tina aus Hamburg gepostet, dass sie sich bei einer Diskussion auf Ravelry "einen ganzen Sack voll disagrees" eingefangen habe durch ihre Bemerkung, dass sie mit Strickschriften einfach besser zurecht kommt als mit einer fein säuberlich ausgeschriebenen Anleitung.

Kontinentale vs. englische Stricker - Grabenkämpfe! (und dabei rede ich noch gar nicht von der Fadenhaltung)

Dann gab es fast Stress in den Kommentaren beim Wollschaf, als Kerstin vorgeschlagen hat, man könne einzelne Wollknäuel statt in einer verschließbaren Plastiktüte auch offen und sogar mit Rocailles besprenkelt aufbewahren.

Dekoliebhaber vs. Staubsaugerfreunde - unversöhnlich!

Wat'n da los?

Das möchte ich doch gerne mal wissen.

Es ist doch normal, wenn ich beim Lesen eines Beitrags auch einmal etwas ablehne, was dort bevorzugt wird. Schließlich hat die ganze Welt Zugang zum www und irgendwo gibt es sicherlich auch Leute, die trotz des identischen Hobbys nicht so ganz auf meiner Wellenlänge schwimmen.

Aber muss ich das gleich so deutlich hinschreiben?

Ich rede hier ja nicht von politischen oder anderen Verhältnissen, die ich ablehnen oder sogar (mit zivilen Mitteln) bekämpfen muss - nein, ich rede einfach davon, dass jemand anderem etwas gefällt, was mir eben nicht gefällt.

Also, ich versteh's nicht.

Dabei kann ich versichern, dass es massenhaft Dinge gibt, die ich im Leben nicht stricken würde. Entweder, weil ich den Sinn darin nicht sehe, oder weil sie mir nicht gefallen oder vielleicht auch, weil ich sie (noch) nicht stricken kann.

1. Ich sage nur Noppen - grauenhafte Dinger!
2. Riesige, dreieckige Lace-Schals - wer braucht sie und wofür?
3. Kleine Häkel- und Strickfiguren - noch mehr Dinge, die einfach rumstehen? Nein danke.

Aber: ich kann mich sehr wohl in diejenigen Stricker hineinfühlen, denen das gefällt. Die so etwas gerne und mit aller Liebe stricken. Die Arbeit, den Einsatz, die Liebe zu etwas muss ich doch anerkennen können ohne gleich missionieren zu wollen.

Es ist ja nicht so, als sei ich die maßgebliche Strickkoryphäe der Welt. An meinen Ergebnissen und Projekten gibt es nun wirklich genug auszusetzen.

Nur weil ich so gerne Socken stricke und ständig neue Sockenideen im Kopf habe, sodass ich zu gar nichts anderem mehr komme, müssen noch lange nicht alle anderen auch Socken stricken.

Obwohl es dafür natürlich eine Menge Argumente geben würde:

Passgenauigkeit.
Wohltat für die Füße.
Spaß.

Aber: ich kann und darf doch niemanden bevormunden und dessen Bemühungen negativ kommentieren.

Wie bei so vielem, habe ich überdies das Gefühl, dass hier der Ton die Musik macht. Es gibt einfach Vokabeln, die schriftlich schon sehr krass daherkommen, und wenn man sich nicht 100% sicher ist, dass die eigene Anmerkung wirklich und wahrhaftig nur ironisch aufgefasst werden kann, dann ist große Vorsicht geboten, finde ich.

Denn: emoticons können nicht alles retten und können auch nicht alles wiedergutmachen. Das ist ein bisschen so, als ob man sein Mundwerk ein bisschen davonlaufen ließe, um dann gleich hinterherzuschieben: "Ich hab's nicht so gemeint. Hab dich mal nicht so." So ein verbales Pflaster kann aber nicht alles retten.

Dafür gleich ein Beispiel aus dem wirklichen Leben. Als ich mit meinen Zwillingen schwanger war, hab ich erst gemerkt, wie wenig Leute sich diesbezüglich unter Kontrolle haben und wie viele es gibt, die einfach mal schnell ihre Meinung loswerden müssen, ohne vorher zu überlegen, was sie damit anrichten.

Wie nämlich war die Reaktion auf meine Schwangerschaft?
So:
"Oh Gott, wie grauenhaft. Das stelle ich mir ganz schrecklich vor."

Na, ich kann nur sagen: das ist nicht ganz die Reaktion, die jemand brauchen kann, der auf Grund der Hormonsause in einer Schwangerschaft eh schon emotional ein wenig instabil ist. Zumal wenn man zum ersten Mal schwanger ist.

Da finde ich es eigentlich schon wieder lustig, dass das genau die Leute waren, die sonst bei Angeboten der Marke Buy one, get one for free vorne mit dabei sind...

Wichtiger scheint mir zu sein, dass man beim Lesen diverser Blogs merkt, dass die Leute auch über sich selbst lachen können. Dass sie ohne Schwierigkeiten von großen Unglücken berichten können, von schlecht sitzenden Pullis, von katastrophalen Pill-Projekten oder vom Scheitern an einer Anleitung. Wenn das witzig daher kommt, davon kann ich gar nicht genug lesen.

Das hat nichts mit Schadenfreude zu tun, sondern vielmehr mit einer Verbundenheit, die ich dann fühlen kann. Zum Glück gibt es nicht nur supertolle Perfekt-Stricker da draußen!

Und gegen Hinweise auf etwas Seltsames, bei dem sich jeder seine eigene Meinung bilden kann, habe ich gar nichts. Aber Letzteres ist eben der Punkt: eigene Meinung bilden und nicht gebildet werden.

Einzige Ausnahme für mich: die Rezensionen. Wenn von neuen Strickzeitschriften und -büchern gesprochen wird, dann dürfen sich die Leute so lustig machen, wie sie wollen. Aber Projekte von Einzelkämpfern? Da genügt doch ein: 'Es ist nicht mein Ding, aber ich sehe, was hier versucht worden ist.'

Perfektes Beispiel: der gestrickte Adventskranz. Wer denkt sich denn sowas aus? Aber wer es stricken will, warum denn nicht? Da kann man sich denken(!), was man will, aber er nadelt nicht.

Gezeter zu Ende.

Jetzt ist es an der Zeit für den wichtigsten Punkt: Was habe ich gesagt, was ich nicht stricke?

1. Noppen? Stimmt nicht. Brauche ich dringend für mein neues Projekt, also hab ich sie stricken müssen. Nach unzähligen Versuchen bin ich bei Häkelnoppen gelandet:



Das sind Thorin armour socks und sie sollen die Rüstung von Thorin Eichenschild nachbilden. Hobbit, mal wieder ;-)

2. Lace-Schals? Stimmt auch nicht. Nachdem ich in einem Woll-Laden so hübsche Zickzack-Schals gesehen hatte, wollte ich selbst auch einen haben:



Es ist noch ein weiter Weg, aber ich hab angefangen.

3. Kleine Häkel- und Strickfiguren? Stimmt auch nicht. In einem Anfall von Wahnsinn hab ich für meine Damen zwei Jule-Puppen (mit anderem Outfit) gestrickt. Tausend einzelne Teile, Matratzenstich, ausstopfen - das ganze Programm. Leider sind beide gerade im Spiel verschollen, lediglich das Kleid mit Häkelblume hab ich gefunden. Es wird gerade lieber für das Lieblingskuscheltier verwendet:




Und die Moral? Sag niemals nie, eh klar.






















Montag, 3. Juni 2013

Ist das wirklich so schlimm?

Also, Martina Behm bewundere ich wirklich.

Und dabei stricke ich überhaupt gar keine Tücher ;-) und hab sogar auch noch gar keine ihrer Anleitungen ausprobiert. (Ja, ich weiß, Tücher sind unglaublich "in" und sie sind sehr hübsch anzusehen, aber ich bin halt ein scarf girl)

Martina Behm hat, wie ich finde, eine Riesenmenge an Anleitungen in relativ kurzer Zeit verfasst und dann ganz einfach selbst herausgegeben. Wahnsinn!

Darüber hinaus hat sie jetzt eine Kolumnensammlung ähnlich der Yarn Harlot -Bücher veröffentlicht, die sie am letzten Wochenende live in Aschaffenburg vorgelesen hat. Totaler Wahnsinn!

Schließlich war sie in New York und hat dort mehr als einmal ihr eigenes Design als fertiges Gestrick live an diversen Ständen angetroffen. Mittlerweile bin ich im Delirium!

Dann hat sie auch noch den letzten Schritt in die Welt des internationalen Strickdesigns getan und sich ganz offensichtlich aus ihrem Tagesjob zurückgezogen, um sich wirklich auf die Design-Arbeit konzentrieren zu können. Jetzt ziehe ich meine sämtlichen Mützen und Hüte (und Schals)!

Das ist ja wohl der absolute Traum eines jeden von uns. Wer würde nicht gern seinen Tagesjob aufgeben und sich in sein solches Abenteuer stürzen? Ich habe natürlich auch meinen halben Roman in der Schublade und sehe mich in besagtem Traum schon an ganz anderen Orten als demjenigen, den ich von montags bis freitags frequentieren muss.

Bei so viel Bewunderung und ehrlicher Mitfreude war es dann schon ein kleiner Schlag, den folgenden Tweet zu lesen. (Original-Tweet hier, Datum 02.04.13, es folgt eine Kopie).

Martina Behm @strickmich

Agree: “@BlackTrillium: Also? Cut-and-pasting Barbara Walker 

st patterns to a basic sock recipe & calling it yours? Lame.”


Ist das wirklich so schwach? Mal ehrlich?

Selbst bei den SockKnittersAnonymous gibt es den so genannten DYO-Monat - aktuell Juni - in dem genau das von den Teilnehmern erwartet wird.

Ist es nicht auch eine kreative Leistung, ein Muster, das für Hin- und Rückreihen geschrieben ist, so einzuteilen, dass daraus eine anständige Anleitung für ein Paar Socken wird?

Dafür sind doch all die Mustersammlungsbücher da, oder nicht?

Nun ist es natürlich klar, dass nicht jeder von Null auf CookieA-Niveau designen kann, aber selbst ihre berühmten Monkey-Socken, die ich selbst schon gestrickt habe - tolle Socken, aber ich schweife ab - habe ich viel später in einem meiner Musterbücher gefunden und sofort erkannt (Aha-Effekt inklusive).

Es ist ja sowieso schon schwierig mit dem Urheberrecht, also wann ein Muster wirklich mir und niemandem anderen zugeschrieben werden kann. Tina Hees hat darüber mal einen sehr ausführlichen Blogeintrag gemacht.

Denn schließlich gibt es eben nur eine bestimmte Anzahl von Kombinationen mit rechten und linken Maschen.

Sogar bei wirklich prominenten Designern wird immer mal wieder (z.B. hier) bemäkelt, dass sie einfach ihre alten Entwürfe recyceln oder sogar einfallslos, weil viel zu schlicht, arbeiten. Aber das finde ich eigentlich gar nicht schlimm.

Denn: man muss die Sachen ja schließlich nicht kaufen.

Wenn ich eine Anleitung sehe, bei der ich merke, dass es sich nur um ein 2re/2li Muster handelt, die ich also nur wenig interessant finde, dann lasse ich die Finger davon und kaufe mir stattdessen eine, bei der ich das Gefühl habe, mehr für mein Geld zu bekommen.

Speziell bei Socken muss man da eben genauer hinsehen. Und so viele verschiedene Arten, Socken zu stricken, gibt es doch gar nicht: von oben nach unten, von unten nach oben, quer, Entrelac (also Flechtmuster), mit patches und .... schon fällt mir nichts mehr ein.

Es gibt immer eine Ferse, eine Spitze und etwas zum Hineinschlüpfen. Das war's.

Die Strickwelt ist groß, und der Anfänger, der gerne ein einfaches, aber wirkungsvolles Modell mit einem tollen re/li Muster stricken will, der soll sich eine solche Anleitung kaufen oder herunterladen und damit einen Erfolg erzielen.

Mit dem Begriff der Kreativität wird hierzulande doch eigentlich viel zu sparsam umgegangen. Da sind uns die Amerikaner weit voraus, wo sich jeder, der einmal ein Gedicht für eine runde Geburtstagsfeier geschrieben hat, ganz selbstverständlich author nennt.

Warum dann nicht auch Designer mit eigenen Anleitungen?

Sind diese Strickkoryphäen, die unser Hobby durch viele Jahrzehnte (auch durch die große Strickflaute hindurch) betrieben haben, und allen Kindern und Enkeln "einfach so" passende Pullis in Wunschwolle und Lieblingsmuster (Eine andere Größe? Ein anderes Garn? Kein Problem!; Muster? Welches denn? Gerne!) gestrickt haben, etwa lame? Ich denke nicht.


Und jemand, der sich die Mühe macht, eine Anleitung aufzuschreiben, sie zu überprüfen und dann in die Welt hinauszuschicken, doch eigentlich auch nicht.

Mein Aufruf: ran ans Werk und Mustersammlungen gewälzt und dann gestrickt - und aufgeschrieben! - was das Zeug hält.

Mein eigener Beitrag: eine mittlerweile schalgroße (s.o.!) riesige Maschenprobe mit den "Noppen der Verzweiflung":


Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. ;-)


Montag, 27. Mai 2013

Alte Liebe...

Meine große Liebe ist Jacquard (oder neudeutsch Fair Isle). Schon immer gewesen. Diese Möglichkeiten. Diese Farbkombinationen. Diese tollen Muster. Da geht mir das Herz auf.
Große Bewunderung für Herrn Jacquard,


der diese Technik erfunden hat.

Da ist es ja ganz klar, dass ich das selber auch können möchte. Und am liebsten überhaupt nur noch in dieser Art und Weise stricken will.

Aber tja, hier kann man mal wieder sehen, was Wunsch und was Wirklichkeit ist.

Denn Jacquard ist einfach s*schwer! Das sieht alles so leicht aus, aber ehrlich, zwei Fäden jonglieren, vielleicht sogar noch mehr, ohne sich einen Finger abzubrechen? Unmöglich!

Das sage ja nicht nur ich alleine. Ich zitiere mal aus der internationalen Strickliteratur:

Debbie Stoller sagt: "Let me be honest with you: I don't especially like Fair Isle knitting. Despise it, actually. Yet quite beautiful fabric can be made with this technique." (S. 93)

Na, und warum hasst sie es wohl so? Genau, weil es so schwer ist!

Stephanie Pearl-McPhee sagt: "I wanted to be able to do two-color knitting with two hands, and since I've always carried the yarn only in my right hand, my left hand needed to be taught a lesson. I sat down to work it out, and I sat down with confidence. [...] The minute I put the yarn in my left hand the whole thing fell apart. Not just apart where you carry the yarn, either; the entire system came apart. Every knitting skill I had ever had just dissolved." (S. 42f.)

Warum fliegt hier der kultigsten Strickerin auf dem Planeten ihr Projekt um die Ohren? Genau, weil es einfach nicht möglich ist, die beiden Fäden in jeweils einer Hand zu halten und NICHT verrückt zu werden.
Woher ich das weiß? Ach, einfach geraten...

Offensichtlich bin ich also nicht alleine.

Schließlich habe ich die Methode aus meiner Strick-Bibel (jetzt OZ-Verlag) probiert, und zwar beide Fäden über den linken Zeigefinger, einmal von vorne nach hinten und einmal von hinten nach vorne. Das ist ungewöhnlich, aber es geht.
Einigermaßen.

Denn, ich stricke ja fest, bin also eine der vielen Brettstrickerinnen, wie es so schön heißt. Nicht so gut für Jacquard.

Meine ersten Versuche, zwei Babypullis (mit Regia-Farben, auf die ich jetzt lieber nicht eingehe. Aber Sockenwolle hält eben einige Kleinkindabenteuer aus):




Die Fotos sind nicht nah genug aufgenommen, aber es gibt auf jeden Fall Grund, ein bisschen puckering zu beanstanden. Nichts blöder, als wenn sich die Fäden so ineinander verziehen, dass das Muster nicht mehr richtig erkennbar ist.

Der nächste Versuch sollten Socken sein. Vor Verzweiflung noch vor der Ferse aufgetrennt.

Dritter Versuch: Socken für die Märchengruppe auf Ravelry.





Und was sagt uns das zweite Bild? Puckering - es ist zum aus der Haut fahren!

Mit dem zweiten Socken (rot auf schwarz) bin ich schon eher zufrieden, offensichtlich habe ich mich an die Grundregel des Jacquard-Strickens (nach Melissa Leapman) halten können:

"When stranding yarns, it is imperative to carry them loosely." (S. 25).

Ja ja, das klingt alles so einfach.

Letzter Versuch: Socken, bei denen der Faden nicht sehr weit transportiert werden muss.




Ersteres Foto hatte ich ja schon vor kurzem gepostet. Hier ist allerdings lediglich zu erkennen, dass das lila Garn ein wenig prominenter hervortritt. Ansonsten bin ich fast zufrieden.

Vielleicht ist das die Lösung? Keine großen Abstände, sodass man nichts einzuweben braucht?

Na, da hätte ich mir den ganzen Ärger sparen und stattdessen gleich bei der Grande Dame der Strickwelt nachlesen können:

"1. Be careful to use patterns that call for not more than five consecutive horizontal stitches of one color.
2. Avoid like the plague carrying more than two colors at once." (S. 57)

Aber bei der Fadenhaltung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Regel dominant goes down (also das Garn, das näher an der Hand gehalten wird, zeigt sich deutlicher im Gestrick) funktioniert bei mir schon mal nicht (siehe Eintrag vom 23. April).

Außerdem will ich wirklich versuchen, diese verflixte Fadenhaltung zu lernen, bei der jede Hand einen Faden führt.
Noch geht es mir dabei wie der YarnHarlot (s.o.), aber das MUSS doch möglich sein!

Die Vorteile liegen auf der Hand: kein Verwechseln, kein Ineinanderwickeln der Fäden mehr. Außerdem sieht es cool aus! Wer kann das schon?

Ich leider noch nicht! Aber Elizabeth Zimmermann (auf S. 58) gibt mir Hoffnung:

"It is not nearly as difficult as it sounds." (Hoffentlich!!!) und
"It is always wonderful to acquire a new skill anyway." (Eben!)

Bis es soweit ist, bewundere ich all die kunstfertigen Jacquardstricker aus der Ferne und blättere mit vielen Seufzern in all den herrlichen Büchern, die es zu diesem Thema gibt.

Hauptsache, man hat noch Ziele im (Stricker)leben...




Dienstag, 30. April 2013

Was ich gefunden habe

Ich hab was gefunden! Eine total coole Seite über das Lesen. Sie heißt die lesende minderheit und bietet zweimonatlich einen RAL (read-along) an.
Dabei sind die vorgegebenen Themen sehr witzig. März/April war beispielsweise "ein Buch mit grünem Cover" zu lesen. Im letzten Jahr war für den gleichen Zeitraum etwas für/aus Indien zu lesen und vorletztes Jahr etwas zum Thema Kochen.

Na, da mach ich doch gleich mit, dachte ich mir. Denn was habe ich erst kürzlich fertig gelesen? Ein Buch mit grünem Cover! Wenn das kein Zufall ist.

Es heißt



und ist das dritte Buch einer Reihe von insgesamt fünf Bänden. Diese Bücher gehen in die Richtung YA-fiction, also Romane für Jugendliche bzw. junge Erwachsene, wobei ich mir gut vorstellen kann, dass vor allem Jungs diese Bücher schon früher lesen könnten.

Anthony Horowitz ist dieser Lesergruppe nämlich vor allem durch seine Alex Rider-Romane bekannt, einem irrsinnig cleveren, jungen (14) Spion des MI6.

In diesen Romanen geht es nun um ein anderes Thema, nämlich den uralten Kampf des Guten gegen das Böse. Das Böse sind die so genannten 'Alten', die von fünf jugendlichen 'Torhütern' aus der Welt verbannt wurden.

Der erste Roman (Todeskreis) handelt davon, dass die 'Alten' wieder zurück auf die Erde wollen, und zwar durch ein Tor - daher der Name der Reihe.

Im Laufe der Reihe kommen also zum einen die 'Alten' wieder auf die Erde, aber auch die fünf Torhüter werden nach und nach identifiziert. Das ist das eigentlich Spannende, denn es geht um fünf Jugendliche in denkbar unterschiedlichen Ländern und Lebensumständen. Man bereist also sozusagen die halbe Welt mit diesen Romanen: von England nach Peru, in die USA und nach Hongkong.

Die Ereignisse der Romane werden dabei mit Denkmälern oder anderen Besonderheiten der Länder verknüpft. So spielen z.B. die Nazca-Linien in Peru, ein bislang ungelöstes Weltwunder, eine Rolle.

Hinzu kommt eine Handlung, bei der eine spannende Szene die nächste jagt. Man ahnt immer schon einiges, aber ist dann doch immer überrascht, welchen weiteren Dreh Horowitz gefunden hat.

In dem Buch mit dem grünen Cover also, geht es um zwei Brüder in den USA, die beide 'Torhüter' sind, sich dessen aber noch nicht bewusst sind. Alle diese Jugendlichen haben eine besondere Begabung oder Gabe, die Zwillinge Scott und Jamie Tyler können Gedanken lesen (und kontrollieren). Im Laufe des Romans sind die 'Alten' ihnen auf der Spur, die beiden lernen ihre Bestimmung kennen, sie werden getrennt, der eine wird beinahe vernichtet und der andere wächst über sich hinaus.

Gleichzeitig erfährt man darin auch etwas über die ursprüngliche Geschichte dieses Kampfes Gut-Böse, der dem Ganzen zugrunde liegt. Da geht es um einen Kampf vor 10 000 Jahren, der auch an die Schlachten im Herrn der Ringe erinnert.

All das ist verbunden mit spannenden Kampfszenen, z.B. mit Zombies, die es durchaus mit handelsüblichen Horrorgeschichten aufnehmen können.

So etwas lese ich ja nun eigentlich nicht gerne. Aber diese Bücher sind sehr spannend. Sprachlich gut geschrieben, die Charaktere wachsen einem im Laufe der Zeit ans Herz.

Das ist ein Buch, das sich von alleine liest. Für das letzte Buch der Reihe, das ich gestern fertig gelesen habe



hab ich nur zwei Tage gebraucht. Ein page turner im wahrsten Sinne des Wortes.

Das fünfte Buch der Reihe ist bisher noch nicht auf Deutsch erschienen, denn es kam erst letzten Herbst in England auf den Markt:


 Bisher hab ich mir diese Bücher aus verschiedenen Bibliotheken zusammen geliehen, und das werde ich auch bei diesem letzten versuchen, denn meine Stadtbibliothek bietet etwas Geniales an:

Für 0,70 € kann man einen Wunsch für ein Buch oder ein anderes Medium, das man gerne hätte, abgeben und bekommt es dann nach dem Kauf als erster. Man bestellt also quasi den Neukauf für sich vor, und das für weniger als einen Euro. Cool, oder?

Antworten auf eine schwierige Frage

Diese schwierige Frage ist natürlich wieder vom Wollschaf.


Die verstrickte Dienstagsfrage 18/2013

30APR
Ich habe mal wieder eine verstrickte Frage, bei der ihr mir vielleicht helfen könnt. Ich habe nun schon ein paar Socken gestrickt und merke, dass sie sich bei mir, wenn ich sie als Hausschuhe trage, schnell an der Sohle abnutzen und dort Löcher entstehen. Stopfen kann ich nicht so gut, die nächsten Socken sollen daher an der Sohle verstärkt werden. Am liebsten würde ich die Sohle einfach mit doppeltem Faden stricken. Da die Verstärkung aber nur an der Sohle sein soll, liegt der zweite Faden ja dann aber bei in Runden gestrickte Socken auf der falschen Seite. Das scheint also keine Option zu sein. Habt ihr Ideen wie ich die Sohle verstärken kann?
Vielen Dank an Poppy für die heutige Frage!


Als Erstes ist mir die verstärkte Ferse eingefallen. Diese Methode kann sicherlich auch für die Sockensohle verwendet werden. Also:
1. Reihe:  einmal wie zum Linksstricken abheben (Faden bleibt hinten) und einmal rechts stricken
2. Reihe: alle Maschen rechts stricken
3. Reihe: einmal rechts stricken, einmal wie zum Linksstricken abheben (Faden bleibt hinten). -> das ist die 1. Reihe, aber versetzt!
4. Reihe: alle Maschen rechts stricken.
Die 1.-4. R wiederholen bis man vorne bei der Spitze ist.

Das Muster hat eine Waffeloptik. Ich habe es selbst an Ferse und Käppchen schon ausprobiert, aber noch nicht über eine längere Strecke.

Sehr schön und mit Bildern wurde das bereits hier bei filo di lana beschrieben.

Meine zweite Idee war der so genannte linnen stitch,  der eine Variante des obigen Stichs ist und hier in seiner Herrlichkeit an einem Schal betrachtet werden kann.

Das ist eine Art Webstich, der so ähnlich funktioniert, nur ist diesmal das Garn bei der abgehobenen Masche vorne:

1. Reihe: 1 M re, 1 M abheben (Garn ist vorne)
2. Reihe: 1 M abheben (Garn ist vorne), 1 M re

Wie man sieht, wird hier auf die Zwischenreihen verzichtet, dadurch wird das Gestrick auch wirklich fester und sieht wie gewebt aus.

Nun muss ich aber sagen, dass ich diese Methode noch nicht selbst ausprobiert habe. Kann also zur Durchführung nichts sagen. Gelesen habe ich darüber aber, dass es sehr sehr lange dauert und dass man kaum voran kommt.

Ist ja klar, man braucht ja zwei Reihen, um jede Masche um eine Reihe weiterzubefördern.

Daher dachte ich mir, dass diese Methode vielleicht doch nicht so geeignet ist für die Sohle, weil man da ja dann sehr bald hinter den Reihen am Oberfuß herhinken würde. Das müsste man ausprobieren, aber es erscheint mir logisch.

Die nächste Idee mit der Latexmilch würde ich verwerfen. Das macht ja nun die Socken nicht wirklich hübscher, finde ich. Das sieht auf den Bildern der Firmen immer so professionell aus, artet aber wahrscheinlich doch in ein Gebatzel aus.

(Da gehe ich jetzt aber vielleicht ein wenig zu sehr von mir selbst aus. Für sowas hab ich kein Händchen.)

Also will das selbst ausprobiert sein.

Es bleibt das doppelt genommene Garn aus der Eingangsfrage. Das könnte durchaus klappen, wenn man das Garn irgendwie über den Oberfuß bekommt.
Wenn man nun nicht gerade ein Jacquardmuster strickt, bei dem man sowieso ein zweites Garn 'dabei hat', dann könnte man den doppelten Faden ja einmal alle 5-6 Maschen einweben und ihn so sicher auf die andere Seite bringen.

Dadurch wird aber der Oberfuß ein wenig fester und wenig dehnbar. Die Socken müssten so geplant werden, dass genügend Platz für den Fuß übrig bleibt. Aber das ist sicher kein großes Problem, dann nimmt man eben am Spickel weniger ab.

Schließlich aber gibt es neben all diesem dann noch die Möglichkeit, das Sockenstricken auf den Kopf zu stellen und eine völlig andere Methode für diese Hausschuh-Ersatz-Socken zu wählen.

Nämlich diese hier:




In diesem Buch wird erklärt, wie man Socken an der Stelle Oberfuß-Sohle statt in Runden in Reihen strickt.

Das Lustige ist, das Buch hatte ich mir schon aus der Bibliothek ausgeliehen und mit dem Gedanken: "So ein Schmarrn. Wer will den Socken in einzelnen Stückerln stricken?" wieder zurückgebracht.

Jetzt aber, bei dieser Frage, scheint mir genau diese Methode für das Verstärken die logischste zu sein. Dann kann man die Sohle so dick stricken wie man will. Sogar mit einer festeren Wolle.

Da sieht man's mal wieder. Alle Ideen sind schon irgendwo da, man muss sie nur finden!