Montag, 25. November 2013

Kapitel 74 - in dem alles zum Thema 'Showtime' gesagt wird

Das Wollschaf hat sich heute selbst übertroffen. Eine Frage zum kipping (= knitting in public), also dem öffentlichen Stricken:

Die verstrickte Dienstagsfrage 48/2013

Strickst oder häkelst du auch in der Öffentlichkeit (also in Cafés, Bus und Bahn, Büchereien, in der Uni, am Arbeitsplatz etc.) ? Wenn ja, welche Erfahrungen hast du damit gemacht und wie reagiert die Umwelt darauf? Wurdest du schon angesprochen und was haben sie gesagt?
Vielen Dank an Katharina für die heutige Frage!


Na klar stricke ich in der Öffentlichkeit! Und da schrecke ich vor nichts zurück. Im Bus? Kein Problem. In der S-Bahn? Na klar. Manchmal sogar im Stehen. Ein Café wäre da sogar die kleinere Übung ;-)

Vielleicht ist das ein Hauptgrund für meine Sockenbegeisterung, weil das eben Projekte sind, die man wun-der-bar mitnehmen kann in den öffentlichen Nahverkehr.

Sogar wenn ich zum Wandern mit dem Zug unterwegs bin, kann ich eine kleine Projekttasche mit einem Socken mitnehmen. Und es kann sogar sein, dass ich diese auch bei einer gemütlichen Rast auspacke.

Beim Baden auf dem Handtuch? Strickzeug dabei. Im Wartezimmer beim Arzt? Nadeln parat. Beim Friseur? Sowieso. Also wenn man überlegt, kommen doch eine ganze Menge Orte in Frage, an denen ich stricken kann.

Allein die Arbeit - die ist ein Problem. Da sind selbst die Pausen so gestaltet, dass man eigentlich nicht richtig stricken kann. Und die Kollegen sind so gestrickt (dämliches Wortspiel, aber ich konnte nicht widerstehen), dass man eigentlich nicht wirklich stricken sollte.

Man merkt schon - das ist ein 'nicht wirklich'-Problem - meinem persönlichen Unwort des Jahres übrigens. Denn was bedeutet es letzten Endes? Ich könnte stricken, wenn ich wollte, und verzichte darauf, weil stricken für mich Privatvergnügen ist, das ich ungern in einem halböffentlichen Rahmen wie dem Job ausbreite.

Ich glaube, es liegt daran, dass ich nicht in diese berühmte Liesl-Schublade gesteckt werden will und mir das Stricken so viel bedeutet, dass ich es für mich behalten will. Irgendwie.

Im Zug oder in der Tram macht mir das nichts aus, denn da bin ich ja quasi für mich - bewege mich in meiner Freizeit dort und bin keinen wie auch immer gearteten Blicken ausgesetzt.

Mit den Reaktionen ist das so eine Sache. Meistens schauen die Leute nur verstohlen und sagen nichts. Vielleicht ist das typisch für Süddeutschland - hier liegt das Quatschen einfach nicht so nahe. Da schaut man erstmal und macht sich so seine Gedanken (die man als Gegenüber manchmal beinahe 'lesen' kann). Aber bis man jemanden direkt anspricht, kann doch ein bisserl Zeit vergehen.

Allerdings hab ich auch schon nette Erfahrungen gemacht. Wollmeisen-Wolle wird fast immer kommentiert, weil sie so auffällig ist und man solches Leuchtgarn offensichtlich sonst selten sieht.
Auch die Zwei-Socken-auf-einmal-Methode wird gerne kommentiert. Wie denn das ginge? Und ob das eine neue Methode sei?

Ich glaube, es gibt eine ganze Menge an Leuten, die selbst gerne stricken, und zwar für sich und völlig ohne Internet und auch in der klaren Annahme, dass dieses Hobby etwas für abends vor dem Fernseher ist. So wie früher. Und die sind es dann, die sich äußern, wenn sie jemanden 'draußen' stricken sehen.

Manchmal würde ich mir sogar wünschen, dass mich die Leute ansprechen - ich fürchte, ich bin da etwas von einem missionarischen Eifer beseelt - aber meistens lassen sie mich in Ruhe. Und sehen nur zu.

Aber wenn sie sich dadurch angespornt fühlen, mal wieder selbst zu stricken, dann ist das doch auch was.

Meine Damen habe ich jedenfalls schon feste in diese Richtung erzogen. Wenn wir mit der S-Bahn unterwegs sind, dann sind die Strickliesel, eine Häkelnadel für eine Luftmaschenkette sowie mein Strickzeug dabei. Damit uns nicht langweilig wird ;-)

Sonntag, 24. November 2013

Kapitel 73 - in dem versucht wird, eine neue Leidenschaft zu erklären

Es ist ja nun nicht so, dass ich mich nach dem kurzen Ausflug wieder völlig von den Jacken abgewendet habe, aber: ich habe eine neue Liebe entdeckt. Völlig unerwartet und überraschend.

Begonnen hatte alles - wie in solchen Fällen üblich - eigentlich ganz harmlos. Eine Freundin auf Ravelry fing an eine Decke zu häkeln. Das ist ja alles ganz clever zu erfahren über den Friend-Activity-Klick. Übrigens auch ein toller Weg, um neue hübsche Anleitungen zu finden.

Diese Decke war eine Variante der Granny-Squares, und zwar mit einer hübschen Blume in der Mitte. Anleitung kostenlos von hier mit Foto-Tutorial und allem. Mensch, dachte ich, das wollte ich doch eigentlich immer schon mal machen.

Dann hab ich mir Kate's Decke angesehen und mich spontan zu einem CAL verabredet. (Ein Crochet-Along).

Jetzt ist es aber so, dass ich eigentlich mit der Häkelnadel nicht so viel am Hut habe. Zum einen kann ich es einfach nicht so gut und zum zweiten - eigentlich gewichtigeren Grund - gefällt mir auch das Endprodukt des Häkelns, also das Gehäkelte selbst, nicht so gut wie Gestricktes.
Gestricktes sieht einfach feiner aus. Finde ich.

Aber eine solche Blumendecke? Mmmmh, wirklich hübsch. Es sollte ja auch eine Decke fürs Töchterchen werden, so übers Bett gelegt. Na, das könnte ich mir eben auch gut vorstellen, das würde über diesen Betten, die bei mir im Doppel herumstehen, auch recht nett aussehen.

Also hab ich erstmal eine Runde buntes Acrylgarn bestellt:



Acrylgarn, und zwar dieses hier, habe ich deshalb genommen, weil ich schon einmal eine Decke aus Regia gestrickt habe - für den Zwillingskinderwagen - und die Kinder später angefangen haben, damit zu spielen. Ich weiß also sehr gut, was eine solche Decke aushalten können muss ;-)
Die Decke sah damals übrigens eher quilt-inspiriert aus, und zwar so:



Jetzt ist die Idee also, eine völlig buntgewürfelte Decke zu häkeln. "Durcheinander" ist der Plan. Ich suche mir drei Farben aus und lege einfach los:


Es dauert gar nicht lange, dann kann ich die Anleitung auswendig und kann mich richtig in die Farben stürzen. Die Kinder sind begeistert und suchen sich immer drei Farben aus, die ich dann verhäkele.
Meistens im Doppel, innere und äußere Farbe vertauscht, und bald habe ich schon eine richtige kleine Sammlung zusammen.




Dann passiert etwas Seltsames. Es gibt Kombinationen, die den Damen nicht gefallen. Vor allem hell-dunkel gemischte Fleckerl scheinen keine Zustimmung zu erhalten. Die Wahl der Damen wird immer eindeutiger: eine sucht immer kräftige Farben heraus, die andere nur Pastellfarben.

Dann probiere ich die bestellten Rand- bzw. Basisfarben an einem Beispiel aus und das Konzept "völlig buntgewürfelt" fliegt in hohem Bogen aus dem Fenster. In ihrer Entscheidungsstärke sind Kinder eben ungeschlagen.

Es bleiben übrig:


eine dunkle, kräftige Decke mit hellbraunem Rand

eine helle, babyfarbene Decke mit beigem Rand

Die Damen sind's zufrieden und ich eigentlich auch. Jetzt kann ich also in Ruhe aus drei Farben sechs mögliche Fleckerl häkeln und langsam meine neu angelegten Schuhschachteln füllen:




Allerdings habe ich die Flecken auch schon ausgelegt. Nur so als Probe, wie viele ich eigentlich würde häkeln müssen. Nur um mal zu sehen, wie das aussieht.

Tja, und da haben wir zu dritt nicht weniger als 18x12 Quadrate gezählt. Das sind - hust, hust - 216 Quadrate. Oder 36 von den kleinen Sechserpacks. Na, da bin ich ja bis auf weiteres beschäftigt.

Schade nur, dass es für die Pastellfarben so wenig Auswahl gibt. Es gibt nur fünf Farben (es fehlt auf jeden Fall apricot!), aus denen ich zehn verschiedene Versionen häkeln kann, ab dann muss ich mich wiederholen. Für die zweite Decke habe ich wenigstens neun Farben übrig, damit komme ich locker hin.

Und ungeliebt sind drei Farben, nämlich dunkelrot, dunkelblau und dunkelgrün. Hätte ich mir ja denken können. Da hilft nur, eine Decke für mich selbst zu machen ;-)



Zwischenzeitlich sind aber auch einige Maschenproben getrocknet und werden nun eifrig ausgezählt. So wie's aussieht, wird's nicht langweilig, und so soll es ja sein.
Von wegen stade Zeit ;-)



Samstag, 16. November 2013

Kapitel 72 - in dem es endlich um die Jacke gehen soll

Also, nun endlich die Jacke. Alles fertig, alles vernäht. Und es war ein wirklicher Kampf! Aber er ist zu Ende. Und es sieht so aus, als hätte ich gewonnen ;-)





Phase 1: Die Blenden fehlen noch. Also auf beiden Seiten die Blendenmaschen aufgenommen, mit zwei Nadeln, sodass ich auf jeden Fall rechts und links die identische Maschenanzahl habe.

Die Blendmaschen habe ich doppelt aufgenommen. Und zwar aus dem oberen und dem unteren Beinchen der Randmasche, sodass auf jeder Seite zwei Blenden entstanden sind, in die hinein ich dann den Reißverschluss nähen kann.

Nochmal langsam: eine Randmasche (so wie jede andere rechte Masche auch) sieht ja aus wie ein V - hat also ein rechtes und ein linkes Beinchen. Ich habe also von oben und quer 3 Maschen aus vier Reihen aufgenommen, dann dasselbe von unten (= innen) und quer, dann die andere Vorderseite.





Zwei Knäuel der Originalwolle sind noch übrig - das reicht hoffentlich für die Blenden.








Kaffee ausgetrunken und Blenden fertig gestrickt und alle Fäden vernäht. Jetzt geht es um den Reißverschluss. Von der Länge her müsste er eigentlich passen.



Zuvor habe ich mit Kontrastgarn noch einmal die obere Blende umhäkelt, damit der schwarze Reißverschluss besser dazu passt. Ich habe Krebsmaschen gewählt, aber bin nicht ganz zufrieden.

Der Kontrast zum dunkelrot ist toll, die Krebsmaschen selbst sind es weniger. Wahrscheinlich war einfach die Häkelnadel zu klein gewählt. Aber zu dem Zeitpunkt - ich gebe es ehrlich zu - war ich nur daran interessiert, endlich, endlich fertig zu werden, so dass ich mir dachte:
Das stört keinen großen Geist.
Schließlich will ich mit der Jacke ja nicht auf den Laufsteg.




Dann ging es ans Einnähen. Material wird zurechtgelegt: Garn (Originalgarn wäre zu dick gewesen, also Baumwollgarn in ähnlicher Farbe), Stecknadeln und Nähnadel. Diese langen Stecknadeln sind übrigens ein Quiltstecknadeln - sehr zu empfehlen, weil sie eben um ein gutes Stück länger und besser zu handhaben sind. Außerdem ist der Glaskopf größer.



Dann wird gesteckt: Der ganze Reißverschluss zwischen die Doppelblende gelegt und festgesteckt. Wieder einmal hatte Frau Buss Recht mit ihrem Tipp der doppelten Blende: von beiden Seiten sieht die Blende gut aus.

Genau das wollte ich unbedingt erreichen, denn als ich meinem letzten VHS-Kurs die Leiterin eine ihrer Strickjacken mit Reißverschluss gezeigt hat, die auf links - sagen wir großzügig - 'etwas improvisiert' aussah, dachte ich: nee, da muss es einen anderen Weg geben. Jetzt kann ich sagen: es gibt ihn.

Einschränkung: Meine Idee, diese Blenden mehrere Zentimeter breit zu gestalten und dadurch die Vorderteile knapper zu halten, weil ja noch die Blende drankommt, ist idiotisch.

Dadurch wird alles viel zu dick und so breit ist kein Reißverschluss. Wenigstens sieht alles auf links ganz OK aus.

Ein kurzer Test beweist, dass sich alles öffnen und schließen lässt. So soll's schließlich sein.




Es wird drauflosgenäht. Das geht für den größten Teil der Blende ganz gut. An derjenigen Stelle, an der oben und unten der Reißverschluss mit Kunststoff verstärkt ist, wird es zu einer Kraftprobe. Zum Glück hilft der Griff in die Werkzeugkiste. Mit der Zange konnte ich die Nadel noch immer herausziehen.




Fertig! Vorderseite.


Rück- oder Innenseite.


Und schließlich das Tragefoto. Zu spät am Tag und im Garten aufgenommen. Ich weiß.

Aber: Jacke passt und ist warm.



Zweites Aber:
Der Kragen ist furchtbar. Ich hab ihn von außen aufgenommen, weil er sich nach außen legen sollte. Das Resultat ist, dass er sich ständig hochstellt. So war das nicht gedacht. Aber das kann ich bei Gelegenheit noch ändern bzw. schnell festnähen. Aber noch nicht gleich.




Drittes Aber:
Ist dem lieben Herren des Hauses sofort aufgefallen. Sie sind ja alles, aber nicht gerade diplomatisch, was die eigenen kreativen Bemühungen angeht.
Jedenfalls sieht man auf den Bildern deutlich den von oben mit verkürzten Reihen eingestrickten Ärmel (das war auch der Zweck des VHS-Kurses). Fazit: Der Ärmel wird zu füllig und plustert sich ein wenig. Das Wort 'Flügerl' fiel in diesem Zusammenhang. Nicht so toll.




Dazu kommt, dass ich das Gefühl habe, die Ärmel sehen von einer Seite besser aus als von der anderen, je nachdem auf welcher Seite man welche verkürzten Reihen gearbeitet hat.

Im Bild sieht das so aus. Von vorne und von hinten gesehen: rechter Ärmel, linker Ärmel.






Besonders das zweite Bild ist alles andere als glücklich. Ich denke, Tina in Hamburg hat nicht unrecht, wenn sie sich so für eingenähte Ärmel stark macht. Die sehen einfach sauberer aus.

Aber gut. Wollen wir mal nicht so streng sein. Die Jacke ist fertig. Sie ist warm, ich liebe die Farbe und hab sie ehrlich ständig an. Für meinen ersten Versuch bin ich also total zufrieden.

Außerdem: ich hab mich getraut und bin den ersten Schritt in Richtung Jacken-Meisterschaft gegangen. Manche Fehler werde ich nicht mehr machen (dafür andere, ich weiß, aber das macht ja nix).

Die nächsten Maschenproben sind gestrickt und das nächste Projekt schon ausgesucht. Ich will diesen Pulli stricken, für den ich schon vor 100 Jahren die Wolle gekauft hab. Noch einmal ein Projekt für zu Hause und weniger für die große, weite Welt, aber noch bin ich ja auch noch eine kleine Nummer im Bekleidungsstrickgeschäft. Aber das wird schon!

Wenn mir nicht wieder was anderes dazwischenkommt...



Schwachheit, dein Name ist Stricker.




Dienstag, 5. November 2013

Kapitel 71 - in dem sich noch einmal das Wollschaf dazwischenquetscht

Also zunächst einmal: die Jacke, meine erste richtige Jacke ist fertig, fertig, fertig. Jippiiiieeeee! Ich hab sie auch schon jeden Tag an, weil mir immer zu kalt ist. Das kommt davon, wenn man mit Kachelofen aufgewachsen ist und jetzt mit einem lumpigen Heizkörper vorlieb nehmen muss.

ABER: heute ist Dienstag, und diesmal will ich mal wieder beim Wollschaf mitmachen. Die Frage ist nämlich wirklich interessant:

Die verstrickte Dienstagsfrage 45/2013


Hast Du Lieblingsdesigner? Wenn ja, welche, und was fasziniert Dich an ihren Entwürfen? Strickst Du die Designs auch nach, oder bewunderst Du sie nur aus der Ferne?
Vielen Dank an Kerstin für die heutige Frage!


Lieblingsdesigner hat wahrscheinlich jeder. Auch wenn er sich gar nicht so darüber im Klaren ist. Aber es gibt doch immer die eine oder andere Art von Kleidung, die eher gefällt und Sachen, die 'gar nicht gehen'. So geht es natürlich auch mir.

Viele tolle Designer sind in den Blogantworten schon genannt worden, z.B. Amy Herzog, von der ich unbedingt demnächst Tucci stricken will. Na gut, vielleicht nicht direkt demnächst, aber doch mittelfristig (schönes Politikerwort), wenn ich schon ein bisserl mehr Erfahrung mit Kleidungsstücken gesammelt habe. Wenn ich jetzt ehrlich zu mir bin, dann reden wir von einem Zeitraum plusminus fünf Jahre, aber das will ich ja nun gar nicht zugeben. Neinnein, das muss schon früher klappen. Sagen wir nächsten Sommer!

Zunächst beschränke ich mich hier also mal auf die Designer, über die ich mehr als einmal begeistert bei Ravelry gestoßen bin.

Da wäre zum einen eine Sockendesignerin - kein Wunder bei mir natürlich, aber das wird auch für jeden richtig verständlich, wenn man die Socken sieht: Rose Hiver. Sie designt ganz unglaubliche Jacquard-Socken, die wie kleine Kunstwerke aussehen. Ihre Water for the Elephants stehen schon lange auf meiner Liste. Das wäre ein wirklich cooles Geschenk zusammen mit dem Buch, wenn man jemanden kennt, dem das Buch gefallen würde (ich fand es ganz nett).

Auch General Hogbuffer mag ich ganz gerne, vor allem, weil es sich hierbei um sehr ungewöhnliche Socken handelt. Jeder anders, jeder irgendwie verrückt. Die bewundere ich aber noch eher aus der Ferne.

Dann bin ich erst kürzlich auf eine Designerin von Handschuhen gestoßen, die wirklich unvorstellbare Dinge damit macht. Natalia Moreva. Da weiß man überhaupt nicht, was man zuerst stricken sollte oder ob man sie überhaupt anfangen sollte, so kompliziert wie sie aussehen! Da klicke ich mich einfach auch gerne durch die fertigen Objekte, um zu sehen, wie verschiedene Farbversionen aussehen.

Bei diesen Entwürfen dachte ich mir auch, dass es einfach viel cleverer ist, daraus Handschuhe zu machen als Socken. Soll doch die ganze Welt sehen, was man mit Nadel und Garn anfertigen kann!

Schließlich möchte ich noch Cecily Glowik MacDonald erwähnen, von deren Designs ich schon den Hampton Cardigan im Auge habe, und von der ich gehört habe, dass ihre Designs an den richtigen Stellen richtig gut passen. Da schaue ich einfach gerne, was sie so macht.

Tja, und dann gibt es noch die üblichen, wunderbaren Design-Bücher, die ich hier stehen habe, nur um drin herumzublättern, allen voran Alice Starmore. Schöne Designs, schöne Menschen, schöne Landschaft, das muss man ja lieben, oder?

Montag, 28. Oktober 2013

Kapitel 70 - in dem es doch noch einmal um Socken geht

Also. Es ist ja nun nicht so, als würde ich nicht an meiner Strickjacke arbeiten. Meine erste, richtige Strickjacke. Mit Reißverschluss. Zwar vorerst nur für daheim (die Ärmel sind ein bisserl komisch, aber das zeige ich noch), aber immerhin.

Aber was passiert? Die Socken kommen mir dazwischen. Und ich weiß auch ganz genau, warum. Eine Jacke strickt sich nicht einfach so vor sich hin. Die will durchdacht, geplant, ausgebreitet werden, damit sie in Ruhe entstehen kann. Das ist aber überhaupt gar nicht möglich, wenn mich mal wieder eine Stressphase in der Arbeit eingeholt hat.

Dann nehme ich nämlich eine Menge Arbeit mit nach Hause, die dann dort erledigt werden muss. Mit ein bisschen Stricken dazwischen. Und was ist 'ein bisschen Stricken'? Na klar, Socken!

Kleines Projekt, Ablauf vertraut, schnell fertig. Da hat man also das Entspannungs-strick-Gefühl mit dem Ergebnis-erreicht-Gefühl auf wunderbare Weise verbunden. In Phasen wie diesen kommt es mir zwar in den Sinn, an meiner Jacke weiterzuarbeiten, aber ich kann gar nicht, weil ich gar nicht so viel Zeit habe, mich wieder in das Projekt hineinzudenken.

Jetzt z.B. müsste ich die Maschen für die zweite doppelte Blende aufnehmen, dazu müsste ich aber die Jacke vor mir auf dem Schreibtisch ausbreiten, der liegt aber voller Arbeitskram, den ich erst wegräumen müsste. Also doch lieber schnell zum nächsten Socken gegriffen. Ein Teufelskreis.

Schlimm überdies, dass diese neuen Socken aber auch so spannend sind. Ich hab ein Fallmaschenmuster ausprobiert, noch einmal für den Hobbit, um auf diese Weise Mirkwood - den Nacht- oder Düsterwald nachzubilden.





Für diese Socken hab ich auch eine Anleitung geschrieben. Wer mag, kann sie kostenlos hier runterladen und nachstricken. Fallmaschen machen wirklich Spaß!

Das Garn ist jedenfalls großartig. Lana Grossa Meilenweit Solo. Daraus habe ich bereits ein zweites Paar Socken gestrickt. Man kann es nicht so gut sehen, aber es ist ein Hebemaschenmuster, sodass die Socken richtig warm und kuschlig wurden.






Das Garn ist auch sehr mollig. Ich habe mir schon überlegt, daraus eine Jacke zu stricken. Eine Farbübersicht habe ich hier gefunden. Weil es Sockenwolle ist, hat ein Knäuel eine beachtliche Lauflänge - das sollte also kein Problem sein. Hmm, etwas mit Zöpfen vielleicht? Wie dann wohl der Farbverlauf aussieht?

Halt! Halt, Halt, Halt. Nicht so schnell. Erst die eine Jacke fertig, dann an eine nächste denken! Es genügt ja schon, dass hier heimlich zwischendrin Socken gestrickt werden, sozusagen als Ausflucht. Nicht auch noch andere Jacken anfangen!

Für meine Sock Knitters Anonymous Group muss ich natürlich weiterhin die monatlichen Herausforderungs-Socken stricken (Hinweise dazu hier). Nachdem diese Socken hier abgelehnt wurden, weil ich sie schon mal gestrickt hatte (ich hätte ja auch vorher die Regeln lesen können...),



habe ich also für die challenge des "Jacquard-Socken mit umgekehrten Farben" (sagt man das so?) andere gewählt, die ich natürlich rechtzeitig anschlagen musste:





Es geht voran, wenn auch mühsam, aber ich diese Socken sind immer gut für die berühmte 'Runde zwischendurch'. So herrlich, zu sehen, wie sie langsam wachsen und das Gelb ist der Hammer. Kurkuma von Kaschka Originale. Hab gerade gesehen, dass die Farbe noch nicht auf der Webseite ist, aber es ist ein wirklich sattes, dunkleres Gelb, das dem Namen alle Ehre macht und nichts mit dem Neon-Häkelmützen-Gelb zu tun hat, das man sonst so sieht. Ich verstricke es mit einem Petrol von Lana Grossa (Meilenweit Uni, Farbe 1337).

Das Muster übrigens hat sich eine meiner Damen ausgedacht. Sie hat sich Karopapier von mir geholt und drauflos gekritzelt. Dann kam sie an und meinte: "Ich hab dir ein Strickmuster gemalt!" Na, das muss man doch gleich stricken - auch wenn die Jacke dann noch ein wenig warten muss!


Samstag, 19. Oktober 2013

Kapitel 69 - in dem ich von einer Ablenkung berichten muss

Ich weiß. OK. Das hatten wir alles schon einmal. Die Anfangeritis. Das Kribbeln in den Fingern, etwas Neues zu beginnen, auch wenn eigentlich die nächsten 10 Projekte der Tapetenrolle schon feststehen und auch schon Wolle dafür gekauft worden ist.

Aber es ist halt nunmal so, dass mein Hobbit-Fieber, das vor einer Weile ausgebrochen ist, immer noch unterschwellig da ist. Ich also weiterhin für den Hobbit glühe. Zugegeben.

Und da begab es sich nun, dass ich in meinem KAL zum 13. Dezember (offizieller Kinostart von Desolation of Smaug, dem zweiten Teil des Hobbits) auf eine Anleitung zu einem Tuch gestoßen bin.

Richtig gelesen. Ein Tuch. Ich hab ja noch nie ein Tuch gestrickt. Höchstens mal einen einfachen Laceschal. Ein langes Rechteck und fertig. Aber ein Tuch? Ein riesiges Etwas, von dem man nicht weiß, was man später damit anfangen wird? Neee, lieber nicht. Jetzt ist es natürlich nicht so, dass ich nicht die Geduld und vor allem auch die Strickfertigkeiten der diversen Tücherstricker bewundern kann. Das kann ich sehr wohl und so schwelge ich also durchaus in den herrlichen Fotografien, die man so bei einer Tüchersuche finden kann.

In meinem Fall handelte es sich also um dieses Tuch bzw. diesen Schal:



His Golden Lair von Kourtney Robinson.

Im KAL wurde es sogar von mehreren Teilnehmern gestrickt: in silberfarbenem, auch in rostfarbenem Garn.
Tja, und bei jedem neuen Eintrag konnte ich mir selbst direkt dabei zusehen, wie ich immer interessierter und interessierter und interessierter wurde, bis ich mich schließlich in meinen Wollvorrat versenkte, um daraus etwas herauszufischen.

Ich fand dieses Garn:


Lang Yarns Gobi 70% Merino extrafine 30% Baby Camel

Genau vier Knäuel, vor ein paar Jahren als Geschenk bekommen, in einem schönen Dunkelrot. Schnell noch eine Maschenprobe gemacht - denn ursprünglich wollte ich ein dünneres Garn verstricken.
Als aber der 'Anschlags'-Termin immer näher kam - zusammen mit einer weiteren KAL-Teilnehmerin wollte ich mich an diese Anleitung wagen - bekam ich prompt kalte Füße:
Ich kann doch keinen Schal auf eine andere Größe rechnen!
Was, wenn er zu klein wird?
Wenn er blöd aussieht?

Also schnell eine Maschenprobe nach Angabe gemacht - passt (puh!!!) - und dann sofort angeschlagen:


Meine Maschenmarkierer (zwei werden gebraucht),
habe ich mir ganz schnell aus Kontrastgarn gebastelt.

Obwohl die Anleitung mit 10 Seiten eigentlich schön ausführlich war, habe ich das verwendete Programm für die Strickschriften nur schlecht verstanden und bin erstmal mit der ausformulierten Anleitung losgestartet. Bald hatte ich das Prinzip verstanden, und schon bald nahm das Ganze eine hübsche Form an.



Die so genannten coins - also Münzen - haben mich dabei total fasziniert, weil sie durch ein geschicktes Zusammenstricken in der Rückreihe so richtig herausgekommen sind aus dem Gestrick - sehr clever.



Bald hatte mich die Anleitung süchtig gemacht. In jeder freien Minute, morgens vor der Arbeit, abends noch schnell vor dem Einschlafen, hab ich noch eine Reihe gestrickt.
Ich konnte ja auch ganz schön die bereits gestrickten Reihen abhaken, da 'musste' man ja quasi immer versuchen, ob nicht noch eine, kurze Reihe drin ist zeitlich.



Das Hauptproblem, wie sich bald herausstellte, war weniger die Anleitung als vielmehr das Garn, das bei einer Lauflänge von 90m auf 50g insgesamt nicht sehr viel hergab. Die Anleitung fordert 347-366m, ich hatte 360m. Hoffentlich reichte das!



Mit diesem kleinen Rest sollten noch eine Reihe sowie die Abkettreihe gestrickt werden. Hilfe!
Ich hatte vorher schon versucht Garn zu sparen, durch die Methode des spit splicing, die bei mir zwar nicht so professionell durchgeführt wurde, aber doch bestens funktioniert hat. Die Maschenprobe hatte ich selbstverständlich auch sofort nach dem Auszählen wieder aufgeribbelt und gleich verstrickt. Nicht auszudenken, wenn es am Schluss daran liegen würde.

Endlich - die Abkettreihe. Garn abschneiden und durch die letzte Masche ziehen, und das blieb übrig:



Genau 2m. Was sagt man dazu? Damit hätte ich keine ganze Reihe mehr stricken können - am Schluss waren es 329 Maschen. 

Punktlandung. Manchmal ist die Strickgöttin gnädig. Oder es handelt sich ganz banal um Anfängerglück. Egal, denn ich hab meinen neuen Winterschal:



Und wer weiß? Vielleicht kriegt noch jemand einen dieses Jahr, denn die Anleitung ist wirklich toll, die würde ich durchaus noch einmal stricken.
Und der Schal, der am Ende dabei herauskommt ist doch hübsch, oder?

Jetzt aber zurück zu meiner Strickjacke. Zwei Extraknäuel für den Kragen sowie ein neuer (kürzerer) Reißverschluss sind gekauft.



Also nix wie ran!